Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Medientheorie 6
2.1 Ursprünge 6
2.2 Luhmanns Unwahrscheinlichkeitsthese 7
3. Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. 8
3.1 „Wie und warum“ eine Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien? 8
3.2 Zur Funktionsweise symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. 10
3.3 Zum Stellenwert symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien in Luhmanns
Systemtheorie 13
4. Diskussion 15
4.1 Geld als einziges „sinnvolles“ symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium?15
4.2 Geld im Handlungssystem. 20
5. Exkurs: Was versteht Luhmann eigentlich unter dem Begriff „Medium“? 21
6. Fazit 22
7. Anhang - Literatur 24
3
1. . E Ei in nl le e i it tu un ng g 1
Es erscheint geradezu paradigmatisch, dass innerhalb Niklas Luhmanns soziologischer Systemtheorie von Handlung auf Kommunikation als Letztelement sozialer Systeme umgestellt wird. Im Gegensatz zu Talcott Parsons „basic unit” mit Handlung als grundlegendem Ereignis und Letztelement des Sozialen erscheint nun Kommunikation als Grundlage und Stütze innerhalb der Luhmann’schen Theorie des Sozialen: „Sozialität ist kein besonderer Fall von Handlung, sondern Handlung wird in sozialen Systemen über Kommunikation [...] konstituiert [...]“ (Luhmann 1984, S.191). Soziale Systeme sind für Luhmann autopoietische Systeme, die in einem „rekursivgeschlossenem Prozess fortlaufend Kommunikation aus Kommunikation produzieren“ (Kneer/Nasehi 1997, S. 80) und demnach erscheinen soziale Systeme als Kommunikationssysteme, als Systeme mit der Letzteinheit des Elementes Kommunikation. Auf-grund des vo n Maturana und Varela formulierten Autopoiesis-Konzepts (vgl. Kneer/Nasehi 1997, S. 65) existieren soziale Systeme nur und „reproduzieren sich dadurch, dass sie fortlaufend Kommunikationen an Kommunikationen anschließen“ (ebd.) - quasi führt die autopoietische Selbsterhaltung zur Selbsterzeugung von Anschlusskommunikation. Wie aber kann Anschlusskommunikation gewährleistet werden? - „Fragt man genauer nach, stößt man auf eine Mehrzahl von Problemen, eine Mehrzahl von Hindernissen, die die Kommunikation überwinden muss, damit sie überhaupt zustande kommen kann“ (Luhmann 1984, S. 217). Luhmann nennt drei Probleme, die die Kommunikation unwahrscheinlich machen (vgl. Luhmann 1984, S.217 ff.): Verstehen, Erreichen und Erfolg. Luhmann zufolge ist die Kommunikation also von Unwahrscheinlichkeiten des Fortbestehens geprägt, die es zu überwinden gilt. Um den Fortbestand zu gewährleisten, muss „Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches [...] transformier[t] [werden]“ (Luhmann 1984, S. 220). Luhmann sieht in „evolutionären Errungenschaften“ (ebd.), die er „Medien“ (ebd.) nennt, die Lösung des Problems - diese Medien vermögen eine Kontinuitätsförderung (gar eine Sicherung des Fortbestehens) der Kommunikation. Er unterscheidet hierzu in Medium Sprache, Verbreitungsmedien und symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. Letztgenannte nehmen sogar einen immensen Stellenwert in Luhmanns Theoriearchitektur ein, hat er gar ganze eigenständige Schriften über die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien (zum Beispiel Liebe, Macht, Kunst) verfasst. Jedoch hat Luhmanns Medientheorie - im Speziellen „seine“ symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien - auch Diskussionen
4
ausgelöst und es finden sich einige Ansatzpunkte, Luhmanns Medienkonzept kritisch zu begutachten.
Es erscheint demnach im Folgenden angebracht Luhmanns Unwahrscheinlichkeitsthese der Kommunikation etwas genauer zu beleuchten und somit auf die drei Medien der Kommunikation kurz einzugehen. Ein kurzer allgemeiner Überblick bezüglich Medientheorien soll dazu beitragen, den Stellenwert solcher innerhalb der Soziologie zu verdeutlichen. Da die sogenannten symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien bei Luhmann einen recht deutlichen Beitrag zur Kommunikationsförderung leisten, soll dann versucht werden, die Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien darzustellen und im Speziellen Luhmanns Zweck und Abgrenzung zu anderen Konzepten zu veranschaulichen. Als interessant erweist sich weiterhin wie diese symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien eigentlich funktionieren. Es soll dazu die Funktionsweise und damit das Zustandekommen solcher Medien nach Luhmann klargemacht werden. Aufgrund Luhmanns Ausführungen erscheint es ebenso als unerlässlich einen Blick auf den Stellenwert der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien in Luhmanns Systemtheorie zu werfen, in der das Konzept der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien seine Verwendung findet. Doch ansetzend an diesem Punkt drängen sich kritische Anmerkungen bezüglich einer allgemeinen Gültigkeit auf - vor allem das, was Luhmann alles zu symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien erklärt. Demnach sollen mögliche Ansätze zur Überprüfung des Luhmann’schen Konzeptes symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien vorgeschlagen und ansatzweise ausgeführt werden.
Als kleiner exkursiver Einschub zum Medienbegriff an sich wird kurz Luhmanns Auffassung und Verständnis - was man unter „Medium“ eigentlich versteht - dahingehend reproduziert, dass sich so vielleicht besser verstehen lässt, wie Luhmann dazu kommt so vieles zum symbolisch generalisierten Kommunikationsmedium „zu erheben“. Diese Arbeit soll also Luhmanns Medienkonzept der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien erläutern und kritisch begutachten.
Aufgrund der hohen Komp lexität der Systemtheorie Luhmanns war es schwierig diese Arbeit homogen zu erstellen. Viele Grundlagen und Annahmen bedingen sich gegenseitig und lassen sich nur durch tiefgreifendere Lektüre sinnvoll nachvollziehen und erklären, das heißt, das Verständnis des einen Sachverhaltes setzt das Bekanntsein und Verstehen eines anderen voraus etc.. Es wurde demnach versucht, die Ausführungen nicht allzu weit ausschweifen zu lassen, um möglichst linear und verständlich vorzugehen.
5
2. . M Me e d di ie e n nt th he eo or ri ie e 2
2. .1 1 U Ur rs s p pr rü ün ng ge e 2
Medien sind in der Systemtheorie nicht nur „Medien“ wie es Buch, Radio und TV im Alltagsverständnis sind. Luhmann unterscheidet in seiner Systemtheorie zwischen dem Medium der Sprache, den Verbreitungsmedien (Buchdruck, technische Verbreitungsmedien: Radio, Fernsehen etc.) und den sogenannten symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien. Die Einführung der symbolisch generalisierten Kommunikations medien als Konzept innerhalb Luhmanns Systemtheorie findet seinen Ursprung in Talcott Parsons Einführung des AGIL-Schemas als Grundlage einer Theorie der systemischen Differenzierung, in der Parsons Mechanismen findet, welche die Einheit des Differenzierten garantieren, eben Geld, Macht, Einfluss und Wertbindung (vgl. hierzu Künzler 1986). Jene symbolisch generalisie rten Kommunikationsmedien bilden „eine Klasse von sozialen Mechanismen, die die Interaktion von Menschen in der Gesellschaft steuern“ (Jensen in Parsons 1980, S. 7). Innerhalb der Soziologie findet die sogenannte Medientheorie ihre Beachtung durch „Versuc he der Aufzählung und Sortierung von solchen Medien“ (Esser 2000, S. 283) - im Speziellen den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien. Luhmann hat mit seinem Programmaufsatz „Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien“ versucht, Parsons Konzept weiterzuentwickeln (vgl. Luhmann 1974). In „Soziale Systeme: Grundriss einer allgemeinen Theorie“ (Luhmann 1984) bettet Luhmann sein medientheoretisches Konzept in sein systemtheoretisches Programm ein. Luhmann m öchte die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien in einen „kommunikationstheoretischen Rahmen“ (Luhmann 1984, S.222, Anmerkung 47) überführt wissen und will weg vom Parsons´schen Medienkonzept, da es sich bei Parsons um ein „Tauschverhältnis zwischen (analytischen) Subsystemen des allgemeinen Handlungssystems“ (ebd.) handelt.
6
2. .2 2 L Lu uh hm ma a n nn ns s U Un nw wa a h hr rs s c ch he e i i n nl li i c ch hk ke e i it ts s t t h he e s se e 2
Wie bereits in der Einleitung grundlegend angesprochen, geht Luhmann in seiner Theorie von einem die Elemente des Sozialen produzierenden Kommunikationsprozess aus (vgl. hierzu auch im Folgenden Luhmann 1984, S. 217 ff.), wobei er auf funktionsspezifische Einrichtungen der Gesellschaft rückgreift, die die Kommunikation hinsichtlich ihrer Erwartungen erfolgreicher und wahrscheinlicher machen.
Luhmann stellt mit seiner Unwahrscheinlichkeitsthese drei Unwahrscheinlichkeiten der Kommunikation heraus. Um die Unwahrscheinlichkeiten der Kommunikation zu beheben, bildete die Gesellschaft evolutionäre Errungenschaften aus, die vornehmlich als „Medien“ bezeichnet werden:
„Diejenigen evolutionären Errungenschaften, die an jenen Bruchstellen der Kommunikation ansetzen und funktionsgenau dazu dienen, Unwahrscheinliches in Wahrscheinliches transformieren, wollen wir Medien nennen“ (Luhmann 1984, S. 220).
Somit entstehen Sicherheitseinrichtungen, welche in der Form von Medien eine Komplexitätsreduktion der Kommunikation und eine selektierte Anschlussmöglichkeit gewährleisten. Luhmann geht von drei Unwahrscheinlichkeiten (entsprechend seinem dreistufigen Selektionsmodell der Kommunikation) der Kommunikation aus: Erstens von der Unwahrscheinlichkeit des Verstehens, zweitens von der Unwahrscheinlichkeit des Erreichens der Adressaten und drittens von der Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs. Die Reduzierung dieser Unwahrscheinlichkeiten erfolgt nach Luhmann über drei Medien:
a) Erstens die Sprache, welche es vermag „das Verstehen der Kommunikation wahrscheinlich zu machen. Sprache ermöglicht, den Bereich des Wahrnehmbaren zu überschreiten und mit Hilfe von symbolischen Generalisierungen in der Form von Zeichen über etwas zu kommunizieren [...]“ (Baraldi 1997, S. 180). Dabei gewährleistet die Arbitrarität der Zeichen (Laut und Sinn) die notwendige Differenz für Kommunikation von Information und Mitteilung, um zu verstehen (vgl. ebd. ff.).
b) Zweitens die Verbreitungsmedien (Schrift, Druck, und Funk), welche den gesellschaftlichen Anschluss sichern, welcher durch Abwesenheit von Akteuren entfallen könnte, das heißt von nun an entfällt die notwendige Bedingung der eine r unmittelbaren
7
Arbeit zitieren:
M.A. Andreas Reichard, 2002, Zu Niklas Luhmanns Konzept symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Emotionen als symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Realität der Massenmedien als Soziales System nach Niklas Luhmann
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Seminararbeit, 23 Seiten
"Liebe ist..." Liebeskonzeptionen in Mittelalter und Neuzeit...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Max Webers Analyse der Bürokratie - ein Überblick
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Der Begriff der Evolution bei Emile Durkheim und Niklas Luhmann
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 21 Seiten
Ludwig Wittgenstein und der Sinn des Lebens. Eine Untersuchung der Si...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Geschlechtsspezifische Überlebensstrategien im stalinistischen Gulag
Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche
Seminararbeit, 43 Seiten
Medien und Politik - Zur Formung und Bedeutung der Öffentlichen Meinun...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Niklas Luhmanns Behandlung des Problems der Unwahrscheinlichkeit der K...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 20 Seiten
Glossar zu den Bereichen Semiotik und Semantik
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit, 11 Seiten
Deliberative- und radikaldemokratische Sprachspiele
Chantal Mouffes Kritik am Disk...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 29 Seiten
Der Code des Systems der Massenmedien bei Niklas Luhmann
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 18 Seiten
Luhmanns Theorie sozialer Systeme vs. Foucaults systematische Reflexio...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Theorie der Macht bei Niklas Luhmann
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 23 Seiten
Leere Zeichen, wirkliche Welt? Eine Untersuchung der leeren Zeichen vo...
Medien / Kommunikation - Fachkommunikation, Sprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Welche Formen des Konfliktes sowie des Friedens differenziert Georg Si...
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 10 Seiten
Andreas Reichard's Text Zu Niklas Luhmanns Konzept symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andreas Reichard hat den Text Zu Niklas Luhmanns Konzept symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien veröffentlicht
Andreas Reichard hat einen neuen Text hochgeladen
Observing International Relations: Niklas Luhmann and World Politics
Mathias Albert, Lena Hilkermeier
Autopoietic Organization Theory: Drawing on Niklas Luhmann's Social Sy...
Tore Bakken, Tor Hernes
Backsteingiebel und Systemtheorie. Niklas Luhmann - Wissenschaftler au...
NEXUS, Lüneburg
Lilli Nitsche, Johanna Lutteroth, Andreas J. Meyer
0 Kommentare