Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Stand der Forschung 6
3. Das Kästchen in Goethes Werk Faust’ 6
3.1 Faust und Gretchen - Eine Tragödie 6
3.2 Zur Funktion des Kästchens innerhalb der Gretchentragödie 8
4. Zum Kästchen. 9
4.1 Das Kästchen als „richtungsweisendes“ Motiv. 9
4.2 „Cista mystica“ 12
4.3 „Kästchenerlebnisse“ in Goethes Leben 13
4.4 Das Kästchen mit pädagogischer Funktion? 15
5. Fazit 17
6. Anhang - Literatur 18
3
1. . E Ei in nl le e i it tu un ng g 1
Johann Wolfgang von Goethes Werk ‚Faust, erster und zweiter Teil’ stellt sicherlich eines der bedeutendsten Werke der deutschen Literaturgeschichte dar. Neben den eigentlichen zwei Hauptwerken ‚Faust I’, erschienen 1808, und ‚Faust II’, erschienen nach 1832, existieren noch zwei weitere Versionen: ‚Faust. Ein Fragment’ von 1790 und der erst 1887 entdeckte ‚Urfaust’. 1 Bei ‚Faust. Ein Fragment’ und bei Goethes ‚Urfaust’ handelt es sich um frühe Fassungen des ersten Teils. 2 ‚Faust I’ ist demnach die endgültige Fassung. Augenscheinlichstes unterscheidendes Merkmal des ‚Urfaust’, des ‚Fragment’ und des ‚Faust I’ sind die Anzahl der Szenen und Verse, ebenso inhaltliche Unterschiede - zum Beispiel existiert im Urfaust kein ‚Prolog’ und somit auch nicht der Wettvorgang zwischen Gott und dem Teufel.
Jedoch soll das Augenmerk dieser Arbeit nicht auf die unterschiedlichen Faust-Fassungen gerichtet werden, sondern ein spezieller inhaltlicher Aspekt der Faust-Handlung, der allen Faust-Fassungen zu eigen ist, untersucht werden. Der Faust-Stoff ist in allen Fassungen ähnlich, nur mehr oder weniger ausführlich und ausgestaltet. Fausts Liebeserlebnis mit Gretchen, welches sein tragisches Ende nimmt - Gretchen als Kindsmörderin und zur Hinrichtung bestimmt - stellt eine der wichtigsten Handlungen im ‚Faust’ dar. 3 Ein kleines, aber wichtiges Detail bezüglich der Gretchenhandlung - auch Gretchentragödie genannt - ist das Kästchen, welches Mephisto Gretchen zuspielt, um ihre Gunst für Faust zu gewinnen.
Die folgende Arbeit soll demnach die Bedeutung des Kästchens innerhalb der Faustdichtung aufzeigen.
Anhand einer genaueren Betrachtung des Verhältnisses zwischen Faust und Gretchen soll die Verwendung des Kästchens im Handlungsablauf verdeutlicht werden. Ebenso stellt sich die Frage ob das Kästchen als Motiv unerlässlich für den Handlungsverlauf - und gar richtungsweisend für das Ende - ist. In diesem Zusammenhang erscheint es dann als sinnvoll, allgemeine Bedeutungen und Verwendungen des Kästchens zu untersuchen:
1 Jahreszahlen nach Harenberg 1995.
2 Beim Urfaust handelt es sich offenbar um eine Mitschrift einer Faust-Vorlesung Goethes von 1774 durch das Hoffräulein von Göchhausen, welche erst 1887 entdeckt wurde (vgl. Frenzel et al. 1995, S. 258 f.).
3 Im Folgenden beziehen sich alle Ausführungen auf Goethes ‚Faust I’. Auf inhaltliche Unterschiede im Vergleich zum ‚Fragment’ und zum ‚Urfaust’ wird weiterhin nicht eingegangen - die Gretchenhandlung ist in allen Fassungen tragendes und bedeutsames Element.
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In diesem Zusammenhang soll ein kleiner Blick in die Welt der Antike mehr Aufschluss über das Kästchenmotiv verschaffen - nämlich auf die „Cista mystica“, das geheimnisvolle Kästchen.
Über einen kleinen Einblick in Goethes Jugend-Erlebnis mit einem schwarzen geheimnisvollen Kästchen soll auch der Bogen zur Verwendung des Kästchenmotivs in seinen Werken - im Speziellen natürlich im ‚Faust’ - gespannt werden und somit dessen Bedeutung in seinen dichterischen Werken ansatzweise geklärt werden. Am Ende der Arbeit sollte es gelungen sein, das Motiv des Kästchens und seine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Fauststoff dargelegt, und darüber hinaus ein möglichst allgemeines Bild des Kästchenmotivs erhalten zu haben.
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2. . S St ta an nd d d de e r r F Fo or rs s c c h hu un ng g 2
Erstaunlicherweise erweist sich der Bestand an aktueller Forschungsliteratur im Bereich der Faustforschung - das Kästchen betreffend - als äußerst unergiebig. Selbst innerhalb aktueller literaturwissenschaftlicher Motivforschung taucht das Motiv des Kästchens nicht auf. 4 Dem Motiv des Kästchens widmen sich vornehmlich ältere Schriften - jedoch ausschließlich losgelöst vom Fauststoff. Literatur mit dem Themenschwerpunkt des Kästchenmotivs findet sich meist nur in Bezug auf Goethes ‚Wanderjahre’. Hierbei scheint das Motiv des Kästchens eine bedeutsame Rolle zu spielen.
Ein Beitrag zum Motiv des Kästchens in literarischen Werken findet sich bei Sigmund Freud. 5 Jedoch erwähnt auch Freud das Kästchen nicht im Zusammenhang mit Goethes Faust. Aufgrund der Tatsache, dass sich im Bereich der Faustforschung mit Schwerpunkt Kästchenmotiv keine Literatur finden lässt, sollen im Verlauf der Arbeit Erkenntnisse aus Beiträgen zum Kästchen in Goethes ‚Wanderjahren’ auf den Fauststoff angewendet und somit Erkenntnisse für das Kästchenmotiv im ‚Faust’ erschlossen werden.
3. . D Da as s K Kä äs s t tc c h he e n n i in n G Go oe e t th he e s s W We e r rk k ‚ ‚F Fa au us s t t’ ’ 3
3. .1 1 F Fa a u us s t t u un nd d G G r re e t tc c h he e n n - - E Ei i n ne e T Tr ra ag gö ö d di ie e 3
Zunächst soll an dieser Stelle das Verhältnis zwischen Faust und Gretchen 6 dargelegt werden, um die Begebenheiten und das Vorkommen des Kästchens im ‚Faust’ aufzuzeigen. Faust begegnet Gretchen zum ersten mal auf der Strasse im Vorbeigehen. Er zeigt sich in ihrer Gegenwart sehr galant - „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, mein Arm und Geleit ihr anzutragen?“ 7 - jedoch tut er im gleichen Moment recht ungezügelt kund, dass er das Mädchen haben muss: Um ganz sicher zu gehen, dass er Gretchen bekommt, fordert er
4 Vergleiche hierzu die Ausgaben der letzten 25 Jahre der deutschen Bibliographie: Germanistik. Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinwe isen. Hrsg. von T. Ahldén u.a.. Tübingen: Niemeyer.
5 Freud, Sigmund: Das Motiv der Kästchenwahl. 1913.
6 ‚Gretchen’ als Abkürzung von ‚Margarete’
7 Goethe: Faust I, Zeile 2605 f.. Im weiteren Verlauf der Arbeit beziehen sich alle Zeilen- und Inhaltsangaben auf Goethes ‚Faust , erster Teil’, herausgegeben von Erich Trunz 1986.
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Arbeit zitieren:
M.A. Andreas Reichard, 2002, Zum Kästchen in Goethes Faust, München, GRIN Verlag GmbH
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