a) Der Autor und das Buch
Ludwig Dehio wurde am 25. August 1888 in Königsberg geboren und entstammt dem akademischen Bildungsbürgertum. Sein Vater war der bekannte Kunsthistoriker Georg Dehio. Mütterlicherseits war er der Enkel des Altphilologen Ludwig Friedländer, dessen altertumswissenschaftliche Schriften noch immer den Forschungskanon mitbestimmen. Seine Jugend verbrachte Dehio in Straßburg, wo sein Vater Geschichte und Kunstgeschichte lehrte. Im Jahre 1906 bestand Dehio sein Abitur, begann mit dem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Nationalökonomie und promovierte 1914 mit einer Dissertation über “Innozenz IV. und England”. Schon vor dem ersten Weltkrieg fand Dehio Anschluß an die Berliner Historikerschule (einer deren Vertreter war Friedrich Meinecke, dem Dehio vorliegendes Werkes widmete). Im ersten Weltkrieg zog Dehio als Reserveoffizier des königlich Sächsischen Infanterie-Regiments 105 wie Millionen anderer junger Männer ins Feld. In der Debatte um die Kriegsziele fand er seinen Standpunkt schließlich in der den Siegfrieden propagierenden Vaterlandspartei des Großadmirals Tirpitz.
Nach Ende des 1. Weltkrieges finden wir Dehio am Preußischen Geheimen Staatsarchiv in Berlin wieder. Er fühlte sich fortan hingezogen “zu den individuellen Zeugnissen der handelnden, strebenden und leidenden Menschen” 2 . Angetrieben von einem durch den Weltkrieg “gesteigerten Gefühl der allgemeinem Bedrohung” 3 und in dem Willen “den Zeugen einer untergehenden Gesellschaft noch viel eingehender Aufmerksamkeit zu schenken” 4 .
Am 15. August 1946 wurde Dehio Direktor des Marburger Staatsarchives und war in dieser Stadt auch als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte tätig. Auf publizistischer Ebene wurde Dehio von der ihn niemals verlassenden Furcht vor der Expansionsgier der totalitären Sowjetunion getrieben. Er wurde zum politischen Protagonisten deutscher Westbindung und zum Befürworter des amerikanischen Patronats und zum Anhänger der NATO. Zeitlebens vertrat er die Auffassung, daß die westliche Welt gegen die tödliche Herausforderung des östlichen Kommunismus zu kämpfen bereit sein mußte. Dehio starb am 24. November 1963.
2 Klaus Hildebrand, In: Dehio, Ludwig: *OHLFKJHZLFKWRGHU+HJHPRQLH%HWUDFKWXQJHQEHUHLQ
*UXQGSUREOHPGHUQHXHUHQ6WDDWHQJHVFKLFKWHhg. vonKlaus Hildebrand, Zürich 1996, S. 393.
3 Ebd.
4 Ebd.
2
Arbeit zitieren:
Jana Lippmann, 1998, Rezension des Buches: Gleichgewicht oder Hegemonie von Daniel Dehio, München, GRIN Verlag GmbH
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