2
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 3
2) Die gesellschaftskritische Erziehungsthematik und das Aufgreifen drängender gesellschaftlicher
Problem in Jakob Michael Reinhold Lenzens Drama „Der Hofmeister oder Vorteile der
Privaterziehung “ 4
2.1) Die Formulierung neuer dramentheoretischer Vorstellungen in den „Anmerkungen übers
Theater “ und ihre Umsetzung im Drama „Der Hofmeister“ 4
2.2) Die Bedeutung der zwei sozialen Gruppen im Stück: Der Adel und das Bürgertum
7
2.3) Läuffer als die zentrale Figur des Stücks: Läuffers soziale Rolle im Drama „ Der
Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“ 9
2.4) Die Erziehungsthematik und die kritische Sicht auf die Hofmeisterexistenz im Stück
14
3) Schlußwort 17
3
1) Einleitung
Jakob Michael Reinhold Lenz gilt heutzutage als einer der entscheidenen Begründer des sozialen Dramas und als einer der wichtigsten Vertreter des Sturm und Drangs. Diese Anerkennung wird dem Autor aber erst seit einigen Jahrzehnten zuteil, nachdem seine Werke lange Zeit in Vergessenheit geraten waren und ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Lenzens erstes Drama „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“ ist in erster Linie, genau wie sein zweites Drama „Die Soldaten“, ein gesellschaftskritisches Werk. Die Personen des Stücks sind nicht allein verantwortlich für ihr Unglück, sondern sie sind vor allen Dingen Opfer der gesellschaftlichen Mißstände. Der Schwerpunkt der folgenden Analyse wird auf der Untersuchung der gesellschaftskritischen Erziehungsthematik im Stück liegen. Hierbei soll zunächst auf die Form des Dramas und Lenzens neue Dramentheorie eingehen werden, die er in seinen „Anmerkungen übers Theater“ formuliert und schließlich erstmals im Drama „ Der Hofmeister“ umgesetzt hat. Es soll verdeutlicht werden, welche Rolle die Dramenform für das Gesamtverständnis des Dramas „ Der Hofmeister“ spielt, und wie sie mit dem Inhalt des Stücks im Zusammenhang steht. Beim darauf folgenden Unterpunkt werde ich mich mit der Bedeutung der zwei sozialen Gruppen, dem Adel und dem Bürgertum, im Stück beschäftigen, um den Kontrast, der zwischen dem Adel und d em Bürgertum besteht, herauszuarbeiten. Es soll aufgezeigt werden, auf welche Weise Lenz die beiden Stände beschreibt, und wie er sie in seinem Stück „Der Hofmeister“ auftreten läßt, um seine Thesen zu verdeutlichen. Im weiteren werde ich die zentrale Figur des Stücks, den Hofmeister Läuffer, untersuchen. Die Analyse Läuffers ist insofern n otwendig, da er die zentrale These des Stücks verkörpert, nämlich die gesellschaftskritische Erziehungsthematik. Die Analyse der Erziehungsthematik schließt also die Untersuchung des Charakters und der Handlungsweise Läuffers mit ein. Im Anschluß werde ich mich mit der Erziehungsthematik im Stück und mit der im Stück beschriebenen Hofmeisterexistenz auseinandersetzen. Wenn die beiden zuletzt genannten Unterpunkte teilweise ineinander übergehen, ist dies durchaus beabsichtigt, da sie in direkten Zusammenhang stehen. Im Schlußwort werde ich noch mal eine kurze Zusammenfassung über die wichtigsten Ergebnisse der Analyse geben und so ein Fazit ziehen. Außerdem werde ich einen kurzen Überblick über die zeitgenössische Rezeptionsgeschichte geben. Es ist von Interesse, zum Schluß zu erfahren, wie die Zeitgenossen von Jakob Michael Reinhold Lenz zu seinem Stück standen, und wie es von ihnen aufgenommen wurde.
4
2) Die gesellschaftskritische Erziehungsthematik und das Aufgreifen drängender Probleme in Jakob Michael Reinhold Lenzens Drama „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“.
2.1) Die Formulierung neuer dramentheoretischer Vorstellungen in den „Anmerkungen übers Theater“ und ihre Umsetzung im Drama „Der Hofmeister“
Das europäische Drama steht bis zum 18. Jahrhundert völlig unter dem Einfluß der aristotelischen Dramentheorie. Erst im 18. Jahrhundert entsteht eine anti-aristotelische, anti-klassizistische Form des Dramas. Jakob Michael Reinhold Lenz ist ein Vertreter dieser neuen Dramenform, die heute als offene Dramenform bezeichnet wird. Die moderne Literaturwissenschaft faßt das aristotelische, klassische Drama unter dem Begriff der geschlossenen Form, die gegenläufigen Tendenzen unter dem Begriff der offenen Form zusammen. Lenz spricht sich in seiner programmatischen Schrift „Anmerkungen übers Theater“ entschieden gegen das aristotelische Drama aus. Lenz wollte das Drama der Moderne von allen Formzwängen und auferlegten, seit Jahrtausenden bestehenden, Traditionen befreien. Der Autor spricht sich in den „Anmerkungen übers Theater“ gegen das Einhalten der drei Einheiten im Drama aus und schafft durch den Begriff der Tragikkomödie eine neue Definition von Tragödie und Komödie. Lenz sieht die Figuren des Stücks als selbständige, für sich selbst verantwortliche, Charaktere an, die ihr Handeln selbst bestimmen. Diese Theorie steht im Gegensatz zur klassischen, traditionellen Dramentheorie, wo das Handeln der Menschen durch die Götter vorbestimmt ist. Das durch die Götter vorgegebene Schicksal bestimmte also das Handeln der Personen. „Damit wendet sich Lenz deutlich von den Mustern der antiken Tragödie ab, in denen die Menschen ausnahmslos als dem Schicksal Unterworfene dargestellt werden.“ 1 Für Lenz ist der Mensch und der Charakter Hauptbestandteil der Tragödie und nicht die Handlung wie bei Aristoteles. Der Hauptgedanke der Komödie ist nach Aussage des Autors allerdings eine Sache und nicht eine Person. „Die Hauptempfindung in der Komödie ist immer die Begebenheit, die Hauptempfindung in der Tragödie ist die Person, die Schöpfer ihrer Begebenheiten.“ 2 Lenz dreht
1 Luserke, Matthias: J.M.R. Lenz: Der Hofmeister- Der neue Menoza- Die Soldaten/Matthias Luserke.-München,
1993, S. 26 (Künftig zitiert als Luserke 1993).
2 Lenz, Jakob Michael Reinhold: „ Anmerkungen über das Theater“ aus: „Sturm und Drang. Kritische Schriften“,
Heidelberg 1972, S. 119 (künftig zitiert als Lenz 1972).
5
also das Tragödien-Komödien-Konzept der Antike ins genaue Gegenteil um. Außerdem führt er durch den Begriff der Tragikkomödie einen neuen Gattungsbegriff ein. Die Tragikkomödie stellt die Beziehung zwischen Mensch und Situation dar, in der das Tragische und das Komische miteinander verflochten sind. Die bestehende Situation im Stück bildet die komische Komponente, die Person, die ihre Situation selbst verschuldet, bildet die tragisch - komische Komponente. Ein Grund, um eine neue Definition von Tragödie und Komödie im Gattungsbegriff der Tragikkomödie zu schaffen, ist wohl auch das Wegfallen der Ständeklausel im modernen Drama. Beim aristotelischen Drama war die Tragödie ausschließlich der oberen Schicht vorbehalten. Die Komödie hingegen war für das einfache Volk bestimmt. Für J. M. R. Lenz gelten diese Regeln nicht mehr. Er sieht die Komödie oder Tragikkomödie als einen Spiegel der Gesellschaft an, der für jeden zugänglich ist und auch sein muß. Dem Autor geht es darum, in seinen Dramen ein Abbild der Gesellschaft zu schaffen, und nicht eine phantastische, idealistische Vorstellung einer Gesellschaft. „Die Komödie, deren ‚Hauptempfindung [....] immer [....] die Begebenheit? ist, dient dazu, dem Publikum einen Spiegel aktueller gesellschaftlicher Mißstände entgegenzuhalten und wird durch ihren direkten Bezug zum Gesellschaftsstand zu einem Mittel der Gesellschaftskritik.“ 3 Somit ist es für Lenz auch wichtig, daß die Personen, die in seinen Stücken vorkommen, denen des wirklichen Lebens ähneln. Das Ideal des tragischen Helden, wie es Aristoteles noch vorschwebte, ist für Lenz also nicht mehr relevant: „[.....] nach meiner Empfindung schätz ich den charakteristischen, selbst den Karikaturmaler zehnmal höher als den idealischen , hyperbolisch gesprochen, denn es gehört zehnmahl mehr dazu, eine Figur mit eben der Genauigkeit und Wahrheit darzustellen, mit der das Genie sie erkennt, als zehn Jahre an einem Ideal der Schönheit zu zirkeln, das endlich doch nur in dem Hirn des Künstlers, der es hervorgebracht, ein solches ist.“ 4 Im W eiteren spricht sich Lenz in den „Anmerkungen übers Theater“ gegen das Einhalten der Einheit der Handlung, der Zeit und des Ortes aus. Die drei Einheiten spielen in Lenzens Dramen keine Rolle mehr, da sie ihm nicht mehr zeitgemäß scheinen und für den freischaffenden Künstler nur einschränkend wirken. „Was heißen die drei Einheiten? Hundert Einheiten will ich euch angeben, die alle immer doch die eine bleiben. Einheit der Sprache, Einheit der Religion, Einheit der Sitten - ja was wird’s denn nun?“ 5
3 Werner, Franz: Soziale Unfreiheit und ‘bürgerliche Intelligenz’ im 18. Jahrhundert: der organisierte Gesichtspunkt
in J.M.R. Lenzens Drama „Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung“. Frankfurt/Main 1981, S. 59 ( künftig
zitiert als Werner 1981)
4 Lenz 1972, S. 728
5 Lenz 1972, S. 730
Arbeit zitieren:
Daniel Krohne, 2000, Die gesellschaftskritische Erziehungsthematik und das Aufgreifen drängender gesellschaftlicher Probleme in Jakob Michael Reinhold Lenzens "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
J.M.R. Lenz' Hofmeister ein gesellschaftskritisches Drama?
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 14 Seiten
Der Bruderzwist im Drama des Sturm und Drang - Johann Anton Leisewitz&...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Kindsmordproblematik und die Strafrechtsreform im 18. Jhd. im Kont...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Über J. M. R. Lenz' "Der Hofmeister" - Komödie, Tragikom...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 16 Seiten
Die soziale Zusammensetzung der Leipziger Studenten und ihr Verhältnis...
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Motive für den Kindsmord in Wagners "Die Kindermörderin"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Das Rundschreiben Kaiser Friedrichs II. (1194-1250) vom 18.März 1229
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 24 Seiten
Fähigkeitsorientierung als empirisch-analytische Betrachtungsweise von...
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Die Figurencharakterisierung des Hofmeisters Läuffer in J.M.R. Lenz &q...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
"Wer Nietzsche glaubt, ist verloren". Thomas Manns Nietzsche...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 13 Seiten
The Representation of Race in Harriet Beecher Stowe's novel Uncle ...
Seminararbeit, 13 Seiten
Berlin in der Neuen Sachlichkeit
Berlin Alexanderplatz und Fabi...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit, 24 Seiten
Das Motiv der Augen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Die Aschkenasen - Juden in Europa
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit, 24 Seiten
Mit Tapferkeit in den Untergang - Affektverhalten und Bewertung der Ha...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Kindermörderin von Heinrich Leopold Wagner - Figurenrede als Hinwe...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Thomas Manns Buddenbrooks - Der Verfallsprozess
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 12 Seiten
Das Frauenbild in Harriet Jacobs Autobiographie Incidents in the life ...
Seminararbeit, 14 Seiten
Aufstieg, Wandel und Niedergang des mittelalterlichen "Weltmarkte...
Darstellung, Analyse und Inter...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' - Das Augenmotiv in der Erzä...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 23 Seiten
Daniel Krohne's Text Die gesellschaftskritische Erziehungsthematik und das Aufgreifen drängender gesellschaftlicher Probleme in Jakob Michael Reinhold Lenzens "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Daniel Krohne hat den Text Die gesellschaftskritische Erziehungsthematik und das Aufgreifen drängender gesellschaftlicher Probleme in Jakob Michael Reinhold Lenzens "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung" veröffentlicht
Daniel Krohne hat einen neuen Text hochgeladen
Der Hofmeister oder Vorurteile der Privaterziehung. Erläuterungen und ...
Jakob Michael Reinhold Lenz, Friedrich Voit
0 Kommentare