Inhaltsverzeichnis:
Einleitung S. 2
1 Die Entstehung des Konzepts der Postmoderne in der Kunst S. 3
1.1 Begriffsgeschichte S. 3
1.2 Philosophische Beiträge zur Postmodernität S. 4
1.2.1 Jean-François Lyotard S. 4
1.2.2 Leslie A. Fiedler S. 5
1.3 Merkmale postmoderner Kunst S. 5
2 Theoretiker und Praktiker postmoderner Architektur S. 7
2.1 Robert Venturi S. 7
2.2 Charles Jencks S. 8
2.3 Heinrich Klotz S. 9
2.4 Oswald Matthias Ungers S. 10
3 Merkmale und ästhetische Strategien postmoderner Architektur
am Beispiel ausgewählter Bauten S. 11
4 Die Postmoderne Stadt S. 13
4.1 Moderne Stadtkonzeptionen S. 13
4.2 Postmoderne Stadtkonzeptionen S. 14
Zusammenfassung S. 15
Literaturverzeichnis S. 16
1
Einleitung
In was für Zeiten leben wir eigentlich? Bei den Versuchen diese Frage zu beantworten, hört man immer wieder auch das Schlagwort von der ‚Postmoderne’. Gerade in populärwissenschaftlichen und journalistischen Publikationen erfreut sich der Begriff zunehmender Beliebtheit. Doch gibt es auch eine wissenschaftliche Definition dessen was ‚postmodern’ eigentlich sein soll? Bezeichnet man damit nur einen neuen Trend oder gar eine neue Epoche?
Anders als der Begriff der Moderne hat die Postmoderne als analytisches Instrument noch so gut wie keinen Eingang in die Sozialwissenschaften gefunden. Zwar wäre es denkbar in der Soziologie eine postmoderne Dienstleistungsgesellschaft von der modernen Industriegesellschaft abzugrenzen oder in den Geschichtswissenschaften die neue Pluralität der Weltordnung nach dem Ende des großen Systemkonflikts des 20. Jahrhunderts als postmodern zu bezeichnen, doch wäre fraglich ob das den Kern der zu beschreibenden Phänomene trifft. Anwendung gefunden hat die Idee von der ‚Postmoderne’ dagegen vor allem in Kunst und Kultur und der kulturphilosophischen Reflexion darüber. Daher versucht auch diese Hausarbeit ‚Architektur der Postmoderne’ das spezielle Thema in die etwas weiter gefasste Kulturdiskussion und den Kanon der anderen Künste einzubinden. Hierzu soll unter dem Oberpunkt 1 auf die Entstehung des Konzepts der Postmoderne in der Philosophie und der Kulturtheorie eingegangen werden. Nach einer allgemeinen Begriffsdefinition (1.1), soll vor allem auf die Beiträge zur Postmoderne-Diskussion (1.2) von Jean-François Lyotard und Leslie A. Fiedler, denen jeweils ein Unterpunkt gewidmet ist, sowie von Jacques Derrida eingegangen werden. Bevor auf die Besonderheiten postmoderner Baukunst eingegangen wird, werden unter 1.3 noch einmal die allgemeinen Merkmale postmoderner Kunst erläutert. Der zweite Oberpunkt ‚Theoretiker und Praktiker postmoderner Architektur’ möchte exemplarisch anhand einiger Personen in die Theorie postmodernen Bauens einführen, dazu wird näher auf Robert Venturi, Charles Jencks, Heinrich Klotz und Oswald Matthias Ungers eingegangen. Mehr der praktischen Seite ist der Oberpunkt 3 gewidmet, welcher die zuvor theoretisch besprochenen ästhetischen Strategien postmoderner Architektur anhand einiger Bauten veranschaulichen soll. Abgerundet werden soll diese Arbeit mit einem kurzen Vergleich moderner und postmoderner Stadtkonzeptionen (Oberpunkt 4), hier soll die gesellschaftliche Relevanz der Architektur über die bloße ästhetische Ausgestaltung eines einzelnen Gebäudes hinaus deutlich werden. Zudem zeigt sich in den Vorstellungen vom Städtebau noch einmal sehr deutlich die Unterschiedlichkeit der beiden Ansätze Moderne und Postmoderne.
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1 Die Entstehung des Konzepts der Postmoderne in der Kunst
1.1 Begriffsgeschichte
Der Ausdruck der Postmoderne avancierte in sämtlichen Künsten zum relevanten Stil- Be griff, neben der Dichtung erlangte er vor allem in Architektur und Musik Bedeutung. Als kleinsten gemeinsamen Nenner postmoderner Kunst, lässt sich die bewusste Abgrenzung von der Moderne und deren ästhetischen Verfahren ausmachen.
Ende der fünfziger Jahre tauchte das Schlagwort von der Postmoderne erstmals in der Kultur-und Kunsttheorie als ein vorerst noch negativ besetzter Begriff auf, der einen allgemeinen Erschöpfungszustand in der modernen Kunst meinte, welche nur noch zu Imitationen in der Lage sei. In den 60er Jahre wurde der Begriff Postmoderne erstmals im positiven Sinne einer „Neuen Ästhetik“ (Gombrich) und „Futuristischen Revolte“ (Fiedler) verwendet. Als Stilbegriff wurde er dann vor allem durch Jean-François Lyotard und Leslie A. Fiedler populär. Postmoderne Strömungen in der Bildenden Kunst traten ab ca. 1960 auf, die größte Bekanntheit erlangten sie aber in der Architektur. Die Benennung bereits existierender Werke als ‚postmodern’ erfolgte in der Kunst vergleichsweise spät: erst in den 70er Jahren wurde der in der Literatur zum Schlagwort gewordene Ausdruck auf alle Bereiche von Kunst und Kultur übertragen. Dabei ist äußerst umstritten, was genau (hinsichtlich Zeit, Anwendungsbereich und Inhalten) damit eigentlich gemeint ist. Die Postmoderne ist kein einheitlicher Epochenbegriff und bezeichnet vielmehr eine Einstellung oder Gedankenstruktur. ‚Post’ kommt aus dem Latein und bedeutet ‚nach’, Postmoderne meint so gesehen lediglich ‚Nach-Moderne’. Synonyme zu Postmoderne sind ‚Transavantgarde’ und ‚Spätmoderne’, wobei der letztere Begriff den starken Gegensatz zwischen Postmoderne und Moderne etwas abmildert. Als Abgrenzungskriterium kann man gelten lassen, dass die Postmoderne zwei zentrale Forderungen der Moderne beendet: zum einen deren „Selbstbegründungsanspruch“, also den Bruch mit jeglicher Tradition, und zum anderen das Ziel der „Entgrenzung der Kunst“, also der Überführung von Kunst in gesellschaftliches Leben. Besonders in der modernen Architektur machte sich diese Doktrin in der einseitigen Orientierung an Funktion und Nutzen des Bauwirtschaftsfunktionalismus der 60er Jahre bemerkbar, gegen den postmoderne Architekten erbittert angingen. Da Bauwerke für jeden öffentlich sichtbar sind, war auch die Diskussion um die Postmoderne in der Architektur besonders kontrovers und kann hier am ehesten als verbindlicher Epochenbegriff gelten. 1975 benutzte Charles Jencks den Begriff erstmals in dem Aufsatz „The Rise of postmodern Architecture“, um den Stil zeitgenössischer Bauwerke zu beschreiben. Seine Hoch-Zeit hatte der Stil- Begriff um 1980.
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Auch in der zeitgenössischen Philosophie entstand eine postmoderne Richtung, die sich strikt gegen jegliche Form der Fortschrittsgläubigkeit wandte und ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Erkenntnismodelle vertrat.
1.2 Philosophische Beiträge zur Postmodernität
1.2.1 Jean-François Lyotard
Der Begriff ‚Postmoderne’ versammelt eine Reihe von Versuchen den gegenwärtigen Kulturstand philosophisch zu erfassen und dabei die Moderne kritisch zu hinterfragen. Vor allem der französische Philosoph Jean-François Lyotard (1924-1998) machte sich, um die philosophische Reflexion über die ‚Postmoderne’ verdient. Aber auch andere Theoretiker rechnet man dem postmodernen Denken zu, wie den Philosophen Paul V irilio, der die Auflösung aller festen raumzeitlichen Kategorien im Rausch der Geschwindigkeit konstatiert. Jean-François Lyotard sieht in der zunehmenden Informationsflut und der Möglichkeit des technischen Zugriffs auf beliebiges Wissen eine Gefahr für d ie Autorität der großen sinnstiftenden Erzählungen (Ideologien, Denksysteme usw.). Sie würden am Ende des
20. Jahrhunderts durch zusammenhanglose Sinnsplitter ersetzt, wie Lyotard 1986 in dem Buch „Das postmoderne Wissen“ darlegte.
Nach Lyotard beruht der ‚moderne’ Vernunft-Optimismus auf der Illusion, man könne Welt verstehen. Die ‚Postmoderne’ dagegen berge neue spezifische Bedingungen des Wissens, (natürliche) Dinge würden durch (technische) Daten ersetzt. Die großen Utopien der Moderne, wie sie der Gedanke der Aufklärung verkörpert, erklärt er für beendet. Ein Mehr an Wissen führe nicht mehr zu einem Mehr an „Emanzipation des Menschen“ oder einem Zuwachs an Vernunft. Wahrheit könne daher auch nicht mehr als ein auf Vernunft beruhender Konsens begründet werden, vielmehr müsse eine Pluralität des Denkens akzeptiert werden. Auf die Kunst übertragen bedeutet dies, dass anders als in der Kunst der Moderne nicht immer nur eine einzige Art des künstlerischen Schaffens gültig sein kann, wie dies beispielsweise n och Theodor W. Adorno in seiner „Normativen Ästhetik“ postulierte. Die Postmoderne kennt dagegen den ästhetischen Pluralismus und legitimiert das enthistorisierende Zitieren von Formen und Materialien älterer Kunst-Epochen in neuen Kontexten. Im Gegensatz zur Moderne ist die Postmoderne radikal plural und verabschiedet sich von einem einheitlichen Stilbegriff. Dies unterstreicht das Recht auf verschiedene Wissensformen, Lebensentwürfe, Handlungsprinzipien.
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Arbeit zitieren:
Peter Neitzsch, 2004, Architektur der Postmoderne, München, GRIN Verlag GmbH
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