Inhalt
Einleitendes 1
Die Historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber,
Politik als Beruf 2
1. Frühe Entwicklung, Anfänge. 2
2. Erste Kategorien von „Berufspolitikern“ 3
3. Entwicklung des modernen Beamtentums 4
4. Die Entwicklung der leitenden Politiker 5
5. Haupttypen von Berufspolitikern 6
5.1. Kleriker 6
5.2. Humanistisch gebildete Literaten 7
5.3. Hofadel 7
5.4. „Gentry“ 7
5.5. Juristen 8
6. Parteiorganisation 8
6.1. Moderne Parteiorganisation 9
7. Entwicklung des Berufspolitikers im Prozess der aufkommenden plebiszitären
Demokratie 9
7.1. England 9
Die Stellung des Abgeordneten im historischen Wandel 11
Einleitendes
Der Beruf, der sich aus dem Studium der Politik ergeben wird, ist schwer zu
bestimmen. Bei derart vielen Möglichkeiten, ob Journalismus, Beamtentum, politischer
Beratung oder die tatsächlich aktive Laufbahn als Politiker, ist es vor allem am Anfang
eines Studiums schwer, hier eine Festlegung zu setzen. Aber nicht nur die
M öglichkeiten für Berufspolitiker, auch ihr Berufsbild und ihre Stellung innerhalb der
Gesellschaft und ihres politischen Umfeldes befindet sich im ständigen Wandel. Max
Weber beschäftigt sich in seinem Werk „Politik als Beruf“ unter anderem mit der
historischen Entwicklung des Berufsbildes eines Politikers. Hierbei ist natürlich stets
parallel auf die Entwicklung der politischen Verbände bzw. Parteien zu achten, in denen
sich der Berufspolitiker bewegt. Im Folgenden soll nun die historische Entwicklung des
Berufsbildes eines Politikers nach Max Weber, Politik als Beruf, dargestellt werden. Im
Seite 1 von 13
Anschluss wird ein weiteres Werk hinzugezogen, dass sich mit ähnlichen Fragen auseinandersetzt.
Die Historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber,
Politik als Beruf
1. Frühe Entwicklung, Anfänge...
Max Webers Ausführungen zu der Entwicklung von politischen Verbänden und in diesen Verbänden politisch tätigen Personen beginnen bei dem Modell, das er
„’ständisch’ gegliederten Verband“ 1 (PB, S.11) nennt. Er versteht hierunter „einen politischen Verband, bei dem die sachlichen Verwaltungsmittel ganz oder teilweise in der Eigenmacht des abhängigen Verwaltungsstabes sich befinden“ (PB, S.11). Ein sich im Lehenverband befindender Vasall ist somit nicht nur sein eigener Finanzier im Hinblick auf Verwaltung, Rechtspflege und Kriegsvorbereitung bzw. -Führung. Durch die Tatsache, dass seine Untervasallen die gleichen Aufgaben zu erfüllen hatten, war die Machtstellung des Vasallen nur solang gefestigt, wie er sich auf die Treue im Bund verlassen konnte. Außerdem band seine Unterversallen lediglich, „dass der Lehnsbesitz und die soziale Ehre des Vasallen ihre „Legitimität“ vom Herrn ableiteten.“ (PB, S.11). Diesem Herrschen des Herren in „einer eigenständigen Aristokratie“, mit der er die Herrschaft teilt (vlg. PB, S.12), stellt Weber die alleinige, eigenständige Herrschaft eines Herren gegenüber. Hierunter werden von ihm „alle Formen patriarchaler, und patrimonialer Herrschaft, sultanistischer Despotie und bureaukratischer Staatsordnung“ (PB, S.12) gefasst. Es wird betont, dass diese bureaukratische Staatsordnung, die auf dieses Modell zutrifft, gerade für den modernen Staat charakteristisch ist. Die Haltung von Sklaven, Dienstleuten, persönlichen Günstlingen und entlehnten Pfründner von einem Herren hat ihm, als Form sehr früher politischer Bindung, dazu verholfen, eine allein von ihm abhängiges verwaltendes System zu schaffen. Durch die „materiell
1 Max Weber: Politik als Beruf. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 1992. Zitiert wie folgt: (PB, S. ...)
Seite 2 von 13
gänzlich an ihn gekettet[en]“ (PB, S.12) Untertanen, entbehrt dieses Verhältnis jeglicher Verpflichtungen für den Herrn.
Die Parallele, die Weber zum bürokratischen Staat zieht, ist ein Hinweis darauf, dass sich seiner Meinung nach in der Ordnung der Machtverhältnisse zwischen politisch beteiligten Größen nicht wesentlich etwas verändert hat. Zwar ändert sich nach außen hin die Art des Systems - vom Lehensystem bzw. der Alleinherrschaft zum modernen Staat - die Verteilung von Machtverhältnissen bleibt jedoch problematisch und unausgewogen.
2. Erste Kategorien von „Berufspolitikern“
Die ersten politisch tätigen Personen, die Weber in Politik als Beruf „Berufspolitiker“ nennt, waren solche, „die nicht selbst Herren sein wollten, wie die charismatischen Führer, sondern in den Dienst von politischen Herren traten“ (PB, S.14). In diesem Fall in den Dienst von Fürsten. „Sie stellten sich in diesem Kampfe den Fürsten zur Verfügung und machten aus der Besorgung von dessen Politik einen materiellen Lebenserwerb einerseits, einen ideellen Lebensinhalt andererseits“ (PB, S.14). Diese dem Fürsten unterstellten Politiker widmeten sich ausschließlich dem Dienst ihrer Herren und lebten auch materiell davon. Solche hauptberuflichen Politiker waren allerdings auch bei denjenigen politischen Verbänden tätig, die sich „unter völliger Beseitigung oder weitgehender Beschränkung der Fürstenmacht“ (PB, S.16) „freie“ Gemeinwesen nannten. Frei hier im Sinne von Fehlen der Fürstenmacht als ausschließliche Autorität. Entstanden sind diese Gemeinwesen aus der Idee der „Stadt als politischer Verband“ (PB, S.16).
Um sich über die Typologie von Berufspolitikern in diesem Zeitstadium klar werden zu können, geht Weber zunächst von einer grundsätzlichen Unterscheidung aus: „Es gibt zwei Arten, aus der Politik seinen Beruf zu machen. Entweder: man lebt „für“ die Politik - oder aber: „von“ der Politik (PB, S. 16). Auf den Punkt gebracht gelangt Weber zu dem Schluss, dass die Kategorie, die „für“ die Politik lebt, sich Politik zum Lebensinhalt macht, wohlgemerkt ohne materiell auf eine Vergütung aus diesem Beruf angewiesen zu sein. Versteht sich, dass Politiker, die „von“ der Politik leben, mit ihrem Beruf Geld verdienen müssen. Lässt man zunächst letztere Kategorie beiseite und betrachtet diejenigen Politiker, die sich aus ideellen, machtpolitischen oder sonstigen
Seite 3 von 13
Gründen zum Leben „für“ die Politik entschieden haben, stößt man auf praktische Grenzen bei der Ausübung. Manch Unternehmer, Landwirt oder Arzt wird allein aus Zeitgründen nicht in der Lage sein, sich voll und ganz der Politik zu verschreiben. So ergibt sich logisch, warum Advokaten „als Berufspolitiker eine ungleich größere, oft eine geradezu beherrschende Rolle gespielt“ (PB, S.18) haben. Ausgeschlossen ist somit allerdings nicht, dass hier die politische Aktivität nicht zusätzlich für die privaten ökonomischen Interessen genutzt wurde. Auf Seite der lediglich „von“ der Politik lebenden Berufspolitiker treten reine Pfündner einerseits, besoldete Beamte andererseits hervor. Heute seien „es Ämter aller Art in Parteien, Zeitungen, Genossenschaften, Krankenkassen, Gemeinden und Staaten, welche von Parteiführern für treue Dienste vergeben werden“ (PB, S.20). Eine besonders große Rolle innerhalb einer Partei spiele also, und es ist wohl nicht zu weit gegriffen, dies nicht nur auf Max Webers’, sondern auch auf unsere heutige Zeit zu übertragen, die Ämterpatronage. Denn alle Parteikämpfe seinen eben nicht nur um sachliche Ziele, sondern vor allem um die letztere (vgl. PB, S.20).
Zusammengefasst kann Politik also entweder ehrenamtlich von „’unabhängigen’, das heißt vermögenden Leuten, Rentner vor allem“ betrieben werden, „oder aber ihre Führung wird Vermögenslosen zugänglich gemacht, und dann muß sie entgolten werden.“ (PB, S.19)
3. Entwicklung des modernen Beamtentums
Oben beschriebener Entwicklung stellt Weber die des modernen Beamtentums gegenüber. Es bilde sich
„zu einer spezialistisch, durch langjährige Vorbildung fachgeschulten, hochqualifizierten geistigen Arbeiterschaft“ aus, „mit einer im Interesse der Integrität hochentwickelten ständischen Ehre, ohne welche die Gefahr furchtbarer Korruption und gemeinen Banausentums als Schicksal über uns schweben“ würde. „Auch die rein technische Leistung des Staatsapparates“ wäre bedroht, „dessen Bedeutung für die Wirtschaft, zumal mit zunehmender Sozialisierung, stetig gestiegen ist und weiter steigen wird“ (PB, S.21).
Seite 4 von 13
Arbeit zitieren:
Annette Sandner, 2004, Die historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber "Politik als Beruf", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Parteien, Politiker und Ethik des politischen Handelns
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 14 Seiten
Diskursanalyse als Methode Politikwissenschaftliche Anwendungspotentia...
Hausarbeit, 23 Seiten
Max Weber und sein Bürokratiemodell
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 27 Seiten
Die Bundesrepublik Deutschland: Eine legale, traditionelle oder charis...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Personalisierung als Facette der Modernisierung? Die TV-Duelle im Bund...
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Seminararbeit, 25 Seiten
Die UN-Friedensmissionen - Fallbeispiele in Afrika
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Diplomarbeit, 115 Seiten
Die Sprache der Politik der Gegenwart - Definition, Funktionen und Bes...
Bachelorarbeit, 24 Seiten
John Rawls: Der Vorrang des Rechten und die Ideen des Guten im Vergl...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 18 Seiten
Leistungen und Defizite politischer Parteien zwischen Verfassungsnorme...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Sozialkonstruktivismus als Theorie der Internationalen Beziehungen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Geschäftsprozessvergleich in SAP und Navision
Informatik - Wirtschaftsinformatik
Hausarbeit, 71 Seiten
Max Weber und Robert Michels: Ethik, Moral und der Berufspolitiker
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 26 Seiten
Michael Walzer und John Rawls als Vertreter des Kommunitarismus bzw. d...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
(Ohn)Macht - Wenn Politiker in den Sog der Macht geraten
Hausarbeit, 22 Seiten
Max Weber vs Richard von Weizsäcker: Politik als Beruf
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Annette Sandner hat den Text Die historische Entwicklung des Berufspolitikers nach Max Weber "Politik als Beruf" veröffentlicht
Annette Sandner hat einen neuen Text hochgeladen
Max Webers vollständige Schriften zu akademischen und politischen Beru...
Herausgegeben und mit einer Ei...
John Dreijmanis
Grundlagen der Politischen Ökonomie II. Ökonomische Theorie der Politi...
Peter Bernholz, Friedrich Breyer
Politische Psychologie und politische Bildung
Gerd Meyer zum 65. Geburtstag
Rolf Frankenberger, Siegfried Frech, Daniela Grimm
Das politische Lied in Politik- und Musikunterricht
Unter besonderer Berücksichtig...
Eva-Maria Schauenberg
politik.wirtschaft.gesellschaft. Politische Willensbildungsprozesse
Ingo Langhans, Stefan Prochnow
Berufspolitik, Berufsaufsicht und berufliche Fortbildung
Die berufständischen Organisat...
Joachim Brüser
0 Kommentare