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Thomas Manns 'Der Tod in Venedig' und 'Die Betrogene' - Motivgleiche Erzählungen?

Title: Thomas Manns 'Der Tod in Venedig' und 'Die Betrogene' - Motivgleiche Erzählungen?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Tina Hanke (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Ein alternder Schriftsteller, der sich in einen jungen Knaben verliebt, auf der einen Seite, eine wechseljahrsgeplagte Naturliebhaberin, die sich in einen jungen Amerikaner verliebt, auf der anderen Seite. Die Erkenntnis, dass zum Wesen der Kunst nicht nur der Geist, sondern auch das Sinnliche gehört, als Pendant zur Erkenntnis, dass zum Wesen der Natur nicht nur das Schöne, sondern auch der Verfall gehört. Auf der einen Seite der Tod durch Cholera, auf der anderen Seite der Tod durch Gebärmutterkrebs: Kaum etwas liegt auf den ersten Blick wohl näher, als in den Novellen Der Tod in Venedig (1912) und Die Betrogene (1953) von Thomas Mann motivgleiche Erzählungen zu erkennen, auch wenn ihr Verfasser sich stets gegen Vergleiche dieser Art gewehrt hat. So schreibt Mann zu Die Betrogene: Es sind törichte Vergleiche damit angestellt worden. Mit dem „Tod in Venedig“ hat es gar nichts zu tun, weder nach seinem Gewicht, noch nach seiner Thematik. Es hat mit ihm nur gemein, daß es eben auch von mir ist, und zwar unverkennbar von mir. Gewisse Parallelen zwischen der wohl bekanntesten Erzählung von Manns Frühwerk und seiner letzten Novelle sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. So bricht in beiden Erzählungen die Liebe rauschhaft-dionysisch in das bürgerliche Leben ein und führt zu einem Verhalten der beiden Hauptfiguren, das im großen Maße von der gesellschaftlichen Norm abweicht.

So verläuft das Leben des Schriftstellers Aschenbach in Der Tod in Venedig zunächst in sehr geregelten Bahnen. Nichts irritiert ihn in seinem immer gleichen Tagesablauf und seinem Glauben an die Macht des Geistes. Mit seiner fleißigen Arbeitsweise des „Durchhaltens“ wird er von der Gesellschaft hoch anerkannt, ja mit 50 Jahren sogar geadelt. Im Grunde weiß Aschenbach jedoch, dass es seinem Werk an Lebendigkeit mangelt respektive dass wahre Kunst nur unter Beteiligung des Sinnlichen entstehen kann. Als er dann eines Tages am Münchener Nordfriedhof einen etwas wild und exotisch aussehenden Wanderer trifft, brechen Aschenbachs unterdrückte Gefühle und Sehnsüchte hemmungslos hervor. Er entschließt sich zu einer Reise nach Venedig, wo er dem wunderschönen Knaben Tadzio verfällt. Mit dieser Liebe isoliert sich Aschenbach von der Gesellschaft. Nicht nur, dass der vierzehnjährige Tadzio vom Alter her sein Enkel sein könnte. Auch das homoerotische Moment ist von der Gesellschaft tabuisiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eros und Thanatos

2.1. Wagners Liebestod

2.2. Tadzio und Ken als Todesboten

2.3. Mythologische Symbolik

2.4. Tod von Aschenbach und Rosalie

3. Geist und Leben

3.1. Apollinisches und Dionysisches bei Nietzsche

3.2. Aschenbach und Rosalie/Anna als Vertreter des Dualismus‘

3.3. Farbsymbolik

3.4. Tod des Künstlers

4. Schlussbetrachtungen

5. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht motivgleiche Parallelen in Thomas Manns Novellen „Der Tod in Venedig“ und „Die Betrogene“, um aufzuzeigen, wie der Autor die Dualismen „Eros und Thanatos“ sowie „Geist und Leben“ in unterschiedlichen Schaffensphasen verhandelt. Dabei wird insbesondere analysiert, ob sich in der Darstellung dieser Gegensätze eine innere Wandlung des Autors hinsichtlich der Künstlerproblematik widerspiegelt.

  • Die Analyse des Dualismus von Liebe und Tod (Eros und Thanatos).
  • Die Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Geist und Leben (Apollinisches und Dionysisches).
  • Der Vergleich von Symbolik und Todesdarstellungen in beiden Werken.
  • Die Reflexion über Thomas Manns Wandlung in der Behandlung der Künstlerproblematik.

Auszug aus dem Buch

2.2. Tadzio und Ken als Todesboten

Tadzio und Ken, beide Objekte der Begierde, sind geradezu idealtypische Vertreter des Dualimus‘ von Eros und Thanatos. Beide versprechen jedoch keine romantische Erlösung im Wagnerschen Sinne, sondern zeugen vielmehr von Verfall und Untergang.

So ist Tadzio nicht nur „vollkommen schön“ und erinnert an „griechische Bildwerke aus edelster Zeit“ (S. 26), sondern trägt auch Zeichen von Tod und Verfall. Die Haut des jungen Knaben ist meist totenblass, die Augen scheinen immer dunkler zu werden. Die Zähne sind „nicht recht erfreulich“ und „ohne den Schmelz der Gesundheit“. Überhaupt wirkt der Junge sehr kränklich, so dass Aschenbach mutmaßt: „Er wird wahrscheinlich nicht alt werden“(S.34). Auch erinnert Tadzios Körperhaltung während des Musizierens der Straßenkünstler stark an mythologische Todesdarstellungen: „Er stand dort im weißen Gürtelanzug, den er zuweilen zur Hauptmahlzeit anlegte, in unvermeidlicher und anerschaffener Grazie, den linken Unterarm auf der Brüstung, die Füße gekreuzt, die rechte Hand in der tragenden Hüfte“ (S.54).

Darüber hinaus steht die Erosfigur des jungen Tadzio auch immer in enger Verbindung zum Meer, das die Entgrenzung des Individuellen ins Universale und die Auflösung des Seins im Tod symbolisiert. Thomas Mann selbst beschreibt in seinem Essay Süßer Schlaf von 1909 – wie später auch in seinem Festvortrag Lübeck als geistige Lebensform (1926) und bereits in den Buddenbrooks – das Meer als Raum der Entgrenzung und bekennt die in seinem eigenen Wesen angelegte bedrohliche Affinität zum Meer.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwiefern Thomas Manns Novellen „Der Tod in Venedig“ und „Die Betrogene“ trotz des zeitlichen Abstands motivgleiche Züge aufweisen.

2. Eros und Thanatos: Das Kapitel untersucht die Verbindung von Liebe und Tod in beiden Werken, geprägt durch Wagners Einfluss und die mythologische Symbolik der Erosfiguren.

2.1. Wagners Liebestod: Hier wird der Einfluss von Richard Wagners romantischer Todesverklärung auf Thomas Manns dualistische Darstellung von Liebe und Tod analysiert.

2.2. Tadzio und Ken als Todesboten: Dieses Unterkapitel zeigt auf, wie die Objekte der Begierde in beiden Novellen als Boten des Todes fungieren und mit Verfall assoziiert werden.

2.3. Mythologische Symbolik: Der Fokus liegt hier auf den mythologischen Todesboten und morbid-symbolischen Schauplätzen, die die Erzählungen durchziehen.

2.4. Tod von Aschenbach und Rosalie: Dieses Kapitel vergleicht das Sterben der beiden Protagonisten und ihre jeweils unterschiedliche Einstellung zum Leben und zur Natur.

3. Geist und Leben: Die Analyse konzentriert sich auf den Nietzsche-inspirierten Dualismus von Apollinischem und Dionysischem als zentrales Spannungsfeld.

3.1. Apollinisches und Dionysisches bei Nietzsche: Eine Erläuterung der Begriffe nach Nietzsches „Geburt der Tragödie“ als theoretische Basis für die Untersuchung der Charaktere.

3.2. Aschenbach und Rosalie/Anna als Vertreter des Dualismus‘: Hier wird der Konflikt zwischen Geist und Triebwelt anhand der Figurenkonstellationen konkretisiert.

3.3. Farbsymbolik: Dieses Kapitel beleuchtet den Einsatz der Farben Weiß und Rot als Chiffren für den Komplex von Geist und Leben.

3.4. Tod des Künstlers: Es wird die Künstlerproblematik im Widerstreit zwischen Ratio und Emotion sowie die Entwicklung von der Tragik Aschenbachs hin zu einer produktiveren Sichtweise reflektiert.

4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt eine innere Wandlung Thomas Manns hinsichtlich der Lösung des Künstlerproblems.

5. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Die Betrogene, Eros, Thanatos, Geist, Leben, Apollinisches, Dionysisches, Künstlerproblematik, Symbolik, Literaturvergleich, Todesboten, Novelle, Friedrich Nietzsche

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die inhaltlichen Parallelen zwischen Thomas Manns frühen Novelle „Der Tod in Venedig“ und seiner letzten Novelle „Die Betrogene“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der Dualismus von Liebe und Tod (Eros und Thanatos) sowie das Spannungsfeld zwischen Geist und Leben (Apollinisches und Dionysisches).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll analysiert werden, ob die Ähnlichkeiten in der Motivwahl auf eine innere Wandlung des Autors im Umgang mit der Künstlerproblematik hinweisen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse auf Basis von Textstellen, wobei auch theoretische Konzepte wie jene von Nietzsche oder Wagner einbezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Todesboten, die mythologische Symbolik, die Farbsymbolik und die inneren Konflikte der Hauptfiguren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Eros, Thanatos, Geist, Leben, Apollinisches, Dionysisches, Künstlerproblematik und die beiden untersuchten Novellentitel.

Wie unterscheidet sich der Tod der beiden Protagonisten Aschenbach und Rosalie?

Während Aschenbach als Künstler scheitert und sich in den Tod flüchtet, erfährt Rosalie eine Milderung und eine Versöhnung mit der Natur sowie dem Tod.

Inwieweit deutet die Autorin eine Wandlung im Werk von Thomas Mann an?

Die Analyse legt nahe, dass Mann in seinem Spätwerk eine produktive Verbindung zwischen Geist und Leben für möglich hält, was einen Gegensatz zur frühen, eher tragischen Weltsicht darstellt.

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Details

Title
Thomas Manns 'Der Tod in Venedig' und 'Die Betrogene' - Motivgleiche Erzählungen?
College
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Course
Hauptseminar: Das Spätwerk Thomas Manns 1939-1955
Grade
1,7
Author
Tina Hanke (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V34201
ISBN (eBook)
9783638344975
Language
German
Tags
Thomas Manns Venedig Betrogene Motivgleiche Erzählungen Hauptseminar Spätwerk Thomas Manns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tina Hanke (Author), 2003, Thomas Manns 'Der Tod in Venedig' und 'Die Betrogene' - Motivgleiche Erzählungen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34201
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