1.Themenanalyse
Im Unternehmen - einer mittelgroßen Genossenschaftsbank XY - wurde über die letzten Jahre das Kundensegment „junge Kunden“ vernachlässigt. Um nicht in Zukunft einer überalterten Kundenstruktur gegenüberzustehen, hat sich die Geschäftsleitung zusammen mit der Marketingabteilung dazu entschlossen, das Augenmerk ab sofort auch verstärkt auf Jugendliche zu lenken. Neben der Vermarktung von Produkten für Kinder und Jugendliche sollen vermehrt Veranstaltungen stattfinden, die das Image in diesem Bereich verbessern. Die Bank XY hat sich im Rahmen dieser Überlegungen dazu entschlossen, die eigenen Auszubildenden, die in ihrem Alter etwa dem der genannten Zielgruppe entsprechen, mit in diesen Prozess einzubinden.
Aus der Marketingabteilung ist vorgegeben, dass demnächst Schulklassen aus dem Geschäftsgebiet für einen Tag in die Bank eingeladen werden sollen. Die Programmausgestaltung und die Betreuung soll in den Händen der jungen Bankauszubildenden liegen: Was kann man den Gästen zeigen/präsentieren/ vortragen/mitgeben? Wie kann man bei den Schulklassen Interesse an der Bank wecken? Aufgabe für einen Jahrgang der Auszubildenden soll es sein, ein Projekt zu entwerfen, das Interesse für die Bank weckt und Jugendliche in Zukunft an das Unternehmen bindet. Von der Planung bis zur Ausführung betreuen die Auszubildenden das Projekt.
Falls sich das Projekt als erfolgreich erweist, wird es zu einer regelmäßigen Aufgabe der Auszubildenden in der Bank.
Thematisch lässt sich das Projekt in den Ausbildungsrahmenplan für Bankkaufleute sowohl in §3 Nr.1.1 „Steuerung, Rechtsform und Organisation“ als auch in §3 Nr.2 „Markt- und Kundenorientierung“ einordnen.
2.Bedeutung des Themas für den Betrieb, die Ausbildung und den
Gesamtlernprozess
Für den Betrieb kann die Einbindung der Auszubildenden eine große Unterstützung sein, da diese ähnlich wie die Zielgruppe denken oder handeln und so wichtige Erkenntnisse in das Projekt einbringen können. Dieses Gefühl sollte den Azubis unbedingt auch vermittelt werden! („..Sie unterstützen unsere Bank ... wir haben Sie bewusst für diese Aufgabe ausgewählt...“) Ihnen wird weitgehend freie Hand gelassen; allerdings müssen sie das Projekt zur Bewilligung durch den Vorstand vortragen und Bericht erstatten.
Die Gruppe Auszubildender bekommt eine Aufgabe gestellt, die eine zukunftsweisende Bedeutung hat. Die Azubis werden in den Gestaltungsprozess der Bank mit eingebunden und können kreativ und selbstständig eine Aufgabe planen und verwirklichen. Auf diese Weise lernen sie nicht nur das Arbeiten im Team, sondern auch das Tragen von Verantwortung innerhalb eines Unternehmens. Das Vertrauen, das die Bank in ihren Nachwuchs hat, bringt Motivation, Freude an der Arbeit und Selbstvertrauen nicht nur für die Ausbildung und anschließende Prüfungssituationen. Die Jugendlichen entwickeln sich persönlich weiter, haben das Gefühl ernstgenommen zu werden und trotz mangelnder Berufserfahrung zum Erfolg des Unternehmens beitragen zu können. Sie identifizieren sich mit dem Projekt und der Bank und scheuen sich auch später nicht vor schwierigen Aufgaben.
3.Adressatenanalyse: Wer soll unterwiesen werden?
Der Auszubildendenjahrgang besteht aus fünf Jugendlichen im 2. Lehrjahr zum Ausbildungsberuf des Finanzassistenten (Ausbildungsdauer: 2,5 Jahre).
Die drei weiblichen und zwei männlichen Jugendlichen verstehen sich nach aussen hin recht gut, allerdings grenzen sich die zwei männlichen Auszubildenden häufig ab und eines der Mädchen wirkt in den innerbetrieblichen Unterrichtseinheiten unkonzentriert, scheu und zurückgezogen. Die anderen scheinen sie kaum miteinzubeziehen, so dass sie seit Ausbildungsbeginn nicht aus ihrem Schneckenhaus herausgekommen ist.
Die Noten in der Berufsschule sind durchgehend gut, besonders das Sorgenkind, das schüchterne Mädchen, zeigt hervorragende Leistungen in den Klausuren.
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Um die Gruppenmitglieder einander näher zu bringen und den Zusammenhalt zu fördern, finden einmal in der Woche innerbetriebliche Unterrichtseinheiten statt. Doch die starren Unterrichtsmethoden in diesen Stunden lassen offenbar noch immer kein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen.
4.Lernziele: „Ein Lernziel ist die Beschreibung eines durch den Lernprozess angestrebten Endverhaltens“
Im Hinblick auf die berufliche Zukunft und die Anforderungen, die später gestellt werden, ist es langfristige Absicht der Bank und der Ausbilder, ihre Mitarbeiter im Umgang mit schwierigen Situationen und Herausforderungen zu stärken. Die Auszubildenden werden auch in Aufgaben geschult, die zusätzlich zu den Lehrinhalten der Berufsschule vermittelt werden sollen. Neben der fachlichen steht für das auszubildende Unternehmen auch die personale und soziale Förderung im Vordergrund.
4.1 Graduelle Bestimmung Richtziel
Aufgaben im Unternehmen annehmen und bearbeiten, Abläufe nachvollziehen können. Problemlösungsmethoden entwickeln können.
Grobziel
Anwendung organisatorischer Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden zur Planung weiterer Projekte. Strukturierung einer Aufgabe und konzentriertes Arbeiten über einen längeren Zeitraum an einer Arbeitseinheit. Problemlösungsmethoden verschiedenen Aufgaben zuordnen und anwenden können.
Feinziel
Die einzelnen Tätigkeiten bei einer Projektplanung und -durchführung beherrschen und auf andere Bereiche übertragen können. Dabei helfen die erworbenen Erfahrungen z.B. im Bereich Korrespondenz, Telefonieren, Präsentieren, Vortragen, Diskutieren, Systematisieren, Detaillieren, Kostenrechnen, Zeit-Management, Bewerten, Riskieren, Entscheiden, Konkretisieren, Verbalisieren...
4.2 Lernzielbereiche
In dieser Unterweisung werden alle Lernzielbereiche betroffen: Im kognitiven Bereich lernen die Auszubildenden theoretische Vorgänge, Abläufe, Methoden und Herangehensweisen, Transferleistungen, Pflichten, Aufgaben, Rechte ...
Die Arbeit am Projekt lässt sie auch affektiv Freude an der eigenen Leistung erlernen, Selbstbewusstsein, Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, eigenständiges Handeln, Einstellungen zu Mitarbeitern, Vorgesetzten und dem Unternehmen.
Da der Sektor der Finanzdienstleistungen eher wenig mit manuellen Tätigkeiten zu tun hat, wird der psychomotorische Lernbereich nicht in gleichem Maße berührt. Dennoch sind Fähigkeiten zur Bedienung technischer Geräte zu erlernen wie z.B. Kopierer, Telefon, Fax, Präsentationsgeräte usw.
4.3 Übergeordnete Lernziele Fachliche Lernziele
Es werden das berufliche Grundwissen über und Arbeitsweisen von Finanzdienstleistungsunternehmen vermittelt. Die Auszubildenden lernen die Geschäftpolitik von Banken kennen und werden in abteilungsübergreifende Abläufe eingeführt. Es bildet sich ein betriebswirtschaftliches Grundverständnis für die Entscheidungen der Unternehmen heraus.
Soziale Lernziele
Neben Fach- und Methodenwissen soll möglichst auch das soziale Gefüge der Gruppe gestärkt werden: Die beschriebene Unterweisungsmethode wurde bewusst für diese Gruppe von Auszubildenden ausgewählt um ihre Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit zu verbessern sowie Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft zu fördern.
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Personale Lernziele
Jeder Einzelne lernt durch die Aufgabe und angewandte Methode, die eigene Kreativität einzusetzen, selbstständig und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln, eine Aufgabe auch bei Schwierigkeiten zu Ende zu führen und sich selbst zu vertrauen. Durch die Einbringung in die Gruppe und das Erreichen eines gemeinsamen Zieles, entwickelt sich der Azubi persönlich und erweitert seine Kenntnisse über Arbeitsmethoden, Teammitglieder und eigenes Verhalten. Personale Lernziele sind ebenso wichtig, wie fachliche, weshalb in dieser Gruppe über die Sechs-Stufen-Methode daran gearbeitet werden soll.
4.4 Kompetenzen fördern
Die Auszubildenden sollen in allen Kompetenzbereichen gefördert werden. Die dargestellte Methode eignet sich gut zur Stärkung von Sozial-, Persönlichkeits-, Methoden- und Fachkompetenz.
5.Organisation: Arbeitsplatz, -ort, -zeit, -dauer, Materialien
Die Unterweisung erfolgt in mehreren Schritten, da das gesamte Projekt über einen Zeitrahmen von etwa zwei Monaten laufen wird.
Die erste Einführung in das Thema erfolgt in einem Besprechungsraum, der für solche Anlässe üblich ist. Die Auszubildenden sitzen in einer U-Form an Tischen. Der Raum hat eine angenehme Temperatur und ist ruhig gelegen. Die Azubis sind des öfteren in diesem Raum, kennen ihre Umgebung und fühlen sich sicherlich recht wohl, so dass keine allzu gespannte Atmosphäre entsteht. Für die Besprechung wird der frühe Vormittag gegen 9.00 gewählt, da zu diesem Zeitpunkt die Leistungsbereitschaft und Aufnahmefähigkeit wahrscheinlich am höchstens sein wird. Das Ende der ersten Zusammenkunft soll von vornherein nicht genau bestimmt sein, da anfangs mit Unklarheiten und Fragen etc. gerechnet werden muss. Genügend Pausen sind vorgesehen.
Die Einführung in das Projekt erläutert der zuständige Marketingmitarbeiter, ein Mitglied der Geschäftsführung übernimmt die Begrüßung, damit die Bedeutung der Aufgabe deutlich wird. Die Projektleitung im Hintergrund bleibt bei der Marketingabteilung, die die Auszubildenden während der Planung und Durchführung unterstützt.
Die Treffen in den nächsten Wochen werden vom Ausbilder aus der Marketingabteilung begleitet werden; regelmäßig nach einem Zeitplan oder bei Bedarf, d.h. bei Problemen der Auszubildenden in der Gruppe oder mit der Aufgabe.
Materialien sind bereitgelegte Notizblöcke und Stifte. Der Raum ist mit Präsentationsgeräten ausgestattet.
6.Methode: Die Sechs-Stufen-Methode oder das Konzept der vollständigen Handlung Die ausgewählte Methode besteht aus sechs Teilschritten und kann als selbsterarbeitendes Lernen beschrieben werden.
Die komplexere und zeitaufwendigere Gruppenarbeit in Form der Sechs-Stufen-Methode wurde bewusst ausgewählt um die fünf-köpfige Auszubildenden-Gruppe einander näherzubringen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln zu lassen. Neben dem Erlernen organisatorischer Fähigkeiten und dem Überblicken abteilungsübergreifender Aufgabenbereiche sollen sie auch das Arbeiten in der Gruppe als wesentlichen Bestandteil ihres Berufes erfahren.
6.1 Information: Die Auszubildenden informieren sich selbst oder erhalten alle notwendigen Informationen vom Ausbilder.
In der Einführungsbesprechung treffen sich die Auszubildenden erstmals mit den Verantwortlichen für das Projekt. Dort bekommen sie die Hintergrundinformationen über die Notwendigkeit und Begründung der Aufgabe, sowie Hilfestellung bei Fragen und den zu lösenden Auftrag.
Diese Information kann in Form einer Präsentation über die „Veralterung der Kundenstruktur und den fehlenden Bindungswunsch jüngerer Menschen an eine Bank“ gestaltet sein, so dass die
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Arbeit zitieren:
Maren Rosenplänter, 2005, Betriebsinternes Projektmanagement bei einer Bank (Unterweisung Finanzassistent / -in), München, GRIN Verlag GmbH
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