Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis i
Abbildungsverzeichnis ii
Vorwort - unverbindliches Gedankenexperiment iii
1 Die personenzentrierten Ansätze im Gesamtkontext der Gründungsforschung 2
2 Was ist ein Unternehmer? - zur Anthropologie der Gründungsforschung 4
2.1 Was tut ein Unternehmer? - die ökonomisch-funktionale Perspektive 5
2.2 Warum tut ein Unternehmer das, was er tut? - die motivationale Perspektive 6
3 Die Person des Unternehmensgründers 9
3.1 Empirie 9
3.2 Theorie 13
a Der Merkmalsansatz 15
b Der Verhaltensansatz 22
4 Zwischenfazit 26
5 Eigene Untersuchung 31
6 Ergebnis 35
Literaturverzeichnis vi
Anhang
i
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Geographie als integratives Element der personenzentrierten Gründungsforschung?
Abb. 2 Bausteine der Gründungsforschung
Abb. 3 Systematisierter Überblick über zentrale Erklärungsansätze
Abb. 4 Persönlichkeitsmerkmale und Gründungsaktivität
Abb. 5 Branchenerfahrung als Schlüsselfaktor des Gründungserfolgs
Abb. 6 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Humankapitalausstattung
Abb. 7 Betriebliche Überlebenschancen in Abhängigkeit von Unterstützungsleistungen aus
dem sozialen Netzwerk
Abb. 8 Komplementäransatz zur Integration von Merkmals- und Verhaltensansatz
ii
Vorwort - unverbindliches Gedankenexperiment
„Die Kulturgeographie [als die der Wirtschaftsgeographie übergeordnete disziplinäre Kategorie, d. V.] [...] stellt Systemzusammenhänge zwischen Mensch, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Technik dar, die sich sowohl im Raum manifestieren, als auch nicht räumlich manifestierte Funktionsnetze und Prozeßbeziehungen bilden, deren räumliche und gesellschaftliche Gültigkeit für verschiedene Dimensionen [...] untersucht wird.“ [LESER (2001), S. 424]
In exakt d iesem Schnittfeld bewegt s ich auch die Gründung neuer Unternehmen. Ökonomische „Organisationen“ [vgl. BYGRAVE & HOFER (1991)] sind zunächst einmal nichts anderes als das (zumeist) räumlich manifestierte Ergebnis eines durch gesellschaftliche, ökonomische, politische (und gelegentlich auch technische ) Faktoren beeinflussten menschlichen Handelns und damit materieller Ausdruck von Mensch-Umwelt-Beziehungen. Die in der Gründungsforschung zu beobacht ende Tendenz, diese Manifestation nicht mehr als einmaligen Akt, sondern als kontinuierlichen Prozess zu begreifen [vgl. z. B. SHAVER & SCOTT (1991)], unterstreicht zudem die kognitive Nähe zu einer Geographie, die wie kaum eine zweite Disziplin einem Denken in Prozesssystemen verhaftet ist.
Trotz dieser grundsätzlich viel versprechenden Voraussetzungen sind in der geographischen Relevanz für die Gründungsforschung noch starke bereichsbezogene Unterschiede festzustellen. Anders als eher auf der strukturellen Ebene angesiedelte Themenkomplexe 1 fristet gerade die Gründerperson - zumindest in ihrer individuellen Reinform quasi der natürliche Feind einer räumlich und damit auch personell aggregierenden Wissenschaft - in der Geographie konzeptionell ein Schattendasein. Es wird naturgemäß nicht als Aufgabe der Geographie wahrgenommen, die Dispositionen, Ressourcen, Motivlagen und das Verhalten der Gründerperson auf der individuellen Ebene fassbar zu machen. Hier verlässt man sich auf die Konzepte von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, und so wird deren Präzision zur conditio sine qua non einer geographischen Auseinandersetzung mit der Gründerperson: erst wenn diese Disziplinen konsistente Aussagen darüber machen können, wer aus welcher Motivation heraus, wie und mit welchem Erfolg den Schritt in die Selbständigkeit wagt, kann die Geographie d ie in ihrer wirtschaftspolitischen Relevanz nicht zu unterschätzenden Prozesse der Entstehung, Verteilung und Veränderung unternehmerischer Potentiale auch in räumlichen Kategorien nachvollziehen. Wie diese Arbeit zeigen wird, ist diese Leistung von
1 z. B. Regionalstudien zum Gründungsgeschehen, Analysen von dessen Auswirkungen auf
die Regional- und Sektoralstruktur, die strukturelle Einbettung von Unternehmen in
regionale Netzwerke oder die Untersuchung der regionalen Gründungsinfrastruktur
1
den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bisher aber allenfalls in Ansätzen erbracht worden.
Abb. 1 Geographie als integratives Element der personenzentrierten Gründungsforschung?
Im Zusammenhang mit der Gründerperson wird zumeist auf zwei strikt getrennten Ebenen argumentiert: zum einen sucht man in der individuellen Sphäre des Gründers nach Erklärungen für den Weg in die Selbständigkeit und den damit verbundenen Erfolg. Zum anderen konzipiert man den Gründer als einen in ein Netz v on sozialen Einflüssen eingebetteten Akteur. Diese perspektivische Trennung ist rein analytischer Natur und sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass grundsätzlich beide Faktoren gleichzeitig wirksam sind. Individuelle und soziokulturelle Einflusssphären f allen im Gründerindividuum (und damit auch in der Kategorie Raum) zusammen. Diese Koexistenz und die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen individuellen und soziokulturellen Faktoren sind bis heute wohl eine entscheidende Hürde für die personenzentrierte Gründungsforschung. Weder rein individualistisch noch rein kollektivistisch argumentierende Ansätze können für ihren Erklärungs gehalt eine angemessene Gültigkeit beanspruchen [vgl. BÜHLER (1999), Kap. 2]. Liegt nicht auch hierin ein integratives Potential für die Geographie? Gerade das Aufeinandertreffen von individuellen Inventaren, die im räumliche n Aggregat das Gründerpotential einer Region ausmachen, und soziokulturellen Faktoren, die ebenfalls häufig einen regional prägenden Charakter entfalten, könnte als ein entscheidender Bestimmungsgrund einer regionalen
2
Gründerkulisse 2 in Betracht gezogen und gegebenenfalls mit einer strukturellen Gründungskulisse (gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, Gründungsinfrastruktur, usw.) verknüpft werden (vgl. Abb. 1 , S. iv). Diese Vorgehensweise müsste allerdings die Abkehr vom bisherigen Ansatzpluralismus und die gezielte Entwicklung eigenständiger Konzepte beinhalten.
Diese Sichtweise soll verdeutlichen, warum es auch für Studenten einer in der Gründungs-forschung engagierten Wirtschaftsgeographie durchaus interessant sein kann, die wirtschafts-und sozialwissenschaftliche n Erklärungsansätze zur Person des Unternehmensgründers zu durchforsten, um aus deren Stärken und Schwächen zu lernen. Ziel dieser Arbeit ist es nicht, eine geographische Konzeption zur Gründerperson vorzulegen. 3 Vielmehr verfolgt diese Arbeit die Zielsetzung, die grundsätzlichen Probleme aufzuzeigen, die einer wissenschaftlichen Erfassung der Gründerperson inhärent sind, und damit einen kleinen Beitrag zur Systematisierung der Wissenschaft personenorientierte Gründungsforschung zu leisten. Zu diesem Zweck werden zunächst einige nicht-empirische Erklärungsansätze in ihrer maßgeblichen Rolle als Menschenbilder der Gründungsforschung diskutiert. Im Anschluss wird versucht, die Vielzahl von Ansätzen, die sich auf diesen Unternehmerbildern fußen, mit Hilfe zweier Metatheorien (‚Merkmals’- und ‚Verhaltensansatz’) zu ordnen. Eine zusammenfassende Darstellung der wichtigsten empirischen Befunde w ird dabei die Probleme der personenze nt rierten Gründungsforschung verdeutlichen. Auf der Basis einer sich daraus ableitenden Fragestellung wurde eine eigene qualitative Untersuchung durchgeführt, deren zentrale Ergebnisse zum Abschluss mit denjenigen des theoretischen Teils verknüpft werden.
2 Hierzu sei angemerkt, dass bereits der Begriff ‚Gründerkulisse’ räumliche Konnota-
tionen besitzt. Die Beschreibung, Erklärung oder gezielte Beeinflussung einer
Gründerkulisse ohne räumlichen Bezug scheint von vorneherein ausgeschlossen.
3 Dies würde die Kompetenz des Verfassers wohl um ein Vielfaches übersteigen.
3
1 Die personenzentrierten Ansätze im Gesamtkontext der
Gründungsforschung
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Neugründung und dem dauerhaften Bestand von Unternehmen bewegt sich im Schnittfeld unterschiedlichster Fachdisziplinen. Neben in diesem Zusammenhang wohl naturgemäß mit der Vorreiterrolle betrauten Betriebs-und Volkswirten sind es vor allem Soziologen, Psyc hologen, aber auch Wirtschaftsgeographen, Wirtschaftshistoriker und Juristen, die ihren Beitrag leisten bei der Klärung der Frage, ob und wie das Gründungsgeschehen und sein Erfolg erklärt, prognostiziert oder gar stimuliert werden können [vgl. PREISENDÖRFER in PREISENDÖRFER (Hrsg.) (1996), S. 9]. Die zentralen Themenkomplexe sind dabei zum einen die Gründungsaktivität - d. h. die Prozesse der Gründung neuer Betriebe - und zum anderen der Gründungserfolg - d. h. die Bestandserhaltung und Entwicklung neu g egründeter Unternehmen. Über diese Grenze hinweg verläuft eine analytische Gliederung in umwelt- und betriebsorientierte und personenzentrierte Ansätze (vgl. Abb. 2, S. 3):
„Nachfrage- bzw. umweltorientierte Ansätze befassen sich mit den (auf unterschiedlichen Ebenen lokalisierbaren) strukturellen Bedingungen, die Betriebsgründungen mehr oder weniger stimulieren. Demgegenüber richten angebots- bzw. personenzentrierte Ansätze ihr Hauptaugenmerk auf die handelnden Akteure, also auf das Reservoir unternehmerischer Talente und auf dessen Ausschöpfung.“ [PREISENDÖRFER in PREISENDÖRFER (Hrsg.) (1996), S. 10]
Neben dieser grob skizzierten Untergliederung spielen die personenzentrierten Ansätze auch in einer übergeordneten Differentierung zwischen entrepreneurship research (Gründungs-forschung) und entrepreneurship education (Gründerausbildung) eine wichtige Rolle. Während die Gründungsforschung aus einem rein akademischen Blickwinkel heraus die Faktoren und Zusammenhänge zu analysieren versucht, die das Gründungs geschehen bestimmen, verfolgt die vorzugsweise an universitären Gründerlehrstühlen beheimatete Gründerausbildung mit der Vermittlung von gründungsrelevantem Wissen an potentielle Unternehmensgründer eine eher pragmatische Zielsetzung. Die personenorientierte Gründungsforschung ist in diesem Zusammenhang auch als Grundlagenforschung der Gründerausbildung zu verstehen, da das Wissen um personenbezogene Erfolgsfaktoren quasi als Voraussetzung einer zielgerichteten Gründerausbildung anzusehen ist [vgl. z. B. BRAUN in PREISENDÖRFER (Hrsg.) (1996)].
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Arbeit zitieren:
Stefan Heumann, 2004, Die Person des Unternehmensgründers. Probleme und Grenzen einer personenzentrierten Gründungsforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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