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1. Aufgabe und Ziel der Arbeit
Im Rahmen des Seminars „Reisen im späten Mittelalter“ beschäftigten wir uns mit verschiedenen inhaltlichen Aspekten des Themas, aber auch mit Proble men auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaft. Der Text von Peter Moraw beinhaltet Erkenntnisse, Ansätze und Schwierigkeiten der historischen Forschung auf dem Gebiet der Reise und entspricht somit Teilen der von uns behandelten Aspekte. Im Folgenden werde ich den Inhalt der Quelle zusammenfassen, um anschließend deren Aussagekraft und Form bewerten zu können.
2. Inhalt des Quellentextes
Peter Moraw beschäftigt sich in seinem Text, wie bereits an der Überschrift deutlich wird, mit der geschichtswissenscha ftlichen Forschung zu dem Thema Reisen im späten Mittelalter. Sein Text gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beinhaltet die Hinführung zum Thema und verschiedene themenbezogene Abgrenzungen, sowie allgemeine Angaben zu der historischen Forschung auf diesem Gebiet und dem derzeitigen Forschungsstand. Darüber hinaus wird in diesem Teil die Vielseitigkeit der Thematik deutlich. Im zweiten Teil seines Textes geht Moraw detailliert auf fünf Bereiche der mittelalterlichen Reiseforschung ein. Zwar steht der Bereich der Forschung bei Moraw im Vordergrund, jedoch gibt der Text, auf Grund der Aufführung vieler Beispiele zu den Forschungsergebnissen, auch inhaltliche Informationen zum Thema Reisen im späten Mittelalter. Moraw schreibt seinen Text aus damals aktuellem Anlass. Er spricht von einer „Mittelalterwelle“ 1 zu dieser Zeit, in deren Rahmen es zwar neue Forschungsergebnisse der Geschichtswissenschaftler gab, vieles aber auch nur nach reisserischen Gesichtspunkten, z. B. der Lust auf Fremdartiges, und ohne zusammenhängende Darstellungen der Gesellschaft dargeboten wurde, z. B. von Buchhändlern. In der älteren historischen Forschung sei zudem Material zum Thema Reisen unter anderen Aspekten betrachtet worden, beispielsweise das Itinerar unter politischen Aspekten. Im Folgenden beginnt der Verfasser das Thema abzugrenzen und bestimmte Gegebenheiten, die auf das Reisen Einfluss hatten, zu erklären. Als Erstes teilt er dem Leser mit, dass er sich in seinem Text auf die deutsche Perspektive der Forschung beschränk en wird, da die verfügbare Literatur sehr umfangreich ist. Zweitens klärt er über die sozialen Grundkomponenten des Reisens auf. Diese sind das Verweilen der Personen an einem Ort, die Mobilität der Personen und der Kontakt der Personen bei einer Reise. Die dritte Abgrenzung ist eine zeitliche. Hier kennzeichnet Moraw das Ende des Spätmittelalters um 1490 mit Hilfe der verschiedenen Neuerungen, die ab 1450 eintraten. Als Beispiele führt er hier Veränderungen im Handwerk, den Buchdruck, sowie die Nachrichtenübermittlung auf, die alle auch Einfluss auf das Reisen hatten. Zudem sagt Moraw, dass
1 Moraw, S. 113
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der Beginn des Spätmittelalters nicht klar zu definieren sei. Viertens grenzt Moraw das Thema Reisen räumlich ein. So seien die Reisen zunächst meist territorial begrenzt gewesen, gingen also nicht über die jeweiligen Herrschaftsbereiche hinaus, da oft Angst vor dem Unbekannten bestanden habe. Erst ab 1500 wurden die bereisten Gebiete größer, da sich bestimmte Bereiche nun gesamtdeutsch erstreckten, z. B. das Militär. 2
Im Folgenden geht der Autor auf weitere wichtige Aspekte des Themas ein, aufzuführen sind hier beispielsweise Regeln, die für Reisende aufgestellt wurden, sowie die Angabe der häufigsten Reisenden (Pilger, Kaufleute) und der Reisenden mit einem hervorgehobenen sozialen Status (Adel/ Herrscher, Kleriker/ Mönche, reisende Studenten/ Schüler). Hinzu kamen Handwerker und während des „Hundertjährigen Krieges“ auch Militär. 3
Aus dem bis hierher zusammengefassten Text geht bereits hervor, wie vielseitig das Thema Reisen im späten Mittelalter ist und wie zahlreich und differenziert bestimmte Aspekte betrachtet werden müssen. Moraw beschreibt nun die daraus resultierenden Folgen, aber auch Möglichkeiten, für die Geschichtswissenschaft. Er sagt aus, dass das Thema keine geschlossene und einheitlich erfüllbare Aufgabe darstelle, eben auf Grund der Vielzahl der zu differenzierenden Aspekte. Dieses habe vor allem zwei Ursachen, zum Einen sei das Thema Reisen noch nicht lange von Bedeutung in der Forschung und zum Anderen gäbe es auch keine einheitliche Methode. 4 Hinzu kommt, dass vor allem auch die Nachbarwissenschaften, wie z. B. Geographie, Soziologie, Theologie, Literaturwissenschaft usw. eine wesentliche Rolle bei der Erforschung der Reisen im Mittelalter spielen. So zieht Moraw in seinem ersten Teil den Schluss, dass der derzeitige Forschungsstand nur eine Übergangssituation sei, es also bereits viele Erkenntnisse zu der Thematik gibt, jedoch auch noch viele Fragen offen sind, die zukünftig noch von Geschichtswissenschaftlern geklärt werden müssen. 5
Nun folgt der zweite Teil Moraws Arbeit, in dem er wesentliche Bereiche der Reiseforschung erklärt und die Forschungsergebnisse auf diesen Gebieten einbringt. Zunächst beschäftigt er sich mit der wichtigen Rolle der Kirche, als zweites folgt der herrschaftliche Bereich mit dem wichtigen Aspekt der Bewältigung des Raumes. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit ökonomischen Fragen, der vierte mit der Sozialgeschichte und der fünfte Bereich beinhaltet Informationen zum Thema Kultur und Bildung in Verbindung mit der Reise. Die Kirche stellte im Mittelalter den Mittelpunkt des Lebens dar und war allgegenwärtig. Über Reisen in Verbindung mit der Kirche gibt es vor allem viele Erkenntnisse über die Pilgerreisen, aber auch über den mobilen Papsthof, der mit seinen ca. 200 Mitgliedern nach Rom und in die Städte des Kirchenstaates wanderte. Ein Reiseziel
2 Vgl. Moraw, S. 113- 117 oben
3 Vgl. Moraw, S. 117- 118 unten
4 Vgl. Moraw, S. 118 unten- 119 oben
5 Vgl. Moraw, S. 120/ 121
Arbeit zitieren:
Julia Feist, 2004, Zu: Peter Moraw, Reisen im späten Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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