1. Einleitung 1
2. Internationalität in der Sozialen Arbeit 2
3. Die Methode des internationalen Vergleichs 4
3.1 Definition und Beschreibung 4
3.2 Das Vergleichsverfahren 4
4. Der Nutzen eines internationalen Vergleichs in der Sozialen Arbeit. 6
4.1 Zur Methode des internationalen Vergleichs - Die Methode des Vergleichs als
„umfassende“ Methode 6
4.2 Über die Vergleichsmethode hinausgehender Gewinn/Nutzen eines
internationalen Vergleichs in der Sozialen Arbeit 8
4.2.1 Kennen lernen des eigenen durch Konfrontation mit dem Fremden 9
4.2.2 Länderspezifische und Länderübergreifende Fragestellungen. 9
4.2.3 Mitgestaltung der Sozialen Arbeit an einer europäischen Sozialpolitik 11
4.2.4 Kooperation und Konkurrenz. 13
4.3 Zusammenfassung. 14
5. Schwierigkeiten und Gefahren eines internationalen Vergleichs in der Sozialen
Arbeit. 15
5.1 Zur Methode des internationalen Vergleichs 15
5.1.1 Fehlender Vergleich 15
5.1.2 Komplexität der Realität, Äquivalenz und Ethnozentrismus 15
5.1.3 Das Problem der Vereinfachung/Homogenisierung 17
5.2 Über die Vergleichsmethode hinausgehende Schwierigkeiten und Gefahren 18
5.2.1 Ökonomische Initiierung und politische Instrumentalisierung einer
international vergleichenden Sozialen Arbeit 18
5.2.2 Internationaler Vergleich zum Zwecke der Planung und der Feststellung
zwangsl äufiger Entwicklungen 19
5.2.3 „Das Ausland als Argument“ 20
5.3 Zusammenfassung. 21
6. Fazit. 22
Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
Mit Verweis auf Internationalisierung, Europäisierung und Globalisierung werden in verstärktem Maße Forderungen nach einer international vergleichenden Sozialen Arbeit deutlich. Nationalstaatliche Grenzen verlieren ihre Bedeutung und die Beziehungen zwischen Kulturen, Völkern und Staaten rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit (vgl. Homfeldt & Walser 2004, S. 196). Die internationale Verflechtung betrifft aber nicht nur den ökonomischen Bereich, sondern ebenso soziale Problemlagen, die nicht mehr länger nur nationalstaatliche Beachtung finden dürfen. Kooperationen zwischen nationalen Organisationen und Integration ausländischer sozialpädagogischer Konzepte machen als weiteren Aspekt die Internationalisierung der Sozialen Arbeit deutlich. Internationalität betrifft folglich auf vielfältige Art und Weise auch die Soziale Arbeit. Der komparatistischen Forschung - dem internationalen Vergleich - zum Zecke einer fundierten wissenschaftlichen Informationsgrundlage kommt in diesem Zusammenhang eine bedeutende Stellung zu: zur angemessenen Übernahme ausländischer Konzepte, zur Erarbeitung gemeinsamer Lösungswege und Bearbeitungsmöglichkeiten internationaler sozialer Probleme u.a.
In diesem Sinne gilt es, der Frage nach dem Nutzen und auch den Schwierigkeiten bzw. Gefahren einer international vergleichenden Sozialen Arbeit nachzugehen. Zur Beantwortung dieser Fragestellung soll im Folgenden einführend die Dimension der Internationalität der Sozialen Arbeit beschrieben werden, denn gerade im Zuge von Entgrenzungen und internationalen Verflechtungen kristallisiert sich ein gegenwärtiger Anlass zur komparatistischen Forschung in der Sozialen Arbeit heraus. Daran anschließend gilt es die Methode des Vergleichs mit ihrem Vergleichsverfahren vorzustellen, um für das methodische Vorgehen einer international vergleichenden Sozialen Arbeit zu sensibilisieren. Nach diesen allgemeinen Grundlagen soll sowohl der Nutzen als auch die Schwierigkeiten eines internationalen Vergleichs in der Sozialen Arbeit überprüft werden. Die Erläuterungen beziehen sich jeweils zum einen auf die Vergleichsmethode selbst, also auf eine methodologische und forschungstheoretische Ebene und zum anderen auf Aspekte, die über die Methode des Vergleichs als solche hinausgehen. Damit soll am Ende der Darstellung die Frage nach dem Gewinn und den Gefahren einer international vergleichenden Sozialen Arbeit beantwortet werden.
1
2. Internationalität in der Sozialen Arbeit
Entgrenzungen im Zuge der Internationalisierung, Europäisierung und Globalisierung berühren nicht nur Bereiche der Wirtschaft, sondern auch auf vielfältige Art die Soziale Arbeit. Nationale Grenzen verlieren ihre Bedeutung und in der „[...] stärker geführten Diskussion einer Idee ‚einer multikulturellen Gesellschaft’ [...] wird eine Dimension Sozialer Arbeit zum Gegenstand verstärkten öffentlichen wie fachlichen Interesses, die bisher nur in einigen spezialisierten sozialpädagogischen Arbeitsfeldern eine explizite Bedeutung einnahm: Internationalität“ (Kreidenweis & Treptow 1990, S. 36). Internationalität gewinnt an Stellenwert durch den „[...] forcierten Europäischen Binnenmarkt und entsprechender Wirtschafts- und Sozialpolitik“, „[...] veränderter Migrationsbewegungen und Veränderungen in den bilateralen Beziehungen zwischen den kapitalistischen und sozialistischen Ländern und Ländern und der Dritten Welt“ und „[...] eines immer stärker in Richtung auf die Infrastruktur einer ‚Weltgesellschaft’ beschleunigten Modernisierungsprozesses, der Ungleichzeitigkeiten und
Folgewirkungen für die Typik von Lebensläufen, Lebensrisiken und sozialer Sicherung aufwerfen, wie sie in jeweiligen Nationalstaaten überliefert sind“ (a.a.O., S. 37).Die Internationale Verflechtung betrifft somit
„[...] auch die Ebene sozialer Probleme, die vielfach nicht länger nationalstaatlich zu
begreifen sind. Hier sind u.a. Armut, Kinderrechte, Drogenabhängigkeit und Migration [...]
zu nennen. Im Handlungsfeld des Sozialen ergeben sich daher zunehmende
Problemstellungen, die erfolgreich nur in einem internationalen Kontext bearbeitet werden
können“ (Gabriel 2004, S. 149).
Weiter rückt hier die Sozialpolitik der Europäischen Union in den Blick. Von einer einheitlichen europäischen Sozialpolitik kann jedoch nicht gesprochen werden. Angesichts der entstehenden Problemlagen aber, die nicht mehr alleine nationalstaatlich aufzufassen sind und den erläuterten Auswirkungen der Internationalisierung und Europäisierung auf die Soziale Arbeit, stellt die fehlende bzw. falsche Konzeption einer europäischen Sozialpolitik eine weitere Herausforderung für die Soziale Arbeit dar. „Aufgrund der falschen Konzeption von Sozialpolitik auf der Europäischen Ebene ergeben sich in den Mitgliedsstaaten neue wohlfahrtsrelevante Tatbestände und die Zunahme bestehender sozialer Probleme“ (Bauer & Pfaffenberger 2004, S. 66). Die Soziale Arbeit darf sich hier nicht an die gegebene Situation und Verhältnisse anpassen, sondern es gilt gerade in dieser Lage, ihrem politischen Mandat gerecht zu werden und aktiv im Sinne ihrer gesellschaftspolitischen Funktion an einer einheitlichen, angemessenem europäischen Sozialpolitik mitzuwirken.
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Internationalität in der Sozialen Arbeit äußert sich weiter in Kontakten zwischen verschiedenen nationalen Organisationen und einem internationalen Austausch von Konzepten und Ansätzen, was nicht zuletzt auch durch ähnliche Problemlagen der Länder notwendig wird.
Es wird deutlich, dass die Dimension der Internationalität der Sozialen Arbeit bezüglich vieler Aspekte zur Realität geworden ist. „Dabei wird auch die Frage des Vergleichs wichtig. Eine internationale Orientierung bildet den Ausgangspunkt wie auch das Fundament einer vergleichend operierenden Wissenschaft“ (Homfeldt & Walser 2004, S. 196). Es lässt sich gegenwärtig feststellen, „dass die Soziale Arbeit sich [...] in Europa in einem ständigen Zustand des Vergleichs befindet“ (Schröer 2004, S. 219) und angesichts der Ausdehnung von Problemlagen und entsprechendem
Problemlösungsdruck, dem Zwang zur Effektivierung und Rationalisierung der Sozialen Arbeit, weiter zur angemessenen Adaption ausländischer Konzepte und zur Annäherung sozialpolitischer und sozialpädagogischer Interventionsformen in Europa eine komparatistische Forschung zur entsprechenden Informationsbereitstellung notwendig geworden ist (Kreidenweis & Treptow 1990, S. 37).
Mit dieser Skizzierung der Dimension Internationalität der Sozialen Arbeit wird ersichtlich, „[...] dass die Notwendigkeit der internationalen Ausrichtung der Sozialpädagogik über den Weg des internationalen Vergleichs dringlich gegeben ist“ (Homfeldt & Walser 2004, S. 199). Wenn auch hier schon Perspektiven, Anforderungen und Ziele des internationalen Vergleichs in der Sozialen Arbeit angedeutet sind, ist es von Interesse, nach dem expliziten Gewinn komparatistischer Forschung zu fragen - die Frage also, welcher Nutzen mit einem internationalen Vergleich verbunden ist. Um diese Fragestellung näher zu beleuchten, gilt es im Folgenden die Methode des Vergleichs vorzustellen.
3
3. Die Methode des internationalen Vergleichs
3.1 Definition und Beschreibung
Der Vergleich ist als geistige Operation mit einem zweifachen Gesichtspunkt zu charakterisieren. Deskriptiv betrachtet, ist der Vergleich eine Verbindung der Tätigkeiten Anschauung, Analyse und Ordnung, wobei der ordnenden Tätigkeit die zentralste Bedeutung zukommt. Funktional ist Vergleichen ein Beziehungsdenken (vgl. Hilker 1962, S. 99f.). „Zwischen zwei oder mehreren Erscheinungen derselben Art wird ein Bezugsverhältnis hergestellt mit dem Ergebnis der Gleichheit [...], Ähnlichkeit [...] oder Verschiedenartigkeit“ (a.a.O., S. 100). Ist bei dem Vergleich der Erkenntnisgewinn zentral, so stellt sich Gleichheit als unergiebig, Ähnlichkeit dagegen als ergiebig und Verschiedenartigkeit als äußerst fruchtbar dar (vgl. ebd). Zum Zwecke der ordnenden Tätigkeit und des Erkenntnisgewinnes aber genügen weder ein einfaches Nebeneinanderstellen, noch daraus erschlossene Affinitäten oder Diskrepanzen: sie müssen auf einen übergeordneten Wert bzw. Größe bezogen werden: das Tertium Comparationis als Kriterium auf höherer Denkebene (vgl. a.a.O., S. 99f.). Es ist das Kriterium, „[...] nach dem die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der Merkmale zweier oder mehrerer Gegenstände oder Anschauungen zu einem übergeordneten Gemeinsamen beurteilt wird“ (a.a.O., S. 99). Das Tertium Comparationis ist als Denkraum zu verstehen, es ist das Ergebnis des Vergleichs und existiert folglich nicht bereits vor der Vergleichsoperation. Es lässt sich nur über den Wechsel der Stufen, die es hinter sich lässt rekonstruieren (vgl. Homfeldt & Walser 2004, S. 202).
3.2 Das Vergleichsverfahren
Franz Hilker entwirft 1962 in seinem Werk „Vergleichende Pädagogik“ ein Stufenmodell, das bis zum heutigen Zeitpunkt als methodisches Vorgehen des Vergleichs fungiert.
Die erste der vier Stufen ist die Deskription mit dem Zweck, „[...] die zu vergleichenden Phänomene möglichst sorgfältig und vollständig zu beschreiben. Es handelt sich zunächst also um eine Bestandsaufnahme“ (Hilker 1962, S. 107). Als Grundlage dienen dieser Bestandsaufnahme und der daraus resultierenden Beschreibung der Phänomene empirisches, literarisches und dokumentarisches Material (vgl. a.a.O., S. 107ff.; Homfeldt & Walser 2004, S. 203).
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Zur folgenden Stufe der Interpretation, die für Hilker noch außerhalb des eigentlichen Vergleichs liegt, aber eine unerlässliche Grundlage des Vergleichs bildet, beschreibt er einführend: „[...] daß pädagogische Phänomene keine einfachen und eindeutigen, sondern komplexe und mehrdeutige Erscheinungen sind. Sie bedürfen daher einer eingehenden Analyse ihrer Faktoren, d.h. einer sorgfältigen Interpretation, um in ihrer Struktur erkannt zu werden“ (Hilker 1962, S. 113). Als zentralste Faktoren, auf die hin interpretiert werden soll und dazu verhelfen, die Komplexität der Erscheinung wirklich in ihrer Struktur zu erfassen gelten Tradition und zeitbedingte Veränderung, Wirtschaft und Technik, politische Tendenzen und kulturelle Bestrebungen, sowie Staat und Gesellschaft (vgl. a.a.O., S. 113ff.).
„Nach der Beschreibung und Interpretation der zu untersuchenden pädagogischen Phänomene ist die Nebeneinanderstellung oder Juxtaposition der Übergang zur eigentlichen Vergleichung und kann als ihre erste Stufe angesehen werden“ (a.a.O., S. 121). Diese Vorbereitungen auf die nächste Stufe „verlaufen über eine Systematisierung von Daten, in dem diese im Hinblick auf spezifische vergleichbare Kategorien hin gruppiert werden“ (Homfeldt & Walser 2004, S. 204). Bei quantitativen Verhältnissen ist das Tertium Comparationis durch beispielsweise Ab- oder Zunahme einer bekannten Größe gegeben: zahlenmäßige Entwicklungen sind zu erkennen, Kostenausgaben zu beleuchten etc.
Bei qualitativen Fragen jedoch hat diese Stufe ihre Grenzen und die vierte und eigentliche Stufe des Vergleichs wird erforderlich - die Komparation (vgl. Stübig
1997 1 ; Hilker 1962, S. 121ff.). Fritz Seidenfaden charakterisiert den Vergleich entsprechend, dass im Vergleich „[...] zwei oder mehr Gegebenheiten miteinander konfrontiert[...]“ werden mit der Absicht, „[...] Unterschiede (und Übereinstimmungen) sichtbar zu machen, gegebenenfalls sie auch zu deuten und zu erklären“. Weiter geschehen Vergleiche „[...] stets im Hinblick auf etwas, sind gezielt“, womit vergleichen voraussetzt, „[...] daß die zu vergleichenden Gegebenheiten auf das Vergleichsziel hin vergleichbar sind, d.h. eine verwandte Struktur, gemeinsame Funktion oder gleichgerichteten ‚Sinn’ haben“ (Seidenfaden 1966, S. 13). Damit ist die Komparation als eigentliche Stufe des Vergleichs nicht durch Messen zu kennzeichnen, sondern durch Werten. Das Tertium Comparationis gewinnt hier seine herausragende Bedeutung: „Außer der Beschreibung und Deutung zur Herausfindung der charakteristischen Merkmale bedarf es also der Gewinnung oder hypothetischen
1 http://archiv.ub.uni-marburg.de/sonst/1998/0011.html
5
Setzung eines übergeordneten Wertes, unter den die einzelnen Merkmale subsummiert werden können“ (Hilker 1962, S. 124). Genau hierin besteht zum einen der besondere Wert des Vergleichs, zum anderen aber auch die wirkliche Herausforderung komparatistischer Forschung.
Die Konzeption des methodischen Vorgehens zeigt sich als umfassendend und herausfordernd zugleich. Ziel ist es, Unterschiede und Ähnlichkeiten festzustellen und zu interpretieren. Dem Tertium Comparationis, das jedoch nicht vor Beginn der Forschung feststeht, sondern im Laufe des Forschungsprozesses erst gewonnen wird, kommt hier als Vergleichswert eine grundlegende Bedeutung zu. Beachtung findet gerade bei Hilker die Komplexität und Vielschichtigkeit pädagogischer Erscheinungen, deren Struktur aber zum Zweck des wissenschaftlichen Vergleichs und des Erkenntnisgewinns umfassend erfasst werden soll. Dazu erforderlich ist die Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Tradition, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.
Mit dieser Darstellung kann eine Einsicht in die Methode des Vergleichs gewonnen werden. Deutlich wird hier schon, dass sich dieses methodische Vorgehen nicht nur für einen nationalen Vergleich anbietet, sondern auch für einen internationalen Vergleich geeignet ist. Im Folgenden soll - nach diesen grundlegenden Erläuterungen - dies und weiter die Frage nach dem Nutzen des internationalen Vergleichs beantwortet werden.
4. Der Nutzen eines internationalen Vergleichs in der Sozialen Arbeit
4.1 Zur Methode des internationalen Vergleichs - Die Methode des Vergleichs als
„umfassende“ Methode
Ist die Rede von einer international vergleichenden Sozialen Arbeit und wird dabei nach ihrem Nutzen gefragt, so gilt es in Zusammenhang mit dem Vergleich als Methode zu prüfen, ob sie für einen internationalen Vergleich geeignet ist, ob tatsächlich ein Vergleich stattfindet und ob die Methode für eine international vergleichende Soziale Arbeit angemessen ist.
Hilker geht bei seiner methodischen Grundlegung von dem „Wesen des Vergleichs“ aus. Hier nennt er die Phänomenalität des Ansatzes: Bedeutend „[...] ist ein sorgfältiges Studium der Erziehungssysteme in ihrer konkreten Gegebenheit als erste und unentbehrliche Voraussetzung für vergleichende Untersuchungen“ (Hilker 1962, S.
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Arbeit zitieren:
Andrea Adam, 2002, Der Internationale Vergleich in der Sozialen Arbeit - Worin liegt der Nutzen und wo liegen Schwierigkeiten bzw. Gefahren?, München, GRIN Verlag GmbH
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