Inhaltsverzeichnis 2
INHALTSVERZEICHNIS
Abk ürzungsverzeichnis 4
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis 6
Vorwort 7
1 Einleitung 8
2 Die Entwicklung der regionalen Sportbewegung - Zur
Vorgeschichte des Sportclubs Magdeburg (1945-1955) 13
2.1 Die Entstehung des kommunalen Sports im
Nachkriegs -Magdeburg zwischen 1945 und 1948 13
2.2 Der Beginn des überregionalen Sportverkehrs unter
Leitung des Kreissportausschusses zwischen 1948 und 1952 15
2.3 Die Förderung des Leistungssports durch das Staatliche
Komitee für Körperkultur und Sport zwischen 1952 und 1955 18
3 Strukturbildung und Leistungsorientierung - Die frühe
Entwicklung des SC (Aufbau) Magdeburg von 1955 bis 1969 21
4 Die Zunahme der sportlichen Erfolge des Sportclubs
Magdeburg durch intensives Nachwuchstraining und
Konzentration auf Hauptsportarten (1969 - 1980) 29
5 Olympiaboykott und die wirtschaftliche Strukturkrise
der DDR - Der Sportclub Magdeburg in den 80er Jahren 35
Inhaltsverzeichnis 3
6 Der Sportclub Magdeburg als Institution 39
6.1 Zur Leitungsstruktur und Organisation 39
6.2 Trainingszentren und KJS - Die Basis
der sportlichen Entwicklung 43
6.3 Zur Arbeitsweise des Sportclubs im Bereich
der sportlichen Ausbildung 49
6.4 Statistischer Überblick der Sportler- und Trainerstruktur 53
7 Sportler, Trainer, Trainingsbedingungen -
Zur Geschichte der Sektionen 56
7.1 Die Sektion Leichtathletik 56
7.2 Die Sektion Rudern 63
7.3 Die Sektion Schwimmen 67
7.4 Die Sektion Wasserball 73
7.5 Die Sektion Handball 76
7.5.1 Der Männer-Handball 76
7.5.2 Der Frauen-Handball 82
7.6 Die Sektion Kanu 84
8 Resümee 87
9 Literatur- und Quellenverzeichnis 92
Anhang 100
Abkürzungsverzeichnis 4
Abkürzungsverzeichnis
ABT -Aufbautraining ASK -Armee-Sportklub AST -Anschlusstraining BSG -Betriebssportgemeinschaft CT -Cheftrainer DHfK -Deutsche Hochschule für Körperkultur DS -Demokratische Sportgesellschaft DSA -Deutscher Sportausschuss DTSB -Deutscher Turn- und Sportbund EC -Europacup EDV -Elektronische Datenverarbeitung EM -Europameisterschaft EOS -Erweiterte Oberschule ESA -Einheitliche Sichtung und Auswahl FCM -Fußballclub Magdeburg FDGB -Freier Deutscher Gewerkschaftsbund FDJ -Freie Deutsche Jugend FISA -Fédération Internationale des Sociétés d'Aviron FS -Förderstufe GTP -Gruppentrainingsplan IAAF -International Amateur Athletic Federation IHF -International Handball Federation IOC -International Olympic Committee ITP -Individualtrainingsplan JEM -Junioren-Europameisterschaft JWdF -Juniorenweltmeisterschaft der Freundschaft KIK -Kraftfahrzeuginstandsetzungskombinat KJS - Kinder- und Jugendsportschule
Abkürzungsverzeichnis 5
KK 1 -Kaderkreis 1 KK 2 -Kaderkreis 2 KK 3 -Kaderkreis 3 LSB -Landessportbund MfS -Ministerium für Staatssicherheit MTV -Männerturnverein NOK -Nationales Olympisches Komitee O-Kader -Olympia-Kader OS -Olympische Spiele PH -Pädagogische Hochschule POS -Polytechnische Oberschule PSV -Polizeisportverein RTP -Rahmentrainingsplan SBZ -Sowjetische Besatzungszone SC -Sportclub SCM -Sportclub Magdeburg SED -Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SG -Sportgemeinschaft SMAD -Sowjetische Militär Administration Deutschlands SMD -Sportmedizinischer Dienst SSB -Stadtsportbund STAKO -Staatliches Komitee für Körperkultur und Sport SV -Sportvereinigung TSC -Turn- und Sportclub TuS -Turn- und Sportverein TZ -Trainingszentrum WC -Weltcup WM -Weltmeisterschaft ZK - Zentralkomitee
Abb.1 Die erreichten Punkte der Sektion Leichtathletik des SCM 31
Abb.2 Die Erfolge der SCM-Sportler bei Olympischen Spiele 32
zwischen 1956 und 1988 (nach Festschrift 1995) Abb.3 Die Entwicklung der Schülerzahlen der KJS in 37
Magdeburg zwischen 1952 und 1989
Abb.4 Die Anzahl der in den Sektionen des SCM trainierenden 54
Abb.5 Die Anzahl der Sportler des SCM in den 55
Abb.6 Die erreichten Punkte deutscher Athleten bei 109
Tab.1 Innerdeutscher Vergleich ausgewählter 109
Vorwort
Aufgrund des geringen Literaturfundus zur Regionalgeschichte des Leistungssports, der mir zur Erstellung dieser Arbeit zur Verfügung stand, beruht ein Hauptteil der Ausführungen auf der Auswertung und Analyse alter Aktenbestände, zahlreicher Interviews und der Aufarbeitung von Diplomarbeiten, die ausschließlich in der Zeit der ehemaligen DDR entstanden sind. Das Problematische dieser Arbeiten ist die starke ideologische Färbung, die tatsächliche Hintergründe nur „zwischen den Zeilen“ erkennen lässt und allenfalls interpretationsbedürftig ist.
Für die Recherche nach relevanten Akten und Dokumenten möchte ich mich bei den Mitarbeitern des Landeshauptarchivs, des Stadtarchivs und insbesondere des LSB Magdeburg bedanken.
Die Aufarbeitung der Geschichte des Sportclubs Magdeburg wäre nicht möglich gewesen ohne die Hilfe und Unterstützung durch Willi Olfert, Günter Hartmann und Harald Broschat. Bedanken möchte ich mich weiterhin bei Hubert Kohn, Martin Sanne, Karl-Heinz Tischer, Hans-Jürgen Wende, Herbert Laabs, Lutz Koch und Kurt Schneider für die Gespräche und Interviews sowie bei Axel Weber vom SSB Magdeburg.
Nicht zuletzt gilt mein Dank Dr. Michael Thomas für die Betreuung der Arbeit.
Magdeburg, Sommer 2004 Andreas Baumgart
Einleitung 8
1 Einleitung
Für ein weiteres deutsch-deutsches Zusammenwachsen ist es von grundlegender Bedeutung, sich intensiv mit der nationalen Geschichte auseinanderzusetzen. Dabei bedürfen insbesondere Themengebiete, die nach der Wiedervereinigung medienintensiv in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückten, besonderer Aufarbeitung, um monokausalen Argumentationen und vorgefassten Meinungen entgegenzutreten. Dazu gehört auch das System des Leistungssports der ehemaligen DDR, das nach 1989 vor allem im Zusammenhang mit ‚Staatsicherheit’ und ‚Doping’ publiziert wurde. Doch reichen diese Erklärungsansätze offensichtlich nicht aus, um die Erfolge des DDR-Leistungssports zu erklären, wenn man bedenkt, dass nach der Vereinigung beider deutscher Staaten 75% der olympischen Medaillen von ehemaligen DDR-Athleten gewonnen wurden.
Die Erforschung und Analyse des ehemals nach außen streng abgeschirmten Systems des Leistungssports begann unmittelbar nach dem Ende der DDR durch die Möglichkeit eines ungehinderten Zugangs zum Archiv- und Aktenmaterial des Staates und seiner Institutionen. Die Basis der sportlichen Erfolge der DDR bildeten die 27 Sportclubs sowie die drei Leistungszentren unter Sportclubbedingungen, in denen fast ausnahmslos die besten Sportler der DDR trainierten. Mit landesweit durchschnittlich 400 Athleten und fünf Sektionen lag der Sportclub Magdeburg relativ genau im statistischen Schnitt. 1 Trotzdem entwickelte sich der SCM zu einem der erfolgreichsten Sportclubs der ehemaligen DDR.
Die Zielstellung dieser Arbeit besteht darin, die allgemeine Entwicklung des Sportclubs Magdeburg darzustellen, dessen interne Struktur sowie Arbeitsweise zu erforschen und einen Überblick über die Geschichte der einzelnen Sektionen zu geben. Dabei soll die allgemeine Geschichtsschreibung des Sportclubs auf der Grundlage der Vorgeschichte der regionalen Sportbewegung sowie im Kontext der nationalen und internationalen Entwicklungen geführt werden,
1 Stand vom 31.12.1986 (vgl. Teichler & Reinartz, 1999, 187f).
Einleitung 9
soweit diese als Hintergrundinformationen für das Verständnis der Geschehnisse von Bedeutung sind. Die Arbeit beschränkt sich auf den Zeitraum, der sich von der Gründung des Sportclubs 1955 bis zum Wendejahr 1989 erstreckt. Im Februar 1990 veränderte sich aufgrund der politischen und sozialen Umwälzungen die charakteristische Struktur des SCM, der nunmehr auch dem Breitensport zugänglich war.
Die Ausführungen zum Sportclub als Institution haben die Zielsetzung, auf der Grundlage der Leitungsstruktur und Arbeitsweise des SCM zu untersuchen, worin die Gründe für die zahlreichen sportlichen Erfolge liegen und welche charakteristischen regionalen Ausprägungen der Sportclub erfahren hat. Dabei sollen sich die Erörterungen aufgrund der Komplexität der Clubstruktur vorrangig auf den Bereich der sportlichen Ausbildung konzentrieren. In diesen Zusammenhang gehört auch die leistungssportliche Förderung talentierter Jugendlicher in den Trainingszentren und der KJS, welche zu den grundlegenden Merkmalen des Sportclubs und des DDR-Sportsystems zu zählen ist und dementsprechend anhand ihrer Entwicklung gekennzeichnet werden soll. Die Ausführungen zur Geschichte der einzelnen Sektionen beinhalten wesentliche Tendenzen des Trainings sowie der
Trainingsbedingungen. Des Weiteren sollen international erfolgreiche Athleten sowie deren Trainer im Mittelpunkt des Interesses stehen, wobei sich die vorliegende Arbeit aus Gründen der Übersichtlichkeit hauptsächlich auf Olympische Spiele und Weltmeisterschaften beschränkt. Nur bei ausgewählten Sportlern soll neben den Erfolgen bei den erwähnten internationalen Wettkämpfen auch der sportliche Werdegang beschrieben werden. Von den insgesamt zwölf Sektionen, die zwischen 1955 und 1989 zeitweise im Sportclub existierten, werden die fünf Hauptsportarten Leichtathletik, Rudern, Kanu, Schwimmen und Handball, sowie aufgrund der regionalen Tradition auch Wasserball, ausführlicher vorgestellt, da in den anderen Sektionen (außer im Wintersport) keine internationalen Erfolge erzielt werden konnten. Mit diesem Kompendium zur allgemeinen Entwicklung des Sportclubs, dessen interne Struktur sowie Arbeitsweise, soll die Arbeit auch einen Beitrag zur aktuellen sportwissenschaftlich-publizistischen Diskussion leisten, die sich mit
Einleitung 10
dem Wesen und der Charakteristik des Leistungssports in der DDR beschäftigt. Zur Erforschung der Voraussetzungen und der Umstände, die zum ‚Sportwunder DDR’ führten, wurden bereits kurz nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten erste Anstrengungen unternommen. Den Anfang machten die westdeutschen Sporthistoriker BERNETT, SPITZER und TEICHLER der Universität Potsdam (Potsdamer Konzept), die auf der Grundlage von Quellen- und Dokumentenauswertungen insbesondere Arbeiten zum Themenbereich „MfS, Doping und Leistungssport“ veröffentlichten. Die Autoren postulieren dabei ein nachlassendes Interesse für den Leistungssport, insbesondere in Bezug auf den KJS-Nachwuchs, der sich bei der Bevölkerung in den 80er Jahren abzeichnete und zu einer Sinn- und Leistungskrise im Spitzensport führte (vgl. Teichler, 1999, S.606 und Spitzer, 1998, S.247). In Verbindung mit dem Einsatz „unkalkulierter Doping-Mittel“ und der „Unmündigkeit und Nichtbeteiligung der Athleten […]“ hielt SPITZER (1998) den Zusammenbruch des Sportsystems für unausweichlich. Den Aufstieg der DDR zur ‚sportlichen Supermacht’ machen die Potsdamer Wissenschaftler am staatlich organisierten Doping sowie an den totalitären Strukturen des Leistungssportsystems fest. Der grundlegende Kritikpunkt dieser größtenteils monokausalen Arbeiten ist die Darstellung eines Soll-Wertes auf der Grundlage von Beschlüssen und Anweisungen, die nicht unbedingt die leistungssportliche Realität widerspiegeln sowie die völlige Ausblendung sozialhistorischer Sichtweisen (vgl. Peiffer & Fink, 2003, S.33).
Als Reaktion darauf erschienen Arbeiten von ehemaligen Involvierten des DDR-Sportsystems wie HUHN und RÖDER oder auch Biographien früherer Sportler und Funktionäre (Ewald 1994, Schur 2001, Drechsler 2001). Die daraus entstehende Kontroverse unterschritt zum Teil das Niveau der Wissenschaftlichkeit und lieferte keinen Beitrag zur kritischen Aufarbeitung und Analyse des DDR-Sportsystems. Dieser Ost-West-Konflikt der nostalgischen Erinnerungen auf der einen und der medienwirksamen Inhaltssuche auf der anderen Seite ist bedingt durch die subjektiv gefärbten Sichtweisen der Autoren, die ihre Sozialisation zu Zeiten des ‚Kalten Krieges’ erhielten (vgl. Peiffer & Fink, 2003, S.88). Einen Ausweg aus diesen marginalen
Einleitung 11
Anschauungen bieten die Göttinger Wissenschaftler BUSS, GÜLDENPFENNIG und KRÜGER (Göttinger Konzept) an, die neben der Dokumenten- und Literaturrecherche auch kritische Reflexionen von Zeitzeugen und Experten mit einbeziehen.
Diesem Kurs der Verständigung und Annäherung folgen auch DELOW (1999) und HARTMANN (1997). Durch Konzentration auf sozialhistorische Aspekte der Alltags- und Mentalitätsgeschichte von Trainern und Spitzensportlern leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung des Breiten- und Spitzensports in der ehemaligen DDR. So räumt neben den erwähnten Autoren auch TEICHLER (1999) ein, dass die sportlichen Erfolge der DDR mit einen Vorlauf in der Sportwissenschaft, den Trainingsbedingungen sowie der Nachwuchsarbeit ab der Mitte der 60er Jahre zusammenhängen (vgl. S.601). In der Diskussion des aktuellen Stands der sporthistorischen Forschung soll untersucht werden, welche Auswirkungen die wirtschaftliche Strukturkrise der DDR in der 80er Jahren auf den regionalen Leistungssport hatte und inwieweit eine vermeintliche Sinnkrise festzustellen war. Des Weiteren ist es von Interesse, welche Schlüsse sich aus der speziellen Darstellung der SCM-Geschichte auf die charakteristische Struktur des DDR-Leistungssportsystems ziehen lassen und worin die Ursachen seines Erfolgs lagen. Die Literaturlage zum Themengebiet des Breiten- und Spitzensports in der DDR kann insgesamt als durchaus positiv beurteilt werden. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands entstanden inhaltlich und methodisch vielfältige Untersuchungen unterschiedlicher Qualität und wissenschaftlicher Aussagekraft. Wenig Beachtung fand bisher allerdings die Aufarbeitung regionaler Vereinsgeschichte. Bis auf die „Fallstudie TSC Berlin“ von DELOW (1999) existiert keine dem Autor bekannte Arbeit, die sich nach 1989 mit der Historie eines ehemaligen Sportclubs beschäftigt. Allgemeine Aussagen zur Arbeitweise und Organisation von Sportclubs finden sich beispielsweise bei REICHELT (2001) oder TEICHLER (1999), sind aber insgesamt unzureichend. Zur Erforschung der Regionalgeschichte des Sportclubs Magdeburg von 1955 bis 1989 sowie der Vorgeschichte von 1945 bis 1955 wurde auf Archivmaterial des LSB Sachsen-Anhalt und des SSB Magdeburg zurückgegriffen.
Einleitung 12
Ergiebig zeigten sich auch die Literaturrecherchen im Stadt- und im Landeshauptarchiv Magdeburg. Von besonderer Bedeutung für die Arbeit waren die früheren Ausarbeitungen und Belege des langjährigen Clubvorsitzenden Günter Hartmann sowie die verschiedenen
Jubiläumsbroschüren des Sportclubs Magdeburg. Die Ausführungen basieren weiterhin auf einer Reihe von Zeitzeugen- und Experteninterviews zu ausgewählten Themengebieten.
Trotz der beschriebenen Dokumenten- und Informationsquellen ist der Literaturfundus insbesondere zur Entwicklung des Sportclubs vor 1969 als recht schwierig einzuschätzen, da Akten aus dieser Zeit nur in sehr begrenzten Umfang noch existierten und Schriften (Festschrift 1965 SCM) einer teilweise starken ideologischen Prägung unterliegen. Die in diesem Zusammenhang notwendigen Ableitungen der allgemeinen auf die regionale Entwicklung sollen an gegebener Stelle kenntlich gemacht werden.
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 13
2 Die Entwicklung der regionalen Sportbewegung - Zur
Vorgeschichte des Sportclubs Magdeburg (1945 - 1955)
2.1 Die Entstehung des kommunalen Sports im Nachkriegs-Magdeburg zwischen 1945 und 1948
Der Zweite Weltkrieg hatte die Stadt Magdeburg, aber vor allen deren Bevölkerung, zutiefst in Mitleidenschaft gezogen. Unter den Trümmern der zu einem Dritteln total und zu einen weiterem Drittel teilweise zerstörten Stadt lagen auch viele Sportstätten begraben. Eine Reihe von Turnplätzen wurde zudem von der hungernden Bevölkerung für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt (vgl. Heise, 1984, S. 15). Trotz der starken Zerstörungen und der schwierigen Nachkriegsbedingungen regten sich bald nach Kriegsende die ersten größeren sportlichen Aktivitäten in der Stadt. So organisierte der damals 19-jährige und spätere Kapitän der DDR-Nationalmannschaft Hans-Jürgen Wende bereits im Mai 1945 das erste Handballtraining auf dem Lemsdorfer Sportplatz. Wenig später entstanden aus diesen eher spontanen Zusammenschlüssen engagierter Sportler vereins- oder vereinsähnliche Strukturen, die sich an die von den Nationalsozialisten 1933 verbotenen ehemaligen Organisationsformen des Sports anlehnten. Als leitendes Organ konstituierte sich der „Antifaschistische Sportausschuss“, der einen Aufbau des Sports in Selbstverwaltung unterstützte.
Bereits Ende des Jahres 1945 hatten sich in den zwölf Stadtteilen Magdeburgs 14 Volkssportgemeinschaften, inklusive einer Polizei- sowie einer Gehörlosensportgruppe, gebildet. 2
Der sich frei entwickelnden Sportbewegung wurde jedoch durch die im Dezember 1945 vom „Alliierten Kontrollrat für Deutschland“ beschlossene Richtlinie 23, welche die Beschränkung und Entmilitarisierung des Sports zum
2 Die Volkssportgemeinschaften und deren wichtigste Vertretern waren: Sudenburg (Jochen
Freiberg), Diesdorf (Willi Knobbe), Wilhelmstadt (Walter Brecht), Südost (Gebrüder Jürgens),
Altstadt (Willi Wittauer), Alte Neustadt (Karl Wildt), Neue Neustadt (Max Giesler), Buckau (Ernst
Wiese), Lemsdorf, Fermersleben (Herbert Wahrendorf), Rothensee (Weber), Magdeburg-Ost
(Herman Gieseler, Walter David), Polizei (Otto Ebeling), Gehörlose (vgl. Heise, 1984, S. 15).
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 14
Inhalt hatte, frühzeitig Einhalt geboten (vgl. Frost u. A., 1991, S.8). Zur Kontrolle und Regelung des nur auf kommunaler Ebene erlaubten Sports wurde durch die Besatzungsmächte in Magdeburg Ende 1945 das „Städtische Sportamt“ eingerichtet, bei welchem alle Sportgemeinschaften angemeldet und registriert werden mussten. Die Alliierten schoben somit, aus Angst einer neuen nationalistischen Instrumentalisierung der Leibesertüchtigung, dem
entstehenden Sport in Selbstverwaltung einen Riegel vor. Der „Antifaschistische Sportausschuss“ wurde mit der Gründung des Städtischen Sportamtes im Januar 1946 wieder aufgelöst (vgl. Meinecke/Musial, 1982, S.26). Da die Turnhallen und Schwimmbäder größtenteils zerstört waren, wurde Sport zunächst vorwiegend im Freien betrieben. Dazu gehörten neben Fußball, Handball und Faustball später auch Kegeln, Gymnastik, Leichtathletik und Volleyball. Rudern und Segeln waren nicht möglich, da die Boote von den Alliierten beschlagnahmt worden waren. Verboten war neben den verschiedenen Kampfsportarten auch das Turnen, welches den Alliierten zu militärisch erschien (vgl. ebenda, S.21). Der Handball war dabei die erste Sportart, in welcher ab 1946 ein regelmäßiger Wettkampfbetrieb aufgenommen wurde. 3 Im gleichen Jahr fand auch die erste Magdeburger Fußballmeisterschaft statt; der damalige Sieger war die SG Burg. Eine weitere sportorganisatorische Institution, die sich nach dem Kriegsende herausbildet hatte, war der „Antifaschistische Jugendausschuss“, dessen Aufgaben jedoch bald von den entstehenden FDJ-Sportgruppen übernommen wurden. Nach der Gründung der SED im Frühjahr 1946 wurde dem kommunistisch geführten FDGB mehr Autorität im Erwachsenensport zugestanden. Diese für die „Sowjetische Militär Administration Deutschlands“ (SMAD) „[…] systemkonforme Brücke zwischen Jugend-und
Erwachsenensport […]“ (Teichler, 2002, S.38) stieß bei vielen Magdeburger Sportlern auf Ablehnung und Unwillen. Neben der zunehmenden Politisierung
3 Der Spielbetrieb der Frauen begann erst ein Jahr später (1947).
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 15
und staatlichen Kontrolle des Sports erinnerten die neu geschaffenen Strukturen stark an die Organisationsformen der vorangegangenen Diktatur. 4 Die kommunalen und formal unpolitischen Volkssportgemeinschaften in Magdeburg bekamen also zunehmend Konkurrenz durch den FDJ-Sport und den in Fabriken und Betrieben entstehenden FDGB-Sport. Das Ziel der SMAD und der kommunistischen Kräfte war es, eine einheitliche staatlich kontrollierte Sportstruktur zu schaffen. Forciert wurde dieser Plan dadurch, dass der FDJ 1948 von der SMAD zugestanden wurde, überregionale Wettkämpfe bis hin zu Zonenmeisterschaften zu organisieren und durchzuführen.
2.2 Der Beginn des überregionalen Sportverkehrs unter Leitung des Kreissportausschusses zwischen 1948 und 1952
Im Juni 1948 kam das Zentralsekretariat der SED zu dem Schluss, dem bisher wenig beachteten Sport mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zur Etablierung einer einheitlichen Sportbewegung konstituierte sich im Oktober des gleichen Jahres erstmals der „Deutsche Sportausschuss“ (DSA), der den Anschein einer politisch unabhängigen Organisation erwecken sollte, formal aber in Trägerschaft bzw. Anhängigkeit von FDJ und FDGB stand. Durch die einsetzende Stalinisierung der „Sowjetischen Besatzungszone“ (SBZ) wurden aus freien Verbänden und Gewerkschaften kommunistische systemkonforme Massenorganisationen. Die Unterdrückung kritischer Stimmen in Parteien und Vereinen führte zu einer weiteren Politisierung und Kontrolle des Sports. Mit der Gründung der DSA ging die Nachkriegsperiode der Sportentwicklung in der SBZ zu Ende (vgl. Gallinat, 1997, S.122). Dem DSA unterstanden insgesamt sechs Landessportausschüsse, welche für 130 Kreissportausschüsse zuständig waren. Die Gesamtstruktur wurde zur „Demokratischen Sportgesellschaft“ (DS) zusammengefasst (vgl. Buss/Becker, 2001, S.206).
4 Mehr zu diesem Thema findet sich bei TEICHLER 2002, S.43-45.
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 16
Der FDJ-Sport und das Städtische Sportamt in Magdeburg wurden daraufhin im September 1948 vom Kreissportausschuss abgelöst. Zu dieser Zeit existierten in der Stadt elf Sportgemeinschaften mit etwa 10000 aktiven Sportlern (vgl. Seidler/Seidler, 1983, S.15).
Die entscheidende Neuerung in den Augen vieler Magdeburger Sportler war, dass mit der Entstehung der Demokratischen Sportbewegung überregionale Wettkämpfe bis hin zu Zonenmeisterschaften möglich waren. 5 Der Wechsel der Sportverantwortlichkeit vom „Antifaschistischen Sportausschuss“ über das Städtische Sportamt bis hin zum Kreissportausschuss war ohnehin überwiegend struktureller Natur, da Mitarbeiter wie Otto Benecke oder Walter David durchgehend an der Spitze der jeweiligen regionalen Sportverwaltung standen.
Nach dem Willen der SED sollte der Sport verstärkt in die volkseigenen Betriebe verlagert werden. Diese Betriebssportgemeinschaften (BSG), die überregional zu Sportvereinigungen (SV) der Einzelgewerkschaften 6 zusammengefasst wurden, sollten nach dem Willen der SED gut ausgestattet dem unpolitischen Sport Konkurrenz machen und diesen nach und nach ersetzen. So entstanden in den Jahren 1948/49 die ersten Betriebssportgemeinschaften in Magdeburg, die nach dem Spartenprinzip (Gliederung in Abteilungen) mindestens sechs Sportarten umfassen mussten, um vom Kreissportausschuss zugelassen zu werden (vgl. Meinecke/Musial, 1982, S.39-43). So wandelte sich die Sportgruppe Magdeburg-Ost über Sportgemeinschaft „Rot-Grün“ schließlich zur BSG „Einheit“. Auch wenn die politische Führung der mittlerweile gegründeten DDR dem ‚Nur-Sportlertum’ den Kampf angesagt hatte, drehte sich die sportliche Wirklichkeit der Magdeburger Athleten vorwiegend um Training, Wettkampf und den Wiederaufbau der zerstörten Sportstätten (vgl. Thomas, 1999, S.100). So konnten bis zum Jahr 1950 der Sportplatz am Tonschacht, das Werner-
5 Dieerste Ostzonenmeisterschaft im Wasserball fand im September 1948 in Magdeburg statt,
welche von der Volkssportgemeinschaft Magdeburg-West gewonnen wurde (vgl. Heise, 1984,
S.21).
6 In der DDR entstanden insgesamt 18 gewerkschaftliche Sportvereinigungen (SV Stahl,
Turbine, Aufbau, Traktor, …).
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 17
Seelenbinder-Stadion, das Stadion der Bauarbeiter, der Platz der Freundschaft und das Stadtbad wiedereröffnet werden. 7
Durch die besseren Trainingsmöglichkeiten konnten die Magdeburger Sportler bald an alte Erfolgstraditionen anknüpfen. So stellten die Schwimmer der BSG Aufbau Börde die erfolgreichste Mannschaft bei den ersten ausgetragenen DDR-Meisterschaften 1950 in Pirna. Bis zum Jahr 1954 holten die Schwimmer zudem 18 Landesmeistertitel der DDR. Die Wasserballer Magdeburgs waren nicht weniger erfolgreich und gewannen 1949, 1950 und von 1952 bis 1954 die Zonen- bzw. DDR-Meisterschaften. Auch bei den 1949 in Magdeburg ausgetragenen Zonenmeisterschaften im Kanusport überzeugten Magdeburger Athleten von BSG Motor Südost mit vier Titeln. Weitere Meisterschaften wurden bis 1950 im Hockey, im Handball, im Kegeln und im Bahnradfahren gewonnen. Im Jahr 1953 begann die große Zeit des Gustav-Adolf („Täve“) Schur von BSG Aufbau Börde, der am 8. März bei den I. Meisterschaften im Querfeldein-Radfahren in Halle seinen ersten Titel gewann. Im August gewann er die fünfte und ein Jahr später auch die sechste DDR-Rundfahrt. Trotz einiger schon beschriebener Verbesserungen für die Sportler war der DSA mit seinen untergeordneten Instanzen eine hochbürokratische und ineffiziente Institution, da alle wichtigen Entscheidungen bis 1951 mit den Trägerorganisationen (FDJ und FDGB) abgestimmt werden mussten (vgl. Gallinat, 1997, S.144f). Weitere Probleme waren ein Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, die begrenzten finanziellen Möglichkeiten sowie die politische Funktionalisierung und Kontrolle der Sportbewegung durch den Staat. Wie wenig erfolgreich der DSA darin war, alle Sportler in einer einheitlichen Bewegung zu vereinen, zeigte eine Untersuchung von 1954, aus der hervorging, dass noch immer 1669 territoriale Sportgemeinschaften mit insgesamt 144553 Mitgliedern in der DDR existierten, die keine Anbindung an FDJ oder FDGB hatten und zum Teil vereinsähnliche Strukturen auswiesen. 8
7 Das Stadtbad in der Maxim-Gorki-Straße, ehemals „Wilhelmsbad“, existiert seit 1998 nicht
mehr. Das Werner-Seelenbinder-Stadion war vor der Namensgebung unter „Stadion
Pettenkoferstraße“ bekannt.
8 Die „Überprüfung der demokratischen Sportbewegung“ ist dokumentiert in TEICHLER 2002,
S. 258-294.
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 18
Auch nach der Reorganisation des DSA im Jahre 1951 nach sowjetischem Vorbild, bei der FDJ und der FDGB als Trägerorganisationen abgelöst worden waren, kam es nicht zu entscheidenden Verbesserungen im Aufbau einer funktionierenden und leistungsstarken Sportbewegung. Insbesondere die schwachen internationalen Leistungen von DDR-Sportlern bewogen verantwortliche Regierungsfunktionäre, die Sportbewegung vollständig unter staatliche Anleitung und Kontrolle zu stellen. Dem Scheitern des Deutschen Sportausschusses folgte daraufhin im Juli 1952 die Einrichtung des „Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport“ (STAKO), welches sich landesweit in Bezirks- und regional in Kreiskomitees untergliederte.
2.3 Die Förderung des Leistungssports durch das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport zwischen 1952 und 1955
Auch wenn sich mit der Gründung des Kreiskomitees in Magdeburg im Jahr 1952 für die Sportgemeinschaften und für den einzelnen Sportler wenig änderte, so war die zentrale Führung sowie die politische Kontrolle des Sports von nun an vollständig in staatlicher Hand. Insbesondere die fehlenden sportlichen Erfolge der DDR bei den „III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten“ 1951 in Leipzig, bei denen von 14 deutschen Rekorden in der Leichtathletik nur einer durch einen DDR-Sportler erzielt werden konnte, führten zu dem beschriebenen strukturellen Wandel und einer verstärkten Konzentration auf den Leistungssport (vgl. Gallinat, 1997, S.141). Der Grund für die zunehmende Bedeutung, welche die Regierung dem Leistungssport zumaß, basierte auf der Intention, durch die außenpolitische Funktionalisierung des Sports einen Beitrag zur Profilierung und Anerkennung der jungen DDR zu leisten. Daneben sollten Erfolge im internationalen Spitzensport auch zur innenpolitischen Stabilisierung des Landes beitragen. 9 Die zunehmende Medialisierung des Sports und dessen internationale Bedeutung machten den Leistungssport zur idealen Bühne, um die erwünschte Überlegenheit des
9 Mehr zu diesem Thema findet sich bei TEICHLER 2004, S.283 oder BUSS 2004, S.17.
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 19
sozialistischen Staatssystems darzustellen. Neben der sportlichen Ausbildung stand die Gewinnung der Sportler für die Interessen des Staates im Mittelpunkt der politischen Einflussnahme. Die ab Januar 1950 regelmäßig stattfindenden Bildungsabende und Mitgliederversammlungen in den
Betriebssportgemeinschaften hatten die ideologische Zielsetzung, den Sportler zum ‚Diplomaten im Trainingsanzug’ zu formen. Trotz aller Bemühungen leitender Funktionäre musste 1952 resümiert werden, dass bei den Sportlern noch immer die Meinung vorherrscht, „[…] nur Sport und nicht Politik treiben zu wollen“ (Gallinat, 1997, S.134). Die unmittelbare Hauptaufgabe des Leistungssports bestand aus Sicht der politischen Führung zunächst darin, die Athleten der BRD zu übertreffen und „[…] die Mehrzahl der gesamtdeutschen Rekorde […] in die DDR zu holen“ (ebenda, S.141).
Um die sportliche Leistungsentwicklung weiter voranzutreiben, wurden ab 1952 auf Empfehlung des Bezirkskomitees für Körperkultur und Sport sportartspezifische Schwerpunkte in den Betriebssportgemeinschaften eingerichtet. So sollten zum Beispiel in der BSG Aufbau Börde das Schwimmen, in der BSG Lokomotive Südost der Handball/Männer und in der BSG Motor Südost das Rudern besonders gefördert werden. Eine staatliche Unterstützung für ausgewählte Leistungssportler erfolgte durch eine Versorgung mit zusätzlichen Lebensmitteln 10 sowie der Einrichtung von Förderstellen 11 , die die Sportler ganz oder teilweise von der Arbeit in den Betrieben befreiten. Diese Privilegierung der Sportler sollte möglichst wenig publik gemacht werden, da der Grundsatz des Amateursports damit unterlaufen wurde und diese Praxis nicht mit der grundlegenden Doktrin der ‚Gleichheit aller Menschen im Sozialismus’ vereinbar war. Die Schwerpunktsetzung auf einige Sportarten in den
Betriebssportgemeinschaften war nicht sehr populär und führte zu Unruhe unter den Magdeburger Sportlern, da die Förderung einer Sportart zumeist mit einer Benachteiligung der anderen Sektionen gleichzusetzen war.
10 „Zusätzliche Lebensmittel für Leistungssportler“ ist dokumentiert in TEICHLER 2002, S.253-
254.
11 Vgl. ebenda, S.304-308.
Zur Vorgeschichte des Sportclubs 20
Zur Entwicklung des Nachwuchssports beschloss das ZK der SED, Jugendsportschulen einzurichten, in denen bei Kindern „[…] vom 14. Lebensjahr ab […] der körperlichen Erziehung ein weitaus breiterer Rahmen eingeräumt“ 12 werden sollte. In Magdeburg wurde im Schuljahr 1953/54 die Berthold-Otto-Grundschule am Westring eine „Allgemeinbildende Schule mit erweitertem Unterricht im Fach Körpererziehung“, wobei jedoch noch keine leistungssportliche Ausbildung der Schüler im Vordergrund stand. Entscheidend für die weitere Profilierung des Leistungssports war die Arbeit der 1950 gegründeten DHfK in Leipzig, zu deren Aufgaben die Ausbildung und Anleitung der Lehrer und Trainer gehörte. Mit dem Abschluss eines Sportlehrerdiploms im Direkt- oder Fernstudiengang sollte die Qualifikation der Kader in den Sportorganisationen nachdrücklich erhöht werden (vgl. Buss/Becker, 2001, S.212). Viele der später erfolgreichsten Trainer Magdeburgs erwarben ihre Ausbildung an der DHfK in Leipzig oder an der DHfK-Außenstelle in Magdeburg.
Mit dem Regierungsbeschluss „Zur weiteren raschen Aufwärtsbewegung von Körperkultur und Sport“ vom 13.07.1954, begann die zielstrebige und planmäßige Förderung des Leistungssports (vgl. Teichler, 2002, S.295). In dieser wegweisenden Entscheidung wurde festgelegt, dass die
leistungsstärksten Sportler der Sportvereinigungen in Sportclubs (SC) zusammenzufassen und zu internationalen Höchstleistungen zu befähigen seien.
Nachdem bei der ersten landesweiten Gründungswelle von Sportclubs 1954 Magdeburg keine Berücksichtigung fand, wurde nach einem Protest der Bezirksleitung dem Antrag zum Aufbau eines Leistungssportzentrums stattgegeben. Im Juli 1955 erfolgte daraufhin die Gründung des „SC Aufbau Magdeburg“.
12 „Die Aufgaben auf dem Gebiet der Körperkultur und des Sports“ in TEICHLER 2002, S.208.
Die frühe Entwicklung des SC (Aufbau) Magdeburg 21
3 Strukturbildung und Leistungsorientierung - Die frühe
Entwicklung des SC (Aufbau) Magdeburg von 1955
bis 1969
Die Ausrichtung und das Ziel der Leistungssportentwicklung in der DDR wurden in den 50er Jahren vor allem durch die politische Auseinandersetzung mit dem damaligen Westdeutschland geprägt. Um den von der BRD konsequent verfolgten Weg des Alleinvertretungsanspruchs Deutschland (im Sport) vor der Weltöffentlichkeit, der „Hallstein-Doktrin“ 13 , entgegenzuwirken, wurde der intensiven Förderung und Entwicklung des Leistungssports besondere Aufmerksamkeit zuteil. Im Kampf der DDR um internationale Anerkennung und zur Darstellung der propagierten Überlegenheit des DDR-Sozialismus kam es zu einer Funktionalisierung des Sports für inner- und außenpolitische Zwecke. In diesem Sinne sprach sich auch Lothar Schmidt, der Vorsitzende des Bezirkskomitees für Körperkultur und Sport, für eine „Schnelle Steigerung der sportlichen Leistungen und Erreichung neuer Rekorde im internationalen und nationalen Maßstab zur Hebung des Ansehens der Deutschen Demokratischen Republik […]“ 14 aus.
Zur Förderung des Leistungssports wurde mit einem Beschluss des STAKO im Jahr 1954 landesweit begonnen, die besten Sportler der regional wichtigsten Sportarten in Sportclubs zusammenzufassen. Mit einem Jahr Verspätung unternahm man auch in Magdeburg die ersten Schritte zum Aufbau eines solchen leistungssportlichen Trainingszentrums, worauf dann am 15.7.1955 der „Sportclub Aufbau Magdeburg“ aus der Taufe gehoben wurde (vgl. Hartmann, 1973, S.3). Die Geschäftsstelle und der Sitz der Clubleitung unter Walter Müller, Otto Köppe und Otto Stammnick befanden sich bis 1965 in der
13 Der von Walter Hallstein, Staatssekretär im Auswärtigen Amt der BRD, konzipierte Grundsatz
sollte dazu dienen, die internationale Isolation der DDR aufrechtzuerhalten. Bei Ländern, die
diplomatische Beziehungen zur DDR aufnahmen, reagierte die Bundesregierung ihrerseits mit
einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und der Wirtschaftshilfe (Jugoslawien, Kuba).
Nach dem Abschluss des „Grundvertrags DDR-BRD“ 1972 wurde die Doktrin aufgegeben.
14 Referat anlässlich der IV. Sportkonferenz des Bezirks Magdeburg am 12.3.1955.
Aktenmaterial des Landeshauptarchivs Magdeburg.
Die frühe Entwicklung des SC (Aufbau) Magdeburg 22
Salzmannstraße. 15 Die Sportler der Gründungssektionen Schwimmen, Wasserball, Turnen/Gymnastik und Handball stammten zumeist aus der BSG Aufbau Börde. Als Trainingsstätten standen das Stadion der Bauarbeiter mit seinen Haupt- und Nebenanlagen, die Hermann-Gieseler-Sporthalle, das Stadtbad und die Turnhalle der Schule in der Schmeilstraße zur Verfügung. Neben den vier erwähnten Sportarten existierte in der Anfangszeit auch eine Abteilung Wintersport, die der Verantwortung des SC Aufbau Magdeburg unterstand. Der Wintersportler Harry Glaß, der in Klingenthal beheimateten Sektion, sollte den ersten internationalen Erfolg für den jungen Sportclub erringen. Bei den Olympischen Winterspielen von 1956 in Cortina d’Amprezzo (Italien) gewann Harry Glaß die Bronze-Medaille im Spezialsprunglauf. Damit war er nicht nur der erste Olympia-Medaillengewinner des Sportclubs und der gesamten DDR, sondern auch der erste deutsche Athlet, dem im nordischen Skisport seit der erstmaligen Teilnahme 1928 in St. Moritz olympische Ehren zuteil wurden. Die Sektion Wintersport verblieb jedoch nur zwei Jahre im Sportclub, da mit der Gründung des SC Dynamo Klingenthal 1957 alle Sportler dorthin wechselten.
Ein Jahr nach der Gründung des SC Aufbau Magdeburg fanden 1956 die Kanuten und Boxer zum Club. Die Sportler der letztgenannten Sektion, die aus dem Zusammenschluss der Betriebssportgemeinschaften Gerätewerk, Motor und Aufbau Börde entstanden war, trainierten unter der Anleitung von Kurt Schwarz im Adlerheim. Zu den erfolgreichsten Boxern jener Zeit gehörten Achim Bedau, Walter Cybinski und Heiko Winter. Letzterer war Teilnehmer an den Olympischen Spielen von 1964 in Tokio, wo er im Halbweltergewicht jedoch bereits in der Vorrunde scheiterte. 16 Nachdem in den ersten zwei Jahren nach der Gründung des Sportclubs Athleten nur aus wenigen Betriebssportgemeinschaften zum Club delegiert worden waren, versuchte die Clubleitung in teilweise schwierigen Verhandlungen zu erreichen, dass die besten Sportler der gesamten Region ihren Weg in den Club fanden. So kamen 1957 neben der Abteilung
15 Vgl. Interview mit Günter Hartmann
16 Mehr zur Sektion Boxen findet man in FESTSCHRIFT 1965, S.25-27.
Arbeit zitieren:
Andreas Baumgart, 2004, Die Geschichte des Sportclubs Magdeburg zwischen 1955 und 1989, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sport - Sportgeschichte: Die Geschichte des Sportclubs Magdeburg zwischen 1955 und 1989 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sport - Sportgeschichte: neuer Titel erschienen: Die Geschichte des Sportclubs Magdeburg zwischen 1955 und 1989
Andreas Baumgart hat den Text Die Geschichte des Sportclubs Magdeburg zwischen 1955 und 1989 veröffentlicht
Deutsch, English, Francais
Werner Klapper, Jürgen Haase, Wolfgang Wollek, Annie Carroy-Schwarz
Landeshauptstadt und Elbmetropole Magdeburg - Mittelalterliche Kaisers...
Manfred Zander, Horst Ziethen, Gwendolen Webster, France Varry
Mechthild of Magdeburg: Selections from the Flowing Light of the Godhe...
Mechthild, Jane Chance, Elizabeth A. Andersen
History and Politics in Late Carolingian and Ottonian Europe: The Chro...
Regino, Simon MacLean
0 Kommentare