Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Vorbemerkungen zur Untersuchung der Berichterstattung im Fall Leo Kirch 6
2.1. Auswahl der Tageszeitungen 6
2.2. Die Beziehungen zwischen Leo Kirch und dem Axel Springer Verlag AG 8
2.3. Die Situation der KirchGruppe Ende des Jahres 2001 9
3. Die „Springer-Option“ „Schlägt Springer den Kirch-Turm?“ 11
3.1. Der Wert der „Springer-Option“ 11
3.2. Spekulationen - Die Berichterstattung vor dem 30 01 2002 12
3.3. Reaktionen - Die Berichterstattung ab dem 30 01 2002 15
4. Leo Kirch und die Banken (Das „Breuer-Interview“) 14
4.1. Kirchs Bankkredite 17
4.2. Das Fernsehinterview von Rolf-E. Breuer 16
4.3. Reaktionen - Die Berichterstattung nach dem 04 02 2002 20
5. Fazit 23
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 24
6.1. Literaturverzeichnis 24
6.2. Quellenverzeichnis 25
7. Anlage 26
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1. Einleitung
Unternehmensmeldungen sind, neben wirtschaftspolitischen Themen, ein Schwerpunkt der Wirtschaftsberichterstattung in den Medien. In Deutschland stehen zumeist die großen Aktiengesellschaften des Deutschen Aktien Index (DAX) wie zum Beispiel Daimler Chrysler, Siemens, Deutsche Telekom oder die Banken und Versicherungen im Vordergrund. Spätestens mit dem Aufkommen der „New Economy“ und dem damit eng verbundenen Hype an den Börsen weltweit, gewannen die Wirtschaftsthemen in allen Medien an Bedeutung. Dementsprechend wurden die Angebote in Qualität und Quantität deutlich ausgebaut. In der Berichterstattung selbst spielten die Vorstandsvorsitzenden eine immer wichtigere Rolle. Namen wie Jürgen Schrempp, Josef Ackermann oder Heinrich von Pierer 1 sind längst auch außerhalb von Bank- und Finanzkreisen bekannt. „Die Vorstandsvorsitzenden waren plötzlich nicht mehr Männer in grauen Anzügen - sondern Superstars.“ 2 Genau diese Popularität der Führungskräfte kam auch, in meist freundlichen, schon fast boulevardesken Titelstories von Wirtschafts- und Anlegermagazinen zum Ausdruck. War d iese Personalisierung der r ichtige Ansatz für eine kritische und möglichst objektive Wirtschaftsberichterstattung? Denn dies sollte ja im Sinne der Zuschauer und Leser das Ziel sein. Zumindest ein Teil der Informationen und Daten über die Unternehmen beruhen aber nach wie vor auf standardisierten Regeln.
Für große Kapitalgesellschaften (v.a. Aktiengesellschaften) bestehen in Deutschland bzw. Europa strenge Publizitätspflichten. Zum einen auf Grundlage von Gesetzen 3 zum anderen in Form von Vorschriften der Börsen, an denen die Aktien notiert sind. Das heißt, sowohl UnternehmenS.Z.ahlen (z.B. Jahresabschlüsse, QuartalS.Z.ahlen) als auch Nachrichten, die den Kurs der entsprechenden Aktien beeinflussen könnten („ad hoc Meldungen“ 4 ), müssen von den entsprechenden Aktiengesellschaften veröffentlicht werden. Diese Informationen bilden eine wichtige Grundlage für die Wirtschaftsberichterstattung in den Medien. Denn jede ad hoc Meldung, jede Presseerklärung und jeder Kommentar eines Vorstandsmitgliedes wird umgehend von den Experten der Banken und Versicherungen analysiert. Über die Nachrichtenagenturen und Wirtschaftsdienste werden in sekundenschnelle entsprechende Einschätzungen oder Empfehlungen an die verschiedenen Presse- und Rundfunkmedien verbreitet. So gelangen diese
1 „Die meistgenannten Manager in der Süddeutschen Zeitung/in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Medien Tenor Forschungsbericht Nr. 120, 15.Mai 2002, Seite 46. www.medien-tenor.de/rankings/20-tab.pdf
2 Münchau,Wolfgang: Die vierte Gewalt in der Kritik, in Financial Times Deutschland, 30.Juli 2002, Seite 30.
3 gemäß Handelsgesetzbuch § 316 ff und Aktiengesetz (AktG)
4 §15 Wertpapierhandelsgesetz (WphG)
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Informationen vor a llem per Fernsehen, Zeitschrift und Zeitung an den interessierten Rezipienten.
Doch, was ist mit Unternehmen, die nicht an den Börsen notiert sind, aber trotzdem Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaften? Welche UnternehmenS.Z.ahlen gibt es von Haribo, dem Otto-Versand oder Aldi? Zwar müssen diese Unternehmen, die meist als Personen- bzw. Handelsgesellschaften (OHG, KG) firmieren, auch Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse erstellen und vorlegen. 5 Nur müssen diese Angaben im Gegensatz zu den Regelungen für Kapitalgesellschaften (s. oben) eben nicht veröffentlicht werden. Hans Riegel (Haribo), Werner Otto (Otto-Versand), Klaus und Theo Albrecht (ALDI) und einige andere Unternehmer und deren Familien können so verhindern, dass Ihr Vermögen bzw. der Wert ihrer Unternehmen über die Medien bekannt wird. Stattdessen existieren in der Öffentlichkeit nur geschätzte oder unvollständige UnternehmenS.Z.ahlen.
In diesen Fällen gibt es keine Aktienkurse, keine QuartalS.Z.ahlen, keine Kaufempfehlungen von Analysten, keine Spekulationen über neue Fusionen und Strategien, ja nicht mal ein paar kontroverse Äußerungen eines Vorstandsmitglieds. Genau deshalb stehen diese Unternehmen und Unternehmer nur äußerst selten im Fokus der (tagesaktuellen) Wirtschaftsberichterstattung. Es sei denn, es passiert Außerordentliches, denn auch ein noch so verschwiegenes Familienunternehmen wird schlagartig interessant, wenn eine Pleite droht. Dann sind nicht nur die Arbeitsplätze der Arbeiter und Angestellten in Gefahr sondern häufig auch die von den Banken zur Verfügung gestellten Kredite. Da in Deutschland zumindest die großen Privatbanken alle als Aktiengesellschaften firmieren, hätte so ein Kreditausfallrisiko sofort Auswirkungen auf die GeschäftS.Z.ahlen und somit auch auf den Kurs der Aktie. Damit ist es auch auf jeden Fall ein Thema für die Wirtschaftsberichterstattung. Eine besondere Situation entsteht, wenn es sich bei dem angeschlagenen Unternehmer nicht um einen Produzenten von Gummibärchen sondern um einen „Filmpaten“ 6 handelt. Im ersten Quartal des Jahres 2002 stand ein Unternehmer und sein „ Firmen-Konglomerat“ 7 im Mittelpunkt der Berichterstattung, der sonst die mediale
5 gemäß Publizitätsgesetz, wenn zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt werden: Bilanzsumme über EUR 65 Mill., Umsatz über 160 Mill. EUR, mehr als 5.000 Mitarbeiter.
6 Clark, Thomas: Der Filmpate - Der Fall des Leo Kirch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1. Auflage,
2002
7 Hachmeister, Lutz und Rager, Günther: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt
- Jahrbuch 2003, Verlag C.H.Beck oHG, München, 2002, Seite 241.
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Öffentlichkeit scheute und lieber hinter den Kulissen der bunten Medienwelt agierte - Leo Kirch! 8
2. Vorbemerkungen zur Untersuchung der Berichterstattung im Fall Kirch
2.1. Auswahl der Tageszeitungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Berichterstattung über Leo Kirch bzw. die KirchGruppe an fünf ausgewählten, in Deutschland erscheinenden überregionalen Tageszeitungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Artikeln und Kommentaren, die die so genannte „Springer-Option“ (Kap. 3.) und das Bloomberg-TV Interview des damaligen Deutsche Bank Vorstandssprechers Rolf-Ernst Breuer (Kap. 4.) thematisierten. Auf eine ausführliche Darstellung der Biografie von Leo Kirch sowie der Entstehungsgeschichte der KirchGruppe soll an dieser Stelle verzichtet werden. 9 Da sich die Untersuchungen auf zwei ausgesuchte Ereignisse im Januar und Februar 2002 beziehen, werden die in diesem Zusammenhang wichtigen Fakten, sowie relevanten Kooperationen und Beteiligungen der KirchGruppe in den entsprechenden Kapiteln aufgezeigt und kurz erläutert.
Als Untersuchungsobjekt wurden Tageszeitungen gewählt, da s ie aufgrund der täglichen Erscheinungsweise (Montag bis Freitag/Samstag) interessante Untersuchungsergebnisse ermöglichen. Zum einen kann über mehrere Tage die Berichterstattung einer Zeitung zu einem bestimmten Thema verfolgt werden und zum anderen sind Vergleiche der jeweiligen Berichterstattung in den Tageszeitungen untereinander möglich. Mit der Methode der Inhaltsanalyse lassen sich so Rückschlüsse auf die Quellen und bestimmte Tendenzen in der Berichterstattung herausarbeiten. Für die Untersuchung ausgewählt wurden fünf überregionale deutsche Tageszeitungen, die alle über Kompetenzen in den Bereichen Wirtschaft- und Unternehmensberichtserstattung sowie im Medienressort verfügen.
8 „Präsenz von Unternehmen in Süddeutscher Zeitung und FAZ“ in Medien Tenor Forschungsbericht Nr. 120,
15.Mai 2002, Seite 39. www.medien-tenor.de/rankings/20-tab.pdf
9 ausführlich in: Clark, Thomas: Der Filmpate - Der Fall des Leo Kirch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1. Auflage, 2002
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Nahe liegend war es, die beiden „WirtschaftsTageszeitungen“ 10 in Deutschland, das Handelsblatt (HB) und die Financial Times Deutschland (FTD) in die Untersuchung mit einzubeziehen. Beide Zeitungen haben ihr Angebot in den letzten Jahren um Ressorts wie Sport und Kultur erweitert 11 und werden deshalb seit 2002 auch von der ivw 12 als überregionale Tageszeitungen geführt. Der Schwerpunkt bei beiden Zeitungen liegt aber weiterhin auf dem Bereich Wirtschaft und Finanzen. Die „Handelsblatt-Gruppe“, von der auch andere Finanz- und Wirtschaftstitel (z.B. Wirtschaftswoche und Euro) herausgegeben werden, gehört zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH in Stuttgart. 13 Das Handelsblatt erreichte im ersten Quartal 2004 eine verkaufte Auflage von durchschnittlich 144.300 Exemplaren 14 . Die erst im Jahr 2000 gegründete „Financial Times Deutschland“ ist mit 93.000 verkauften Exemplaren 15 zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für das Handelsblatt geworden. Das auf signifikantem orangenem Papier erscheinende Blatt ist ein Joint Venture des englischen „Financial Times -Verlages Pearson plc. und dem Gruner und Jahr Verlag in Hamburg.“ 16
Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.), der Süddeutschen Zeitung (S.Z.) und DIE WELT handelt es sich um überregionale Tageszeitungen im klassischen Sinne. Süddeutsche Zeitung und F.A.Z. sind die beiden mit A bstand auflagenstärksten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland. 17 Darüber hinaus sind Sie führend bei der „Leseranalyse: Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung“ 18 . Neben den politischen Themen ist natürlich vor allem eine ausführliche Wirtschaftsberichterstattung für ein solches Ergebnis notwendig. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, da ss in beiden Zeitungen die Medienberichterstattung insofern geteilt wird, da Artikel über Medienunternehmen bzw. medienökonomische Aspekte meistens von Redakteuren der Wirtschaftsredaktion verfasst
10 Röpner,Horst: Zeitungsmarkt 2002: Wirtschaftliche Krise und steigende Konzentration, in Media Perspektiven 10/2002, S.482
11 ebd.
12 Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. www.ivw.de
13 Hachmeister, Lutz und Rager, Günther: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt - Jahrbuch 2003, Verlag C.H.Beck oHG, München, 2002, S.353ff.
14 Röper,Horst: Bewegung im Zeitungsmarkt, in Media Perspektiven 6/2004, S.277.
15 Röper,Horst: Bewegung im Zeitungsmarkt, in Media Perspektiven 6/2004, Seite 278.
16 Hachmeister, Lutz und Rager, Günther: Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt - Jahrbuch 2003, Verlag C.H.Beck oHG, München, 2002, Seite 166.
17 Jeweils durchschnittlich verkaufte tägliche Auflage im 1.Quartal 2004: S.Z. 437.100 Exemplare, F.A.Z.
386.200 Exemplare, Röper,Horst: Bewegung im Zeitungsmarkt, in Media Perspektiven 6/2004, S.277 und S.279.
18 http://www.immediate.de/LAE2003/Titelportraits/ Stand Juli 2003
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werden. 19 Während für gestalterische bzw. inhaltliche Themen eher Redakteure aus den Ressorts Feuilleton oder auch Politik verantwortlich sind.
DIE WELT kann zwar weder in Bezug auf die verkaufte Auflage noch bei der Bedeutung seiner Wirtschafts- und Medienberichterstattung mit den vier anderen Titeln mithalten, doch ergeben sich durch die Zugehörigkeit der Zeitung zum Axel Springer Verlag interessante Aspekte bei der Untersuchung bezogen auf die Springer-Option (Kap. 3.). Auf die Nennung der Namen einzelner Redakteure bzw. Autoren wird bis auf einzelne herausragende Ausnahmen in dieser Arbeit verzichtet.
2.2. Die Beziehungen zwischen Leo Kirch und dem Axel Springer Verlag AG
Das Verhältnis zwischen den Vertretern der Axel Springer Verlags AG und Leo Kirch war über Jahrzehnte von wirtschaftlicher Zusammenarbeit aber auch von gegenseitiger Abneigung geprägt. Namensgeber und Firmengründer Axel Caesar Springer bezeichnete Leo Kirch angeblich sogar als „Kriminellen, mit dem man besser keine Geschäfte machen dürfe.“ 20 . Mitte der achtziger Jahre beteiligte sich die Axel Springer Verlags AG mit 15% am damals neuen privaten Fernsehsender SAT1. Neben weiteren Verlagen war auch die „Programmgesellschaft für Kabel-und Satellitenfernsehen (PKS)“ mit 40% an SAT1 beteiligt. 21 Wie sich bald herausstellte, stand niemand anderes als Leo Kirch hinter der PKS. 22 Als wichtigster Film- und Rechtehändler in Deutschland war er natürlich vorrangig an eigenen Fernsehsendern interessiert, um dort seine Inhalte abspielen zu können. Die Minderheitsbeteiligung Springers an S AT1 passte Kirch überhaupt nicht ins Konzept. Im Gegenzug begann Leo Kirch damit, selbst und vor allem über Strohmänner, Aktien des Axel Springer Verlages zu kaufen. Nach dem Tod Axel C. Springers im Jahre 1985 schien der Weg frei für eine Übernahme der Axel Springer Verlags AG und damit der Verwirklichung des Traumes vom „integrierten Medienhaus“ 23 . Im Jahr 1987 offenbarte Leo
19 zum Beispiel: Süddeutschen Zeitung, hier schreiben die Wirtschaftsredakteure Hans Jürgen Jakobs und Klaus Ott auf der Medienseite.
20 „Vertreibung aus dem Verlag“ in Süddeutsche Zeitung vom 01.02.2002, Seite 39.
21 Kepplinger, Hans Matthias: Struktur des privaten Rundfunk, in Das Fischer Lexikon - Publizistik Massenkommunikation, 7. Auflage, Frankfurt am Main, 2000, Seite 507.
22 Clark, Thomas: Der Filmpate - Der Fall des Leo Kirch, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, 1. Auflage,
2002, Seite 83.
23 ebd, Seite 86.
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Frederik Schubert, 2004, Der Fall 'Kirch' in der Berichterstattung der Medien, Munich, GRIN Publishing GmbH
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