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III.I Gründe für die Stoffwahl ........................................................................................... 9
III.II Die Inszenierung ....................................................................................................... 9
IV V P Pi is s c c a at to or rs s W Wi ir rk ke en n a a u uf f d di ie e N Na ac c h hw we e l lt t . .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. . 1 13 3
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Vorwort
Erwin Piscator (Abb. 6) war einer der bedeutendsten Männer für das Deutsche Theater der 20er, aber auch der 60er Jahre. Die vorliegende Arbeit wird sich ausschließlich mit dem politischen Theater des frühen Piscator befassen.
Um die Art von Piscators Inszenierungen und die Hintergründe seines Wirkens besser verstehen zu können, sollte man auch über die Person dieses wichtigen Schauspielers, Lyrikers, Regisseurs, Theaterleiter, Dramaturgen und Kommunisten Bescheid wissen. Denn Piscator wurde, wie folgendes Kapitel deutlich zeigen wird, von den Irrungen und Wirrungen des Ersten Weltkrieges und der Politik des Ostens stark beeinflusst. Seine Arbeit schaffte ihm die Möglichkeit die Wirklichkeit als Ausgangspunkt zu nehmen, die gesellschaftliche Diskrepanz zu einem Element der Anklage, des Umsturzes und der Neuordnung im Sinne marxistischer Zielsetzung zu steigern. Piscator war sozusagen ein Lehrmeister, der dem Publikum den Spiegel der Realität vor Augen hielt, es aufklärte und ihm Wissen vermittelte, um so zu einer Veränderung beizutragen.
I Zur Person Erwin Piscator und der Herausbildung des politischen
Theaters
Am 17.Dezember 1893 wurde Erwin Friedrich Max Piscator in Ulm, einem Dorf bei Wetzlar als Sohn einer protestantischen Bürgerfamilie geboren. Seine Idee, „zur Bühne zu
gehen“ 1 entstand nach einem B esuch des Stücks „Maria Stuart“ im Giessener Stadttheater. Er „war tief erschüttert, weinte nächtelang und beschloß: das muß ich auch erleben.“ 2
Damit galt sein Interesse seit jeher dem Theater. Er volontierte am Münchner Hof- und Nationaltheater und studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 4. August 1914 war gleichsam Piscators geistiges Geburtsdatum. Denn 1915 wurde der Pazifist doch noch eingezogen und musste zwei Jahre an der Westfront als Soldat dienen. Die schlimme Zeit, die er durchleben musste, sollte sein Leben nachhaltig verändern. Im Jahre 1916 vollzog sich ein tragischer und ihn stark prägender Einschnitt in seinem Leben. Er verlor einen Kameraden, der ihm ein guter Freund geworden war durch einen sinnlosen Vorfall. Er musste aufgrund einer kurzen Unaufmerksamkeit im Schützengraben sein Leben lassen. Piscator fand den leblosen und völlig entstellten Körper seines Freundes auf und war erschüttert über das
„Zufällige, Willkürliche, ganz und gar Sinnlose, Absurde dieses Todes“ 3 . Diese Erfahrung
brachte ihn dazu, den Krieg mit anderen Augen zu sehen. Er sah in ihm keinen Sinn mehr und erkannte auch, dass der Beruf „Schauspieler“ anders zu sehen war, als er ihn sich vorgestellt hatte. Im Gegenteil – seine bisherige Auffassung erschien ihm nun nahezu lächerlich und konnte der Realität nicht standhalten. Eine innere Wandlung hatte sich offensichtlich in Piscator vollzogen.
Als Reaktion auf die schlimmen Ereignisse begann Piscator expressionistische Antikriegsgedichte zu schreiben. 1917 übernahm er die Leitung eines Fronttheaters, in dem er vorwiegend Komikerrollen spielte, wie beispielsweise "Charleys Tante", denn „hier (an
der Front) wurde ‚Kunst’ zur Aufmunterung gebraucht“. 4
1 Erwin Piscator zitiert in: Goertz, S. 16.
2 Ebd.
3 Ebd, S. 19.
4 Ebd, S. 21.
Eine wichtige Begegnung machte Piscator mit dem Künstler George Grosz, den er durch Wieland Herzfelde, Lyriker und Herausgeber der „Neuen Jugend“ kennenlernte. Grosz war zu damaligem Zeitpunkt bereits Mitglied einer geheimen Organisation, die sich
"Dada" nannte. Herzfelde, Heartfield und Piscator traten 1919 dieser Organisation bei. "Dada" war eine durchaus provokative und radikale, vor nichts zurückschreckende
Bewegung. Die damals bestehende Kunst verdeckte in den Augen der Dadaisten die grausame, nackte Realität. Kunst war ein w ichtiges Thema, welches von den Dadaisten vorwiegend in Bezug auf Politik diskutiert wurde. Von den Zuständen im eigenen Land
schwer enttäuscht, nahmen sich viele Dadaisten Russland zum Vorbild und sahen die Lösung zur Bekämpfung der eigenen Missstände, wie Krieg und Kapitalismus, in einer
radikalen Vorgehensweise. So kam es, dass sich die Dada-Bewegung zunehmend links orientierte. Aus der zunächst radikal-revolutionären Vereinigung wurde schließlich die
Kommunistische Partei Deutschlands, die KPD, in der Piscator Mitglied wurde. 5
Noch im selben Jahr, 1919, begann Piscator in Königsberg zu spielen und mehrere
Theaterstücke zu inszenieren. In manchen dieser Stücke verarbeitete er seine persönlichen Eindrücke und die Bilder des Krieges.
Er war einer der ersten deutschen Künstler, die die gesetzmäßige Veränderung der
bürgerlichen zu einer sozialistischen Gesellschaft wahrnahmen und diese auch versuchten in ihrem Wirken umzusetzen. Er formte schon 1920 das Programm eines proletarisch-
revolutionären Theaters mit der Darstellung des Klassenkampfes zwischen Bourgeoisie und Proletariat und einem eindeutigen proletarischen Klassenstandpunkt als wichtigste
Elemente. 6 Nachdem das noch stark expressionistisch geprägte Proletarische Theater, das für die berliner Arbeiterklasse gegründet worden war, im Frühjahr 1921 gescheitert war,
veranlasste Piscator die Neugründung dieser Art von Theater. 7 Er begann 1922 mit Hans Josef Rehschiff am Central-Theater in Berlin-Kreuzberg zusammenzuarbeiten. Bald erkannte er, dass mit Arbeitern allein, die er mit dem Proletarischen Theater hauptsächlich angesprochen hatte, kein Theater zu füllen war. So wandte er sich den kleinbürgerlichen
Schichten zu. Es entstanden „Die Kleinbürger“ von Maxim Gorki, „Die Zeit wird
5 Vgl. Goertz, S. 21-26.
6 Vgl. Fiebach, S. 179.
7 Vgl. Ebd., S. 180.
kommen“ von Romain Rolland sowie „Die Macht der Finsternis“ von Leo Tolstoi, die
allesamt ausgezeichnete Kritiken erhielten. 8
Doch auch dieses Unternehmen ging 1924 zu Ende und Piscator wechselte zur Berliner Volksbühne (Abb. 5). „Erst jetzt ging Piscator diesen für die Dramatik und das Theater des
20. Jahrhunderts notwendigen Schritt.“ 9 Er entwickelte als erster eigenständig sein
politisches Theater, das in der Zeit von 1924-1928 das erste große Modell für Dramaturgie und Theaterkunst außerhalb der Sowjetunion wurde. Fiebach bemerkt dazu: „Das ‚politische Theater’ war eine der ersten künstlerisch adäquaten Widerspiegelungen der Widersprüche und der revolutionären Prozesse in der kapitalistischen Gesellschaft nach der
Oktoberrevolution.“ 10
Doch auch an der Volksbühne selbst konnte Piscator seine ganz persönlichen Vorstellungen nicht recht verwirklichen. Er fand viele Stücke zu unpolitisch, da sich die jeweiligen Autoren der Stücke bereits von der politischen Wirklichkeit entfernt hatten. Er bemängelte, „Der Regisseur kann gar nicht bloßer Diener am Werk sein,....“, als ihm seine Veränderungen an einzelnen Stücken in der Presse angekreidet wurden. Er geriet auch in einen Konflikt mit dem Volksbühnenvorstand, dem die Aktualisierung und Politisierung des Stückes „Gewitter über Gottland“ m issfiel und ihm seine Inszenierungen radikal kürzen ließ. Diese Maßnahme bewog Piscator seinen Vertrag mit der Volksbühne
aufzulösen. 11
Im Jahre 1927, nur fünf Monate später, eröffnete er am Nollendorfplatz die erste Piscatorbühne mit „Hoppla, wir leben!“. Er hatte dort eine ganz moderne Bühnenapparatur einrichten lassen. Viele seiner damaligen Mitarbeiter, die seine Arbeit würdigten hatten sich ihm angeschlossen.
In den 20er Jahren zählte Piscator zu den bedeutendsten Männern Berlins überhaupt. Er schrieb unzählige Inszenierungen. Viele von ihnen waren sehr erfolgreich, wie zum
8 Vgl. Ausstellungskatalog der Akademie der Künste: Erwin Piscator.à Lebensdaten.
9 Fiebach, S.180.
10 Ebd.
11 Vgl. Ausstellungskatalog der Akademie der Künste: Erwin Piscator.à Lebensdaten.
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Yvonne Fischer, 1998, Die Piscatorbühne - das politische Theater des frühen Piscator, Munich, GRIN Publishing GmbH
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