Im Rahmen der zunehmenden Internationalisierung und Konsolidierung von Unternehmen und des Zusammenwachsens der europäischen Wirtschaft im Rahmen der EG wurde und wird eine gemeinsame rechtliche Grundlage für Umgründungsvorgänge innerhalb der Gemeinschaft zunehmend wichtiger. Um diese Grundlage zu schaffen hat die Kommission der Europäischen Gemeinschaft mit der Schaffung der EG-Richtlinie 90/434, der so genannten EG-Fusionsrichtlinie, einen ersten wichtigen Schritt unternommen. Ziel dieser Richtlinie ist es die Wirtschaft der Europäischen Gemeinschaft zu stärken und steuerliche Hemmnisse und Wettbewerbsverzerrungen auszuräumen.
Diese Seminararbeit befasst sich in diesem Zusammenhang sowohl mit der Historie der Richtlinie als auch der Koordinierungsbestrebungen im Steuersystem der EG, die mit ihr verfolgt werden. Weiterhin folgen eine Beschreibung der Richtlinie und eine Abhandlung zu deren Umsetzung, sowie ein abschließender Abschnitt zum Einfluss auf Entscheidungen in Unternehmen. Hier soll u.a. dargestellt werden, welche Verbesserungen sich unter entscheidungsspezifischen Gesichtspunkten durch die Ratifizierung der Richtlinie ergeben haben, aber auch welche Kritikpunkte und welchen Handlungsbedarf es für die Zukunft gibt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Historie
C. Erläuterung der Richtlinie
C.I. Präambel und Zielsetzung
C.II. Definition der Anwendungsfälle
C.III. steuerliche Regelungen
C.IV. Missbrauchsbestimmung und Umsetzungsfrist
D. Umsetzung der Richtlinie
D.I. Umsetzung in Deutschland
D.II. Umsetzung in den übrigen Mitgliedsstaaten
E. Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen
G. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der EU-Fusionsrichtlinie (Richtlinie 90/434) auf unternehmerische Entscheidungen sowie deren Beitrag zur Stärkung der europäischen Wirtschaft durch die Harmonisierung steuerlicher Rahmenbedingungen bei grenzüberschreitenden Umstrukturierungen.
- Historische Entwicklung und Ziele der Fusionsrichtlinie
- Steuerliche Regelungen und Anwendungsbereiche der Richtlinie
- Umsetzungsprozess in Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten
- Einfluss auf strategische Unternehmensentscheidungen
- Identifikation von Defiziten und zukünftigem Handlungsbedarf
Auszug aus dem Buch
C.II. Definition der Anwendungsfälle
Wie bereits der volle Titel der Fusionsrichtlinie aussagt, erstreckt sich ihre Gültigkeit auf vier Anwendungsfälle. Generell ist die Richtlinie, bzw. das entsprechend national umgesetzte Gesetz anzuwenden, sobald bei einer der Anwendungsfälle vorliegt und dabei Gesellschaften aus mindestens 2 Mitgliedsstaaten der EG beteiligt sind. Eine Gesellschaft im vorher genannten Sinne ist, nach Definition in Artikel 3 der Richtlinie: Eine Gesellschaft, die in einem der Mitgliedsstaaten ansässig ist, als dort ansässig angesehen wird und weiterhin ohne Wahlmöglichkeit der Körperschaftssteuer oder einer entsprechendenden, in der Richtlinie genannten, Steuer oder dessen Ersatz unterliegt und nicht davon befreit ist. Damit gilt die Richtlinie für die meisten Gesellschaften, die in der EG der Körperschaftssteuer unterliegen.
Den ersten der vier Anwendungsfälle der Richtlinie stellt die Fusion dar. Eine Fusion im Sinne der Richtlinie ist hierbei ein Vorgang, bei dem eine oder mehrere Gesellschaften ihr gesamtes Vermögen auf eine bestehende oder neu zu gründende Gesellschaft übertragen. Im Gegenzug erhalten ihre Gesellschafter Anteile am Kapital der übernehmenden Gesellschaft und ggf. eine maximal 10%ige Barzahlung am rechnerischen Wert der Anteile. Eine Fusion ist weiterhin der Vorgang bei dem eine Gesellschaft ihr gesamtes Vermögen an die Gesellschaft überträgt, die alle Anteile an ihrem Kapital besitzt. Alle genannten Vorgänge müssen zum Zeitpunkt der Auflösung und ohne gleichzeitige Abwicklung, der übertragenden Gesellschaft(en) erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung einer gemeinsamen rechtlichen Grundlage für Umgründungsvorgänge in der EU ein und skizziert das Ziel der Richtlinie, steuerliche Hemmnisse abzubauen.
B. Historie: Das Kapitel beschreibt den langjährigen Entwicklungsprozess der Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung seit 1957 und die Entstehung der Richtlinie 90/434.
C. Erläuterung der Richtlinie: Hier werden die inhaltlichen Kernpunkte, wie Präambel, Anwendungsfälle, steuerliche Regelungen und Missbrauchsbestimmungen, detailliert aufbereitet.
D. Umsetzung der Richtlinie: Dieser Teil beleuchtet die Herausforderungen der Transformation in nationales Recht, insbesondere den Status Quo in Deutschland im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten.
E. Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen: Hier werden die praktischen Auswirkungen der Richtlinie auf Unternehmensstrukturen und die damit verbundenen gesellschaftsrechtlichen Probleme analysiert.
G. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung und einem Ausblick auf den notwendigen Handlungsbedarf zur weiteren Optimierung der steuerlichen Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Fusionsrichtlinie, Europäische Gemeinschaft, Unternehmensbesteuerung, Umgründungsvorgänge, Steuerharmonisierung, Körperschaftssteuer, Sitztheorie, Niederlassungsfreiheit, Stille Reserven, Buchwertfortführung, Umwandlungssteuergesetz, Europäische Aktiengesellschaft, Unternehmensstrukturierung, Grenzüberwindung, Harmonisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die EG-Fusionsrichtlinie 90/434 und deren steuerliche Auswirkungen auf grenzüberschreitende Unternehmensumstrukturierungen innerhalb Europas.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Historie der Richtlinie, ihre spezifischen steuerlichen Mechanismen wie den Steueraufschub sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung in nationales Recht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die steuerlichen Vorteile der Richtlinie für Unternehmen aufzuzeigen, aber auch die verbleibenden gesellschaftsrechtlichen und steuerlichen Hindernisse kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche und ökonomische Analyse, die auf der Auswertung von Richtlinientexten, Gesetzesentwürfen und einschlägiger Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen der Anwendungsfälle (Fusion, Spaltung etc.), die steuerlichen Sonderregelungen und den Einfluss der Richtlinie auf unternehmerische Strategien unter Berücksichtigung verschiedener europäischer Rechtstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fusionsrichtlinie, Steuerharmonisierung, Umwandlungssteuergesetz, Sitztheorie und grenzüberschreitende Umstrukturierung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Bewertung der Richtlinie in der Arbeit?
Die Arbeit wertet die Richtlinie als wichtigen ersten Schritt zur Barrierebeseitigung, betont jedoch, dass sie aufgrund fehlender gesellschaftsrechtlicher Basis primär für "unechte" Fusionen relevant ist.
Welche Bedeutung kommt der "Sitztheorie" im Kontext der Arbeit zu?
Die Sitztheorie wird als wesentliches Hindernis für die volle Wirksamkeit der Richtlinie dargestellt, da sie Sitzverlegungen ins Ausland zivilrechtlich erschwert und somit den Grundgedanken der Niederlassungsfreiheit behindert.
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- Dipl. Wirtschaftsing. Guido Krebs (Author), 2004, Der Einfluss der EU-Fusionsrichtlinie auf unternehmerische Entscheidungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34612