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I. Einleitung II. Zur Übersetzungswissenschaft
1. Historische Entwicklung und Probleme der Übersetzungswissenschaft III. Intentionen der ÜbersetzerInnen IV. Vergleich der Übersetzungen
1. Formalität der Texte
2. Inhalt der Texte, lyrische Mittel V. Zusammenfassung
Die Sonette 27 und 143 von Shakespeare
Übersetzungen von Friedrich Bodenstedt
Übersetzungen von Stefan George
Übersetzungen von Christa Schuenke
Verteilung der Silbigkeit in den Sonetten
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Im Proseminar ”Einführung in die anglistische Literaturwissenschaft II” wurden mehrere Sonette Shakespeares und verschiedene zugehörige Übersetzungen betrachtet. Dadurch wurde in mir ein reichliches Interesse für diese Thematik geweckt, so daß ich mit meiner Arbeit an die Diskussionen vertiefend anknüpfen möchte. Meine Überlegungen gehen dahin, Übersetzungen aus verschiedenen Epochen miteinander zu vergleichen. Verzichten möchte ich dabei auf eine separate ausführliche Interpretation der Original-Sonette ebenso wie der Übersetzungen, ich beschränke mich darauf, inwieweit bestimmte Bedeutungen auf unterschiedliche Weisen ins Deutsche übertragen wurden, wie sprachliche Mittel (Syntax ect.) und Mittel der Dichtkunst (Reimschemen ect.) verwendet wurden. Auch werde ich mich auf zwei ausgewählte Sonette beschränken, da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, mehr oder gar sämtliche Sonette zu betrachten. Ich wähle für meine Vergleiche die Sonette 27 und 143.
Leider ist es mir nicht gelungen, in die Originalausgabe von Stefan George aus dem Jahre 1909 Einsicht zu nehmen. Somit mußte ich mich auf die Ausgabe von Günter Walch von 1989 und einer Biographie George´s von Eckhard Heftrich von 1968 stützen. Aus diesem Grunde habe ich diese Bücher unter ‘Primärliteratur’ angegeben. In der Sekundärliteratur sind einschlägige Werke zu den betrachteten Punkten angegeben, wo der interessierte Leser sein Wissen vertiefen kann. Die Sonette habe ich jeweils als Anlage beigefügt. An dieser Stelle nenne ich die von mir gewählten Übersetzer und werde kurz begründen, warum ich gerade diese vergleiche.
)ULHGULFK0DUWLQYRQ%RGHQVWHGW, Lyriker und Übersetzer, lebte von 1819 bis 1892. 1862, im Alter von 43 Jahren, gibt er ”William Shakespeare´s Sonette in Deutscher Nachbildung” heraus. Damit zählt seine Übersetzung zu einer typi- 1 schen Arbeit der Spätromantik.
6WHIDQ *HRUJH lebte von 1868 bis 1933. Er gab seit 1892 die ”Blätter für die Kunst” heraus und stillte damit seinen ständigen Drang, sich literarisch mitzuteilen. 1909, im Alter von 41 Jahren, gibt er seine deutschsprachige Fassung 2 Seine Übersetzung gilt als extrem umstritder Shakespeare-Sonette heraus. 3 ten , was sie für eine Betrachtung besonders interessant macht.
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ist seit 1981 ”als freischaffende literarische Übersetzerin &KULVWD 6FKXHQNH
aus dem Englischen tätig.” (Archiv für das Studium der neuen Sprachen und Literaturen, 232 (1995), S. 324) Sie wurde 1948 in Weimar geboren. Die So- 4 .Sie war zu diesem nette gingen 1992 an den Straelener Manuskripte Verlag
Zeitpunkt also 44 Jahre, damit die älteste in meinem Terzett, die die Sonette in die deutsche Sprache übertrug.
Bei der Bearbeitung versuche ich, die Reihenfolge einzuhalten, in der die Ü-bersetzungen erschienen sind:
von Bodenstedt 1862
von George 1909
von Schuenke 1992
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Obwohl die Übersetzungsarbeit seit Bestehen der Menschheit eine der ältesten menschlichen Tätigkeiten ist, gibt es doch keine gesamtgeschichtliche Übersicht über diese Aktivitäten. 5
Bei der Vielzahl der Sprachen und Kulturen der Welt ist es wohl am sinnvollsten, solche Betrachtungen immer insofern einzugrenzen, daß man ganz bestimmte, geschichtlich wertvolle Werke und wichtige Persönlichkeiten betrachtet. So ist es gelungen, Vorgehensweisen zu erforschen, nach denen Übersetzungen im Laufe der Geschichte immer wieder vollbracht wurden. Heute unterscheiden wir zwischen den Begriffen Dolmetschen, der hier nicht Gegenstand der Betrachtungen sein soll, und Übersetzen, womit alle schriftlichen Übertragungen von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache gemeint sind:
”Translation ist die Produktion eines funktionsgerechten Zieltextes in
einer je nach der angestrebten oder geforderten Funktion des Zieltex-
tes (...) unterschiedlich spezifizierten Anbindung an einen vorhande-
nen Ausgangstext. Durch die Translation wird eine kommunikative
Handlung möglich, die ohne sie aufgrund vorhandener Sprach- und
Kulturbarrieren nicht zustandegekommen wäre.” (Nord, 1995, S. 31)
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Bei Übersetzungen wird unterschieden zwischen dem Übersetzen von Sach-und Fachtexten einerseits und zwischen dem Übersetzen von literarischen Texten andererseits. Da ich in meinen Ausführungen eindeutig literarische Texte betrachte, werde ich mich mit meinen Erläuterungen auf diese beschränken.
Snell-Hornby beschreibt einen ‘roten Faden’ in der Geschichte des literarischen Übersetzens, indem sie übersetzte Werke als Dokumente solcher 6 Handlungen heranzieht. Sie geht dabei von Cicero´s Ausführungen zur
Zweiteilung von Wort und Sinn aus, welche er etwa im 1. Jahrhundert vor Christus formulierte. Rund 400 Jahre später wurden diese Gedanken von Hieronymus wieder aufgenommen. Hieronymus wird nach Snell-Hornby oft als ‘Schutzheiliger der Übersetzer’ bezeichnet. In einem Brief an einen Freund schrieb er:
”Ich gebe nicht nur zu, sondern bekenne frei heraus, daß ich bei der
Übersetzung griechischer Texte - ... - QLFKWHLQ:RUWGXUFKGDVDQGH
UH VRQGHUQ HLQHQ 6LQQ GXUFK GHQ DQGHUHQ - ausdrücke.” (Snell-
Hornby, 1996, S. 11)
In diesem kurzen historischen Dokument wird bereits deutlich, welche Probleme die Tätigkeit eines Übersetzers mit sich bringt. Es läßt sich feststellen, daß immer wieder, z. B. zu Beginn des 16. Jahrhunderts durch Martin Luther, dieses von Hieronymus geschilderte Problem der Dichotomie von Wort und Sinn auftritt und sich eben wie ein ‘roter Faden’ durch die Geschichte zieht. Einen zweiten ‘roten Faden’ beschreibt Snell-Hornby anhand von immer wiederkehrenden formulierten Grunderkenntnissen von Übersetzern über ihre Tätigkeit. Diese Grundkomponenten des ‘roten Fadens’ faßt sie in Sachkenntnisse, Sprachbeherrschung, Empathie mit dem Autor und stilistisches Fingerspitzengefühl zusammen. Der Leser sei an dieser Stelle auf die entsprechende 7 Literatur verwiesen.
Nach dem zweiten Weltkrieg empfand man eine Notwendigkeit, auch die Übersetzungswissenschaft als eine streng systematisch objektive Wissenschaft zu profilieren, um sich als solche vor z. B. den Naturwissenschaften behaupten zu können, bzw. meinte man, man würde sich auf solche Art und Weise behaupten müssen. So wurde versucht, Methoden von benachbarten Wissenschaften, wie z. B. der Linguistik, auf die Übersetzungswissenschaft zu übertragen und hier anzuwenden. Das hatte vorerst eine Ausklammerung der lite-
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rarischen Texte zur Folge, da hier ein schematisch strenges Vorgehen nicht funktionierte. Erst in den 70er Jahren wurde diese Strenge mit der sogenannten ‘pragmatischen Wende’ überwunden. Man spricht jetzt nicht mehr von ‘Umkodierung sprachlicher Zeichen’, sondern von ‘transkulturellem Handeln’, d. h. man überträgt einen Text als Teil der Ausgangskultur in die Zielkultur. 8 Wenn man in aktuellen Fachbüchern der Übersetzungswissenschaft nachließt, so fällt eines deutlich auf: Es wird immer mehr versucht, die wissenschaftlichen Seiten, d. h. bestimmte Schemata und Methoden des Vorgehens, Grammatik, Syntax u.s.w., mit den kulturell notwendigen Seiten so gut wie möglich zu verbinden. Dieter Stein z. B. kommt in seinem Aufsatz %HGHXWXQJVJOHLFKKHLWRGHU QLFKWLQGHU6\QWD[DOV3UREOHPEHLPhEHUVHW]HQ zu dem Schluß, daß es nicht immer sinnvoll ist, bei einer Übersetzung die syntaktisch ‘bessere’ Lösung zu wählen, sondern daß es gleichwohl die Lösung sein kann, die besser in den Kontext paßt. Problematisch ist hier aber auch heute noch, daß man sich nicht 9 gern mit einer Begründung zufrieden gibt, die da lautet ‘klingt besser’. Meiner Meinung nach ist dieser Stand der Wissenschaft nicht mehr so einfach zu überwinden. Kulturen, und mit ihnen auch die Sprachen, entwickeln sich. Texte, vor allem literarische, lassen sich nicht nach Schablonentechnik bearbeiten, wie dies in der Mathematik möglich ist. Aber gerade das macht sie vielleicht so besonders interessant.
Wie bereits angedeutet, steckt die Hauptproblematik der Übersetzungstätigkeit in der Dichotomie von Wort und Sinn. Bereits bei frühesten Übersetzungen von Heiligen Schriften gab es das Problem, daß eine wörtlich genaue Übersetzung, die nach Ansicht der Kirche absolut notwendig ist, den Sinn der Worte nicht eindeutig wiederzugeben vermag. Hierzu paßt nocheinmal der bereits zitierte Auszug aus dem Brief von Hieronymus an seinen Freund, diesmal dem Zweck entsprechend vollständig:
”Ich gebe nicht nur zu, sondern ich bekenne frei heraus, daß ich bei
der Übersetzung griechischer Texte - abgesehen von den Heiligen
Schriften, wo auch die Wortfolge ein Mysterium ist - QLFKW HLQ :RUW
GXUFK GDV DQGHUH VRQGHUQ HLQHQ 6LQQ GXUFK GHQ DQGHUHQ - ausdrü-
cke.” (Snell-Hornby, 1996, S. 11)
Arbeit zitieren:
Diana Krasnov, 1999, Ein sprachlicher Vergleich unterschiedlicher Übersetzungen von Shakespeare-Sonette , München, GRIN Verlag GmbH
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