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Vorwort
Diese Arbeit wurde von den Autoren im Rahmen der Projekt- / Diplomprüfung im 8. Semester Pflege / Pflegemanagement an der Evangelischen Fachhochschule Berlin angefertigt. Während dieser Zeit wurden wir umfangreich betreut und möchten uns für die Unterstützung bei allen Mitwirkenden bedanken. Wir danken dem Projektkrankenhaus mit allen beteiligten Mitarbeitern, die diese Arbeit ermöglichten und uns bei der Durchführung unterstützten. Namentlich nennen möchten wir Herr Höll, Schwester Nicole und Frau Erk. Den Patienten danken wir für ihre Kooperativität.
Unser besonderer Dank gilt Frau Prof. Dr. Meinhold. Ihre fachliche Kompetenz und Geduld gaben uns während der letzten Monate die nötige Motivation. Frau Prof. Dr. Meinhold stand uns mit vielfältigen Anregungen zur Seite.
Der Beratungsfirma Harrison Consulting GmbH Berlin danken wir für die Projektvermittlung und Organisation des Projektverlaufes. Herr Dr. Krusch, Frau Dr. Harrison und Frau Sommer haben so manches administrative Problem gelöst.
3
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. 7
Tabellenverzeichnis 8
1. Einführung Bianka Grau / Jörg Jähnigen 10
2. Wesen der Diagnosis Related
Groups (DRGs) Bianka Grau. 11
2.1 Definition der DRGs 12
2.2 Einführung der DRGs in Deutschland 12
2.3 Voraussetzungen für die DRG - Einführung. 13
2.4 Konsequenzen für das Gesundheitswesen. 14
2.5 Optimierung der Krankenhausleistungen 16
2.5.1 Clinical Pathways als Perspektive der Behandlungs-
abl äufe. 17
2.5.2 Optimierung der Abläufe im Krankenhaus. 17
2.5.3 Instrumente zur Verbesserung der Organisation
klinischer Prozesse 18
2.6 Evidence Based Nursing als Methode für die Pflege 19
2.7 Pflege im DRG - System 21
2.7.1 Methoden der Pflegeklassifikationssysteme. 21
2.7.2 Das Pflegeleitbild. 21
2.8 Primary Nursing oder Taylorismus. 22
3. Qualitätsmanagement im Krankenhaus Bianka Grau. 25
3.1 Qualität im Gesundheitswesen 25
3.2 Qualitätsmanagementsysteme im Krankenhaus. 26
3.3 Qualitätsindikator Zertifizierung: KTQ 27
3.3.1 Definition von KTQ 28
3.3.2 Zertifizierung nach KTQ. 28
3.3.3 KTQ im Projektkrankenhaus. 29
3.4 Die Patientenbefragung als Instrument zur
Qualit ätssicherung 30
3.5 Benchmarking in der Gesundheitswirtschaft 30
3.5.1 Benchmarking als Wettbewerbsfaktor 31
3.5.2 Die Balanced Scorecard als innovatives
Controllinginstrument. 32
4. Projektbeschreibung Bianka Grau 33
4.1 Projektfindung und Projektkonzeption. 33
4.2 Theoretischer Teil 33
4.3 Das Projektdesign - vom Forschungsthema zur
Forschungsfrage 38
4.4 Das Projektkrankenhaus 38
4.4.1 Zielsetzung des Gesamtprojektes 39
4.4.2 Methodischer Ansatz des Gesamtprojektes 40
4.5 Inhaltliche Projektbeschreibung 41
4.6 Methodisches Vorgehen / Projektphasen 41
4.6.1 Projektvorbereitung und -verlauf. 42
4.6.1.1 Prozessaufnahme 43
4
4.6.1.2 Interviews in Berliner Krankenhäuser 43
4.7 Das Forschungsdesign 45
4.7.1 Definition 45
4.7.2 Der Forschungsprozess 46
4.7.3 Graphische Darstellung des Forschungsprozesses 47
4.7.4 Ziele der Pflegeforschung. 48
4.7.5 Untersuchungsdesign - Methode. 48
4.7.6 Untersuchungsdesign - Variablen 48
4.7.7 Befragung anhand des Fragebogens 49
4.7.7.1. Quantitative Forschung. 50
4.7.7.1 Qualitative Forschung 50
4.7.7.2 Ethische Aspekte 50
4.8 Ergebnisse / Datenanalyse / Interpretation 51
5. Auswertung Fragebogen zur Patientenzufriedenheit in
einer chirurgischen Ambulanz Jörg Jähnigen 52
5.1 Allgemeine Daten. 52
5.2 Erhebung der demographischen Daten 52
5.2.1 Geschlechteranteil. 52
5.2.2 Altersstruktur 53
5.2.3 Verteilung nach dem Grund des Besuches 54
5.3 Auswertung Fragekomplex I. : Qualität der medizinischen
Versorgung 55
5.3.1 Auswertung - Fachliches Können der Ärzte. 55
5.3.2 Auswertung - Informationen über Eingriffe
und Behandlungen 56
5.3.3 Auswertung - Zuwendung des Pflegepersonals 57
5.3.4 Auswertung - Bisheriges Behandlungsergebnis 58
5.4 Auswertung Fragekomplex II.: Zusammenarbeit
der Berufsgruppen und Wartezeit 59
5.4.1 Auswertung - Ablauforganisation. 59
5.4.2 Auswertung - Führung der Ambulanz insgesamt. 60
5.4.3 Auswertung - Wartezeit Röntgen. 61
5.4.4 Auswertung - Wartezeit andere Untersuchungen. 62
5.4.5 Aufteilung der Wartezeit andere Untersuchungen. 63
5.4.6 Quantifizierbare Aussagen zur Wartezeit 63
5.4.7 Auswertung - Koordination der Termine 64
5.5 Auswertung Fragekomplex III.: Aufnahme
und Entlassung 65
5.5.1 Auswertung - Informationen bei der Aufnahme 65
5.5.2 Auswertung -Informationen über Verhaltensregeln 66
5.5.3 Auswertung - Informationen über Nachsorge 67
5.6 Auswertung Fragekomplex IV.: Infrastruktur und Wege. 68
5.6.1 Auswertung - Wegweisersystem 68
5.6.2 Auswertung - Erreichbarkeit der Ambulanz 69
5.6.3 Auswertung - Bequemlichkeit
des Aufenthaltsbereiches 70
5.6.4 Auswertung - Atmosphäre der Räumlichkeiten. 71
5.6.5 Auswertung - Ruhe 72
5
5.6.6 Qualitative Aussagen zu den Fragen Bequemlichkeit des
Aufenthaltsbereiches , Atmosphäre der Räumlichkeiten
und Ruhe. 73
5.6.7 Auswertung - Diskretion 74
5.7 Auswertung Fragekomplex V.: Sauberkeit und Hygiene. 75
5.7.1 Auswertung - Sauberkeit und Hygiene
der Räumlichkeiten. 75
5.7.2 Auswertung - Sauberkeit und Hygiene des Personals.76
5.8 Auswertung Fragekomplex VI.: Kontaktmöglichkeiten
und Angehörigenintegration 77
5.8.1 Auswertung - Angebot persönlich Fragen zu stellen 77
5.8.2 Auswertung - Einbeziehung der Angehörigen 78
6. Diskussion Jörg Jähnigen 79
6.1 Diskussion des Projektthemas 79
6.1.1 Begriffsbestimmung der Patientenzufriedenheit 79
6.1.2 Die Bedeutung der Patientenzufriedenheit für
ein Krankenhaus 82
6.1.3 Die Patientenzufriedenheit als Imagefaktor des
Krankenhauses 84
6.1.4 Patienten- und Kundenorientierung 85
6.1.5 Begriffsbestimmung Kunde 85
6.1.6 Der Patient als Kunde. 85
6.1.7 Die Patientenzufriedenheit als Bestandteil
des Beschwerdemanagements 86
6.1.8 Die Rolle der Mitarbeiter bei der
Patientenorientierung 88
6.1.9 Forderungen und Maßnahmen
der Mitarbeiterorientierung 91
6.1.10 Ambulanz in der Organisation Krankenhaus 93
6.1.11 Das Pflegepersonal in der Ambulanz 94
6.1.12 Patienten in Ambulanz. 94
6.2 Diskussion der Methode 95
6.2.1 Erhebungsinstrumente
Fragebogen - Befragung - Beobachtung 95
6.2.2 Verlauf der Befragung 97
6.3 Diskussion der Ergebnisse und ausgewählte
Vorschläge zur Verbesserung. 97
6.3.1 Ausgangsdaten - demographische Daten. 98
6.3.1.1 Die Zuordnung der Patienten. 99
6.3.1.2 Die Beschreibung der Patientengruppen 99
6.3.2 Qualität der medizinischen Versorgung. 101
6.3.2.1 Beurteilung der fachlichen Kompetenz 101
6.3.2.2 Behandlungsergebnis 102
6.3.3 Zusammenarbeit der Berufsgruppen und Wartezeit 103
6.3.3.1 Ablauforganisation 103
6.3.3.2 Führung der Ambulanz 104
6.3.3.3 Wartezeit. 104
6.3.3.4 Koordination der Termine 107
6
6.3.4 Aufnahme und Entlassung 108
6.3.5 Infrastruktur und Wege 108
6.3.5.1 Erreichbarkeit der Ambulanz. 109
6.3.5.2 Atmosphäre und Bequemlichkeit 109
6.3.5.3 Aufnahmebereich. 110
6.3.5.4 Diskretion. 112
6.3.6 Sauberkeit und Hygiene 113
6.3.7 Kontaktmöglichkeiten und Angehörigenintegration 113
6.3.8 Die Rolle der BG - Patienten 114
7. Schlussfolgerungen Jörg Jähnigen 116
8. Resümee Bianka Grau / Jörg Jähnigen. 118
9. Literaturverzeichnis. 120
10. Sonstige Quellen. 127
11. Anhang. 131
11.1 Übrige Auswertungsdaten 131
11.1.1 Auswertung - Zuwendung des ärztlichen Personals. 131
11.1.2 Auswertung - Fachliches Können des
Pflegepersonals. 132
11.1.3 Auswertung - Erstkontakt 133
11.1.4 Auswertung - Durchführung der Transporte 134
11.1.5 Auswertung - Wartezeit Anmeldung 135
11.1.6 Auswertung - Aufteilung Wartezeit
andere Untersuchungen 136
11.1.7 Auswertung - Empfang bei der Aufnahme 138
11.1.8 Auswertung - Informationen bei der Aufnahme 139
11.1.9 Auswertung - Reibungsloser Ablauf 140
11.2 Datenmessblatt. 141
11.3 Fragebogen 142
7
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Forschungsprozess
Abbildung 2: Altersstruktur
Abbildung 3: Verteilung nach dem Grund des Besuches
Abbildung 4: Fragekomplex I. - Frage 2 (Gesamtübersicht)
Abbildung 5: Fragekomplex I.- Frage 3 (Gesamtübersicht)
Abbildung 6: Fragekomplex I. - Frage 5 (Gesamtübersicht)
Abbildung 7: Fragekomplex I. - Frage 6 (Gesamtübersicht)
Abbildung 8: Fragekomplex II.- Frage 2 (Gesamtübersicht)
Abbildung 9: Fragekomplex II.- Frage 4 (Gesamtübersicht)
Abbildung 10: Fragekomplex II.- Frage 5.2. (Gesamtübersicht)
Abbildung 11: Fragekomplex II.- Frage 5.3. (Gesamtübersicht)
Abbildung 12: Fragekomplex II. Frage 6. (Gesamtübersicht)
Abbildung 13: Fragekomplex III.- Frage 2 (Gesamtübersicht)
Abbildung 14: Fragekomplex III.- Frage 3 (Gesamtübersicht)
Abbildung 15: Fragekomplex III.- Frage 5 (Gesamtübersicht)
Abbildung 16: Fragekomplex IV.- Frage 1 (Gesamtübersicht)
Abbildung 18: Fragekomplex IV.- Frage 3 (Gesamtübersicht)
Abbildung 19: Fragekomplex IV.- Frage 4 (Gesamtübersicht)
Abbildung 20: Fragekomplex IV.- Frage 5 (Gesamtübersicht)
Abbildung 21: Fragekomplex IV.- Frage 6 (Gesamtübersicht)
Abbildung 22: Fragekomplex V.- Frage 1 Gesamtübersicht)
Abbildung 23: Fragekomplex V.- Frage 2 (Gesamtübersicht)
Abbildung 24: Fragekomplex VI.- Frage 1 (Gesamtübersicht)
Abbildung 25: Fragekomplex VI.- Frage 2 (Gesamtübersicht)
Abbildung 26: Fragekomplex I.- Frage 1 (Gesamtübersicht)
Abbildung 27: Fragekomplex I.- Frage 4 (Gesamtübersicht)
Abbildung 28: Fragekomplex II.- Frage 1 (Gesamtübersicht)
Abbildung 29: Fragekomplex II.- Frage 3 (Gesamtübersicht)
Abbildung 30: Fragekomplex II.- Frage 5.1. (Gesamtübersicht)
Abbildung 31: Fragekomplex III - Frage 1 (Gesamtübersicht)
8
Abbildung 32: Fragekomplex III.- Frage 2 (Gesamtübersicht) 139
Abbildung 33: Fragekomplex III.- Frage 4 (Gesamtübersicht) 140
Abbildung 34: Datenmessblatt 141
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Internetrecherche 37
Tabelle 2: Projektverlauf 43
Tabelle 3: Altersstruktur 53
Tabelle 4: Fragekomplex I. - Frage 2 (Gesamtübersicht) 55
Tabelle 5: Fragekomplex I. Frage 3 (Gesamtübersicht) 56
Tabelle 6: Fragekomplex I. - Frage 5 (Gesamtübersicht) 57
Tabelle 7: Fragekomplex I. Frage 6 (Gesamtübersicht) 58
Tabelle 8: Fragekomplex II: - Frage 2 (Gesamtübersicht) 59
Tabelle 9: Fragekomplex II. Frage 4 (Gesamtübersicht) 60
Tabelle 10: Fragekomplex II.- Frage 5.2. (Gesamtübersicht) 61
Tabelle 11: Fragekomplex II.- Frage 5.3. (Gesamtübersicht) 62
Tabelle 12: Fragekomplex II.- Frage 5.4. (Gesamtübersicht)
andere Untersuchungen Patienten gesamt 63
Tabelle 13: Quantifizierbare Aussagen zur Wartezeit 63
Tabelle 14: Fragekomplex II.- Frage 6 (Gesamtübersicht) 64
Tabelle 15: Fragekomplex III.- Frage 2 (Gesamtübersicht) 65
Tabelle 16: Fragekomplex III.- Frage 3 (Gesamtübersicht) 66
Tabelle 17: Fragekomplex III.- Frage 5 (Gesamtübersicht) 67
Tabelle 18: Fragekomplex IV.- Frage 1 (Gesamtübersicht) 68
Tabelle 19: Fragekomplex IV.- Frage 2 (Gesamtübersicht) 69
Tabelle 20: Fragekomplex IV.- Frage 3 (Gesamtübersicht) 70
Tabelle 21: Fragekomplex IV.- Frage 4 (Gesamtübersicht) 71
Tabelle 22: Fragekomplex IV.- Frage 5 (Gesamtübersicht) 72
Tabelle 23: Eindrücke der Patienten in Bezug Ruhe, Bequem-
lichkeit des Aufenthaltsbereiches und Atmosphäre
der Räumlichkeiten 73
Tabelle 24: Vorschläge der Patienten in Bezug Ruhe Bequem-
Tabelle 25: Fragekomplex IV.- Frage 6 (Gesamtübersicht) ...........74 Tabelle 26: Angaben Patienten zur Diskretion ...............................74 Tabelle 27: Fragekomplex V.- Frage 1 (Gesamtübersicht) ............75 Tabelle 28: Fragekomplex V.- Frage 2 (Gesamtübersicht) ............76 Tabelle 29: Fragekomplex VI.- Frage 1 (Gesamtübersicht) ...........77 Tabelle 30: Fragekomplex VI.- Frage 2 (Gesamtübersicht) ...........78 Tabelle 31: Fragekomplex I.- Frage 1 (Gesamtübersicht)............131 Tabelle 32: Fragekomplex I.- Frage 4 (Gesamtübersicht)............132 Tabelle 33: Fragekomplex II.- Frage 1 (Gesamtübersicht)...........133 Tabelle 34: Fragekomplex II.- Frage 3 (Gesamtübersicht)...........134 Tabelle 35: Fragekomplex II.- Frage 5.1. (Gesamtübersicht).......135 Tabelle 36: Fragekomplex II.- Frage 5.4. (Aufteilung Wartezeit andere Untersuchungen- 1. Hilfe - Patienten)....…….134 Tabelle 37: Fragekomplex II.- Frage 5.4. (Aufteilung Wartezeit andere Untersuchungen- BG - Patienten)..………….134 Tabelle 38: Fragekomplex II.- Frage 5.4. (Aufteilung Wartezeit andere Untersuchungen- stationäre Patienten)..……135 Tabelle 39: Fragekomplex III.- Frage 1 (Gesamtübersicht)..........138 Tabelle 40: Fragekomplex III.- Frage 2 (Gesamtübersicht)..........139 Tabelle 41: Fragekomplex III.- Frage 4 (Gesamtübersicht)..........140
10
1. Einführung
„Am Puls der Patienten 1 sein“ - eine zentrale Aufgabe innerhalb der Krankenhauslandschaft. Für jedes Krankenhaus ist es wichtig zu wissen, in welchem Ausmaß die Patienten tatsächlich zufrieden sind. Die vorliegende Arbeit liefert einen Beitrag zum Thema Patientenzufriedenheit - speziell in der chirurgischen Ambulanz. Ausgehend von der Patientenzufriedenheit im Kontext Qualitätssicherung und DRGs, bilden die Ermittlung und Auswertung der Patientenzufriedenheit im Rahmen dieses Projektes das Kernstück der Arbeit. Die Diskussion der Ergebnisse und Vorschläge zur Verbesserung bieten eine Basis für die Auseinandersetzung mit der Materie.
Die Situation des Gesundheitswesens in Deutschland ist angespannt. Das resultiert aus der Wirtschaftslage des Sozialstaates, der demographischen Entwicklung und dem medizinisch - technischen Fortschritt.
Die Aktienkurse fallen, Firmen schließen, und im Gesundheitswesen werden Betten abgebaut. Es gilt Neuordnungen einzuleiten, welche von der Konstellation so gestaltet sind, dass die Qualität der Ge-sundheitsversorgung stabil bleibt und weiterhin gesteigert werden kann.
Das Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einem weitreichenden Struktur- und Wertewandel. Der durch die Gesundheitsreform hervorgerufene Kostendruck zwingt alle Beteiligten zu effektiverem und effizienterem Handeln als bisher. Mit der vorliegenden Projektarbeit beschreiben die Autoren einen Teil des Weges, den ein Krankenhaus geht, um sich der neuen Situation anzupassen - ohne dabei den Versorgungsauftrag zu vernachlässigen.
1 Wenn in dieser Arbeit die männliche Form verwendet wird, schließen wir ebenso
die weibliche Form mit ein.
11
2. Wesen der Diagnosis Related Groups
(DRGs)
Im Rahmen der Gesundheitsreform 2000 hat der Gesetzgeber im § 17 b des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) verfügt, dass ein durchgängiges Fallpauschalensystem für die gesamte stationäre und teilstationäre Behandlung, mit Ausnahme der Psychiatrie, einzuführen ist (vgl. www.dkgev.de). Die Auswahl des DRG - Systems wurde an die Selbstverwaltung delegiert (vgl. www.g-drg.de).
Die Deutsche Krankenhausverwaltung (DKG) und die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenkassen haben im Mai 2001 das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK gGmbH) in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH gegründet. Mit den Privaten Krankenversicherungen haben sie sich im Juni 2000 geeinigt, das Australische DRG - System als Grundlage für das zukünftige deutsche Fallpauschalen - System heranzuziehen (vgl. Thiele 2002: 247ff).
Auf der Ebene des Krankenhauses wirkt sich das DRG - System in einer Marktorientierung der Krankenhäuser aus. Der Einfluss, der dabei der Patientenzufriedenheit in Form von Benchmarks zukommt, ist bedeutend.
Jede Organisation kann ökonomisch nur überleben, wenn sie Leistungen zumindest kostendeckend erbringt. Damit verbunden ist der Zwang zur Rationalisierung und die Konzentration auf kostendeckende Kernkompetenzen (vgl. Kock 2003).
Auf Grund der Nachfragermacht - Kostenträger, Patienten - wird eine Dienstleistungsorientierung in Form von Patienten- und Kundenorientierung essenziell. Besonderen Einfluss hat hier die Patientenzufrie- denheit.
12
Im Vordergrund des DRG - Systems stehen Fallpauschalen für eine komplette stationäre Episode; damit fallen abteilungsorientierte Pflegesätze vollständig weg, und das Krankenhaus muss Prozesse um den Fall und nicht um die Abteilung herum reorganisieren. Dies er-fordert ein internes Qualitätsmanagement mit der Verzahnung der interdisziplinären und interprofessionellen Leistungserbringung.
2.1 Definition der DRGs
Die Übersetzung des englischen Begriffes „Diagnosis Related Groups = DRGs“, der in den USA geprägt wurde, heißt „auf Diagnosen bezogene Fallgruppen“.
Damit ist gemeint, dass jeder Patient als Fall in eine gewisse Fallgruppe eingeteilt wird. Ausschlaggebendes Element bei der Zuordnung zu einer bestimmten Fallgruppe, ist die Hauptdiagnose (vgl. Rochell / Roeder 2001: 17).
Dadurch ist mit dem DRG - System primär ein Patientenklassifikationssystem gemeint, in dem Patienten anhand von Diagnosen, Prozeduren und weiteren Parametern in medizinisch ähnliche Gruppen eingeteilt werden. Dabei sollten die Fälle einer Gruppe einen vergleichbaren Ressourcenverbrauch aufweisen. Die resultierende Fallgruppe bzw. DRG ist also eine medizinisch-ökonomische Einheit. Jedem stationären Aufenthalt des Patienten wird genau eine DRG zugeordnet (vgl. Grau 2001a: 5).
2.2 Einführung der DRGs in Deutschland
Mit der InEK gGmbH haben gegenwärtig 264 Krankenhäuser eine Vereinbarung zur Teilnahme an der Kalkulation getroffen. Zunächst ist eine budgetneutrale Übergangsphase von 2003 bis 2006 geplant,
13
ab 2007 erfolgt die vollständige Abrechnung der stationären Behandlungen mit den Krankenkassen (vgl. www.g-drg.de).
Ziel des Gesetzgebers ist es, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), in die ca. 90% der Bundesbürger eingebunden sind, zu stabilisieren (vgl. www.g-k-v.com).
Der Krankenhaussektor soll über die DRGs, als Instrument in der Krankenhausfinanzierung, in die Kostendämpfung eingebunden werden. Oberstes Ziel ist hierbei, die Beitragssatzstabilität (vgl. Boschke 2002: 558 ff).
Mit der DRG - Einführung erwartet der Gesetzgeber eine verbesserte Leistungsabbildung der Krankenhäuser mit einer höheren Transparenz und konsekutiven Vergleichbarkeit.
DRGs können ein Instrument zur effizienten Zuweisung von Ressourcen im Gesundheitswesen darstellen. Die Güte dieses Instrumentes hängt allerdings sehr von der konkreten Ausgestaltung ab. Wichtiges Ziel der Krankenhausfinanzierung muss die Lenkung der Leistungen und Ressourcen hin zu den am wirtschaftlichsten agierenden Leistungserbringern sein. Im Vordergrund steht der Patient, wie in den Leitbildern der Krankenhäuser gern formuliert wird. Jedoch die energische Ausrichtung der Prozesse auf diesen Kanon bleibt oft imaginär (vgl. Hildebrand 1999: 319).
2.3 Voraussetzungen für die DRG - Einführung
Zu den wichtigsten Maßnahmen, die gleichzeitig mit der DRG - Einführung umgesetzt werden, gehören die gesetzliche Einführung der integrierten Versorgungsformen 2 und der Katalog stationsersetzen-
2 vgl. §§140a, 140c-h SGB V
14
der Leistungen 3 . Die Verzahnung zwischen stationären und ambulanten Sektor mit Präferenz für den ambulanten Bereich wird so vorangetrieben.
Des Weiteren werden externe und interne Qualitätssicherungsmaßnahmen von der Bundesebene aus verbindlich gemacht 4 . Diese bilden die Grundlage für Patientenbefragungen, stellen sie doch entsprechende Kriterien dar. Der Koordinierungsausschuss Krankenhaus befasst sich auf Bundesebene mit der Regulierung von Be-handlungsmethoden im stationären Bereich 5 .
2.4 Konsequenzen für das Gesundheitswesen
Krankenhäuser orientieren sich neu. Folgende Momente sind dabei relevant (vgl. Grau 2001a: 7):
• Positionierung
Krankenhäuser müssen sich positionieren. Dazu gehört, Kooperationen zu schließen und sich zu spezialisieren.
• Medizinischer Vorsprung
Bedingt durch die jährlichen Anpassungen haben besonders diejenigen Krankenhäuser einen wirtschaftlichen Vorteil, die schon heute medizinische Verfahren von morgen anwenden und so schneller mit gleicher Qualität diagnostizieren und therapieren.
3 vgl. § 115b SGB V
4 vgl. §§135a, 136a, 137b SGB V
5 vgl. §§137c, 137e SGB V
15
• Technologieführerschaft
Eine moderne Ausstattung - wie z. B. die elektronische Patientenakte, die Digitalisierung und die moderne Telemedizin - hilft, Diagnostik und Therapie zu optimieren und so die Verweildauer zu reduzieren. Dadurch können die Kosten gesenkt werden.
• Effizienz
Durch Kosten- und Leistungstransparenz lassen sich Prozesse optimal gestalten. Die standardisierten Behandlungspfade erhöhen die Effizienz und sichern die Qualität.
Aus dem dynamischen Zusammenspiel dieser Faktoren resultiert der Wettbewerbsvorteil.
Die ökonomischen Veränderungen, die resultierende Verweildauerkürzung und der Kapazitätsabbau treffen die Berufsgruppen des Krankenhauses. Konsequenzen der notwendigen Rationalisierungsbemühungen des Krankenhauses sind eine Leistungsverdichtung und eine Delegation von Aufgaben an weniger kostenintensives Personal. Dies schließt einen optimalen Personalmix, beispielsweise durch Einsatz von Stationsassistentinnen, ein.
Je nach Organisation der Datenverarbeitung in einem Krankenhaus ist es exemplarisch auch möglich, dass die Dokumentation von Prozeduren und Diagnosen vom Datenverarbeitungssystem nicht durch Ärzte erfolgt, sondern durch andere Berufsgruppen (vgl. Grau 2001b: 5).
Aufgrund von internationalen Erfahrungen kann man davon ausgehen, dass die Rationalisierung in den Krankenhäusern zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird. Dies resultiert aus dem Gebot, im
16
DRG - System als Betrieb ökonomisch zu überleben (vgl. VPM 2003: 128).
Dem gegenüber steht, dass durch die Intensivierung der integrierten Versorgung mit dem Vorrang des ambulanten Bereiches außerhalb des Krankenhaussektors neue Arbeitsplätze entstehen werden, wie z. B. bei ambulanten Pflegediensten (vgl. Schanz 2003: 128).
Das Projektkrankenhaus nimmt bereits seit Beginn des Jahres 2003 an der budgetneutralen Übergangsphase teil. Es wird angestrebt, die hieraus resultierenden Lerneffekte zu nutzen. Beispielsweise macht die Direktabrechnung mit den Krankenkassen Schnittstellenproblematiken deutlich und hilft, diese zeitgerecht zu beheben. Genau darauf zielt die Befragung der Patienten ab, denn das Schnittstellenproblem Wartezeit wird hiermit wahrgenommen und kann eliminiert werden.
Der Begriff Schnittstelle bezeichnet die Grenze zwischen den organi-satorischen Einheiten und bezieht sich ebenso auf die Interaktion von Menschen (vgl. Zapp 2002: 54ff)
2.5 Optimierung der Krankenhausleistungen
Die Leistungsverkürzungen, die mit den DRGs einhergehen, erfordern konkrete Umstrukturierungen im Krankenhaus. Mit der Erhebung der Patientenzufriedenheit in einer Abteilung des Projektkrankenhauses, wurde bereits ein Weg gefunden. Durch die Aufdeckung von Defiziten können nun die entsprechenden Quintessenzen berücksichtigt werden, und so wurden bereits einige unserer Anregungen umgesetzt. Die Patientenzufriedenheit charakterisiert den Ausdruck der Qualitätswahrnehmung der Patienten.
Der Einsatz von Ressourcen ist zu optimieren. Dazu müssen Schnittstellenprobleme, wie in der vorliegenden Arbeit die Wartezei-
17
ten, beseitigt und die Notwendigkeit jeder Leistung hinterfragt werden. Im Ergebnis geht es dabei um die Kostenreduzierung durch Leistungseinsparungen.
2.5.1 Clinical Pathways als Perspektive der Behandlungsabläufe
Es ist erforderlich, den Krankheitsprozess zu beschreiben, um die Behandlung einer Krankheit darstellen zu können. Als eminentes Instrument hierfür bieten sich Clinical Pathways bzw. Klinische Be-handlungspfade an.
Es gibt derzeit keine eindeutige Definition von Clinical Pathways in Deutschland. Kriterien für Klinische Behandlungspfade sind Qualität, Leitlinien, Patientenerwartungen, Ökonomie sowie die Netzwerke zwischen den Berufsgruppen (vgl. Hellmann 2002: 15).
Hindle (1997) definiert Clinical Pathways wie folgt: Ein klinischer Be-handlungspfad ist ein Dokument, dass den üblichen Weg der Leistung multidisziplinärer Behandlung für einen bestimmten Patiententyp beschreibt und der die Kommentierung von Normabweichungen zum Zwecke fortgesetzter Evaluation und Verbesserung erlaubt.
2.5.2 Optimierung der Abläufe im Krankenhaus
Der Nutzen von Clinical Pathways liegt in der interdisziplinären Zusammenarbeit der Berufsgruppen, der Effektivitäts- und Effizienzsteigerung, des Transfers der Theorie in die Praxis sowie der Transparenz von Kosten, Resultaten und Leistungen (vgl. Hellmann 2002: 12).
Hierbei kommt den Patienten als bedeutsame externe Kunden des Krankenhauses eine tragende Rolle zu. Ihre Erwartungen und Wün- sche muss ein Krankenhaus kennen und berücksichtigen. Patienten
18
sind zu einer interessierten, informierten und teilnehmenden Klientel gewachsen. Sie informieren sich vermehrt in den Medien, besonders im Internet, und entscheiden sich bewusst für ein bestimmtes Krankenhaus (vgl. Lüttecke 2002: 508 und Zapp 2002: 370). Vor diesem Hintergrund sind die Erwartungen, die durchaus berechtigt sind, gewachsen. Auch die gestiegenen Krankenkassenbeiträge bieten den Nährboden für steigende Ansprüche. Der Patient ist mündig, und darauf muss sich die Krankenhauslandschaft einstellen (vgl. Eich-horn / Schmidt-Rettig 1999: 44).
2.5.3 Instrumente zur Verbesserung der Organisation klinischer Prozesse
Behandlungspfade erzeugen eine außerordentliche Basis für den Dialog auf allen Ebenen und machen jede Änderung transparent. Die Krankenhausökonomen übernehmen die Verantwortung für klinische Entscheidungen und beeinflussen somit auch die Behandlungsqualität.
Es werden sechs Module als notwendige Bestandteile eines klinischen Behandlungspfades beschrieben (vgl. Hindle 1997):
I. Der Fall-Typ (DRG - basiert) II. Die Elemente der Diagnostik und Therapie III. Die Variationsbreite der Behandlungsoptionen IV. Die Qualität der Behandlung V. Die Ergebnisindikatoren VI. Die Kosten der Behandlung.
Die Krankenhäuser müssen mit der Einführung der DRGs bei gleich bleibender oder reduzierter Personalstärke mehr Fälle behandeln. Daher ist es notwendig, bestehende Defizite in der Ablauforganisati-
19
on zu identifizieren und zu eliminieren. Hierzu eignet sich die Einführung von Behandlungspfaden als Instrument zur Standardisierung und Prozesssteuerung (vgl. Roeder 2003: 21).
In Australien fragen Patienten gezielt nach dem Einsatz von Behandlungspfaden. Es ist zu erwarten, dass der informierte Patient zudem eine bessere Verständigkeit entwickelt, aus der eine höhere Patientenzufriedenheit resultiert. Die Zahl der aufgeklärten Patienten, die sich ebenfalls für die Inhalte der Behandlung und nicht nur für den Fernseher im Zimmer und die Mahlzeiten interessieren, wird auch in Deutschland größer (vgl. Roeder 2003: 27).
In der Zeit der Patientenbefragung organisierte das Projektkrankenhaus das Symposium Clinical Pathways. Es stellt sich der Heraus-forderung mit Hilfe der geplanten Behandlungspfade Prozessabläufe optimal abzubilden und so die internen Strukturen, wie die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen, zu verbessern.
2.6 Evidence Based Nursing als Methode für die
Pflege
Analog übersetzt bedeutet Evidence Based Nursing - EBN - auf wissenschaftliche Erkenntnis begründete Pflege. Gerade in der Praxis besteht die Dringlichkeit, einer wissenschaftlich gesicherten pflegerischen Verfahrensweise (vgl. Schlömer 2000: 47). Evidence Based Nursing ist ein Prozess des Findens, Bewertens und Anwendens wissenschaftlicher Erkenntnis in der Praxis (vgl. Mayer 2001: 54).
Der Begriff kommt ursprünglich aus der Medizin und wurde für die Pflege adaptiert. Daher ist er kritisch zu sehen. Evidence Based Me- dicine - EBM - sagt aus, dass man die vorhandenen Beweise prüft
20
und ganz bewusst abwägt, um zu entscheiden, wie man einen bestimmten Patienten behandelt (vgl. Sacket et al. 1996: 2).
Es geht um das kritische Beurteilen und das Berichtigen des Verhaltens in der Praxis.
Dabei sind die wichtigsten Schritte (vgl. Sacket 1996: 2f):
Das Formulieren eines Problems, einer klaren Fragestellung Die Suche nach Beweisen, beispielsweise eine klinische Untersuchung oder die Literaturrecherche Kritische Würdigung, Auswertung und Beurteilung: Validität, Bedeutung, Anwendbarkeit der wissenschaftlichen Evidenz Aufgrund dessen: Entscheidung über das weitere Vorgehen und Überprüfung des Vorgehens Das Ergebnis anwenden.
Die naturwissenschaftliche Denktradition der Medizin zeigt hier das Problem der Übertragbarkeit auf die Pflege. Pflegeforschung ist nicht wie die Medizin ausgerichtet, denn pflegerische Phänomene sind nicht rein naturwissenschaftlich beweisbar. Des weiteren wird der beweisbare Ansatz der qualitativen Forschung ignoriert.
Diesen schließt EBN jedoch bewusst mit ein. Insofern sind qualitative Studien, wie die der Ermittlung der Patientenzufriedenheit, aufschlussreich in Hinsicht auf die Erforschung von Patientenerfahrungen und -ansichten als wichtige Komponente pflegerischen Handelns (vgl. Schlömer 2000: 50). Das Charakteristikum von EBN besagt, die Praxis auf wissenschaftliche Erkenntnisse aufzubauen, also die wissenschaftlich fundierte Grundlage für pflegepraktische Entscheidungen heranzuziehen und somit den Patienten die derzeit bes- te Pflege zukommen zu lassen.
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2.7 Pflege im DRG - System
Im DRG - System werden Pflegeleistungen über einen Basisanteil in die DRGs einberechnet. Bislang ist die Pflegeleistung nicht transparent gestaltet. Sinnvoll wäre, die Pflege einer leistungsabhängigen Bewertung zu unterziehen.
2.7.1 Methoden der Pflegeklassifikationssysteme
Um die Pflege einer leistungsabhängigen Bewertung zu unterziehen, muss eine Methode der Pflegeklassifikation gewählt werden. Zu den Methoden der Klassifikation können die Messung und Einteilung nach Aufwand ohne Differenzierung, die Pflegepersonalregelung sowie die Pflegediagnosen herangezogen werden. Pflegediagnosen werden als Element der Pflegeplanung im Rahmen der Qualitätssicherung eingesetzt. So wurden Pflegediagnosen durch die DRG -Einführung in die Debatte miteinbezogen. Pflegeleistungen können entsprechend kodiert werden. Zu den Vorteilen der Einführung von Pflegediagnosen zählt auch die zielsichere Einsatzplanung von Mitarbeitern (vgl. Hollick / Kerres 2002: 41). Hierbei wird erneut die Schnittstellenproblematik zum Thema.
2.7.2 Das Pflegeleitbild
Das Pflegeleitbild als Faktor, der die Pflege direkt beeinflusst, wird im Pflegeteam in Zusammenarbeit mit der Klinikleitung entwickelt. Für die Umsetzung des Leitbildes ist es bedeutsam, dass es sich an der existenten Realität orientiert. Die Mitarbeiter können sich mit den Zielen identifizieren, sie wollen es leben, und es wird öffentlich dar- gestellt (vgl. Zwierlein 1997: 139ff und 253).
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Das Projektkrankenhaus hat ein Pflegeleitbild entwickelt, an der Erarbeitung waren Vertreter des Pflegepersonals aller Ebenen beteiligt. Das Pflegeleitbild wurde 1998 entwickelt und liegt seit dieser Zeit in der Schublade, da noch kein allgemeines betriebliches Leitbild erstellt wurde, denn sie sollten miteinander abgestimmt sein. Das heißt, das Pflegeleitbild ist bis heute eine rein theoretische Grundlage.
2.8 Primary Nursing oder Taylorismus
Welche Beziehung gibt es zwischen Taylorismus und Pflege sowie Patientenversorgung? Eine berechtigte Frage und doch ist dieses Thema hochaktuell (vgl. Harrison 2003). Taylorismus wird im Fremdwörterbuch erklärt als System der wissenschaftlichen Betriebsführung mit dem Ziel, einen möglichst wirtschaftlichen Betriebsablauf zu erzielen und wurde nach dem amerikanischen Ingenieur F. W. Taylor, 1856 - 1915, benannt (vgl. Duden 2000: 981).
Die Orientierung an der freien Wirtschaft, an Industrie- und Dienstleistungsunternehmen erfolgt als Antwort auf die Situation in der Bundesrepublik (vgl. Greulich et al. 2002: 16). Wissenschaftliche Betriebsführung zeigt sich in den Schritten: Analyse der best practice Zeit-, Bewegungsstudien Elimination unnötiger Bewegungen Beschreibung der Arbeitsabläufe Anforderungen an Arbeiter Auswahl der Arbeiter Training der Arbeiter Kontrolle!
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Die Parallelen zeigen sich bei den Rationalisierungszielen im Ge-sundheitswesen:
Wissen und Erfahrungen nutzen: Know-How, Do-How, Evidence Based Medicine Beschreiben der Patienten: DRGs Standardisieren von Abläufen: Clinical Pathways Transparenz von Leistung und Qualität Effizienter Umgang mit Ressourcen: Managed Care (vgl. Friesdorf / Göbel 2003)
Wie beim Taylorismus werden auch in der Bezugspflege - Primary Nursing - Arbeitsprozesse transparent und regulierbar gestaltet. Die Regulierungsstufe zeichnet sich durch eine große Flexibilität aus, die als Antwort auf die Komplexität der Arbeitsabläufe zu verstehen ist.
Primary Nursing ist eine Methode der Pflegeorganisation, in der eine Pflegeperson für alle Pflegeentscheidungen, also für die Gesamtausrichtung der Pflege eines Patienten bzw. einer Patientengruppe ver-antwortlich ist. Voraussetzung dafür ist, dass die betreffende Pflegeperson, die Primary Nurse, über die entsprechende Ausbildung und somit über die notwendige Kompetenz verfügt. Die Primary Nurse erstellt die Pflegeplanung in schriftlicher Form und führt im Idealfall die Pflege aus, solange sie anwesend ist. In der Abwesenheit der Primary Nurse wird die Pflege, entsprechend der Pflegeplanung, durch sogenannte Associate Nurses durchgeführt (vgl. Ersser / Tutton 2000: 7ff).
Primary Nursing ist zwar nicht per se gleichbedeutend mit gesteigerter Pflegequalität, kann aber diesbezüglich als ein förderlicher orga- nisatorischer Rahmen betrachtet werden.
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Die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen den einzelnen Berufsgruppen im Krankenhaus kann gefördert werden. Alle professionell in der Institution Tätigen finden in der Primary Nurse eine kompetente „Informationsquelle“, die als zentrale Schlüsselfigur bei der Koordination von Pflege- und Behandlungsleistungen agiert. Auf-grund der Personalsituation ist die patientenzentrierte Pflege als Langzeitziel einzuordnen (vgl. Giebing / Francois-Kettner 1996: 33). Dennoch wird deutlich, dass mit diesem patientenorientierten Pflegesystem die Patientenzufriedenheit im Vordergrund steht.
Zu dieser Problematik stellen die Verfasser folgende Aussagen, die im Experteninterview mit Frau Dr. Harrison-Neu deutlich wurden, fest. Taylorismus ist Erfolg versprechend, wenn es sich um zwangsläufige Arbeitsweisen handelt, die ein geringes Risiko umfassen. Nicht einzusetzen ist diese Betriebsführung bei enger Spezialisierung und bei Entscheidungen, die das Leben der Patienten gefährden könnten. Das Casemanagement nimmt hierbei eine Mittlerposition ein, fungiert für die Administration im gesamten Teamkonzept. Die Pflege hingegen vertritt bei der Kompetenzzurechnung ihren disziplinarischen Bereich, die Medizin zeigt Verantwortung für die fachliche und inhaltliche Struktur. Somit kann sich die Primary Nurse auf ihre rein patientenorientierten Aufgaben konzentrieren, die gesamte Logistik übernimmt das Casemanagement.
Die Durchführung eines Experteninterviews war hier angezeigt um die Bewertung von innovativen Gestaltungsprogrammen im Gesund- heitswesen zu ergründen (vgl. Schaeffer / Müller-Mundt 2002: 269ff).
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3. Qualitätsmanagement im Krankenhaus
„Qualität ist das Anständige.“ (Theodor Heuss)
Die Qualität eines Krankenhauses umfasst medizinische, organisatorische, verhaltensorientierte und dienstleistungsbezogene Aspekte (vgl. von Eiff 2000: 253).
Der Qualitätsbegriff ist für einen bestimmten Bereich zu definieren. So wird die Ergebnisqualität beispielsweise als Erfolg der medizinisch - pflegerischen Maßnahmen durch die erreichte Qualität des Behandlungsergebnisses beurteilt (vgl. Ziegenbein 2001: 99). In Lexika wird Qualität mit den Begriffen Beschaffenheit, Güte, Wert erklärt (vgl. Duden 1999: 598).
Generell kann der Qualitätsbegriff, sehr subjektiv sein (vgl. Giebing / Francois-Kettner 1996: 14). Er unterliegt verschiedenen Auffassungen und Ansprüchen, die individuell ausgeprägt sein können.
3.1 Qualität im Gesundheitswesen
Qualität im Gesundheitswesen, versteht sich nach Williamson (vgl. Roes et al. 2000: 25) als die befriedigende Verbesserung des Ge-sundheitsstatus der Bevölkerung, ohne Ressourcen zu verschwenden.
DRGs werden den ökonomischen Druck in den Krankenhäusern induzieren, weiter zu rationalisieren. Damit besteht die Gefahr, dass die Qualität der Patientenversorgung abgesenkt wird, um im Kostenrahmen zu bleiben.
Deshalb haben viele Länder flankierend externe Qualitätssicherungsmaßnahmen zur DRG - Einführung mit durchgeführt. Diese zie- len zunächst auf die Güte der Dokumentation (vgl. Grau 2001b: 5).
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Des Weiteren müssen Ergebnisparameter in die externe Qualitätssicherung mit eingebracht werden, analog zu den bisherigen Qualitätssicherungsverfahren bei Sonderentgelt- und Fallpauschalen-Patienten.
Im Projektkrankenhaus wurde mit der Implementierung des Zertifizierungskonzepts KTQ begonnen 6 .
Um einen hohen Qualitätsstandard zu erreichen, gilt es, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen (vgl. Breinlinger-O’Reilly 1997: 212). Die notwendigen Strukturen müssen hervorgerufen werden: Strukturqualität. Die Behandlungsabläufe - Prozesse - müssen so geschaffen werden, dass sie den an sie gerichteten Anforderungen gerecht werden können: Prozessqualität. Die Ergebnisse, welche die geschaffenen Strukturen und Prozesse liefern, sollen ständig kontrolliert werden: Ergebnisqualität (vgl. Meinhold 1998: 120). Entscheidend dabei ist es, die Mitarbeiter zu kontinuierlichen Verbesserungen zu motivieren und die Resultate transparent zu gestalten (vgl. Hildebrand 1999: 28ff).
3.2 Qualitätsmanagementsysteme im Krankenhaus
Nach Vorgaben und Strukturen von Qualitätssicherung undmanagement haben sich verschiedene Systeme entwickelt und werden als Zertifizierungs- oder Akkreditierungsverfahren verwendet (vgl. Meinhold 1998: 57). Für eine Zertifizierung ist die Überprüfungvon außen als Audit - von Konformität und Kompetenz einer Organisation hinsichtlich ihrer Strukturen, Prozesse und Ergebnisse nach festgelegten Gütekriterien bedeutend. Neben dem Audit muss für eine Akkreditierung hingegen noch eine interne Selbstbewertung durchgeführt werden.
6 vgl. §135a SGB V
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Die vier am weitesten verbreiteten bzw. am häufigsten verwendeten Modelle und Systeme sind (vgl. Graf et al. 1998: 9, Hildebrand 1999: 111ff):
Die Normenreihe der DIN EN ISO 9000 ff (9000-9004): ISO Das Modell der „European Foundation for Quality Management”: EFQM
Das Modell der “Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus“: KTQ
Das Modell der „Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organisation“: JCAHO.
Die Systeme ISO und EFQM wurden primär für die Industrie entwickelt und später an den Gesundheitsmarkt angepasst bzw. übertragen. Sie zielen auf eine bestmögliche Krankenversorgung unter bestmöglichen Arbeitsbedingungen für die Krankenhausmitarbeiter.
Qualitätsindikator Zertifizierung: KTQ 7 3.3
Es ist zu erwarten, dass sich insbesondere das Modell der KTQ durchsetzen wird (vgl. Pietsch-Breitfeld et al. 2002: 698). Die KTQ bietet die Möglichkeit der Zertifizierung zum Nachweis der Einführung eines Qualitätsmanagements. Doch ein KTQ - Zertifikat allein führt keineswegs zu einer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung im Sinne des § 135a SGB V.
Während KTQ die Einhaltung vorgegebener Regeln bestätigen wird, zielt das EFQM - Modell für Excellenze auf kontinuierliche Verbesserungen, die Aspekte der Ordnungsmäßigkeit einschließen. „KTQ“ ist statistisch, „EFQM“ hingegen dynamisch.
7 Die Verwendung der Abkürzung KTQ in dieser Arbeit meint immer KTQ®, als
eingetragene Marke.
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3.3.1 Definition von KTQ
Das Akronym KTQ bezeichnet die Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus. Diese Kooperation entstand aus dem Projekt „Machbarkeitsstudie zur Zertifizierung von Krankenhäusern“. Durch das Bundesministerium für Gesundheit wurde dieses Projekt anerkannt und gefördert. Die Kooperation setzt sich aus drei Vertragspartnern, dem Verband der Angestellten-Krankenkassen / Arbeiter Ersatzkassen-Verband (VdAK / AEV), der Bundesärztekammer (BÄK) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), zusammen.
3.3.2 Zertifizierung nach KTQ
Die "Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus" (KTQ) wurde 1997 gegründet mit dem Ziel, ein krankenhausspezifisches Zertifizierungsverfahren für die deutschen Krankenhäuser zu entwickeln. An der berufsübergreifenden Kooperation sind die Spitzenverbände der Krankenkassen, die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Pflegerat beteiligt. Seit dem Jahr 2002 kann jedes Krankenhaus ein freiwilliges Qualitätssiegel erwerben, mit dem es sich öffentlich werbend darstellen kann (www.ktq.de).
Entschließt sich ein Krankenhaus zur Teilnahme am Zertifizierungsverfahren, dann nehmen alle Krankenhausbereiche an der Zertifizierung teil.
Durch den KTQ - Qualitätsbericht können Patienten, niedergelassene Ärzte und die Krankenkassen erfahren, welche Leistungen in den Krankenhäusern erbracht werden. Weiterhin wie die Leistungsfähigkeit zu beurteilen ist, welche Ergebnisse durch ein Qualitätsmana- gement erzielt worden sind und wie die Erfolge der Behandlung ge-
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wertet werden können. Die Patientenbefragung zur Zufriedenheit ist dabei ein entscheidendes Kriterium.
Die Qualität und die Effektivität der Leistungserbringung werden allerdings von der Verfügbarkeit (personelle- und Sachmittelressourcen, Fachrichtungs- und Bettenkapazitäten) beeinflusst. Dies erachten die Autoren für einen nicht zu unterschätzenden Aspekt.
Eine Zertifizierung wird in Zukunft Pflicht für jedes Krankenhaus werden. Zum jetzigen Zeitpunkt stellt eine Zertifizierung einen Wettbe-werbsvorteil dar, in Zukunft wird sie selbstverständlich sein.
3.3.3 KTQ im Projektkrankenhaus
Der Qualitätsmanagement - Koordinator ist direkt bei der Selbstbewertung nach KTQ beteiligt. Im Krankenhaus wurden einige Arbeitsgruppen zur Beantwortung der Fragen nach den KTQ - Kriterien gebildet und diese arbeiten sie sukzessive ab. Involviert sind die Verwaltungsleitung, die Pflegedienstleitung, die Abteilungsleitungen Pflege sowie die ärztlichen Vertreter der Fachabteilungen, vorwiegend vertreten durch Oberärzte.
Es wurde ein Projektzeitplan entwickelt, wonach die Arbeitsgruppen die Kriterien abarbeiten. Erfahrungsgemäß werden pro Kriterium anderthalb bis drei Stunden benötigt. Parallel zur Bearbeitung der Kriterien werden zum jeweiligen Merkmal Dokumente gesammelt und Verbesserungspotenziale vorgeschlagen. Die Arbeitsgruppen sind interdisziplinär zusammengesetzt. Die Klärung der Unterscheidungszeichen erfolgt dann im Konsens. In einem Haus dieser Größenordnung ist das durchaus möglich, hätte das Haus mehr Betten, müssten die einzelnen Fachabteilungen die Kriterien zunächst für die Abteilung beantworten und sie später in einer Konsensgruppe zusam- menführen.
Arbeit zitieren:
Bianka Grau, Jörg Jähnigen, 2003, Die Patientenzufriedenheit als Einflussfaktor, München, GRIN Verlag GmbH
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