Ethisch -ökologische Geldanlagen -
Sozialethische Begründung und Probleme der Implementierung
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS IV
1. EINLEITUNG. 1
1.1 PROBLEMDARSTELLUNG 1
1.2 VORGEHEN. 2
2. GRUNDLAGEN 3
2.1 WIRTSCHAFTSETHIK 3
2.1.1 ALLGEMEINE ÜBERLEGUNGEN. 3
2.1.2 DIE AUFGABEN VON BANKEN UND BÖRSEN 4
2.2 DIE GELDANLAGE 5
2.2.1 GRUNDLEGENDE BEGRIFFE. 5
2.2.2 FORMEN DER GELDANLAGE UND EINFLUSS DES ANLEGERS. 6
2.2.2.1 EINFÜHRUNG. 6
2.2.2.2 EINLAGENGESCHÄFT DER BANKEN 7
2.2.2.3 FESTVERZINSLICHE WERTPAPIERE. 7
2.2.2.4 AKTIEN 8
2.2.2.5 INVESTMENTFONDS. 8
2.2.2.6 DIREKTBETEILIGUNGEN 9
3. SOZIALETHISCHE BEGRÜNDUNG 11
3.1 KRITISCHE DARSTELLUNG DES HEUTIGEN WIRTSCHAFTSSYSTEM. 11
3.2 DAS KONZEPT DES SHAREHOLDER VALUE 13
3.3 ZIELE EINER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG AUF DER BASIS DER DEKLARATION
DES PARLAMENTS DER WELTRELIGIONEN. 16
4. DIE ETHISCH-ÖKOLOGISCHE GELDANLAGE. 18
4.1 GRUNDLAGEN EINER ETHISCH-ÖKOLOGISCHEN GELDANLAGE 18
4.2 GESCHICHTE UND ENTWICKLUNG ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN. 19
4.3 KATEGORIEN ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN. 20
4.3.1 MERKMALE ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN 20
4.3.2 FÖRDERNDE ETHISCH-ÖKOLOGISCHEN GELDANLAGEN. 20
4.3.3 VERMEIDENDE ETHISCH-ÖKOLOGISCHEN GELDANLAGEN. 21
II
Ethisch -ökologische Geldanlagen -
Sozialethische Begründung und Probleme der Implementierung
4.4 DIE MOTIVE UND ZIELE DER ANLEGER 22
4.4.1 DIE PRIVATANLEGER 22
4.4.2 DIE INSTITUTIONELLEN ANLEGER. 25
4.5 DIE ANBIETER ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN 25
4.6 ANLAGESTRATEGIEN. 27
5. PROBLEME DER IMPLEMENTIERUNG ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN 31
5.1 ÜBERBLICK 31
5.2 DAS PROBLEM DER UNZUREICHENDEN AUSWAHL. 31
5.3 DAS PROBLEM VON RENDITE UND SICHERHEIT. 32
5.3.1 DIE RENDITE ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN. 32
5.3.2 DIE SICHERHEIT ETHISCH-ÖKOLOGISCHER GELDANLAGEN. 34
5.4 DAS INFORMATIONSPROBLEM 34
6. RATING ALS LÖSUNG DES INFORMATIONSPROBLEMS 36
6.1 GRUNDLAGEN DES RATING 36
6.2 EIN KRITERIENKATALOG AM BEISPIEL DES FRANKFURT-HOHENHEIMER
LEITFADENS. 37
6.2.1 GRUNDLAGEN 37
6.2.2 VORSTELLUNG DES FRANKFURT-HOHENHEIMER LEITFADENS 37
6.2.3 DAS CORPORATE RESPONSIBILITY RATING DER OEKOM RESEARCH AG. 39
6.3 KRITIK AN DER VERWENDUNG VON KRITERIENKATALOGEN 41
7. SCHLUSS. 43
7.1 ZUSAMMENFASSUNG 43
7.2 AUSBLICK 44
BIBLIOGRAPHIE I
III
Ethisch-ökologische Geldanlagen -Sozialethische Begründung und Probleme der Implementierung Abkürzungsverzeichnis
Attac Association pour la Taxation des Transactions financières pour l’Aide aux Citoyens BAK Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen BSP Bruttosozialprodukt bzw. beziehungsweise ca. circa DAX Deutscher Aktien Index et.al. et altera FHL Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden gem. gemäß ggf. gegebenenfalls GLS Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel MSCI World Morgan Stanley Capital International World NAX Natur Aktien Index OECD Organisation for Economic Co-operation and Development sog. sogenannt(e) SUMI Schweizer Umwelt Index u. a. unter anderem USA United States of America usw. und so weiter WBCSD World Business Council for Sustainable Development WEED World Economy, Ecology & Development z. B. zum Beispiel zzgl. zuzüglich
I V
Einleitung
1. Einleitung 1.1 Problemdarstellung
Nach dem Ende des Börsenbooms der neunziger Jahre, der für viele Anleger mit großen Verlusten endete, ist der Versuch, mit Aktiengeschäften an der Börse schnell Gewinn zu machen, in Misskredit geraten. Doch nicht nur private Anleger, sondern auch Teile der Managementelite denken um. Auf dem jährlich tagenden Weltwirtschaftsforum 2004 in Davos forderte Klaus Schwab, der Gründer und Vorsitzende des Forums, „...ein neues umfassenderes Konzept von Unternehmensführung. Das pure Schielen auf Gewinn bringe kurzfristig Profit, könne langfristig aber den Untergang bedeuten.“ 1
Viele Anleger suchen nach Anlagemöglichkeiten, mit denen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig eine gute Rendite erzielt werden kann. Neben diesen finanziellen Beweggründen rücken zugleich lokale und globale Umwelt- und Sozialprobleme in das Bewusstsein der Gesellschaft. FCKW-haltige Kühlschränke oder mit Kinderarbeit hergestellte Teppiche sind anders als noch vor 20 Jahren heutzutage in Deutschland kaum oder gar nicht mehr verkäuflich. 2 Vor diesem Hintergrund könnte das Konzept des nachhaltigen Wirtschaftens eine Lösung sein. Hierunter werden nicht nur ökonomische, sondern auch ethische und ökologische Überlegungen im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung in die Entscheidungen der Unternehmensführung einbezogen. Der Markt bietet dem interessierten Anleger eine Reihe von Geldanlagen, die in Unternehmen investieren, welche ihrerseits bestimmte ethische und ökologische Kriterien erfüllen. Problematisch bleiben in diesem Zusammenhang die Begriffe Ethik, Ökologie und Nachhaltigkeit. Sie sind nicht nur interpretationsbedürftig und moralisch belegt, sondern erfreuen sich auch eines zum Teil sehr ambivalenten Verständnisses. 3
Diese Arbeit hat zwei Schwerpunkte: Der erste ist eine kritische Darstellung des heutigen Wirtschaftsystems und die daraus folgende sozialethische Begründung für die Notwendigkeit ethisch und ökologisch orientierter Geldanlagen. Der zweite Schwerpunkt beinhaltet die Probleme, die bei der Implementierung von ethisch- 1 Vgl.RULLKÖTTER, Anlegen mit Vitamin T, 72 - 73.
2 Vgl. BALZ, Ethisch-ökologische Geldanlage, 197 - 198.
3 Vgl. SPANKE, Auf zu neuen Wohltaten, 31.
1
Einleitung
ökologischen Geldanlagen auftreten können. Sie sind zahlreich und dürfen nicht unterschätzt werden.
1.2 Vorgehen
Im Anschluss an die Einleitung folgt ein Kapitel, das wesentliche Grundlagen für das weitere Vorgehen legt. Im ersten Teil des zweiten Kapitels werden allgemeine wirtschaftsethische Überlegungen zur Wirtschaft insgesamt dargelegt. Darauf folgt eine Darstellung der Aufgaben, die von Banken und Börsen wahrgenommen werden. Der zweite Teil des zweiten Kapitels stellt nach einer kurzen Begriffsdefinition und fünf verschiedene Grundformen der Geldanlage, sowie die jeweiligen Einflussmöglichkeiten des Anlegers dar. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem ersten Problemkomplex dieser Arbeit: der sozialethischen Begründung ethischökologischer Geldanlagen. Es stellt zunächst die Entwicklung einer kritischen Haltung zum heutigen Wirtschaften seit Beginn der siebziger Jahre grob dar. Anschließend werden das Konzept des Shareholder Value und die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung beschrieben. Das vierte Kapitel hat das Konzept einer ethischökologische Geldanlage zum Inhalt. Nach einer kurzen Einführung folgt ein Abriss über die bisherige Entwicklung. Anschließend werden verschiedene Kategorien von ethisch-ökologischen Geldanlagen differenziert. Die drei darauf folgenden Unterkapitel untersuchen die Beweggründe der Anleger, das Verhalten der Anbieter, sowie mögliche Anlagestrategien. Im fünften Kapitel geht es um den zweiten großen Problemkomplex dieser Arbeit. Dazu zählt insbesondere der geringe Anteil ethischökologischer Geldanlagen am gesamten Anlagevermögen. In drei Unterkapiteln werden die wesentlichen Schwierigkeiten, die bei der Implementierung auftreten können, erläutert. Schließlich geht es im sechsten Kapitel um das ethisch-ökologische Rating als Lösungsmöglichkeit für das Problem der unzureichenden Information des Anlegers. Als konkrete Beispiele werden der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden, sowie seine Umsetzung im Corporate Responsibility Rating der oekom Research AG vorgestellt. Der Schluss fasst zunächst die Ergebnisse der einzelnen Kapitel zusammen und gibt anschließend einen Ausblick.
2
Grundlagen
2. Grundlagen 2.1 Wirtschaftsethik
2.1.1 Allgemeine Überlegungen
Wirtschaftsethische Überlegungen sollten nicht ergänzend zu ökonomischen Aspekten, sondern als integraler Bestandteil der Entscheidungsfindung gesehen werden. Die Forderung der Ökonomie nach Effizienz und die Forderung der Ethik nach Sach- und Tauschgerechtigkeit müssen parallel verwirklicht werden.
Der Zweck der Wirtschaft ist nach KOSLOWSKI die Bedarfsdeckung und Selbstverwirklichung der Menschen in einer Volkswirtschaft. Um diesen zu erreichen, müssen alle Ressourcen möglichst effizient genutzt werden. Diese Effizienz bzw. die Sachgerechtigkeit lassen sich nur erreichen, wenn alle Wirtschaftsakteure unethisches Verhalten vermeiden. Dazu gehören u.a. Bestechung und unlauterer Wettbewerb. Die Handelnden dürfen die individuelle Maximierung des Gewinns nicht zum alleinigen Maßstab ihres Handelns machen, da die Gewinnmaximierung nur ein Mittel ist, den Zweck der Wirtschaft zu erreichen. 4 Tauschgerechtigkeit meint das Streben nach einem fairen Interessenausgleich und wechselseitiger Vorteilhaftigkeit über die formale Rechtmäßigkeit hinaus. In einem perfekten Wettbewerbsmarkt ist der Marktpreis der gerechte Preis, sofern bei der Preisbildung keine höheren ethischen Forderungen wie zum Beispiel Menschenrechte verletzt wurden. 5
Wirtschaftsethik will die Absicht fördern, richtiges Wirtschaften, faires Geschäftsgebaren und gutes Management zu realisieren. Ihr Ziel ist die richtige Absicht beziehungsweise die Intentio Recto im Wirtschaftsleben. Ein Gesetz kann nur das nach außen sichtbare Verhalten regeln. Wirtschaftsethik ist dagegen eine Ordnung von inneren und nicht-gerichtsfähigen Pflichten, die die innere Einstellung des Wirtschaftsakteurs beeinflussen sollen.
Während ein ökonomisches Fehlverhalten mit finanziellen Verlusten sanktioniert wird, wird ein Gesetzesverstoß durch Anwendung des Strafrechts geahndet. Die Nichtbeachtung wirtschaftsethischer Normen kann dagegen zwei Folgen haben: Die direkte Folge ist ein schlechter Ruf und möglicherweise ein schlechtes Gewissen.
4 Vgl. KOSLOWSKI, Ethik der Banken und der Börse, 20 - 25.
5 Vgl. KOSLOWSKI, Ethik der Banken und der Börse, 28 - 31.
3
Grundlagen
Indirekt können daraus jedoch auch handfeste monetäre Schäden erwachsen, weil manche Kunden nicht mehr bereit sind, bei einem unethisch operierenden Unternehmen Waren und Dienstleistungen zu erwerben. 6 Dies könnte ein Ansatzpunkt ethisch-ökologischer Geldanlagen sein. Bevor auf diese eingegangen wird, sollen zunächst die Aufgaben von Banken und Börsen dargelegt und verschiedene Grundformen von Geldanlagen vorgestellt werden.
2.1.2 Die Aufgaben von Banken und Börsen
Die von den Banken wahrgenommenen Aufgaben sind in einer modernen Volkswirtschaft unverzichtbar. Sie stellen Bargeld zur Verfügung, ermöglichen den bargeldlosen Zahlungsverkehr und handeln mit Wertpapieren. Eine weitere Aufgabe ist Hereinnahme, sichere Aufbewahrung und Verzinsung von Kapital. Dazu gehören Giro-, Spar- und Termingeldkonten. Dieses von den Kunden geliehene Geld wird von den Banken als Kredit an Personen und Unternehmen mit Kapitalbedarf wieder ausgeliehen. 7 Dabei geraten sie in zwei Zielkonflikte:
1. Während die Kapitalgeber einen risikoscheuen Umgang mit dem der Bank anvertrauten Geld fordern, sind die Kapitalnehmer an einem risikofreudigen und mutigen Verhalten der Bank interessiert.
2. Die Banken müssen unterschiedliche Laufzeiten zwischen Einlagen und Krediten ausgleichen.
Ethische Überlegungen spielen bei Kreditentscheidungen der meisten Banken kaum eine Rolle. Nur wenige, wie die Umweltbank oder die Ethikbank, beziehen ausdrücklich ethische Kriterien in die Entscheidungen zur Kreditvergabe ein. 8
Die Aufgaben der Börsen sind Folgende: Zunächst führen sie Angebot und Nachfrage nach Waren, Devisen oder Wertpapieren zusammen. Sie eröffnen den Käufern und Verkäufern durch die Kursfeststellung die Möglichkeit, jederzeit Transaktionen durchführen zu können. So erreichen die Börsen einen Fristenausgleich, der dem der Banken ähnelt. Des Weiteren wird dem Emittenten von Wertpapieren nach
6 Vgl. KOSLOWSKI, Ethik der Banken und der Börse, 32 - 34.
7 Vgl. RICHARD/MÜHLMEYER/BERGMANN, Betriebslehre der Banken und Sparkassen, 14.
8 Vgl. www.umweltbank.de und www.oekobank.de.
4
Grundlagen
eingehender Prüfung das gewünschte Eigen- oder Fremdkapital zugeführt und so Ersparnisse in Investitionen umgewandelt. 9
2.2 Die Geldanlage
2.2.1 Grundlegende Begriffe
In diesem Kapitel werden nach der Definition wichtiger Begriffe fünf Möglichkeiten der Geldanlage vorgestellt.
Unter einer Geldanlage soll in dieser Arbeit eine Geldzahlung verstanden werden, die einem Unternehmen als Eigen- oder Fremdkapital mit der Erwartung der Werterhaltung, Verzinsung und Rückzahlung zur Verfügung gestellt wird. Dies kann durch Privatpersonen, durch Banken oder andere Finanzdienstleister erfolgen. Da Fristen in dieser Arbeit keine Rolle spielen, werden die Begriffe Geldanlage und Kapitalanlage synonym verwendet.
Privatanleger sind diejenigen Anleger, die lediglich ihr eigenes Kapital verwalten. Im Gegensatz zu diesen beschäftigen sich institutionelle Anleger geschäftsmäßig mit der Anlage von Geld, das ihnen ihre Kunden anvertraut haben. Zu den institutionellen Anlegern gehören u.a. Banken, Versicherungen und Investmentfonds. 10 Unter einem Anlageuniversum soll hier die Gesamtheit der Möglichkeiten, die grundsätzlich für eine Geldanlage in Frage kommen, verstanden werden.
Bei der herkömmlichen Geldanlage wird die Anlageentscheidung in der Regel nach drei Hauptkriterien getroffen. Rendite, Sicherheit und die Liquidität der Anlage bilden dabei das sog. magische Dreieck. Darüber hinaus verfolgen manche Anleger auch steuerliche Ziele. Aufgrund von gegenseitigen Abhängigkeiten der drei Hauptkriterien können sie nicht alle gleichzeitig maximal erfüllt werden. So erzielt eine sehr sichere Anlage in der Regel nur eine geringe Rendite, während bei einer einen hohen Ertrag versprechenden Anlage das Verlustrisiko deutlich höher ist und sogar den Totalverlust beinhalten kann. Grundsätzlich gilt: Eine höhere Gewinnchance bedeutet auch ein
9 Vgl. RICHARD/MÜHLMEYER/BERGMANN, Betriebslehre der Banken und Sparkassen, 335.
10 Vgl. MÄCHTEL, Erfolgsfaktoren ökologisch ausgerichteter Anlagefonds, 32 - 36.
5
Grundlagen
höheres Verlustrisiko. Eine hohe Liquidität geht in der Regel mit einer geringen Renditeaussicht einher. 11
2.2.2 Formen der Geldanlage und Einfluss des Anlegers
2.2.2.1 Einführung
Die Möglichkeiten, Geld anzulegen sind äußerst vielfältig. Daher soll hier nur ein allgemeiner Überblick gegeben werden. Der Einfluss, den der Anleger durch die Geldanlage auf ein Unternehmen gewinnt, ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Laut GRIEBLE spielen dabei mehrere Faktoren eine Rolle. Er unterscheidet interne - vom einzelnen Anleger abhängige - und externe - allgemein wirkende - Einflussfaktoren.
Zu den internen Faktoren zählt zunächst einmal die Höhe des Anlagevolumens. Je mehr Geld angelegt wird, desto höher ist der Einfluss. Dabei muss i.d.R. eine gewisse Mindestsumme überschritten werden. Weitere Faktoren sind die Erfahrungen und Kenntnisse des Investors beim Umgang mit Geldanlagen, das Interesse an einer Veränderung der Unternehmenspolitik, seine Risikobereitschaft und die Informationen, die ihm zur Verfügung stehen.
Die externen Faktoren setzen sich aus drei Teilen zusammen. Der erste Teil beinhaltet die Rahmenbedingungen, in denen die Anleger agieren. Dazu gehören das Gesellschafts-, Rechts- und Wirtschaftssystem, sowie die Möglichkeiten der Transaktion. Zum zweiten Teil gehört das Angebot an Geldanlagen, die der Markt anbietet. Dabei stellen sich neben der reinen Verfügbarkeit Fragen nach der Attraktivität derartiger Anlagemöglichkeiten. Wie sind die Kriterien Rendite, Risiko und Liquidierbarkeit im Vergleich zu anderen Geldanlagen ausgeprägt? Der dritte Teil beinhaltet die Handlungschancen der Anleger. Die Frage ist, durch welche Verhaltensweisen der Anleger mit seiner Geldanlage Einfluss auf die betroffenen Unternehmen ausüben kann.
GRIEBLE unterscheidet aktive und reaktive Handlungschancen. Zu ersteren zählt er die (Mit-) Gestaltung der Unternehmenspolitik. Dabei sollen dem Management vor einer Entscheidung Handlungsalternativen aufgezeigt werden. Da dies in der Regel jedoch
11 Vgl. RICHARD/MÜHLMEYER/BERGMANN, Betriebslehre der Banken und Sparkassen, 439 - 440; sowie
SCHNEEWEIß, Mein Geld soll Leben fördern, 17 - 18; BALZ, Ethisch-ökologische Geldanlagen, 26 - 37.
6
Grundlagen
nur möglich ist, wenn der Anleger eine größere Summe investiert hat, sind aktive Handlungsmöglichkeiten oft kaum realisierbar. Praktikabler und zahlreicher sind die reaktiven Handlungsmöglichkeiten. Diese setzen sich aus Investition und Desinvestition zusammen, Zu- und Widerspruch, als Reaktion auf positives oder negatives Verhalten des betrachteten Unternehmens. Darüber hinaus nennt er Boykott als Kombination von Desinvestition und Widerspruch. 12
2.2.2.2 Einlagengeschäft der Banken
Damit Banken Kredite ausleihen können, müssen sie sich refinanzieren. Dies können sie über die Finanzmärkte, aber auch durch Hereinnahme von Kapital von ihren Kunden tun. Dieses Geld wird verzinst und unterscheidet sich vor allem über unterschiedliche Rückzahlungsfristen. Zum typischen Einlagengeschäft gehört die Führung von Sparkonten, Termin- und Tagesgeldkonten, sowie Girokonten. Ein gewisser Prozentsatz der Einlagen darf nicht ausgeliehen werden, um möglichen Auszahlungswünschen nachkommen zu können. 13
Bei herkömmlichen Banken hat der Anleger nicht nur keinen Einfluss auf die Art und Weise, sondern auch keine Information darüber, wie die Bank die eingelegten Gelder verwendet. Eine Ausnahme bilden die schon genannte UmweltBank und die EthikBank. Sie vergeben Kredite nur nach der Erfüllung eines ethisch-ökologischen Kriterienkataloges. Die Anleger können zwar auch hier keinen aktiven Einfluss auf diese Kataloge ausüben, aber sie werden informiert, wie die Bank das ihr anvertraute Geld verwendet. Ein Anleger kann so zumindest reaktiven Einfluss geltend machen, indem er bewusst auf die Anlage eines Kontos bei einer herkömmlichen Bank verzichtet, da die oben genannten Banken ihm eine Alternative bieten. 14
2.2.2.3 Festverzinsliche Wertpapiere
Mit dem Kauf eines festverzinslichen Wertpapiers erwirbt der Käufer gegenüber dem Emittenten einen Anspruch auf Rückzahlung des in der Urkunde genannten Betrages zuzüglich einer festen Verzinsung zu fest vereinbarten Zeitpunkten. Festverzinsliche Wertpapiere werden sowohl von Unternehmen, als auch von der öffentlichen Hand zur
12 Vgl. GRIEBLE, Ethisch-ökologische Geldanlagen, 37 - 128.
13 Vgl. RICHARD/MÜHLMEYER/BERGMANN, Betriebslehre der Banken und Sparkassen, 226 - 239.
14 Vgl. GRIEBLE, Ethisch-ökologische Geldanlage, 133 - 138; sowie Prospekte der UmweltBank und der
EthikBank.
7
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Volker Michels, 2005, Ethisch-ökologische Geldanlagen - Sozialethische Begründung und Probleme der Implementierung, München, GRIN Verlag GmbH
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