Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Die griechische Staatenwelt am Vorabend des Peloponnesischen Kriegs. 4
2.1 Die militärische Ausgangslage. 4
2.1.1 Das athenische Bündnis mit Kerkyra. 4
2.2.2 Die athenische Belagerung von Poteidaia. 5
2.2 Die diplomatische Ausgangslage. 6
2.2.1 Die Versammlungen der Peloponnesier in Sparta. 6
2.2.2 Die Volksversammlung in Athen. 7
III. Ursachen und Anlässe für den Kriegsausbruch. 8
3.1 Unterscheidung zwischen Ursachen und Anlä ssen. 8
3.2 Die Aufrechterhaltung des megarischen Psephismas. 10
3.2.1 Innenpolitische Ursachen. 10
3.2.2 Außenpolitische Ursachen. 12
IV. Schlußbetrachtung. 14
V. Bibliographie 16
I. Einleitung
Im Jahre 431 v.Chr. brach der sog. Peloponnesische Krieg zwischen Athen als Vormacht des delischattischen Seebundes und Sparta als Vormacht des Peloponnesischen Bundes aus. 1 Wie Thukydides berichtet, handelte es sich beim Peloponnesischen Krieg um den „schwersten Krieg“ 2 , denn es bis dahin je gegeben hatte. In den Jahren vor dem Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs war das griechische Staatensystem ähnlich wie im Kalten Krieg in zwei Machtsphären geteilt, die im Jahre 446/445 v.Chr. einen Dreißigjährigen Frieden geschlossen hatten, in dessen Rahmen sie ihre Interessenssphären auf der Grundlage des Status quo abgrenzten.
Ziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Ursachen und Anlässe, die wesentlich zum Kriegsausbruch beigetragen haben, zu benennen, einzuordnen und zu bewerten. Um solch eine Analyse gut strukturiert und erfolgreich durchführen zu können, ist es zunächst nötig, in einem ersten Schritt die Ausgangslage darzustellen, in der sich die Widersacher am Vorabend des Krieges befanden, bevor man in einem zweiten Schritt zu einer Bewertung von Ursachen und Anlässen kommen kann. Aus diesem Grund wendet sich das zweite Kapitel dieser Arbeit zunächst der Lage der griechischen Staatenwelt am Vo rabend des Krieges zu, während in Kapitel drei die Ursachen und Anlässe analysiert werden. Als Ausgangspunkt dienen in Punkt 2.1 die ersten feindliche n Berührungen um Kerkyra und Poteidaia, die 13 Jahre nach dem Dreißigjährigen Frieden die griechische Staatenwelt ins Wanken brachten. In Folge dieser militärischen Auseinandersetzungen traten 432/431 v.Chr. in Sparta und Athen Volksversammlungen zusammen, in deren Anschluß es zu diplomatischen Verhandlungen kam, die in 2.2 behandelt werden. Da diese diplomatischen Bemühungen letztendlich scheiterten und der Krieg 431 v.Chr. ausbrach, bleibt in 3.1 zunächst die Frage nach dem Warum zu stellen: Warum kam es zum Krieg? Um diese Frage beant-worten zu können, müssen in einem ersten Schritt die einzelnen Faktoren analysiert und zwischen für den Kriegsausbruch relevanten und irrelevanten Faktoren unterschieden werden. Die ze ntrale Rolle in den diplomatischen Verhandlungen spielte der Streit um das megarische Psephisma, dessen Aufrechterhaltung letztendlich Anlaß zum Krieg bot, weshalb in einem zweiten Schritt in 3.2 die Frage gestellt werden muß, warum die Athener - allen voran Perikles dessen Ruhm, Redegewalt und vornehme Herkunft ihn zur herausragendsten Persönlichkeiten Athens zu dieser Zeit machten - der spartanischen Forderung nach Aufhebung des Psephismas nicht nachgegeben und somit den Waffengang nicht abgewendet haben. In 3.2.1 wird zunächst die Hypothese Diodors und Plutarchs überprüft, nach der Perikles bewußt einen Krieg heraufbeschworen habe, um seinen innenpolitischen Schwierigkeiten entfliehen zu können. Da vor dem Hintergrund der Bipolarität der griechischen Staatenwelt eine alleinige innenpolitische Erklärung jedoch unzureichend sein muß, wendet sich 3.2.2 mö glichen außenpolitischen Ursachen für die Aufrechterhaltung des megarischen Psephismas zu.
1 Für die Datierung des Kriegsausbruchs ist das Jahr 431 v.Chr. anzusetzen, da nach Diodor in diesem Jahr Euthydemos in
Athen das Archontat bekleidete bzw. Manius Aemilianus Mamercus, Gaius Iulius und Lucius Quinctius in Rom als Militär-
tribunen anstelle der Konsuln eingesetzt wurden. - Vgl. Diodor, XII, 38. - Vgl. auch Bickermann, Elias Joseph: Chronology
of the ancient world, 2. Aufl. New York, 1980, S. 138, 142.
2 Thukydides, I, 21, 2.
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Zur Überlieferungssituation ist zu sagen, daß allen voran Thukydides in seinem Werk über den Peloponnesischen Krieg eine Fülle von Quellen bietet, die vor allem zur Erarbeitung der Ausgangslage dienlich sind. Des weiteren finden sich in der Periklesbiographie des Plutarch und auch bei Diodor und bei Aristophanes eine Reihe von Quellen, die vor allem bei der Analyse der Kriegsursachen hilfreich sind. Ähnlich stellt sich die Forschungslage dar, die vor allem bzgl. der Frage nach der Bedeutung des megarischen Psephismas für den Kriegsausbruch eine Vielzahl an Literatur bietet. Zu nennen sind hierbei vor allem French, Mac Donald, Sealy, Völkl und Wick, die sich allesamt mit dieser Problematik befassen, während Kienast den innenpolitischen Ansatz diskutiert und Badian, Braunert, Nesselhauf und Sertcan den Kriegsausbruch in einer weiter gefaßten Perspektive betrachten..
II. Die griechische Staatenwelt am Vorabend des Peloponnesischen Kriegs
2.1 Die militärische Ausgangslage
2.1.1 Das athenische Bündnis mit Kerkyra
Im Streit um den Schutz der Stadt Epidamnos, das 625 v.Chr. von Korinth und Kerkyra gemeinsam gegründet worden war, war es im Jahr 435 v.Chr. zum Krieg zwischen den beiden Gründerstädten gekommen, wobei Kerkyra aufgrund seiner Geldmacht den reichsten Griechenstädten ebenbürtig, in der Kriegsrüstung, insbesondere im Seewesen, gar weit überlegen war. Nachdem die Kerkyraier in der Seeschlacht vor Epidamnos den Korinthern eine schwere Niederlage beigebracht und 15 ihrer Schiffe versenkt hatten, begannen die Korinther im darauffolgenden Jahr, ihre Flotte derart aufzurüsten, daß die Kerkyraier, die bisher mit keiner Hellenenstadt ein Bündnis eingegangen waren, in Angst und Schrecken versetzt wurden. Aus dieser Angst heraus wandte sich Kerkyra im Winter 434/433 v.Chr. an die Athener mit dem Ziel, deren Bundesgenossen zu werden und Hilfe bei ihnen zu finden. Vor der athenischen Volksversammlung versuchten sie, die Athener für ein Bündnis zu gewinnen, indem sie auf ihre enorme Flotte verwiesen und verdeutlichten, daß Athen die gleichen Feinde habe wie sie, was die sicherste Gewähr für gegenseitige Treue sei. Darüber hinaus führten sie das geostrategische Argument an, daß Kerkyra sehr günstig an der Überfahrt nach Italien und Sizilien liege, weshalb keine Flotte zu den Peloponnesiern kommen könne. Da Korinth den Krieg nach seinen eigenen Vorstellungen beenden wollte, schickte es ebenfalls eine Gesandtschaft nach Athen, um zu verhindern, daß die attische Flotte auf Seiten Kerkyras in den Krieg eintrat. Vor einer zweiten Volksversammlung verwiesen die Korinther auf den Dreißigjährigen Frieden und argumentierten, daß dieser einer nicht eingeschriebenen Stadt zwar das freie Bündnisrecht zugestehe, dieses Recht aber dahingehend einschränke, daß nur dann ein Beitritt einer neutralen Stadt möglich sei, wenn sie ihrem Beschützer Frieden und keinen Krieg verschaffe und wenn weder die Peloponnesier noch die Athener mit ihren Verbündeten durch ein solches Bündnis Schaden nehmen würden. Nach den Beratungen in den beiden Volksversammlungen entschieden sich die Athener, mit Kerkyra zwar kein volles Bündnis mit gleichen Feinden und Freunden (Symmachie) zu
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schließen, da sie sonst zum Beistand gegen Korinth hätten gezwungen werden können, was wiederum einen Bruch des Friedensvertrages mit den Peloponnesiern bedeutet hätte, aber sie schlossen ein Teilbündnis (Epimachie). Im Rahmen dieses Defensivbündnisses verpflichteten sich beide Seiten im Angriffsfall zur gegenseitigen Hilfeleistung, auch für den Fall, daß einer der Verbündeten Athens angegriffen würde. Zu den Gründen, die Athen zu diesem Schut zvertrag bewogen haben, ist zu sagen, daß die Athener davon ausgegangen sind, daß der Krieg mit den Peloponnesiern unvermeidlich sei, weshalb man Kerkyra, das eine nicht unerhebliche Seemacht darstellte, nicht ohne weiteres den Korinthern überlassen wollte. Die Athener spekulierten darauf, daß das für sie geostrategisch günstig gelegene Kerkyra derart mit Korinth aneinandergerate, damit beide Seemächte bereits vor Ausbruch des bevorstehe nden Krieges möglichst weitgehend geschwächt werden. 3
Nachdem die Korinther abgereist waren, schickten die Athener den Kerkyraiern zehn Schiffe zur Hilfe, die allerdings den ausdrücklichen Befehl erhie lten, nur dann gegen die Korinther zu segeln, wenn diese gegen Kerkyra vorgingen, da Athen den Dreißigjährigen Frieden nicht brechen wollte. Da die Korinther sich jedoch Kerkyra zu nähern begannen, bemannten die Kerkyraier ihre 110 Schiffe und bezogen nebst den zehn athenischen Schiffen ihr Lager. Die athenischen Schiffe eilten den Kerkyraiern im folgenden Seegefecht immer zur Hilfe, falls diese in Bedrängnis gerieten, allerdings fuhren sie in Bedacht auf den erteilten Befehl zunächst keinerlei eigene Angriffe. Doch aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit begann sich bald eine deutliche Niederlage der Kerkyraier abzuzeichnen, was letztendlich zu direkten Kampfhandlungen zwischen Athenern und Korinthern führte. Aus Sorge, die Korinther könnten letztendlich obsiegen, sandte Athen 20 weitere Schiffe zur Unterstützung, bei deren Erblicken die Korinther den Rückzug antraten. Am nächsten Morgen schickten die Korinther den Athenern eine Gesandtschaft entgegen, um sie darauf hinzuweisen, daß sie den Friedensvertrag von 446/445 v.Chr. gebrochen hätten, worauf die Athener ihnen entgegneten, daß dies nicht der Fall sei und daß sie den Kerkyraiern als Vertragspartner lediglich zur Hilfe geeilt seien. In Folge dessen traten die Korinther die Heimreise an, worauf auch die athenischen Schiffe nach Hause zurückkehrten. 4
2.1.2 Die athenische Belagerung von Poteidaia
Da die Korinther auf Rache sannen, kam es 433/432 v.Chr. zu einem weiteren Streitfall zwischen Athen und Korinth: In Athen war man sich nach der militärischen Hilfeleistung zugunsten der Kerkyraier der Feindschaft der Korinther stets bewußt, weshalb die Athener Poteidaia, einer von Korinth gegründeten Stadt, die aber Mitglied des Seebundes war, befahlen, einen Teil seiner Schutzmauer einzureißen, Geiseln zu stellen und die korinthischen Aufsichtsbeamten (Epidemiurgen) zu entlassen und künftig keine mehr aufzunehmen. Athen traf diese Maßnahmen, da es fürchtete, Poteidaia könnte - von Perdikkas 5
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Vgl. ebd., I, 24-44. - Vgl. auch Plutarch Perikles, 29. - Vgl. auch Bayer, Erich: Griechische Geschichte. Stuttgart, 1968, S.
238-239.
4 Vgl. Thuk., I, 45-55. - Vgl. auch Bayer 1968, S. 239.
5 Perdikkas, König von Makedionien, war zum Krieg gegen Athen entschlossen, obwohl er früher ein Freund und Verbünde-
ter der Athener gewesen war. Allerdings ist Athen dann ein Bündnis mit Perdikkas’ Bruder Philippos und mit Derdas, die
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Arbeit zitieren:
Marc Philipp, 2003, Der Ausbruch des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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