Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 03 05
II Die Sudetenproblematik 05 09
2.1 Die Rolle der Sudetenproblematik in den Beziehungen zwischen der Weimarer Repu
blik und der Tschechoslowakei 05 07
2.2 Die Sudetenproblematik im Jahre 1938 und ihre Instrumentalisierung 07 09
III Der Weg nach München 09 14
3.1 Chamberlain auf dem Obersalzberg 09 10
3.2 Das Scheitern der Konferenz von Bad Godesberg 10 12
3.3 Münchner Vortage 12 14
IV Die Münchner Konferenz 14 18
4.1 Die Ausgrenzung der Sowjetunion 14 16
4.2 Ergebnisse und Auswirkungen 16 18
V Schlußbetrachtung 19 20
VI Literaturverzeichnis 21 22
VII Anhang 22 25
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I. Einleitung
Nach dem Ende des Kalten Kriegs unterzeichneten Anfang der neunziger Jahre die Tschechische Föderative Republik und die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag über gutnachbarliche und freundschaftliche Beziehungen in dessen Präambel geschrieben steht: „...hinsichtlich einer Nichtigkeit des Münchner Abkommens von 1938“. 1 Dies zeigt, daß das Münchner Abkommen nicht nur einen Wendepunkt der weltpolitischen Lage im Jahre 1938 bedeutete, sondern auch noch im heutigen Blickfeld der deutsch-tschechischen Beziehungen steht. Wenn heute in der Welt irgendwo von einem „ne uen München“ gesprochen wird, ist damit vor allem die „Kapitulation vor dem Bösen“ 2 gemeint. An der Münchner Konferenz am 29. September 1938 nahmen der britische Premierminister Neville Chamberlain, sein französischer Kollege Edouard Daladier, der italienische Duce Benito Mussolini und der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler teil, um die Sudetenkrise zu beenden und die durch Hitlers Forderungen entstandene Kriegsgefahr zu bändigen. Das Abkommen verfügte darüber, daß die von überwiegend Deutschen bewohnten Grenzgebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich abgetreten wurden.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Vorgeschichte, das Zustandekommen und die Auswirkungen des Münchner Abkommens zu analysieren. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Frage gelegt, warum die Sowjetunion als einzige europäische Großmacht von der Münchner Konferenz ausgeschlossen wurde. War nur Hitler dafür verantwortlich, daß Moskau keine Einladung erhielt oder hatten Großbritannien und Frankreich ebenfalls Einwände gegen eine Teilnahme der UdSSR? Im Zusammenhang der Auswirkungen von München ist nicht nur auf die Folgen für die Tschechoslowakei und die teilnehmenden Mächte einzugehen, sondern auch auf die Auswirkungen des Ausschlusses der Sowjetunion.
Die Entwicklung der Sudetenproblematik, aus der im Laufe des Jahres 1938 eine handfeste Krise wurde, die Europa an den Rand eines Krieges brachte, dient als Einführung in die Problematik, über die in München verhandelt wurde. In Kapitel zwei wird dieser Aspekt behandelt, wobei unter Punkt 2.1 die Entstehung der Sudetenproblematik und das Verhältnis zwischen der Prager und der Weimarer Regierung beleuchtet wird, um zu sehen, ob bereits in den zwanziger Jahren das Sudetenproblem Gegens-tand der deutsch-tschechischen Beziehungen war und wie diese Beziehungen ausgesehen haben. Neben der Situation der Sudetendeutschen nach Hitlers „Machterschleichung“ 3 befaßt sich Abschnitt 2.2 mit der Sudetenkrise im Jahr 1938 und deren Instrumentalisierung für Hitlers Pläne zur Zerschlagung
1 Lemberg, Hans: München 1938 und die langfristigen Folgen für das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen. In: Hoensch, Jörg K. (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918 – 1938). Essen (u.a.) 1994, S. 147-166, hier S. 147.
2 Hilf, Rudolf: Der Stellenwert von München in Geschichte und Gegenwart. In: Glotz, Peter (Hrsg.): München 1938. Das Ende des alten Europa. Essen (u.a.) 1990, S.445-461, hier S. 454.
3 Der gängige Begriff der Machtergreifung verfehlt eine zutreffende Beschreibung der Vorgänge im Januar 1933. Die NSDAP griff nicht nach der Macht, sondern Hitler bekam sie vom Reichspräsidenten ausgehändigt. Der Begriff Machterschleichung beschreibt den Machtwechsel besser, da hier ein Wortspiel enthalten ist, das sich auf Hitlers Vorgänger als Reichskanzler, General Kurt von Schleicher, bezieht, der aufgrund eines nur schwer zu durchschauenden Machtspiels am 30. Januar 1933 zur Demission gezwungen wurde. Vgl. hierzu Falter, Jürgen W.: Hitlers Wähler. München 1991, S. 17-18.
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der CSR. Seit wann bestanden Hitlers Pläne, die sudetendeutsche Minderheit für seine Zwecke zu mißbrauchen und wie sah seine Vorgehensweise aus? Um diese Frage beantworten zu können, muß sowohl auf die Rolle der Sudetendeutschen Partei und ihres Anführers Konrad Henlein eingegangen werden als auch auf die Sitzung Hitlers mit den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 5. November 1937, die Hoßbachniederschrift, 4 in der der Führer seine außenpolitische Vorgehensweise ausführlich darlegte.
Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Stationen auf dem Weg nach München skizziert. Abschnitt
3.1 befaßt sich mit dem Besuch Chamberlains auf dem Obersalzberg am 15. September, bei dem sich
der britische und der deutsche Regierungschef über die Abtretung der Sudetengebiete bereit s einig zu sein schienen. Hierbei ist auch auf die Reaktionen Prags auf die deutsch-britische Einigkeit einzugehen und zu untersuchen, warum die Tschechoslowakei sich letztendlich mit den Gebietsabtretungen ein-verstanden erklärte. Am 22. und 23. September sollten in Bad Godesberg auf der Grundlage der Gespräche zwischen Chamberlain und Hitler auf dem Obersalzberg die Gebietsabtretungen geregelt werden. Abschnitt 3.2 widmet sich dieser Konferenz und analysiert ihr Scheitern. Nach Bad Godesberg drohte Chamberlains Appeasementpolitik zu scheitern, was zur Folge hatte, daß Europa unmittelbar vor einem Krieg zu stehen schien und daß in Deutschland eine konservative Opposition ihre Chance auf einen Sturz Hitlers witterte. Wie durch intensivste diplomatische Bemühungen in den letzten Septembertagen der Krieg doch noch abgewendet werden konnte und wie die Münchner Konferenz letztendlich zustande kam, soll unter Punkt 3.3 behandelt werden. Hierbei ist im Besonderen auf die Rolle Mussolinis und auf die Herkunft seines in München präsentierten Vermittlungsvorschlags einzugehen. Es ist zu klären, warum Hitler einer Konferenz zustimmte, die eine friedliche Regelung vorsah, obwohl er eine militärische Lösung favorisierte.
Kapitel vier befaßt sich mit der Münchner Konferenz selbst, wobei Punkt 4.1 der Frage nachgeht, warum die Großmacht Sowjetunion, die 1935 zusammen mit Frankreich einen Vertrag über eine gemeinsame Hilfeleistung gegenüber der CSR geschlossen hatte, von München ausgeschlossen wurde. In diesem Zusammenhang geht es darum, die Parteien zu benennen, die für die Ausgrenzung verantwortlich waren und ihre Gründe für das Fernhalten Moskaus zu analysieren. Unter Abschnitt 4.2 werden die wesentlichen Ergebnisse und unmittelbaren Auswirkungen des Münchner Abkommens auf Europa, insbesondere auf die Tschechoslowakei skizziert. Ebenso soll Chamberlains Appeasementpolitik kritisch gewürdigt werden und ergründet werden, warum Hitler mit den Ergebnissen nur halbwegs zufrieden war, obwohl seine wichtigsten Forderungen erfüllt wurden.
Im Anhang sind drei Karten zu finden, die die an Deutschland abzutretenden Sudetengebiete zeigen. Karte eins bezieht sich auf das Bad Godesberger Memorandum vom 23. September, Karte zwei zeigt die ab dem 1. Oktober 1938 von deutscher Seite zu besetzenden Gebiete gemäß des Münchner Abkommens und Karte drei die endgültige Grenzfassung vom 21. November 1938.
4 Die Bezeichnung Hoßbachprotokoll, die nach 1945 aufkam, ist unzutreffend, da Oberst Hoßbach während dieser Bespre-
chung am 5. November 1937 kein Protokoll führte, sondern seine Schriften erst nachträglich am 10. November verfaßte,
weshalb der Begriff Hoßbachniederschrift präziser ist. Vgl. hie rzu Wendt, Bernd-Jürgen: Großdeutschland, Außenpolitik
und Kriegsvorbereitungen des Hitler-Regimes. München 2. Aufl. 1993, S. 11-38.
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Da der Themenkomplex um die Sudetenproblematik und das Münchner Abkommen sehr weit und aus allen relevanten Perspektiven erforscht ist, muß zur Erarbeitung des Themas eine Literaturauswahl getroffen werden. Diese Arbeit unterliegt der Prämisse, möglichst die Argumente des neusten For-schungsstandes zugrunde zu legen, weshalb überwiegend Literatur aus den achtziger und neunziger Jahren verwendet wurde, so daß ein Großteil an Literatur aus den fünfziger und sechziger Jahren nicht berücksichtigt werden konnte. Eine Ausnahme hiervon stellt Rönnefarths „Sudetenkrise in der internationalen Politik“ dar, da der Autor die Ereignisse in und vor München in einer detaillierten Weise darstellt, wie sie sonst kaum zu finden ist. Die „Weizsäcker-Papiere“ und Ernst von Weizsäckers „Erinnerungen“ sind ebenfalls älteren Datums, allerdings war Staatssekretär von Weizsäcker bei den wichtigsten Verhandlungen und Besprechungen rund um München anwesend, weshalb auf seine Sichtweise, vor allem beim Zustandekommen der Konferenz, nicht verzichtet werden kann. Bzgl. der Sudetenkrise wurden Mamateys „Geschichte der Tschechoslowakischen Republik von 1918 bis 1945“, Hoenschs „Scheitern der Verständigung“ und Smelsers „Sudetenproblem und das Dritte Reich“ herangezogen, die eher neueren Datums sind. Dies trifft auch auf Wendts „Großdeutschland, Außenpolitik und Kriegsvorbereitungen des Hitler-Regimes“, Glotz‘ „München 1938“ und Hildebrands „Deutsche Außenpolitik 1933-1945“ zu, die alle Auskunft über die Münchner Konferenz selbst geben, während das Osteuropahandbuch, Band Sowjetunion einen intensiveren Blick auf die Situation der UdSSR wirft. Darüber hinaus dienen die „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918 bis 1945“, die „Documents on British Foreign policy 1919 bis 1939“ und die „Documents Diplomatiques FranÇais 1932 bis 1939“ als Grundlage zur Erarbeitung des Themas.
II. Die Sudetenproblematik
2.1 Die Rolle der Sudetenproblematik in den Beziehungen zwischen der Weimarer Republik und der Tschechoslowakei
Nach dem Ersten Weltkrieg lebten zahlreiche Deutsch–Österreicher in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesie n, die die tschechische Staatsbürgerschaft erhielten, sich aber weiterhin als Deutsche fühlten. 1918 wurde die Tschechoslowakische Republik ausgerufen und trotz der Vereinigung mehrerer Nationalitäten ein Nationalstaat nach französischem Vorbild errichtet. Zwischen diesen Nationalitäten wurde kein Ausgleich geschaffen, was bei einem tschechischen Bevölkerungsanteil von 43 Prozent gegenüber einem deutschen Anteil von 23 Prozent zu einem Volkstumskampf führte. 5 Nicht nur der deutschen, sondern auch der polnischen und ungarischen Minderheit wurde das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten, was dazu führte, daß in der CSR eine Zeitbombe zu ticken begann. In der tschechischen Verfassung wurde zwar der Minderheitenschutz festgeschrieben und den Minderheiten getreu
5 Vgl. Kubo, Eduard: Die brüchigen Beziehungen. Die Weimarer Republik und die Tschechoslowakei. In: Hoensch, Jörg
K. (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918 – 1938).
Essen (u.a.) 1994, S. 15-29, hier S. 16.
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nach der Genfer Konvention der staatsbürgerliche Status zugesprochen, allerdings benutzte die tschechische Regierung die Sprachenpolitik zur Diskriminierung. Vor 1919 war die Amtssprache Deutsch, nun wurde die erste Sprache Tschechisch, die zweite Französisch, die dritte Italienisch und erst die vierte Deutsch, was auf Widerstand von Seiten der deutschen Bevölkerung stieß. Diese Sprachenpolitik hatte zur Folge, daß alle Staatsbediensteten Tschechisch sprechen mußten, wozu viele Deutsche nicht in der Lage waren, was zu zahlreichen Entlassungen aus dem Staatsdienst führte. 6 Die Tschechoslowakei verbat sich jedoch jegliche Einmischung von außen und betrachtete jede vom Ausland ausgehende Initiative zum Schutz der Minderheiten in ihrem Land als Angriff auf die eigene staatliche Souveränität. 7 Vor diesem Hintergrund sind die Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland in den frühen zwanziger Jahre als korrekt zu bezeichnen, da die Regierung in Prag Deutschland als potentiellen Feind und als Bedrohung einstufte, jedoch wirtschaftlich vom westlichen Nachbarn abhängig war. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit der Tschechen bezog sich in erster Linie auf die Bereiche der Technologie, der Rohstoffe und vor allem der Absatzmärkte, so daß der tschechische Import aus Deutschland Anfang der zwanziger Jahre bei 25 Prozent und der Export bei vierzig Prozent lag. 8 Der Regierung in Prag war stets bewußt, daß die Entstehung der CSR nur durch die Niederlage Deutsch-lands und dessen Schwächung möglich geworden war, so daß der damalige Außenminister BeneŠ 9 das Verhältnis zu Deutschland als tschechoslowakisches Existenzproblem bezeichnete, während in den schwerwiegenden Minderheitenp roblemen und Anschlußfragen, auf die noch näher einzugehen ist, bei offiziellen Kontakten Zurückhaltung geübt wurde. 10
Im Rahmen der Locarno-Verträge 1925 und der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund wurde ein Schiedsvertrag unterzeichnet, der jede Veränderung der deutsch-tschechischen Grenze untersagte. Auf dieser Grundlage begann ein fünfjähriger Zeitabschnitt, in dem die Beziehungen zwischen Prag und Weimar als freundschaftlich einzustufen sind. Eine mögliche deutsch-österreichische Zollunion ließen die Beziehungen zwischen beiden Staaten Ende der zwanziger Jahre allerdings wieder schlechter werden. Bene Š, der eine noch größere wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland fürchtete, lehnte diese deutsch-österreichischen Planspiele nicht nur kategorisch ab, sondern wertete sie als Einkreisungspolitik gegen die CSR. Das Vorhaben der Zollunion stellte die bis dahin schärfste diplomatische Aus-einandersetzung zwischen beiden Staaten dar, zumal die tschechische Politik dieses Vorhaben als eine Vorstufe eines Anschlusses Österreichs an Deutschland wertete. Auf der anderen Seite verfolgte die deutsche Regierung seit 1928 eine Autarkiepolitik, durch die tschechoslowakische Exporte nach
6 Zur Sprachenpolitik vgl. Kural, Vaclav: Die Tschechoslowakei als Nationalstaat? Das sudetendeutsche Problem. In: Hoensch, Jörg K. (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918 – 1938). Essen (u.a.) 1994, S. 63-71, hier S. 64-65.
7 Vgl. Kubo, Eduard: Die brüchigen Beziehungen. Die Weimarer Republik und die Tschechoslowakei. In: Hoensch, Jörg K. (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918 – 1938). Essen (u.a.) 1994, S. 15-29, hier S. 16-28.
8 Vgl. ebenda.
9 Edvard BeneŠ war von 1918 bis 1935 Außenminister der Tschechoslowakei. 1921/22 hatte er zudem das Amt des Ministerpräsidenten inne und bekleidete von 1935 bis 1938 das Amt des Staatspräsidenten.
10 Vgl. ebenda, S. 16-28.
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Marc Philipp, 2002, München 1938, Munich, GRIN Publishing GmbH
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