Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Armutssituation im Mittelalter. 1-3
3. Neuansätze im 12. Jahrhundert -
Praktische Formen und Auswirkungen der Armenfürsorge. 3-5
3.1. Theoretische Vorraussetzungen der Armenfürsorge. 5-6
4. Zusammenhang zwischen Franziskus von Assisi und der
und der Armutsbewegung im Mittelalter. 6-9
4.1. Grundsätze für den Franziskanerorden. 9-12
5. Schlussbetrachtung. 12-13
6. Literaturverzeichnis 14
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich versuchen die Sichtweise der Armut zwischen Ende des 11.Jahrhunderts bis zum Beginn des 13.Jahrhunderts und die daraus resultierende Armutsbewegung zu erläutern.
Dabei werden die Ansichten Franziskus von Assisi und seine Armenfürsorge in dieser Zeit miteinbezogen. Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen im 12.Jahrhundert waren so groß, dass sich die Umstände unter denen die Armen im Mittelalter lebten radikal änderten. In einer Zeit in der die Gesellschaft durch die Kreuzzüge, Hungersnöte und Krankheiten ständig neu aufgerüttelt wurden, verloren viele Menschen ihren sozialen Halt. Dazu kam ein stetig wachsendes Bevölkerungswachstum, die Einführung der Geldwirtschaft, die Entwicklung des Städtewesens. Ein bisher patriarchalisches Gesellschaftsgefüge wurde nach und nach zerstört und entwickelte sich horizontal. Unter den Armen der Bevölkerung entstand eine Hoffnungslosigkeit, die neuer Lösungen und Konzepte bedurfte. Vor allem im religiösen Bereich traten Veränderungen auf, bei denen unter anderem Franziskus von Assisi wesentliche Denkanstöße gegeben hatte.
2. Armutssituation im Mittelalter
Die Gründe für die Pauperisierung (Verarmung) großer Teile der Bevölkerung des 12. Jahrhunderts waren vielfältiger Natur. Das Bevölkerungswachstum bescherte der Gesellschaft eine relative Überbevölkerung, die von der Agrargesellschaft nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden konnte. Die Mönche in den Klöstern, die bisher oftmals die notwendigste Fürsorge für Hungerleidende boten, konnten diese besorgniserregende Entwicklung nur registrieren. Darüber hinaus führte eine Häufung von Naturkatastrophen (Überschwemmungen, die zur Erkrankung des Saatgetreides führten und Wurmplagen) zu einer Verteuerung des Getreides, so dass es von Armen
1
nicht mehr gekauft werden konnte.
In dieser Zeit entstand die Geldwirtschaft und neue Handelsstädte , die menschliche Schwächen (z.B. Habgier) hervorriefen, indem mit überteuerten Preisen und damit auch mit dem Hunger der Armen spekuliert wurde. Mit der Geldwirtschaft wurden Kredite nicht mehr durch Klöster gewährt, sondern von Geldwechslern, Münzmeistern, Agenten der Grundherren, Juden und Lombarden übernommen. In Notzeiten kamen zweierlei Schwierigkeiten auf die Schuldner zu: Rückzahlung der Kredite und Preisanstieg bzw. Spekulation. Ein sozialer Abstieg konnte so schnell zum Randgruppendasein führen. Neben der Armut der Landbevölkerung also, die in das Sozialgefüge über lange Zeit integriert war, entstand auch eine anonyme Armut der städtischen Unterschicht. 1
Bis zum Beginn der verheerenden Hungersnöte und ihren Begleitumständen galt die Armut als normale Komponente menschlichen Lebens, die das Sozialgefüge nicht wesentlich veränderte. Weitere Hungersnöte (1142, 1161/62,1186) bewiesen, dass praktisch jede Generation eine Hungersnot zu durchleiden hatte. Im Zuge der Hungersnöte, die im 12.Jahrhundert auftraten, entwickelte sich aber auch die Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander. Weitere Probleme traten auf als sich die Krankheiten häuften. So hingen z. B. Brandseuchen und Lepra eng mit der Armut zusammen.
Unterschiedliche Aspekte, die Armut hervorgerufen haben konnten, wie Unglück, Krankheit oder Not, wurde von der Gesellschaft als negativ bewertet. Auch wenn sich jemand aus der Armut befreien konnte und gesellschaftlich aufstieg, wurde ihm gegenüber keine Akzeptanz gewährt.
Die Verachtung, die teilweise den Armen im 12.Jahrhundert gegenüber empfunden wurde, schlug mancherorts in Hass ihrerseits um. 2 Wenn jemand materiell half, tat er es nicht nur der Hilfe wegen, sondern
1 Vgl. Mollat, Michel: Die Armen im Mittelalter, C.H. Beck Verl. München 1984, S. 60
2 Vgl. Mollat, Michel: Die Armen im Mittealter, C. H. Beck Verl. München 1984, S. 81
2
auch als Ablass seiner Sünden. Für den Reichen sollte es hauptsächlich nützlich sein, Arme zu unterstützen. Theologisch gesehen wurde Armut im altem Testament als Sünde bewertet, während man im neuen Testament Armut als Zeichen der Auserwählung betrachtete. 3 Sünde der Armen konnte hingegen sein, das Neid den Reichen gegenüber und Auflehnung entstand und ihr Seelenheil beeinflusste. 4
Gegen Ende des 11.Jahrhunderts bezog man die reinigende Kraft des Leidens mit ein und so waren es Eremiten, die den Armen diese Botschaft brachten, ihnen Mut machten und das Leid als Prüfung zum ewigen Heil ansahen. 5
Das Eremitendasein, das auch Franziskus von Assisi zunächst wählte und Bestandteile davon in seine Ordensregeln aufnahm, sollte wie folgt aussehen: Eine karge Wohnstelle mit einem Garten, in dem er sein vegetarisches Essen pflanzen konnte. Er lebte von seiner Hände Arbeit und bewegte sich wie ein armer Mensch fort, das heißt zu Fuß oder mit einem Esel. Sein Äußeres entsprach ebenfalls dem eines ärmlichen Menschen.
Ein Teil seiner ihm selbst auferlegten Aufgaben bestand in dem Bemühen die Würde der Ausgestoßenen wieder herzustellen und sie in die Gesellschaft zu integrieren. Sie waren nicht reich und mächtig, konnten aber die Sorgen und Nöte der Mehrzahl der Bevölkerung nachempfinden und so eine Nähe zu ihnen herstellen. Armut und moralische Integrität waren für einen Eremiten gleichgesetzt. Sie stellten ein Bindeglied zu armen Menschen dar. Bei der Hilfe für Arme konnten sie Glaubwürdigkeit nur erreichen, wenn sie ihre Armut teilten.
3 Vgl. Mollat, Michel: Die Armen im Mittelalter, C.H. Beck Verl. München 1984, S.71
4 Ebenda
5 Ebenda
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Arbeit zitieren:
Alexander von Fenner, 2002, Religiöse Bewegung und Armut im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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