Inhaltsverzeichnis - I -
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Leben und Wirken Alfred Müller-Armacks 2
3. Müller-Armacks Grundüberlegungen zur
Sozialen Marktwirtschaft 3
3.1 Die Leitidee der Sozialen Marktwirtschaft nach Müller-Armack. 4
3.2 Die Rechtfertigung der Sozialen Marktwirtschaft
als Wirtschaftsordnung. 5
4. Müller-Armacks Konzept der Sozialen Marktwirtschaft 6
4.1 Wettbewerbspolitik. 7
4.2 Preispolitik 8
4.3 Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur 8
4.4 Sozialpolitik. 9
4.5 Bau- und Wohnungspolitik. 10
4.6 Weitere Betätigungsfelder 11
5. Die Umsetzung der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft
und ihre Auswirkungen (1948 bis 1963) 13
6. Die „zweite Phase“ der Sozialen Marktwirtschaft. 17
7. Abschließende Betrachtung. 19
Literaturverzeichnis i
Versicherung………………………………………………………………….. iii
1. Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit den Beiträgen Alfred Müller-Armacks zur Theorie, Praxis und Reform der Sozialen Marktwirtschaft. Müller-Armack gehörte zu den Begründern und Vordenkern dieser wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Konzeption, die seit 55 Jahren die in Deutschland praktizierte Wirtschaftsordnung ist.
In dieser Arbeit wird primär versucht die gedanklichen Entwicklungslinien Müller-Armacks nachzuvollziehen und die von ihm ausgemachten Vorteile einer Sozialen Marktwirtschaft wiederzugeben. Neben der theoretischen Idee hinter dem Konzept sind auch Müller-Armacks Voraussetzungen für die Verwirklichung der Sozialen Marktwirtschaft von Interesse, die als Grundlage für die praktische Umsetzung einen besonderen Stellenwert einnehmen. Hierbei kommt der Auswertung der Monographien Müller-Armacks ein besonderer Ste llenwert zu, da sich die Arbeit konkret mit den Leistungen und Vorstellungen dieser Person auseinandersetzt und nicht durch gefilterte und subjektive Darstellungen Dritter verwässert werden soll. Diese Punkte (Leitidee, Rechtfertigung, Konzept) beschä ftigen sich mit Alfred Müller-Armacks Beitrag zur Theorie der Sozialen Marktwirtschaft.
Müller-Armacks Beitrag zur Praxis der Sozialen Marktwirtschaft wird bereits in seinen Forderung zur Umsetzung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung deutlich. Aber Müller-Armack war nicht nur Theoretiker sondern als Mitarbeiter von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard elf Jahre lang tatsächlich für die Praxis mitverantwortlich, weshalb sich diese Arbeit auch mit den realen Folgen und Erfolgen der Sozialen Marktwirtschaft bis zum Ausscheiden Müller-Armacks aus dem Staatsdienst auseinandersetzt.
Reformerische Bemühungen Müller-Armacks werden in seiner „zweiten Phase“ der Sozialen Marktwirtschaft deutlich, die seine Auffassung von zu lösenden Zukunftsaufgaben widerspiegelt.
Die Arbeit soll die Frage nach den Gründen für die Entstehung der Sozialen Marktwirtschaft und ihren zugrundeliegenden Anforderungen an die Politik und die Menschen aus Sicht Alfred Müller-Armacks beantworten.
2. Leben und Wirken Alfred Müller-Armacks
Der Name Alfred Müller-Armack ist untrennbar mit dem Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ verbunden, gilt er doch gleichermaßen als Schöpfer des Begriffes wie auch als geistiger Vater und pragmatischer Konzeptionist dieser Wirt-schaftsordnung.
Als Sohn von Elise Armack und Hermann Müller wird Alfred Müller-Armack am 28. Juni 1901 in Essen geboren und widmet sich ab 1919 dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Es folgen Promotion zum Dr. rer. pol. und Habilitation (1926). 1934 wird Müller-Armack außerordentlicher Professor in Köln. Von 1940 bis 1950 wirkt er an der Universität Münster, wo er neben seiner Tätigkeit als geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften auch die Forschungsstelle für Siedlungs- und Wohnungswesen und die Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft leitet. Bis 1952 arbeitet er als Ordinarius an der Universität zu Köln. 1952 tritt Müller-Armack die Stelle als Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik im Bundeswirtschaftsministerium an. Sein Vorgesetzter, Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, beruft ihn 1958 schließlich zum Staatssekretär für europäische Angelegenheiten. Auch auf internationaler Ebene bringt sich der Wirtschaftswissenschaftler und -politiker als Präsident des konjunkturpolitischen Ausschusses der Europäische n Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Vertreter der BRD im Ministerrat und Verwaltungsratsmitglied der Europäischen Investitionsbank ein 1 . 1963 beendet er seine Laufbahn im Staatsdienst und widmet sich wieder verstärkt der wissenschaftliche n Arbeit. Bis zu seinem Tod am 16. März 1978 übernimmt Alfred Müller-Armack diverse Tätigkeiten, zum Beispiel als Vorsitzender der Ludwig-Erhard Stiftung. 2
1
Vgl. Exenberger, Andreas: Working Paper 97/01 des Instituts für Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte der Universität Innsbruck, Die Soziale Marktwirtschaft nach Alfred Müller-Armack, Internet WWW Seite, auf URL:
2 Vgl. Deutsches Historisches Museum Berlin: Alfred Müller-Armack: Nationalökonom und Kultursoziologe, Internet WWW Seite, auf URL:
3. Müller-Armacks Grundüberlegungen zur Sozialen Marktwirtschaft
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur herrschten katastrophale Zustände in Deutschland: Nahrungsmangel, Güterknappheit, Wohnungsnot, zerstörte Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit, Tauschhandel und Zukunftsängste innerhalb der Bevölkerung bestimmten diese Zeit. Nun galt es für den Wiederaufbau Deutschlands ein geeignetes wirtschaftspolitisches System zu finden, das in der Lage sein musste, die Folgen des Zweiten Weltkrieges schnellstmöglich zu mildern und zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen und Befriedung der gesellschaftlichen Situation beizutragen.
Alfred Müller-Armack sah in der Lenkungswirtschaft ein gänzlich ungeeignetes Mittel zur Bewältigung dieser schwierigen Aufgaben, könne doch nur ein „elastisches System“ die Umstellung der Kriegswirtschaft auf Friedensaufgaben bewerkstelligen 3 . Er entwickelte in seinem Entwurf der Sozialen Marktwirtschaft einen „dritten Weg“ zwischen der rein kapitalistisch ausgerichteten Marktwirtschaft und der Plan- bzw. Lenkungswirtschaft 4 . Dabei sollte die Marktwirtschaft als Fundament der Wirtschaftsordnung aber nicht ohne Eingriffe, sondern durch bewusste Steuerung gleichermaßen ökonomische als auch soziale Zielerreichung garantieren. Von dieser Synthese hänge das „Schicksal unserer Zivilisation“ 5 ab, wie es Müller-Armack formulierte, sah er doch in der paritätischen Betonung des sozialen und marktwirtschaftlichen Elements den effektivsten und vielversprechendsten Ansatz für die nachhaltige Genesung Deutschlands.
3
Vgl. Müller-Armack, Alfred: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft, 2. Aufl., Hamburg 1948, S. 56.
4 Vgl. Wartenberg von, Ludolf: Höchste Anerkennung als Forscher und Politiker, in: Handelsblatt, Nr. 52, 15. März 1988, S. 6.
5 Müller-Armack, Alfred: Vorschläge zur Verwirklichung der Sozialen Marktwirtschaft (Mai 1948), in: Genealogie der Sozialen Marktwirtschaft: Frühschriften und weiterführende Konzepte, So- zioökonomische Forschungen, Band 1, Bern / Stuttgart 1974, S. 88.
3.1 Die Leitidee der Sozialen Marktwirtschaft nach Müller-Armack
Seit Beginn der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts arbeitete Alfred Müller-Armack an einer Konzeption für eine Wirtschaftsordnung, die soziale ebenso wie wirtschaftliche Ziele verfolgen sollte. Es sollte ein System sein, das Aufbau-und Versorgungsleistungen ebenso garantierte wie sozialen Frieden, individue lle Freiheit und Gerechtigkeit. 6 Mit diesem Grundgedanken unterschied sich Müller-Armack deutlich von den Anhängern einer rein liberalen Ausrichtung, erweiterte er doch den Aufgabenbereich des Staates um konjunktur- und sozialpolitische Segmente. Er begriff die Marktwirtschaft nicht als perfekten Mechanismus zur Erreichung aller gesellschaftlich gewünschten Ziele, wodurch sich ein marktkonformer Interventionismus aufgrund der Korrekturbedürftigkeit rechtfertigen ließ.
Die wirtschaftliche Expansion sollte der freie Markt gewährleisten, soziale Gerechtigkeit sollte durch Einkommensumverteilung erreicht werden. Diese Ausrichtung sah einen Staat vor, der verschiedene Rahmenbedingungen schaffen und g ewährleisten musste: die Funktionsfähigkeit des Marktes, Stabilität, Schutz der Arbeitnehmer, Förderung von wirtschaftlicher Betätigung, soziale Bedürfnisbefriedigung auf Basis staatlicher Eingriffe im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips, Bereitstellung von Infrastruktur und aktive Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik seien als beispielhafte Tätigkeitsfelder des Staates genannt 7 . Somit waren die Anlagen für einen „starken Staat“ durchaus angedacht, doch sollte ein Staatseingriff nur dann erfolgen, wenn er mit marktkonformen Mitteln 8 arbeitete und zur besseren Erreichung gesellschaftlich gewünschter Ziele beitrug. Diese Eckpfeiler und Grundgedanken stellten das theoretische Gerüst für Alfred Müller-Armacks Entwurf einer „sozialen Marktwirtschaft“ dar, das er in seiner Monographie »Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft« im Jahre 1946 vorstellte.
6 Vgl. Müller-Armack, Alfred: Die Wirtschaftsordnung sozial gesehen (Juli 1947), in: Genealogie der Sozialen Marktwirtschaft, a.a.O., S. 75.
7 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: Band S-Z, 15. Aufl., Wiesbaden 2000, S. 2800
8 So sollten die effizienzgarantierenden Mechanismen, z.B. der Preismechanismus, nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt oder gar außer Kraft gesetzt werden.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kfm. Jan Schmidt, 2003, Alfred Müller-Armacks Beitrag zur Theorie, Praxis und Reform der Sozialen Marktwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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