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INHALT:
VORWORT 3
DIE WURZELN DES REVISIONISMUS 4
DAS ZIEL DER REVISIONISTEN - DER VERSAILLER FRIEDENSVERTRAG 6
DIE REVISIONISTISCHE POLITIK DER WEIMARER REPUBLIK 8
DIE FEHLPERZEPTIONEN DER BRITISCHEN UND FRANZÖSISCHEN 12
DEUTSCHLANDPOLITIK
REVISIONISMUS DES DRITTEN REICHES 14
FAZIT - ERSTE EXPERIMENTE MIT DER KOLLEKTIVEN SICHERHEIT 18
LITERATUR UND QUELLEN AUS DEM INTERNET 20
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VORWORT
Die zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden durch außerordentlich viele, historische, politische und für die damalige Entwicklung maßgebliche Ereignisse geprägt. Diese Arbeit setzt sich mit dem komplexen Thema der „Politik der revisionistischen Mächte“ zu dieser Zeit auseinander.
In erster Reiher ist es wichtig den Begriff des „Revisionismus“ zu erklären, da dieser in verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen hat. Der Revisionismus der zwanziger und dreißiger Jahre, welcher mit dem Thema des Hauptseminars „Vom Völkerbund zu den Vereinten Nationen“ zusammenhängt, ist der sog. Territoriale Revisionismus. 1 Dieser beinhaltet das Streben nach Änderungen der bereits vertraglich abgeschlossenen Grenz- oder Einflussfragen der S taaten in der Versailler Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg.
Zu diesen Staaten gehören in erster Reihe Deutschland, die Nachfolgerstaaten der k -k. Monarchie, insbesondere Ungarn und paradoxerweise auch Italien, welches an der Seite der Alliierten gegen die Mittelmächte gekämpft hat. Zum Thema Revisionismus könnte man noch kleinere Grenzfragen anführen, wie z.B. die Streitigkeiten zwischen Polen und der Sowjetunion oder die zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn. Diese Fragen spielen aber keineswegs eine so bedeutende geopolitische oder friedensbedrohende Rolle. Das Thema „Revisionismus“ möchte ich nicht nur auf die Beschreibung der jeweiligen problematischen Gebiete beschränken. Viel wichtiger sind die damaligen internationalen Beziehungen und der langsame Aufstieg der gedemütigten Verlierer des Ersten Weltkrieges, insb. Deutschlands, in die Weltpolitik. Ich werde ich mich ebenfalls bemühen diesen Aufstieg im Hinblick auf die damalige Friedensfrage zu beschreiben und die Politik, Motive und Absichten der damaligen Entscheidungsträger zu erklären. Die Arbeit stellt sich auch zum Ziel die Versailler Friedensordnung einer Kritik zu unterziehen und das Scheitern des Völkerbundes darzulegen.
1 Definition des Politiklexikons von Schubert/Klein: Revisionismus bezeichnet eine Politik, die auf die
Änderung von völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Regelungen abzielt, auch darauf, eine
Grenzziehung rückgängig zu machen.
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DIE WURZELN DES REVISIONISMUS
Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit einem lang erwarteten Waffenstillstand, welcher bei Compiègne im später berühmt gewordenen Eisenbahnwagon 2 zwischen den Militärs unterzeichnet worden ist. Viele Wissenschaftler sind sich einig, dass der Krieg de facto keine Gewinner und keine Verlierer hatte. 3 Alle Vö lker Europas haben immense Opfer gebracht und erst der Versailler Vertrag hat juristisch die Gewinner und Verlierer des großen Krieges bestimmt.
Die Umgestaltung betraf nicht nur die Landkarte, und die Machtbalance, sondern auch die Gesellschaft, Kultur und hauptsächlich die Wirtschaft. Die Gesellschaft war zu der Zeit nicht auf die Millionen von Opfern und die Schrecken vorbereitet. Die alliierten Mächte Frankreich und Großbritannien haben sich bei den Friedensverhandlungen deshalb auch anders verhalten als die USA, welche in diesem Falle weniger durch die öffentlichen Meinung gesteuert waren. Frankreich hat die meisten Opfer gebracht. Nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich. Der Kriegsschauplatz im Westen war das französische Territorium, wobei die größte deutsche Offensive 1917/18 nur wenige Kilometer von Paris stattfand. Die alliierten Absichten haben sich auf drei wichtigste Ziele orientiert: 1. auf die Reparationen seitens Deutschland
2. auf die machtpolitische und wirtschaftliche Schwächung des Gegners 3. und auf die psychologische Niederlage der Deutschen
Durch das erste wollte man eigene Verluste kompensieren. Beim zweiten Punkt hat sich Frankreich an die Außenpolitik Richelieus erinnert und wollte Deutschland wieder politisch zersplittern und militärisch so weit, wie möglich schwächen.
Großbritannien spielte historisch eine Beobachterrolle in Bezug auf das Geschehen auf dem europäischen Festland. Es schluckte einen Teil der Reparationszahlungen, die deutsche Kriegsmarine und Handelsflotte um den Gegner für immer aus der Kolonialpolitik auszuschließen und sich die Übermacht der eigenen Flotte zu sichern. Aber im Unterschied zu
2 Die französische Kapitulation im Zweiten Weltkrieg wurde von Hitler mit Absicht an dem selber Ort
unterzeichnet, als die Deutsche im Ersten Weltkrieg.
3 Kissinger, S.
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Frankreich blieben die Briten realistischer und sahen Deutschland als einen Partner bei der Hemmung des Bolschewismus Russlands und schließlich wollten sie das Land wirtschaftlich nicht verkrüppeln, damit es sich die Reparationszahlungen überhaupt leisten kann. Die USA haben sich ganz anders verhalten. Die Hauptforderungen der amerikanischen Administration waren das Ende der Monarchien in Österreich-Ungarn und des zweiten deutschen Kaiserreichs. Wilson war von der Friedlichkeit der Demokratien überzeugt 4 und ihm stand diese Forderung im Vordergrund zu der Fragen der Reparationen. Woodrow Wilson verkörpere den amerikanischen Glauben an ihre eigene Außerordentlichkeit 5 und an gewisse politische Prinzipien, 6 über die er zwar wusste, dass es für diese in Europa kein Verständnis gab, aber um so hartnäckiger wollte es sie durchsetzen. Schließlich ist es ihm gelungen und seine Vision wurde verwirklicht: die erste moderne Strategie der kollektiven Sicherheit - den Völkerbund.
Zusätzlich zu den bekannten R evisionisten der Zwischenkriegsjahre finde es auch wichtig Italien zu erwähnen. Diese Macht befand sich in einer speziellen Situation. Am Anfang stand sie an der Seite der Mittelmächte, aber im ersten Jahr des Krieges blieb sie neutral. 7 Ab 1915 kämpfte es an der Seite der Alliierten und trug dadurch einen keineswegs kleinen Teil der Kriegslast und Opfer. Durch das Engagement im Krieg wollte Italien seine Position auf dem Balkan, in der Adria und im Mittelmeer stärken. 8 Diese Absichten waren durch die Friedenskonferenz nicht vollständig verwirklicht, was später durch das faschistische Regime als Expansionsgrund in mehreren Fällen ausgenutzt worden ist.
4 Crocker, S. 765: setzt sich mit der These über den demokratischen Frieden auseinander und betrachtet eine
solche Vorstellung als unmöglich in einem Land ohne langjährige demokratische Traditionen.
5 Kissinger, S. 39
6 Kissinger, S. 41: eine spezielle Rolle Amerikas, welche über der alltäglichen Diplomatie steht und das Glauben
an ein moralisches Übergewicht einer Demokratie.
7 Es war der Journalist Benito Mussolini, welcher für den italienischen Kriegseintritt in seinen Artikeln und an
der Öffentlichkeit agierte.
8 Am 26. April 1915 unterzeichnete Italien ein Geheimabkommen in London mit den Alliierten und erhielt
territoriale Zugeständnisse (Alpengrenze bis zum Brenner, Adria, Istrien, Dalmatien, Libyen, Eritrea),
Kriegseintritt und Kriegserklärung an Österreich-Ungarn und Deutschland folgte ein Monat später.
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DAS ZIEL DER REVISIONISTEN - DER VERSAILLER FRIEDENSVERTRAG
Bereits bei den Verhandlungen in Versailles 9 leistete die deutsche Delegation passiven Widerstand und arbeitete mittels schriftlichen diplomatischen Noten und Stellungnahmen, welche sie an die Siegermächte adressierte. Diese waren nur zum kleinen Teil erfolgreich, wie z.B. die Erreichung der Volksabstimmung in Oberschlesien. Wie bereits angedeutet handelte es sich um kein Versöhnungsfrieden, welcher dann keinen Grund zum Revisionismus geben würde. Frankreich unter der Führung des Ministerpräsidenten Clemenceau war entschlossen sich für die Zukunft abzusichern:
„Die Deutschen sind ein Volk mit einer Sklavenseele, dem gegenüber die Gewalt als Argument dienen muss…Nach den größten Anstrengungen und den gewaltigsten Blutopfern, die die Geschichte je gesehen hat, dürfen wir das Ergebnis unseres Sieges nicht in Frage stellen.“ Ähnlich handelte Frankreich im Falle Österreichs, als Clemenceau mit seinem berühmten Satz über die Zukunft des Kernlandes der aufgelösten Donaumonarchie entscheidet: „Österreich ist das, was übrig bleibt.“ 10 Frankreich erinnerte sich an seine mittelalterliche Politik, aus welcher sie die deutschen Staaten schwächen wollte.
Großbritannien fühlte sich wegen seiner günstigeren geographischen Lage nicht direkt bedroht und deshalb war ihre Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland etwas milder, was Deutschlands spätere diplomatische Bemühungen vereinfachte. Die Vorstellungen der USA gingen in die Richtung des 14-Punkte Programms Wilsons -Demokratisierung aller Nachfolgerstaaten und die Anwendung des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Diese unterschiedlichen Vorstellungen der drei wichtigsten Siegermächte führten, wie die Praxis später zeigte, zu erheblichen Stabilitätsproblemen: 1. Schaffung kleiner und schwachen Staaten 11 an den Grenzen Deutschlands, im traditionellen deutschen Einflussbereich.
2. Territoriale Verkleinerung des Deutschen Reiches zugunsten neuer Staaten.
9 Beginn der Friedenskonferenz am 18. Januar 1919, Inkrafttreten am 10. Januar 1920
10 Im Original: „L’Autriche, c’est le reste.“
11 Österreich, Polen und Tschechoslowakei.
Arbeit zitieren:
Michal Broska, 2004, Politik der revisionistischen Mächte, München, GRIN Verlag GmbH
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