Inhaltsverzeichnis:
1. Arbeitsauftrag und Vorbemerkung
2. Die Problemsituation
3. Das Trainingsraum - Programm
3.1. Das Trainingsraum - Programm in seinen verschiedenen Ausführungen
3.2. Zielvorstellungen mit pädagogischen Prinzipien
3.3. Ablauf des Programms
3.4. Genaue Erläuterungen
3.5. Überprüfung und Korrektur
4. Ergebnisse und Erfahrungsberichte
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1. Arbeitsauftrag und Vorbemerkung
Der Arbeitsauftrag für einen Leistungsnachweis nach der alten Studienordnung lautete ein Stundenprotokoll mit einer tieferen Einführung in das Thema im Umfang von mindestens acht Seiten Text zu erstellen. Da in der Sitzung vom 05.12.2003, auf die ich mich beziehe, die Referenten „nur“ das Programm vorgestellt haben, werde ich in meiner Ausarbeitung ebenfalls eine detaillierte Beschreibung des Programms einfügen. Ein Stundenprotokoll in dem Sinne ist demnach nicht vorhanden. Ich beziehe mich in meinen Ausführungen ausschließlich auf das Buch Stefan Balke - Die Spielregeln im Klassenzimmer, erschienen in der zweiten Auflage 2003 im Karoi - Verlag Bielefeld und auf die dazugehörige Internetadresse www.trainingsraum.de . Allein diese Sachverhalte werden wiedergegeben.
2. Die Problemsituation 1
Lehrer verlangen von ihren Schülern beständige Aufmerksamkeit im Unterricht. Dass dies dem einen oder anderen Schüler bisweilen schwer fällt, ist leicht nachzuvollziehen. In der Praxis sieht es leider so aus, dass Schüler oft unkonzentriert und dadurch störend die Stunde begleiten. Über die Ursachen kann man sich sicherlich streiten. Fakt ist jedoch, dass Störungen des Unterrichts zur Normalität werden. Ermahnungen und vereinzelte Sanktionen vonseiten des Lehrers bzw. der Lehrerin zeigen meist keine Wirkung mehr, da sie auch oft genug die eigene Hilflosigkeit des Lehrers beweisen. In Umfragen bei Schülern und Schülerinnen wurde interessanter Weise herausgefunden, dass von den meisten auf die Frage nach der richtigen Atmosphäre der Klasse eine ruhige, freundliche und gelassene Grundstimmung in der Klasse vorgezogen wird. Dies ist in der Realität leider kaum der Fall. Es werden sogar noch lernbereite Schüler von ihren Mitschülern ausgegrenzt, und somit in die Ecke der Streber und Streberinnen gestellt. Man kann deshalb kaum noch von einer Lernatmosphäre sprechen.
Ziel des Lehrers muss es nun sein, von den Schülern zu verlangen, dass diese nicht nur ihr Verhalten, sondern am besten ihre Einstellung ändern. Der Schüler soll nicht nur für dieses eine Mal der Ermahnung mit der Störung enden, sondern er soll generell begreifen, dass Disziplin, Fairness und aufmerksame Mitarbeit zu einem allgemein in der Klasse besseren Befinden führt.
Vordergründig befasst sich das Programm also mit einer gewissen Verhaltensänderung in Bezug auf das geschilderte Problem. Die zentrale Frage lautet demnach: Wie kann der Lehrer das Verhalten von störenden Schülern dauerhaft ändern? Es muss dabei berücksichtigt werden, dass der Lehrer sein Ziel nicht erreicht, wenn dies nicht auch Wunsch des Schülers ist. In dieser Hinsicht muss der Lehrer auch ein gutes Vorbild für das, was er repräsentieren soll, darstellen. Dies ist auf der anderen Seite auch nicht immer gegeben. Für Lehrer ist es nun wünschenswert, dass Schüler ein gewisses Verhalten an den Tag legen. Es gibt natürlich keine perfekten Schüler, genauso wenig, wie es perfekte Lehrer gibt, aber gewisse Punkte sind Voraussetzung für einen guten Unterricht. Eine gute Vorbereitung auf beiden Seiten ist genauso wichtig wie das Einhalten von Form, Ordnung und Disziplin. Möglichst sollte der Schüler ein gewisses Interesse am Stoff zeigen und Konzentration und Ausdauer an den Tag legen. Ein gutes Sozialverhalten führt auf die pädagogischen Ziele, wie eigenständiges Lernen mit den Unterpunkten Selbständigkeit, Mündigkeit und Selbstmanagement, auf soziales Lernen mit sozialer Kompetenz und Zusammenarbeit und letzten Endes auf die Wissensvermittlung. Genau dies sind die Konterpunkte zu den sog. störenden Einflüssen. Zu diesen Einflüssen gehören Ablenken, Unruhe, aggressives oder dominantes Verhalten, Ärgern, Beschädigung von Dingen, unsoziales Verhalten, Desinteresse, Verzögerung oder Verweigerung der Mitarbeit und Uneinsichtigkeit. Diese Oberbegriffe lassen sich natürlich noch in weitaus mehr Unterpunkte gliedern, als ich sie hier aufgeführt habe. Da diese Disziplinprobleme und Unterrichtsstörungen an sehr vielen Schulen oft zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Klassen- und Schulklimas, zu Leistungseinbußen bei den Schülern und zu „Burn - Out -Symptomen bei den Lehrern führen, gibt es vielfältig gefächerte Folgen in der Hauptsache für drei Gruppen: Folgen für die Lehrer, für lernbereite Schüler und für störende Schüler. Betrachten wir zunächst die Gruppe der Lehrer näher. Emotionale Probleme stehen hier oft im Vordergrund. Nach einem Gutachten der Lehrerfortbildung ist festgestellt worden, dass die Werteerosion die Unterrichtsarbeit stark belastet und dass die psychosoziale Belastung der Lehrer/innen zunimmt. So ist es verständlich, dass ständige Störungen des Unterrichts depressive Stimmungen und „gestresst sein“ zur Folge
1 Vgl. Stefan Balke - Die Spielregeln im Klassenzimmer S. 16 - 33
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hat. Auch gibt es Probleme beim Unterrichten. Da häufiges Wiederholen notwendig ist, wird das Stoffpensum nicht erreicht und man gerät unter enormen Zeitdruck. Da Denkprozesse des Le hrers durch Störungen beeinträchtigt werden, ist kaum ein Unterrichten nach dem „roten Faden“ möglich. Da wenig Zeit bleibt, sich auf einzelne Schüler zu konzentrieren, entstehen zusätzlich noch Gerechtigkeitsprobleme, weil vor allem die Zeit für lernbereite Schüler knapp bemessen ist. Dies hat sogar politische Folgen, da laut dem statistischen Bundesamt im Durchschnitt mit jeder einzelnen Frühpensionierung aufgrund von Dienstunfähigkeit Gesamtkosten in Höhe von über 200.000 Euro verbunden sind. Die zweite Gruppe, also die lernbereiten Schüler, haben vor allem Motivationsprobleme. Sie verlieren schnell die Lust am Lernen. Es mag sogar teilweise zu Unterforderungen kommen, da eine richtige Entfaltung des Lernpotentials nicht gegeben ist. Dazu kommen zusätzliche Verhaltensprobleme, die von den Schülern als „cool“ erlernt werden und somit negative Verhaltensmuster durch ihre sog. Vorbilder entstehen lassen. Auch bei dieser Gruppe kommt es häufig zu emotionalen Problemen. Sie sind genervt, da häufige Störungen sie verunsichern und sie sich oft vom Lehrer vernachlässigt fühlen. Dadurch entwickeln sich Konzentrationsprobleme, die sich durch Abgelenktheit äußern. Diese Lernprobleme stimmen mit den Forschungsergebnissen des Bielefelder Psychologieprofessors Otmar Neumann überein, die besagen, dass akustische und visuelle Informationen auch dann semantisch verarbeitet werden, wenn man ihnen nicht aktiv, also aufmerksam folgt. Dies hat zur Folge, dass von Schülern nicht nur lernrelevante Informationen verarbeitet werden, sondern auch die Störungen. Diese Tatsache lässt die allgemeine Konzentration sinken, um eine Reizüberflutung zu verhindern. Zum Schluss folgt die Gruppe der häufig störenden Schüler. Sie werden mit einer Menge sozialer Probleme beladen, wie zum Be ispiel die Erfahrung der Ablehnung durch andere Schüler und Lehrer. Auch das zwischenmenschliche Verhältnis dieser Schüler zu anderen ist belastet und durch Konflikte sehr stressig. In ihrem Leistungsbereich gibt es große Probleme. Sie lernen wenig, begreifen nichts und bekommen schlechte Noten und Abschlüsse. Sie haben ebenfalls enorme Verhaltensprobleme wie die zweite Gruppe. Sie suchen die Anerkennung über ihr Problemverhalten und nicht über Lernerfolge. Sie sind die starken Typen und spielen den Casper. Der ständige Machtkampf mit ihnen macht den Unterricht zunichte sehr beschwerlich. Leider erleben sie sich nur zu oft als vermeintliche Gewinner und bekommen von einigen dafür Anerkennung.
All diese Folgen, werden leider verdrängt. Nachdem viele Kollegien sich lange Zeit nicht eingestehen wollten, dass es überall das Problem der häufigen Unterrichtsstörungen gibt, ist es nun mehr zu einem offenen Geheimnis geworden und wird mittlerweile nicht mehr als eigenes Versagen angesehen. Repräsentative Umfragen des Instituts für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund zeigen, dass auch die Eltern dieses Problem schon lange kennen. „Disziplin“ und „gute Umgangsformen“ sind immer wieder gern geforderte Tugenden Wichtig ist ebenfalls eine zusammenhängende sog. „Flow“ -Phase. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Tatsache, dass laut Umfragen zum Thema der Ausnutzung des Zeitkontingents in den einzelnen Stunden von Stefan Balke, auf dessen Arbeit ich mich hier berufe, die jeweilige Unterrichtszeit zu 50% ungestört verlief. 30% der Stunde waren durch leichte Hintergrundgeräusche beeinträchtigt und 20% waren mit ernsthaften Störungen nicht tragbar. Das ist natürlich kein gutes Bild. Was jedoch gravierend schlimmer ist und nicht sofort klar wird, ist die Tatsache, dass die 50% positiver Unterricht nicht an einem Stück gehalten werden können, sondern durch ständige Unterbrechungen gekennzeichnet sind. Sie sind also nicht in einem Unterrichtsfluss, sondern eher in einem Stop and Go Verfahren abgehalten worden.
Ein weiterer Faktor, der in der Schule erlernt werden muss, ist die Selbstkontrolle und die emotionale Intelligenz. Das emotional intelligente Verhalten beinhaltet Selbstbeherrschung, Mitgefühl und einen konstruktiven Umgang mit sozialen Konflikten. Natürlich ist diese Art von Intelligenz besser erlernbar als die kognitive, da diese mehr an angeborene Faktoren gebunden ist. Emotionale Intelligenz überwindet den Kontrast zwischen Gefühl und Vernunft. Sie behindert den Verstand nicht, sondern motiviert zu angemessenem Verhalten. Diese Intelligenz wird vor allem dadurch ausgedrückt, dass der reifere, emotional intelligentere Mensch seine auf sofortige Erfüllung gerichteten Wünsche zu zügeln weiß, wenn dieses in der momentanen Situation für positiver gehalten wird. Durch zielstrebiges, auf-einander aufbauendes Handeln wird die Energie auf wesentliche Wünsche gerichtet und somit eben diese später besser realisiert. Somit müssen Schüler lernen, sich nicht immer verleiten, provozieren und ablenken zu lassen bzw. dies selbst aktiv zu betreiben. Wichtig sind dabei die Vorbilder der Schüler und Kinder. „Erwachsene, die wenig Weitsicht und Selbstbeherrschung zeigen, sind verständlicher Weise ein ungünstiges Vorbild. Mit dem sog. „Ausbildungskonsens NRW“ werden die Schulen sogar schon gezwungen persönliche und soziale Kompetenzen in ihre Arbeit einzubeziehen. Zum Abschluss ist also zu sagen, dass es durchaus einen dringenden Handlungsbedarf gibt. Eine praktikable Lösung soll mit dem Trainingsraumprogramm nun vorgestellt werden.
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Arbeit zitieren:
2004, Das Trainingsraum Programm, München, GRIN Verlag GmbH
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