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Melito von Sardes und der Gottesmordvorwurf

Title: Melito von Sardes und der Gottesmordvorwurf

Presentation (Elaboration) , 2004 , 12 Pages , Grade: 2

Autor:in: Anonym (Author)

Theology - Comparative Religion Studies
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Summary Excerpt Details

Informationen über den wohl bekannten Gelehrten Meliton von Sardes besitzen wir leider nur in geringem Umfang. Wir wissen, dass er in Kleinasien um 150 n. Chr. gelebt hat und es ist

anzunehmen, dass er in Sardes 2 Bischof gewesen ist. Er war ein Wortführer der Quartodezimanischen Osterpraxis und lebte in Abstinenz. Die Bezeichnung ´Quartodezimaner´ wurde gewählt, da diese Christen einem kleinasiatischen Kreis angehörten, die das Passafasten mit den Juden am 14. Nisan und nicht unbedingt am Sonntag beendeten. Überliefert sind uns diese Daten von Eusebius (Bischof von Cäsarea (Palästina), Kirchenschriftsteller, »Vater der Kirchengeschichte«, † (nach dem syrischen Martyrologium)

30.5. 339 3 ). Er schrieb eine Apologie (Verteidigungsrede) für die Christen an Mark Aurel (161 - 180) und gab selber an, nach Palästina gereist zu sein, um dort ein Verzeichnis der kanonischen Schriften des Alten Testaments zu erstellen. Dies war ein ungewöhnlicher Vorgang, da es ungefähr Anfang bis Mitte des 2. Jahrhunderts im Christentum eine Strömung gab, die das Alte Testament nur als eine zweitrangige Schrift ansah. Die Liste, die Meliton um ca. 150 aufstellte, stimmte mit den Büchern überein, die die Rabbiner in der Zeit zwischen 70 und 100 in ihren Kanon aufgenommen haben. Hiervon ausgenommen ist das Buch Esther. In dieser Zusammenstellung sind somit die Anfänge einer normativen christlichen Schrift zu

finden. Diese Tatsache ist in den späteren Ausführungen über die Homilie 4 wichtig. Die meisten der sechzehn oder siebzehn Werke sind, wie gesagt, verloren gegangen. Der Inhalt von dreien seiner Schriften ist jedoch von Eusebius überliefert: Zwei Bücher über das Pascha (ta peri tou pasca duo), eine Apologie an Antoninus (to pros Antwninon biblidion) und die Auszüge (eklogai). Verwunderlich vor allem in seiner Apologetik ist, dass er, neben den üblichen Aussagen in solch einer Schrift, das römische Imperium positiv würdigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Biografie des Meliton

2 Was ist der Gottesmordvorwurf an sich?

3 Ablösung des Christentums vom Judentum - Geschichtlicher Hintergrund der Osterhomilie

4 Melito von Sardes: Passah – Homilie

a. Ausgaben und Entstehung

b. Literarische Form

c. Aufbau und Inhaltsangabe

d. Zeitgeschichte und lokale Begebenheiten

e. Hintergründe und Wurzeln der Osterliturgie im Judentum – Analyse des Textes

f. Die Vorwürfe gegen die Juden und ihre Gründe

g. Bedeutung der Homilie

5 Kurzer Überblick der Folgen des Gottesmordvorwurfes und mögliche Punkte einer Widerlegung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und die theologischen Hintergründe des antijudaistischen "Gottesmordvorwurfs" anhand der Passah-Homilie von Melito von Sardes. Ziel ist es, die rhetorische Konstruktion dieses Vorwurfs sowie dessen verheerende Wirkungsgeschichte im Kontext der frühchristlichen Identitätsbildung und der Abgrenzung vom Judentum kritisch zu untersuchen.

  • Biografischer Kontext und theologische Einordnung des Melito von Sardes.
  • Entwicklung des Spannungsfeldes zwischen entstehendem Christentum und Judentum im 2. Jahrhundert.
  • Strukturelle Analyse der Passah-Homilie und deren Nutzung als typologisierte Exegese.
  • Untersuchung der rhetorischen Mechanismen, die zur Kollektivschuldzuweisung an das jüdische Volk führen.
  • Reflektion über die langfristigen Folgen dieser theologischen Polemik für das Verhältnis von Christen und Juden.

Auszug aus dem Buch

Die Vorwürfe gegen die Juden und ihre Gründe

Wie schon einmal erwähnt, liegt hier eine typologisierte Exegese vor. Im Vergleich mit Jes 43, 16 – 19 ist zu erkennen, dass diese Art von Exegese ihre Wurzeln schon im AT bzw. in der jüdischen Tradition hat. Ein alter Text wird also mit dem neuen Ereignis der Heilsgeschichte in Verbindung gebracht. So wird Christus eindeutig mit dem Paschalamm identifiziert. „Die Schlachtung des Lammes war die Erlösung Israels, der Tod des Lammes das Leben des Volkes.“ Jesus ist also eben auch für das Volk gestorben. Für Meliton stellt sich nun die Frage nach der Bedeutsamkeit der einzelnen Teile der typologischen Exegese. Er kommt zu dem Schluss, dass „Wenn nun aber aufgerichtet ist, worauf der Typos (die Art von Prophezeiung) hinwies, dann wird das, was einst das Bild des Zukünftigen trug, als wertlos abgelöst, denn auf das, was wahr ist vom Wesen her, ist das, was dessen Bild war, übergangen. Was einst wertvoll war, wird wertlos, wenn offenbar das wirklich Wertvolle entsteht.“

Die Konsequenz aus diesen Worten wird wie folgt formuliert: „Das Volk Israel war wertvoll, bevor die Kirche bestand und das Gesetz war bewunderungswürdig, bevor das Evangelium erstrahlte. Als aber die Kirche errichtet wurde und das Evangelium vorgelegt wurde, wurde der Typos entwertet, indem er seine Kraft der Wahrheit übergab.“ Das auserwählte Gottesvolk wird damit absolut entwertet. Diese Aussage wird noch wesentlich tragischer weitergeführt. Die einfache Entwertung entwickelt sich nämlich zu Vorwürfen gegen Israel und zu einer Verurteilung Israels. Meliton zeigt auf, wie viel Heil durch Christus im Alten und Neuen Bund empfangen worden ist. Israel habe sich allerdings absolut schändlich benommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Biografie des Meliton: Die Einleitung gibt einen Überblick über das Leben des Melito von Sardes als Bischof im 2. Jahrhundert und seine Rolle als bedeutender Kirchenschriftsteller.

2 Was ist der Gottesmordvorwurf an sich?: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Gottesmordvorwurfs und beleuchtet dessen historische Kontinuität in der christlichen Tradition bis in die Moderne.

3 Ablösung des Christentums vom Judentum - Geschichtlicher Hintergrund der Osterhomilie: Hier wird der historische Trennungsprozess zwischen Synagoge und Kirche erläutert, der durch theologische Differenzen und soziale Spannungen forciert wurde.

4 Melito von Sardes: Passah – Homilie: Dieser Hauptteil analysiert Entstehung, Aufbau, rhetorische Form und inhaltliche Argumentationsmuster der Passah-Homilie.

5 Kurzer Überblick der Folgen des Gottesmordvorwurfes und mögliche Punkte einer Widerlegung: Das Fazit betrachtet die negativen Auswirkungen des Vorwurfs durch die Jahrhunderte und diskutiert kritische Ansätze zur historischen Einordnung der Evangelien.

Schlüsselwörter

Melito von Sardes, Gottesmordvorwurf, Antijudaismus, Passah-Homilie, Frühchristentum, Judentum, Typologie, Exegese, Kirchengeschichte, Christusmord, Religiöser Antisemitismus, Osterliturgie, Schuldzuweisung, Theologie, Heilsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den antijudaistischen Gottesmordvorwurf, wie er erstmals in der Passah-Homilie des Melito von Sardes formuliert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entstehung des Antijudaismus im frühen Christentum, die Exegese alttestamentlicher Texte und die historische Loslösung der Kirche vom Judentum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse der rhetorischen Strategien, durch die Melito das jüdische Volk pauschal für den Tod Jesu verantwortlich macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-theologische Analyse des Primärtextes unter Berücksichtigung quellenkritischer und historischer Kontexte angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten strukturellen und inhaltlichen Untersuchung der Passah-Homilie, insbesondere der typologisierten Exegese und der Verurteilung Israels.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Melito von Sardes, Gottesmordvorwurf, Passah-Homilie, Typologie und Antijudaismus.

Wie begründet Melito die Entwertung des jüdischen Volkes?

Melito argumentiert, dass mit der Ankunft Christi und der Errichtung der Kirche das Gesetz und die jüdischen Traditionen ihre Gültigkeit verloren hätten und somit als "wertlos" abgelöst seien.

Welche Bedeutung hat das soziale Umfeld von Sardes für den Text?

Das starke soziale Gefälle und die Konkurrenz zwischen der christlichen Gemeinde und der wohlhabenden jüdischen Gemeinde in Sardes werden als verstärkende Faktoren für die antijüdische Polemik gewertet.

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Details

Title
Melito von Sardes und der Gottesmordvorwurf
College
University of Münster  (Evangelisch Theologische Fakultät)
Course
Luther und die Juden
Grade
2
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V34964
ISBN (eBook)
9783638350334
Language
German
Tags
Melito Sardes Gottesmordvorwurf Luther Juden
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2004, Melito von Sardes und der Gottesmordvorwurf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34964
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