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0. Einleitung
Angst ist ein vielschichtiges Thema und die Meinungen darüber gehen in viele Richtungen auseinander. Denn Angst betrifft jeden, Angst ist allgegenwärtig und Angst kann jederzeit auftreten.
In meiner Arbeit geht es mir darum, Angst näher zu erklären und Ursprünge der Angst anzusprechen. Ziel soll sein über Angst aufzuklären und den persönlichen Umgang mit Angst zu verbessern.
1. Abgrenzung von Furcht und Angst
Furcht und Angst sind beides abstrakte Begriffe, die sich im Sprachgebrauch oftmals nicht trennen lassen.
In der Literatur findet man folgende Abgrenzung:
Angst ist ein Gefühlszustand, der einer unbestimmten Lebensbedrohung betrifft, Furcht dagegen ist objektbezogen. 1 Demnach gibt es die Angst vor dem Ich-Verlust und die Furcht vor dem bösen Chef.
Im Sprachgebrauch lassen sich jedoch beide Begriffe gegeneinander austauschen und eine definitionsgerechte Anwendung der Begriffe ist selbst in wissenschaftlichen Kreisen kaum zu finden. Aus diesem Grund soll auch in dieser Arbeit keine Abgrenzung zwischen Angst und Furcht stattfinden.
2. Angst allgemein
2.1 Was ist Angst
Herr Schmitt wartet ganz blass und aufgeregt vor der Tür seines Chefs. Er hat schon wieder über zwei Stunden privat im Internet gesurft. Und schon beim letzten Mal war das Treffen mit Abteilungsleiter Krause mit einer Warnung zu Ende gegangen.
Herr Schmitt ist angespannt, sein Puls schlägt schneller, seine Nackenhaare sträuben sich, er kann nicht mehr ruhig sitzen und würde am liebsten schnell nach Hause zu seinen drei Kindern und seiner Frau fahren. Doch ohne Job wäre die Situation zu Hause auch nicht besser. Bei diesem Gedanken bekommt Herr Schmitt kaum noch Luft und dieses flaue Gefühl im Magen verstärkt sich….
Dieses kleine Beispiel von Herrn Schmitt soll eine typische Angstsituation zeigen, man erkennt sehr gut, wie sich die Angst im Körper ausbreitet.
Angst, allgemein ausgedrückt, tritt immer dann auf, wenn wir mit Situationen konfrontiert sind, für welche wir keinen Ausweg oder keine Routine entwickelt haben. Es ist wie beim Bungeejumping, der erste Sprung ist am schwierigsten.
Die Angst soll helfen die Situation zu bestehen, sie ist ein Impuls, die Herausforderung anzunehmen und sie zu meistern. 2 Im Tierreich hat Angst die Funktion den Organismus auf die
1 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie, 17. Aufl., Wiesbaden, F.A. Brockhaus, 1966, Band 1, S.528.
2 Vgl. Riemann, Fritz: Grundformen der Angst, 36. Aufl., München, Reinhardt Verlag, 2003, S.9.
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Flucht oder das Verstecken vorzubereiten und auch beim Menschen ist es ähnlich. Der Puls ist höher und die Muskeln sind angespannt. Herr Schmitt bemerkt diese Unruhe und will fliehen. Wie der Körper auf die Situation reagiert, ist von Mensch zu Mensch anders. Andere Menschen könnten in einer ähnlichen Situation, wie sie Herr Schmitt erlebt, andere Symptome spüren. Sie könnten sprichwörtlich starr vor Angst sein. Grund sind auch hier wieder biologische und chemische Veränderungen im Organismus, die aber hier nicht weiter erläutert werden sollen.
2.2 Unterscheidung von Angst: absurde und reale Ängste
Neben der Art und Ausprägung der körperlichen Symptome lässt sich Angst auch in der Art der angsterzeugenden Situation unterscheiden.
Dabei haben sich zwei verschiedene Arten von Angst herauskristallisiert, welche sich in Art und Funktion unterscheiden:
Angst ist immer mit Gefahren verbunden und soll eine schützende Funktion erfüllen. Die Gefahr ist entweder real, wie die drohende Kündigung von Herrn Schmitt oder nur empfunden, wie die Angst vor einer kleinen Spinne, Gespenstern, Knecht Ruprecht und dem Nikolaus oder der bösen Schwiegermutter.
Diese Ängste entspringen keiner echten Gefährdung um Leib und Leben, die Ursprünge müssen folglich anderer Natur sein. Das können genetische, neurobiologische oder auch psychische Gründe sein. Aber dazu später noch mehr.
Von einer lebenserhaltenden Schutzfunktion kann man bei diesen absurden Ängsten nicht sprechen.
Es gibt also neben den realen Ängsten, welche eine Schutzfunktion erfüllen sollen, absurde Ängste, deren Funktion und Ursprung nicht direkt ersichtlich ist.
3. Angst und Leistung
Wie schon erwähnt tritt Angst immer in Situationen auf, welche uns unbekannt oder welchen wir nicht gewachsen sind. Sie erfüllt wichtige Funktionen und ist von Natur aus vorgegeben. Sie soll uns helfen kritischen Situa tionen zu bestehen.
Doch es gibt auch Situationen, in welchen Angst keine unterstützende Funktion erfüllt. Beispielsweise bei den schon erwähnten absurden Ängsten. Die Angst vor einer kleinen Spinne kann zum Beispiel lähmend wirken und verhindert somit einen normalen Umgang mit der Spinne.
Aber auch reale Ängste können Reaktionen hervorrufen, die zunächst hinderlich erscheinen.
3.1 Der lähmende Charakter der Angst
Schüler Fritz sitzt eifrig vor seinen Hausaufgaben. Morgen schreibt er eine wichtige Arbeit in Physik. Er hat schon lange Zeit an seinen Physikaufgaben gearbeitet, doch es kommt ihm vor, dass er nur weiß, dass morgen eine schwere Prüfung ansteht. Wenn Fritz noch einmal dieselbe Leistung bringt wie beim letzten Mal, wird er dieses Schuljahr wiederholen müssen. Mit dieser Angst lernt Fritz unaufhörlich, doch ihm will einfach nichts gelingen… In diesem Beispiel zeigt sich die destruktive Seite der Angst. Offenbar ist Fritz so von Angst besetzt, dass ihm einfach nichts gelingen will.
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Wichtiger Faktor hierbei ist der hormonelle Regelkreis, der durch neurochemische Reaktionen in einer Angstreaktion verändert wird. Bestimmte Stoffe werden ausgesendet, die dann die psychische Leistung blockieren können.
Selbiges gilt auch für die physische Leistung, was viele Forscher dann mit dem Tot-Stell- Reflex, der bei Tieren zu beobachten ist, vergleichen.
Lähmenden Charakter haben oft absurde Ängste, da der Zweck dieser Ängste nicht ersichtlich ist.
Der Übergang zur krankhaften Angst ist dabei dann sehr gering. Und es kann vorkommen, dass Körper und Geist in ihrer Entwicklung stagnieren können. Erste krankhafte Anzeichen äußern sich oftmals in einer lähmenden Angst. Diese kann den Alltag so beeinflussen, dass ein normales Leben nicht mehr möglich ist.
3.2 Der aktivierende Charakter der Angst
Die faszinierende Kehrseite der Angst beschreibt der deutsche Psychologe Borwin Bandelow wie folgt: „Angst ist das Superbenzin für Erfolg.“ 1 Angst motiviert, fordert auf und regt die Kreativität an.
Das Beispiel mit Schüler Fritz könnte auch anderes dargestellt werden. Die Angst vor der Arbeit beflügelt ihn und er kann befreit lernen.
Aber auch hier gilt, nicht nur die psychische Leistung kann verstärkt werden, auch die körperliche Leistung kann gesteigert werden. Dazu folgendes Beispiel: Es sind olympische Spiele und der Finallauf der Herren über 100 Meter steht an. Der Favorit, der schon über das ganze Jahr hinweg Erfolge hat feiern können, ist besonders angespannt. Gedanken über eine Niederlage schießen ihm durch den Kopf. Er könnte das nicht verkraften, er muss gewinnen. Was soll denn die Welt von ihm denken, wenn er beim wichtigsten Rennen in vier Jahren versagen würde… Seine Anspannung steigt ins unermessliche, Herzklopfen und ein flaues Gefühl im Magen kommen dazu. Als der Startschuss fällt explodiert seine Anspannung in unbändige Kraft und er gewinnt in einer phänomenalen Zeit. Dieses Beispiel zeigt einen Menschen, der Angst vor dem Verlieren hat. Sein perfektionistischer Geist lässt ein Hinnehmen der Niederlage nicht zu. Diese Angst, nicht mehr der Beste zu sein, beflügelt ihn.
Auch hier sind Hormone und Botenstoffe, die durch neurochemische Prozesse ausgelöst werden wichtigster Faktor. Sie bewirken, dass für die Leistung essentielle Funktionen besser versorgt werden.
In obigem Beispiel erhöht sich der Blutdruck, die Muskeln werden besser durchblutet, was der Athlet als körperliche Anspannung bemerkt. Die Angst bereitet den Organismus für die bevorstehende Höchstleistung vor. Der Körper läuft schon vor der eigentlichen Beanspruchung warm. Die Umverteilung des Blutes ist Grund für das flaue Gefühl im Magen. Diese leistungssteigernden Reaktionen beobachtet man auch in extrem l ebensbedrohlichen Situationen. Der Volksmund drückt das wie folgt aus: „Er rannte um sein Leben“. Anders als der lähmende Charakter der Angst garantiert sie hier das Annehmen und Meistern der Situation. Das bedeutet immer einen Fortschritt. Das Leben bleibt nicht stehen sondern es entwickelt sich weiter.
1 Bandelow, Borwin: Das Angstbuch, 1. Aufl., Hamburg, Rowohlt Verlag, 2004, S.31.
Arbeit zitieren:
Thomas Pfaff, 2004, Angst: Welche Einflüsse hat Angst auf den Alltag?, München, GRIN Verlag GmbH
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