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1. Einleitung:
Problematik der postkolonialen Geschichtsschreibung “Wir wollen nicht vergessen, dass noch vor einem Menschenalter Afrika in der Vorstellung allgemein-gebildeter Europäer ein trostloses Land, ein Erdteil der Fieber und nur geeignet für Abenteurer und Missionare war, und seine Eingeborenenhalbtierische Barbaren, eine Sklavenrasse, ein Volk, dessen rohe Verkommenheit nur eben diesen Fetischismus produziert hatte und sonst nichts.” (Leo Frobenius, 1933)
In den rund siebzig Jahre nachdem Frobenius so das Afrikabild in den Köpfen seiner Zeitgenossen beschrieb, hat sich nicht viel geändert. Auch heute noch wird Afrika mit seinen Einwohnern oft als primitiv und dumm abgestempelt.
Der Ursprung solcher Vorstellungen liegt hauptsächlich in der Kolonialzeit begraben. Den Europäern lag nicht besonders viel daran die afrikanische Kultur zu präsentieren, sondern ihr Ziel war es vielmehr die Einheimischen als kulturlose Wilde darzustellen, die gezähmt und bekehrt werden mussten. So ließen sich Missionierung, Versklavung der Schwarzen und Ausbeutung des Kontinents leichter rechtfertigen. Unterhaltungsliteratur, wie die “Tarzan”-Reihe, half die verfälschten Afrikabilder in den Köpfen der Menschen von klein auf zu prägen und festigen.
Die lange Geschichte Afrikas wurde zum Teil nicht anerkannt und nicht beachtet; die unübersehbaren Beweise für Tradition und Kultur wurden oft vernichtet.
Viele afrikanische Sprachen besitzen keine Schriftform, daher gibt es so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen über das frühe Afrika vor dem Einfluss der Europäer. Seit dem 15. Jahrhundert bestanden wohl erste Handelsbeziehungen zwischen Europäern und Afrikanern im Küstenbereich. Wegen des tropischen Klimas, das vielen europäischen Gesandten das Leben kostete, sah man den Kontinent als gefährlich und bedrohlich an. Lange Zeit hielt sich der Mythos, dass sich Afrika - vor allem Westafrika - sehr isoliert von der Aussenwelt entwickelt hatte. Diese Annahme ist jedoch falsch, da es schon sehr früh Handelsbeziehungen zum Beispiel mit China gegeben hat.
Im 19. Jahrhundert wurde Afrika auf der Berliner Konferenz unter den Kolonialmächten aufgeteilt, was zur Folge hatte, dass die meisten europäischen Mutterländer ihren Kolonien die eigene Kultur aufzwangen. Afrikanische Bauern mussten für die Kolonialherren arbeiten, um die geforderten Steuern zu bezahlen und konnten so nicht mehr für die Familie sorgen. Kinder wurden in europäische Schulen gesteckt, in denen sie fremde Sprachen und die Geschichte eines ihnen fremden Landes lernten. Wer es zu etwas bringen wollte, musste den alten Traditionen absagen und sich der fremden Kultur zuwenden. Die traditionellen Könige und Stammesoberhäupte wurden getötet oder in Verbannung geschickt, um sie durch europäisch erzogene Afrikaner zu ersetzen.
Erst seit Ende des letzten Jahrhunderts, als die meisten afrikanischen Länder ihre Unabhängigkeit erhielten, wird der Versuch unternommen das allgemeine Bild vom geschichts- und kulturlosen Afrika zu
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verdrängen und zu beweisen, dass Afrika sehr wohl Geschichte und Kultur besitzt. Die erste Gegenreaktion kam 1978 vom Afrikaner Joseph Ki-Zerbo, der in seinem Buch “Die Geschichte Schwarz-Afrikas” eben auf diese aufmerksam machte.
In meiner Arbeit möchte ich auch auf einen Aspekt der afrikanischen Geschichte eingehen, der oft verkannt wurde und dessen Bedeutung bis heute noch nicht vollkommen geklärt ist - die Königinmutter. Es gibt wenig schriftliche Dokumente, die den Einfluss und die Funktion der Königinmütter beschreiben. Trotzdem werde ich versuchen die große Bedeutung der Königinmütter in verschiedenen Königreichendem Asante und dem Fon - zu beschreiben, und dem die geringfügige Beachtung dieser durch die Europäer gegenüberstellen.
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2. Hauptteil: Königinmütter in Westafrika
2.1 Begriffsproblematik - wer oder was ist eine Königinmutter?
Sowohl der deutsche Begriff ´Königinmutter` als auch das englische Wort ´Queenmother` ist irreführend, da die sogenannte Königinmutter nur im seltenen Einzelfall die biologische Mutter des Königs ist! Der Begriff ist vielleicht nicht glücklich gewählt, jedoch kann man ihn dennoch erklären. Das Wort ´Mutter` steht im übertragenen Sinne für Weisheit und Erfahrung (Zips1998: 208). Um Königinmutter zu werden, muss eine Frau sowohl im politischen, sozialen als auch militärischen Leben Klugheit bewiesen haben und sich Respekt verschafft haben. Deshalb sind die meisten Königinmütter bereits in fortgeschrittenem Alter und bringen Lebenserfahrung mit in ihr Amt. Die Königin´mutter` als Stammesoberhaupt wird im afrikanischen Sinne nicht (nur) als biologische Mutter des Königs gesehen, sondern vor allem als Mutter des gesammten Stammes (Stoeltje 1997: 58).
Die ´Königin`mutter ist jedoch nicht nur eine weise Beraterin des Königs, sondern ist neben ihm eine gleichberechtigte Führungsperson, die eigene Entscheidungen trifft, und sogar einen eigenen Thron besitzt. Sie einfach als Königin zu bezeichnen, wäre jedoch auch keine bessere Lösung, da man sie dann wahrscheinlich mit der Frau des Königs verwechseln würde, was sie genauso selten ist, wie seine Mutter. Der Königinmutter ist zwar erlaubt eine eigene Familie und auch Kinder zu haben, aber meist besteht keine eheliche Beziehung zum König.
Ein weiteres Problem dieses Begriffs ist die Bandbreite für die er verwendet wird. Die meisten afrikanischen weiblichen Oberhäupter werden mit Königinmutter bezeichnet, ohne dass auf die Vielfältigkeit und Verschiedenheiten afrikanischer Kulturen Rücksicht genommen wird. Die Bedeutung und Funktion der Königinmutter eines Stammes mag sich stark von der eines anderen unterscheiden, trotzdem verwenden wir denselben Begriff dafür (Stoeltje 1997: 47). Im den kommenden Kapiteln werde ich besonders auf die tatsächliche Bedeutung und die europäische Darstellung zweier Königinmütter in Westafrika, die Kpojito in Dahomey und die Asantehemaa in Ghana, eingehen.
2.2 Bedeutung und Darstellung der Königinmütter in Dahomey 2.2.1 Das Amt der Kpojito: Geschichte, Definition, Funktion
Das Fon Königreich existierte seit dem 17. Jahrhundert in Dahomey, West Afrika, im heutigen Benin. Vom Norden her breitete sich das Reich bis zur Küste hin aus, um am ergiebigen Sklavenhandel mit den Europäern teilzuhaben (Bay 1997: 19).
Der Palast dieser mächtigen Einrichtung beherbergte unter anderem circa 8000 Frauen aus allen sozialen
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Arbeit zitieren:
Kathrin Onyiaorah, 2001, Königinmütter in Westafrika - Tatsächliche Bedeutung und Darstellung in europäischer Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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