Inhaltsverzeichnis
Darstellungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Gang der Argumentation 1
2. Überblick über die Entwicklung der Innovationstheorie 3
2.1 Der Begriff der Innovation 3
2.2 Der Begründer der Innovationstheorie: Joseph Alois
Schumpeter 4
2.3 Neoklassische Ansätze 6
2.3.1 Wichtige Vertreter der neoklassischen Innovations-
forschung 7
2.3.2 Entscheidungstheoretische neoklassische Ansätze 8
2.3.3 Spieltheoretische neoklassische Ansätze 8
2.3.4 Neoklassische und neue Wachstumstheorie 8
2.4 Evolutionsökonomische Ansätze 9
2.4.1 Das Nelson-Winter-Modell 10
2.4.2 Institutionenökonomische Innovationstheorie 10
2.5 Nachfragetheoretische Ansätze 11
3. Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer
Analyserahmen 12
3.1 Technology Push und Demand Pull 14
3.2 Der verbundene Innovationsprozess 15
3.3 Die Netzwerkanalyse von Michael Porter 16
3.4 Innovationssysteme und Innovationsräume 22
3.5 Der Innovationskontext 24
3.5.1 Lead-Märkte als entscheidender Innovations- 27
kontext
3.5.2 Arten von Innovationskontexten 29
II
3.5.3 Kontextabhängige Organisationsformen 32
3.5.4 Die Rolle von Wissen, Transfereinrichtungen und
Lernen in der kontextuellen Sichtweise 34
3.5.5 Die Rolle von Staaten, Staatenverbünden und
Technologiepolitik im Innovationskontext 37
3.5.6 Fragestellungen zur Identifikation weiterer wichtiger
Kontextfaktoren 40
4. Möglichkeiten zur Messung von Innovationsaktivitäten 43
4.1 Input-Indikatoren aus Forschung und Entwicklung 45
4.1.1 Personal in Forschung und Entwicklung 45
4.1.2 Ausgaben für Forschung und Entwicklung 46
4.2 Ausgewählte Output-Indikatoren 48
4.2.1 Zahl der Patente 48
4.2.2 Technometrischer Indikator 49
4.2.3 Zählung von Innovationen 50
4.2.4 Umsatzstruktur 50
4.3 Der Lebenszyklusaufwand als ganzheitliche Bewertungs-
methode 52
4.4 Klassifikation von Messverfahren 54
4.4.1 Lagging-Verfahren 55
4.4.2 Echtzeitmessverfahren 55
4.4.3 Leading-Verfahren 56
4.4.4 Lern-Verfahren 56
4.5 Innovationsindikatoren im Innovationskontext 56
5. Schlussbetrachtung 59
6. Quellenverzeichnis VII
6.1 Quellen der Literaturzitate VII
6.2 Quellen der Darstellungen XI
III
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1 Überblick über Theorien und Ansätze der Innovationsforschung und -ökonomik 4 Darstellung 2 Kontextualisierungsmatrix am Beispiel der Gentechnologie 13 Darstellung 3 Technology Push und Demand Pull 14 Darstellung 4 Quellen von Innovationsideen 15 Darstellung 5 Der verbundene Innovationsprozess 16 Darstellung 6 Nutzenverteilung in einem Branchencluster 17 Darstellung 7 „Nationaler Diamant“ nach Porter zur Erklärung internationaler Konkurrenzfähigkeit 18 Darstellung 8 Arten von netzwerkbasierten Konzepten und ihre Merkmale 21 Darstellung 9 Akteure im Innovationsprozess 23 Darstellung 10 Nachfrageintensität auf Lead- und Lag-Märkten 27 Darstellung 11 Lead-Markt Faktoren 28 Darstellung 12 Innovationskontexte 30 Darstellung 13 Varianten der Prozessverantwortung im Innovationsprozess 33 Darstellung 14 Grundmodell des Wissens- und Technologietransfers 36 Darstellung 15 Grundmodell der Verantwortung der Unternehmen und des Staates im Innovationsprozess 38 Darstellung 16 Prozentualer Anteil der Befragten, die Messverfahren für die Effektivität von Produkt-, Dienstleistungs-oder Prozessinnovationen anwenden 43 Darstellung 17 Indikatoren für Innovationsaktivitäten 44 Darstellung 18 Personal in Forschung und Entwicklung je 1000 Erwerbspersonen im Zeitablauf und internationalen Vergleich 46 Darstellung 19 Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts 47 Darstellung 20 Forschungs- und Entwicklungsausgaben führender Technologie-Unternehmen in Prozent des Umsatzes 48
IV
Darstellung 21 In Deutschland angemeldete und erteilte Patente 49 1996-2002 Darstellung 22 Produktlebenszyklus 51
Darstellung 23 Erfolgsdeterminanten im Lebenszykluskonzept 52 Darstellung 24 Quantitative und qualitative Maßeinheiten im Lebenszyklus 54 Darstellung 25 Klassifizierung von Messverfahren für Innovationsaktivitäten 55
V
Abkürzungsverzeichnis
AP Asien-Pazifik CH Schweiz D Deutschland DL Dienstleistungsunternehmen EU Europäische Union EUR Europa F Forschungs- und Beratungseinrichtungen FRA Frankreich FuE Forschung und Entwicklung
I Italien kult. kulturell LA Lateinamerika N Grundgesamtheit NA Nordamerika ökol. ökologisch ökonom. ökonomisch pol.-adm. politisch-administrativ psycho-soz. psychologisch-sozial rechtl. rechtlich ROI return on investment soz. sozial T Tausend t Zeit theoret. theoretisch Unt. Unternehmen VG verarbeitendes Gewerbe
VI
Gang der Argumentation
„Innovation ist ein Lebenselixier unserer Gesellschaft. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft hängt entscheidend davon ab, immer wieder neue Produkte, Verfahren 1 und Dienstleistungen der Nachfrage anzubieten.“
Dennoch gibt es bisher keine umfassende Theorie, die vollständig erklären kann, welche Gegebenheiten Innovationen ermöglichen, welche sie verhindern oder welche Faktoren Innovationsaktivitäten begünstigen oder sie eher hemmen. Deswegen werden zu Anfang dieser Arbeit in Kapitel 2 Forschungsansätze aus den Jugendjahren der Innovationsforschung kurz dargestellt. Beginnend mit Schumpeter und dem „Prozess der kreativen Zerstörung“ werden neoklassische, evolutionsökonomische und nachfragetheoretische Forschungsrichtungen angerissen, um zu zeigen, dass durch sie sehr wohl wichtige Aspekte des Innovationsgeschehens erklärt werden können, jedoch diese Erklärung meist recht einseitig auf einen oder einige wenige Faktoren konzentriert ist.
Der erste Schritt um mehrere der bisherigen Ansätze, die sich gut unter den Schlagworten Technology Push und Demand Pull zusammenfassen lassen, zu vereinigen, wird mit dem verbundenen Innovationsprozess getan, mit dem auch Kapitel 3 beginnt. Eine kurze Betrachtung genügt hier, da der verbundene Innovationsprozess lediglich auf einer Kombination bisheriger Modelle beruht. Neues bringt hingegen Michael Porter mit seiner Netzwerkanalyse und dem von ihm eingeführten Begriff des Branchen- oder Innovationsclusters. Er erklärt einen entscheidenden Erfolg von Innovationsprozessen mit den Beziehungen, die zwischen seinen Akteuren bestehen. Insofern liefert Porter auch für die kontextuelle Sichtweise wichtige Anknüpfungspunkte. Außerdem führt er neben bisher rein ökonomischen oder technischen Gesichtspunkten neue Variablen für das Gelingen von Innovationsprozessen ein. Hand in Hand mit diesem Ansatz geht die Theorie der Innovationsräume oder Innovationssysteme, die ebenfalls kulturelle, gesellschaftliche, organisatorische und noch andere Faktoren berücksichtigt, jedoch bleibt sie dabei sehr stark auf regionale Gesichtpunkte beschränkt. Eine Kombination aller Einflussgrößen, ohne jedoch dabei das Augenmerk zu sehr auf regionale Entwicklungen zu richten, liefert das Modell des Innovationskontextes, der in verschiedenen Ausprägungen und Organisationsformen, mit einem Fokus auf den Kontext des Lead-Marktes, geschildert wird. Des Weiteren werden in Kapitel 3 ausgewählte Kontextfaktoren dargestellt, deren Fülle jedoch
1 Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.), Gesellschaft, 2002, S.7, Spalte1.
1
nahezu unbegrenzt ist, weswegen Wissen, Transfereinrichtungen, Lernen und Technologiepolitik herausgegriffen werden und am Beispiel des Kontextfaktors Kultur ein Fragenkatalog für weitere Faktoren erarbeitet wird. Kapitel 4 zeigt unterschiedlichste Formen der Messung und Beurteilung von Innovationsaktivitäten, wobei auch hier aufgrund der unüberschaubaren Menge eine Auswahl aus bekannten und praxisnahen Input- und Outputindikatoren getroffen wurde. Besonderes Augenmerk wird im Anschluss auf das Konzept des Lebenszyklusaufwandes gelegt, um zu zeigen, dass dieses Konzept Grundlagen zur Messung und Beurteilung von Innovationsaktivitäten auch in einer kontextuellen Sichtweise bietet. Weiter werden diese Indikatoren in ein Klassifikationsschema eingeordnet, um, gerade weil eine vollständige Aufzählung innerhalb dieser Arbeit nicht möglich ist, mögliche Gruppen von Mess- und Beurteilungsverfahren mit ähnlichen Eigenschaften aufzuzeigen. Zum Abschluss dieses Kapitels und der Arbeit wird diskutiert, inwieweit die vorgestellten Indikatoren geeignet sind, auch innerhalb des Innovationskontextes Innovationsaktivitäten befriedigend zu erfassen.
2
1. Überblick über die Entwicklung der Innovationstheorie
1.1 Der Begriff der Innovation
Die Ursprünge des Begriffs Innovation gehen auf das Kirchenlatein Tertullians zurück. Etwa 200 nach Christus findet sich dort der Begriff „innovatio“, der 2 gleichbedeutend mit (Er-)Neuerung und Veränderung ist. Diese Bedeutung blieb 3 gemäß dem Duden weitgehend bis in unsere Zeit erhalten. Da der Begriff jedoch
auch außerhalb des hier betrachteten, rein ökonomischen Kontextes in den verschiedensten Wissenschaften unter unterschiedlichsten Aspekten Anwendung 4 findet, existiert keine allgemein akzeptierte Definition oder ein geschlossener,
allgemeingültiger Innovationsansatz. Gemeinsam sind allen Definitionsversuchen folgende Aspekte:
(1) Eine Neuheit oder (Er-)Neuerung eines Objekts oder einer sozialen Handlungsweise zumindest für das betrachtete System.
(2) Eine Veränderung bzw. ein Wechsel durch die Innovation in und durch die Unternehmung, das heißt, eine Innovation muss entdeckt oder erfunden, ein- 5 geführt, genutzt, angewandt und institutionalisiert werden.
Darstellung 1 gibt eine einfache Übersicht über Theorien und Ansätze der Innovationsforschung und Innovationsökonomik, von denen die wichtigsten in den folgenden Abschnitten chronologisch erläutert werden. Zur Vertiefung der einzelnen Ansätze sind in der untersten Ebene der Darstellung Autoren aufgeführt, die sich mit den jeweiligen Theorien auseinandergesetzt haben.
2 Vgl. Müller, Gewinnt, 1997, S.9.
3 Vgl. Wissenschaftlicher Rat der Duden Redaktion (Hrsg.), Fremdwörterbuch, 1982, S.345,
Spalte 3.
4 Vgl. Salice-Stephan/Salice-Stephan, Innovation, 2002, in Microsoft Corporation (Hrsg.), Encar- 2002, Stichwort: Innovation.
5 Vgl. Gabler, Lexikon, 1997, S.1898, Spalte 1.
3
Darstellung 1: Überblick über Theorien und Ansätze der Innovationsforschung und -ökonomik
Schumpeter
Quelle: Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.51.
1.2 Der Begründer der Innovationstheorie: Joseph Alois Schumpeter Vor Schumpeter wandten sich schon andere Ökonomen der Betrachtung von In- 6 novationen zu, z.B. Adam Smith oder Karl Marx , jedoch geht die Verwendung
des Begriffs Innovation im heutigen Sprachgebrauch und volkswirtschaftlichen Zusammenhang zurück auf den österreichisch-amerikanischen Ökonom Joseph Alois Schumpeter (1883-1950). Schumpeter lehrte Volkswirtschaft an Universitäten in Österreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika, dort im 7 Besonderen in Harvard und war für kurze Zeit österreichischer Finanzminister. Er meinte mit Innovation die erstmalige kommerzielle Nutzung einer Neuerung in
6 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.54-55.
7 Vgl. Microsoft Corporation (Hrsg.), Encarta, 2002, Stichwort: Schumpeter, Joseph Alois.
4
der Wirtschaft, sah den Innovationsprozess als „Prozess der kreativen Zerstörung“ und teilte ihn in drei Hauptphasen ein: Erfindung (Invention), Erstmalige Nut- 8 zung (Innovation) sowie Verbreitung (Diffusion durch Imitation). Schumpeter identifizierte innerhalb seiner Forschung folgende fünf Arten von Innovationen:
- Produktinnovationen (bzw. Differenzierung der Produktqualität) beinhalten die kreative Entwicklung und Vermarktung grundlegend neuer Produkte oder Dienstleistungen, die häufig auf neuen Technologien basieren und bisher nicht 9 befriedigte Kundenbedürfnisse ansprechen. Sie tragen wesentlich zur Erhöhung der materiellen Wohlfahrt bei. Jedoch ergeben sich bei der Bestimmung 10 der Vorteile der Produktinnovation große Messprobleme.
- Prozessinnovation im Produktions- und Vertriebsbereich (z.B. neue Fertigungstechniken) erfordern die Entwicklung neuer Verfahren, um Produkte und Dienstleistungen zu liefern, die Kosten- oder Qualitätsvorteile oder die 11 Verkürzung der Lieferzeit herbeiführen. Das bedeutet, dass bei gleichbleibendem Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden eine größere Gütermenge hergestellt werden kann oder aber, dass die gleiche Produktionsmenge mit geringerem Einsatz der Produktionsfaktoren realisiert werden 12 kann.
- Erschließung neuer Absatzwege im In- und Ausland
- Erschließung neuer Vorproduktmärkte und Rohstoffquellen im In- und Ausland.
- Veränderung der Markt- und / oder Unternehmensorganisation (z.B. Fusionie- 13 rung, Konzernbildung).
Die Positionen drei, vier und fünf können auch unter dem Begriff der wirtschaftlichen Innovation zusammengefasst werden. Gemeint ist damit die Entwicklung neuer Unternehmensbereiche und neuer Wege, Geschäfte abzuwickeln, die einen 14 deutlichen Wettbewerbsvorteil mit sich bringen.
Als Basisinnovationen werden besonders herausragende Innovationen bezeichnet, deren Schlüsseltechnologien Grundlage für die Erschließung einer Vielzahl von
8 Vgl. Gabler, Lexikon, 1997, S.1899, Spalte 1.
9 Vgl. Jonash/Sommerlatte, Weg, 2000, S.151.
10 Vgl. Baßeler/Heinrich/Koch, Grundlagen, 1995, S. 732-733.
11 Vgl. Jonash/Sommerlatte, Weg, 2000, S.151.
12 Vgl. Baßeler/Heinrich/Koch, Grundlagen, 1995, S. 732-733.
13 Vgl. Gabler, Lexikon, 1997, S. 1898, Spalte 2.
14 Vgl. Jonash/Sommerlatte, Weg, 2000, S.151.
5
Anwendungsbereichen darstellen und die zahlreiche Folgeinnovationen (oder 15 Verbesserungsinnovationen) nach sich ziehen.
Die Entstehung aller Innovationsarten versuchte Schumpeter mit Hilfe einer komplexen, wissensbasierten Produktionsstruktur zu erklären. Aufgrund dieser Komplexität treten diskontinuierliche Konjunkturzyklen auf, die von der Dynamik des technischen Wandels leben. Weiter unterschied Schumpeter zwei Arten von Wirtschaftssubjekten, die Unternehmer, die risikofreudig sind und stets Mut zur Innovation zeigen, und die Wirte, die ihre Aufgaben pflichtbewusst und verwaltungs- 16 mäßig erledigen.
Mit Schumpeter werden zwei entscheidende Hypothesen in Verbindung gebracht: Die sogenannte Schumpeter-Hypothese beschreibt den Innovations-Wettbewerb-Zusammenhang: „Die Möglichkeit, monopolistische Praktiken anzuwenden, erhöht die Bereitschaft zur Übernahme des Innovationsrisikos und begünstigt daher die Durchsetzung neuer Kombinationen mit einem positiven Effekt auf das Inno- 17 vationstempo.“ Die zweite Hypothese Schumpeters besagt, dass große Unternehmen innovativer sind als kleine.
Zusammenfassend interpretierte Schumpeter die Durchsetzung neuer Kombinationen (Innovationen) als Keimzelle für Evolution und Wachstum einer Volkswirt- 18 schaft.
1.3 Neoklassische Ansätze
Schumpeters Gedanken erleben in den neoklassischen Ansätzen zur Erklärung des Innovationsverhaltens, die das gewinnmaximierende Unternehmen in den Mittelpunkt stellen, eine Art von Renaissance. Neu jedoch ist, dass neben Preisen und Produktionsmengen auch Forschung und Entwicklung eine Ressource des Unternehmens darstellen. In aktuelleren neoklassischen Modellen treten hierzu noch dynamische Aspekte, die zu Wettläufen rivalisierender Unternehmen (z.B. um Patente) führen. Wesentliche Elemente neoklassischer Innovationstheorien sind also Teile der Wettbewerbstheorie, der Entscheidungstheorie und der Spieltheo- 19 rie.
Die oben schon beschriebene Schumpeter-Hypothese kann selbst als Teil der Wettbewerbstheorie gesehen werden und wurde in dieser Sichtweise z.B. von
15 Vgl. Gabler, Lexikon, 1997, S.1899, Spalte 2.
16 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.55-56.
17 Witt, Ökonomik, 1987, S.48.
18 Vgl. Franke, Netzwerke, 2000, S.24.
19 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.57.
6
Witt weiterverwendet. Dieser fasste die Schumpeter-Hypothese folgendermaßen zusammen: Eine Marktstruktur, die große Firmen mit einem beträchtlichen Maß an Marktmacht enthält, ist der Preis, den die Gesellschaft für raschen technologi- 20 schen Wandel bezahlen muss.
Andere Wettbewerbstheoretiker erkennen wichtige neoklassische Betrachtungen, wie zur maximalen Befriedigung der Konsumentenwünsche und zum Wohlstand für alle Wirtschaftssubjekte, zwar weiterhin an, jedoch werden mehr und mehr bestimmte Schwachstellen untersucht. Diese können sich aus einer Monopolstellung, aus Informationsmängeln bei den Konsumenten oder aus einer unzureichenden Bereitstellung von Kollektivgütern ergeben. Für den technischen Wandel sind letztere von besonderer Bedeutung, z.B. im Bereich von Wissenschaft und Forschung.
2.3.1 Wichtige Vertreter der neoklassischen Innovationsforschung Arrow identifizerte innerhalb seiner neoklassischen Innovationsforschung die Marktstruktur als entscheidende Variable und zeigte, dass durch vollkommenen Wettbewerb größere Innovationsanreize geschaffen werden, als durch eine Mono- 21 polstellung. Von Hayek dagegen untersuchte die Bedeutung des Faktors „Wissen“ und bezeichnete deshalb die Möglichkeiten eines Unternehmens, durch Marktmechanismen Informationen zu erhalten, welche Dienstleistungen oder Gü- 22 ter nachgefragt werden, als essentiell. Kantzenbach forderte eine ausreichende,
aber auch nicht zu große Produktdifferenzierung sowie ein Oligopol mit nicht zu geringer Anbieteranzahl und nennt den technischen Fortschritt als eine der wichtigsten Wettbewerbsfunktionen. Er widersprach in gewisser Weise Arrow, indem er sagte, dass vollständige Konkurrenz den Unternehmen die Fähigkeit zu For- 23 schung und Fortschritt aufgrund zu geringer Gewinne nehme. Grossekettler
entwickelte das sogenannte Koordinationsmängelkonzept zum Aufspüren nichtfunktionsfähiger Märkte. Er betrachtete innerhalb dieses Konzepts die Marktfunktionen Markträumung, Renditennormalisierung, Übermachterosion, Produktfortschritt und Verfahrensfortschritt genauer. Vor allem die letzten beiden weckten 24 das Interesse der Innovationsforschung.
20 Vgl. Witt, Ökonomik, 1987, S.48.
21 Vgl. Cantner, Innovationsökonomik, 2004, Seite 4.
22 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.59.
23 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.60.
24 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.61.
7
2.3.2 Entscheidungstheoretische neoklassische Ansätze
Entscheidungstheoretische Überlegungen können das Innovationsgeschehen insoweit realistischer darstellen, als sie Phänomene wie Unsicherheit, Dynamik, Externalität usw. berücksichtigen können. Eines dieser Modelle stammt von Kamien und Schwartz und erklärt, wie die Entscheidung eines Unternehmens im Innovationswettbewerb aussieht, wenn es sich risikoneutral verhält und seinen Gewinn maximieren möchte. Innerhalb dieses Modells können sich bei zu starker Konkurrenz auch Situationen ergeben, in denen das Forschungs- und Entwicklungs-Projekt gar nicht erst begonnen wird oder in denen ein Maximum an Innovationstätigkeit erlangt wird, nach dessen Erreichen die Innovationsaktivitä- 25 ten abnehmen.
2.3.3 Spieltheoretische neoklassische Ansätze
Spieltheoretische neoklassische Ansätze zur Erklärung von Innovationsaktivitäten können als Weiterführung von entscheidungstheoretischen Modellen betrachtet werden. Es wird nun möglich, einige Wechselwirkungen zwischen Entscheidungen der Unternehmen bezüglich Forschung und Entwicklung einzubeziehen, das heißt, Reaktionen anderer Unternehmen fließen in die optimale Innovationsentscheidung des betrachteten Unternehmens mit ein. Solche Modelle gibt es etwa 26 von Scherer, Levin und Reiss oder Dasgupta und Stiglitz. Vor allem das letztere 27 stellt sich aber überaus komplex dar.
2.3.4 Neoklassische und neue Wachstumstheorie
Als Begründer der neoklassischen Wachstumstheorie gilt Solow, der als weiteren Faktor neben Kapital und Arbeit die technische Fortschrittsrate in die makroöko- 28 nomische Produktionsfunktion aufnimmt. Die Wachstumstheorie beschäftigt
sich also vornehmlich mit der Frage, „[...]welche Faktoren das langfristige Wirtschaftswachstum treiben, ob sich Wachstumskräfte im Zeitablauf abschwächen, ob es im Wachstumsprozess zu einer räumlichen Konzentration oder Dekonzentration wirtschaftlicher Aktivitäten kommt und unter welchen Bedingungen eine
25 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.61-62.
26 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.63-64.
27 Vgl. Cantner, Innovationsökonomik, 2004, Folie 16.
28 Vgl. Frauenhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (Hrsg.), Verteilung,
2000, S.4.
8
zunehmende (sektorale und/oder funktionale) Spezialisierung von Ländern bzw. 29 Regionen zu erwarten ist.“
In der neuen Wachstumstheorie wird zusätzlich davon ausgegangen, dass zum Erwerb von technologischem Wissen Mittel aufgewendet werden müssen, die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse kein öffentliches Gut mehr darstellen und daher Innovationstätigkeiten als eine spezifische Art von Investitionen gelten, über die die Wirtschaftssubjekte Erwartungen bilden. Deswegen erfolgt in diesen Modellen eine Endogenisierung des technischen Fortschritts (bei Solow war die 30 technische Fortschrittsrate exogen gegeben).
2.4 Evolutionsökonomische Ansätze
Die evolutorische Innovationstheorie beschäftigt sich im Wesentlichen mit folgenden Forschungsthemen:
„- Veränderungen in makroökonomischen Aktivitäten unter dem Einfluss eines möglicherweise diskontinuierlichen Zuflusses von Innovationen,
- das Durchsetzen von Industrien und Unternehmen im innovativen Wettkampf und die Relevanz des Darwinschen Konzepts zum Verständnis dieses Problems,
- die Funktionsfähigkeit von Märkten und die Bahnabhängigkeit der historischen Wirtschaftsentwicklung,
- das Entstehen und das Abwandeln von gesellschaftlichen Regeln und Institutionen, welche den sich verändernden Rahmen für ökonomische Wechselwirkungen abgeben
- der Wandel der Produktionstechnologie, Auswirkungen auf das Wachstum der Erdbevölkerung und die gesellschaftliche Wohlfahrt in langfristiger Hinsicht und 31 - Antriebskräfte für Veränderungen des Niveaus individuellen Verhaltens.“ Nach heutigem Kenntnisstand müssen wenigstens folgende drei Grundannahmen erfüllt sein, um einen Ansatz als evolutionsökonomisch bezeichnen zu können: Zum ersten handeln auf der Mikroebene eingeschränkt rationale Akteure. Weiter sind die Transaktionen nicht gleichgewichtsorientiert und können fern von Gleichgewichtszuständen auftreten. Zum dritten werden die Selektionsmechanis-
29 Frauenhofer-Institut Verteilung, 2000,
S.5.
30 Vgl. Grupp, Wandels, 1997, S.64-66.
31 Witt, Economics, 1992, S.14.
9
Arbeit zitieren:
Michael Hamoser, 2004, Der Innovationskontext als wirtschaftshistorischer Analyserahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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