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1. Vorwort
Diese Aussage ist scherzhaft gemeint und will ausdrücken, daß die Juden in allen Weltteilen und in allen Ländern zu finden sind.
Die Vergangenheit der Juden reicht demnach sehr weit, bis zu den Anfängen der Geschichte, wie sie in der Bibel nachzulesen ist, zurück. Juden sind mittlerweilen tatsächlich auf jedem Erdteil angesiedelt und haben viel von anderen Kulturen auf sich einfließen lassen. Dies ist besonders am Beispiel des Jüdischdeutschen, wie oben aufgeführtes Beispiel zeigt, zu erkennen.
Diese Arbeit wird sich deshalb eingehend mit dem Jiddischen, seiner Geschichte und seiner Kultur befassen.
2. Hauptteil
2.1. Allgemeines
2.1.1. Geschichte der Sprache
Das Jiddische gehört zu den Sprachen der Juden. Zu der Zeit als es noch einen jüdischen Staat in Palästina gab, wurde das Hebräische, die ursprüngliche Sprache der dort lebenden jüdischen Bevölkerung durch das Aramäische zurückgedrängt. Die aramäischen Wörter stammen größtenteils aus dem Talmud, der Kabbala 2 und anderen Quellen, jedoch weniger aus der Bibel.
Durch die Zerstreuung der Juden der antiken Welt kam es dazu, daß sie die Sprachen der jeweiligen Umgebungen annahmen: so übernahmen sie von den Griechen das Griechische und von den Römern das Lateinische. Durch die fortlaufenden Migrationen in der Spätantike folgte die Annahme weiterer Sprachen. Als Beispiele führt Salomo A.
1 Ignaz Bernstein: “Jüdische Sprichwörter und Redensarten”.
2 Stark mit Buchstaben- u. Zahlendeutung arbeitende jüdische Geheimlehre u. Mystik ( vor allem im Mittelalter). aus: Das Beste: „Das große illustrierte Wörterbuch der deutschen Sprache”.
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Birnbaum 3 das Judenitalienisch (Italkisch), Judenfranzösisch (Zarfatisch), Judengriechisch (Jewanisch), Judenprovenzalisch, Judenspanisch, Jiddisch, Judenarabisch und Judenpersisch an. 4 Nach Deutschland kamen die Juden in der frühchristlichen Zeit als Kaufleute, Kolonisten oder Handwerker als sie mit den Römern mitzogen. Ihnen waren sie rechtlich, wirtschaftlich und sprachlich völlig gleichgestellt. Allerdings waren sie des Aramäischen bzw. des Hebräischen nur mehr oder minder mächtig. Sie hatten die beiden Sprachen von ihrer Heimat aus mitgebracht, doch nicht aktiv gesprochen. Sie assimilierten sich eher an ihre neue Umgebung. So sprachen die Juden in Deutschland das Althochdeutsche mit dergleichen Selbstverständlichkeit, wie die Nichtjuden. Man darf nun nicht annehmen, daß sich das Jüdischdeutsche aufgrund eines religiös-kulturellen Eigenlebens innerhalb der deutschen Gemeinden als eigener jüdisch-deutscher Dialekt entwickelt hat. Im Gegenteil, man weiß heute, daß die Juden sich trotz der Glaubensgrundsätze in einer sehr engen Beziehung zur christlichen Kirche befanden. Erst später, im Mittelalter, kam es zu einer enormen Unterdrückung durch die Religionsverfolgungen. Noch bemühten beide Seiten aufeinander zuzugehen und den Standpunkt des anderen so genau wie möglich kennenzulernen. Und vom christlichen Kirchenlatein entspringen einige Ausdrücke, die dann „verdeutscht“ wurden, indem sie von den Juden mit deutschen Prä- und Suffixen versehen wurden und somit in eine deutsche Lautform gebracht wurden. Vor hebräischen Wörtern hatten die Juden allerdings mehr Ehrfurcht. Sie wurden kaum verändert, geschweige denn gar als Alltagsworte zum täglichen Gebrauch verwendet.
Zusammengefaßt läßt sich erkennen, daß dem Deutsch der Juden dieser Zeit einige eingedeutschte Entlehnungen aus dem Lateinischen und auch hebräische Bestandteile beigemischt wurden. Dabei ist zu bemerken, daß die einzige Abweichung des damaligen zum heutigen Jüdischdeutschen darin bestand, daß die Sprache jener Zeit mittels des hebräischen Alphabets verschriftlicht wurde.
Etwa ab dem neunten Jahrhundert änderte sich die Einstellung gegenüber den Juden. Sie galten nunmehr als Fremde. Im wirtschaftlichen Bereich galt ihre Hauptbeschäftigung dem Handel, insbesondere dem Welthandel. So kam es, daß sie ununterbrochen auf der
3 Birnbaum widmete sein Leben speziell der Erforschung der jiddischen Sprache und Literatur. Er war K&K-
Österreicher und unternahm zahlreiche Forschungsreisen.
4 vgl.: Bettina Simon: „Jiddische Sprachgeschichte“.
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ganzen Welt unterwegs waren und sich eine Art Handelssprache entwickelte, die zunächst nur auf diesen Berufsstand beschränkt blieb. Mit der Zunahme dieses Berufes und der Tatsache, daß die Berufstätigkeit den Alltag der Leute ausfüllte, wurde auch das Alltagsdeutsch allmählich durch diese Sprache gefärbt. Man kann sagen, daß das elfte Jahrhundert die Blütezeit des jüdischen Großhandels war. Erst nach den Kreuzzügen stellte sich der Handel langsam ein. Die sprachliche Bewegung hingegen hielt an und wurde durch politische bzw. andere wirtschaftliche Ereignisse vorangetrieben.
Mit der immer stärkeren Isolierung der Juden in Judenvierteln, die aufgrund harter gegen sie gerichteter Bestimmungen entstanden, z.B. durch das Laterankonzil 1215, formten sich Eigenarten in der deutschen Sprache im Ghetto aus. Es kam zur verstärkten Vermischung des Deutschen mit hebräischen Ausdrücken. Die deutsche Sprache im Ghetto begann also auch immer mehr ihr Eigenleben zu führen. Die eigentliche Entstehung des „Judenteutsch“ fällt demnach in das dreizehnte und vierzehnte Jahrhundert. Durch ihr Eigenleben als „Fremde“ unter den Deutschen bildete sich in den Gemeinden eine eigene Gerichtsbarkeit, besonders in zivilrechtlicher Hinsicht. Auch im religiösen Rechtsleben wurde ausschließlich nach jüdischem Recht entschieden. Das gesamte Leben der Juden erhielt also eine stärkere jüdische Note, weshalb man in dieser Zeit auch zu einem intensiveren Studium des biblischen und talmudischen Schrifttum überging. Dabei bildete sich eine ganz eigene Übersetzungstradition heraus, die darin bestand, nicht nur sinngemäß, sondern Wort für Wort zu übersetzen. So niedergeschrieben ergab die Übersetzung natürlich keinen Sinn. Sie war in der Form, wie sie niedergeschrieben dastand, völlig sinnlos. Allerdings als Glossar machte sie das Lesen des hebräischen Textes verständlich. Das blieb nicht ohne Einfluß auf die Sprache. Denn auf diese Art und Weise wurden eine Reihe technischer Ausdrücke des biblisch-talmudischen Schrifttums übernommen. Es bildete sich also neben dem üblichen Deutsch eine jüdische Fachterminologie heraus, die nach und nach in das Alltagsdeutsch einfloß. Man begann immer weitere Ausdrücke durch das Hebräische zu ersetzen, und so änderte sich mit der Zeit auch die Phonetik der Sprache. Somit wurden diese hebräischen Worte mit der Zeit zu einem festen Bestandteil der Sprache und nicht nur mehr eine Art Reserve.
Einen weiteren Einfluß stellte die französische Sprache dar, die mit der Verfolgung der Juden aus Lothringen ins Rheinland gelangte und auf diese Weise die Sprache der deutschen Brüder in den Ghettos dort färbte. Mit den Kulturgütern und Kulturwerten
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Yvonne Fischer, 1998, Jiddisch - Das Jüdischdeutsche, Munich, GRIN Publishing GmbH
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