Gliederung
1. Einleitung 3
2. Die Eiger-Nordwand 4
3. Die Presse im Nationalsozialismus (1933 1939) 9
5. Vergleich 30
7. Ausblick 42
Anhang
Endnoten 44
Literaturverzeichnis 48
Übersicht zu den Zeitungen 50
Auflagen der Zeitungen 55
Anmerkung : Alle Zitate wurden der neuen Rechschreibung entsprechend geändert
1. Einleitung
„Die wahre Geschichte der Eiger-Nordwand ist furchtbarer und großartiger, als Menschen sie je erfinden könnten.“ 1 Die Nordwand ist eine vertikale Arena, sie erhebt sich direkt über grünen Almweiden 1800 Meter in die Höhe. Von der kleinen Scheidegg aus lassen sich die Bergsteiger bequem durch Fernrohre beobachten und wie die Eiger-Nordwand aus ihnen entweder Helden oder Tragödien macht. Kurzum, der Berg bei Grindelwald bietet optimale Voraussetzungen für die Medien. Die erste Durchsteigung vom 21. bis 14. Juli 1938 gehört gewiss zu den großartigen Momenten in der Geschichte der Eiger-Nordwand und wurde ein medienträchtiges Ereignis. So schreibt Anderl Heckmair, einer der Erstbesteiger: „Lange noch waren wir dem Kreuzfeuer der Frager ausgesetzt, und erst jetzt erfuhren wir, welche Sensation wir aufgewirbelt haben. ... Sogar die Rundfunksendungen waren unterbrochen worden, um den neuesten Stand in der Eiger-Nordwand zu melden.“ 2 In dieser Arbeit nun soll die Berichterstattung der Presse über die erste Durchsteigung verglichen werden. Auslöser dafür war Heinrich Harrers Buch „Die Weiße Spinne“ 3 , eine spannende und umfassende Chronik über die Eiger-Nordwand. Harrer, der selbst zu den Erstbesteigern gehört, erwähnt darin immer wieder, wie die Presse mit dem Thema umging. So entstand die Idee seine Eindrücke mit der Realität zu überprüfen. Dazu werden vier Zeitungen, deutsche und ausländische, untersucht. Zunächst soll jedoch die Durchsteigung der Eiger-Nordwand und die vier beteiligten Bergsteiger im Vordergrund stehen. Danach wird die Pressepolitik im Dritten Reich (und später auch das Pressenotrecht der Schweiz in einem Exkurs) behandelt, um anschließend die vier Zeitungen ausführlich vorzustellen. Zu jeder werden Hypothesen betreffend die Berichterstattung über die Eiger-Nordwand formuliert. Es folgt der Vergleich der Zeitungen auf verschiedenen Ebenen, um im Ergebnis die aufgestellten Hypothesen zu überprüfen. Ein Ausblick auf die weitere Geschichte des Eiger als „Medienberg“ soll die Arbeit abrunden.
Anzumerken ist, dass im Rahmen dieser Arbeit nicht auf die Einstellung der vier Erstbesteiger zum Nationalsozialismus und die immer wieder vermutete politische Motivation zur Eiger-Nordwand-Durchsteigung eingegangen wird 4 . Denn dies zu diskutieren, würde den Umfang der Arbeit mit Sicherheit sprengen und wahrscheinlich zu keinem befriedigenden Ergebnis führen.
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2. Die Eiger-Nordwand
Ein „1800 Meter hohe[s] Bollwerk aus Stein und Eis“ 5 ist die Nordwand des Eigers. Ihre tiefster Punkt für den Einstieg liegt 2100 Meter über Null. Der Eiger befindet sich in der Schweiz, nahe Grindelwald, und gehört zum bekannten Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau im Berner Oberland. Der 3790 Meter hohe Eiger-Gipfel wurde 1858 zum ersten Mal von dem Iren Charles Barrington und zwei Bergführern über die Westflanke und den Westgrat erreicht.
2.1. Erstdurchsteigung 1938 6
1932 waren alle Seiten des Eigers bestiegen – fast, denn nur die Wand, als „glatt und absolut unbesteigbar“ beurteilt, fehlte noch. Als erste stiegen Max Sedelmayr und Karl Mehringer 1935 in die Nordwand. „Man kennt nur ihr Gesicht, das sich ständig verändert. Eis, Fels, Schnee ... Lawinen- und Steinschlagzüge. Ein Gesicht ohne Gnade, ohne Freundlichkeit.“ Die beiden kletterten drei Tage lang bis hinauf zum Bügeleisen, dann schlug in der Nacht das Wetter um. Die Lawinen und der Steinschlag bildeten eine furchtbare Falle. Erst Wochen später entdeckte man die Bergsteiger aus einem Flieger heraus, „bis an die Knie im Schnee steckend, stehend erfroren im letzten Biwak, an der Spitze des Bügeleisens, das seitdem das Todesbiwak genannt wird.“ Ein Jahr später gingen Willy Angerer, Anderl Hinterstoisser, Toni Kurz und Edi Rainer in die Eiger-Nordwand, unter der Roten Fluh machte Hinterstoisser einen Quergang zum ersten Eisfeld - und zog das Seil wieder ab. Danach stieg die Seilschaft über zwei Biwaks fast bis zum Bügeleisen auf. Dort mussten sie umkehren, weil einer der Bergsteiger vom Steinschlag verletzt war. Doch im Quergang hing kein Seil mehr, der Rückweg war versperrt. „Einen Seilzugquergang, ... kann man, wenn das Seil einmal abgezogen ist, nicht mehr in umgekehrter Richtung machen.“ 7 Beim Abseilen über eine senkrechte Steilstufe stürzte Hinterstoisser schließlich ab, Angerer wurde dabei vom Seil erhängt und Rainer erfror. Nur Toni Kurz hing noch lebend in einer Seilschlinge in der Wand. Eine Nacht lang, in der ihm ein Arm erfror. Am nächsten Tag konnte er sich mit Hilfe von Bergführern weiter abseilen, bis ein Seilknoten nicht durch den Karabiner passte. Kurz starb nur fünf Meter entfernt vor den Augen seiner Retter an Erschöpfung.
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Bereits 1937 war Anderl Heckmair am Eiger, reiste aber wegen ungünstiger Verhältnisse wieder ab. Nach ihm traf Wiggerl Vörg mit Hias Rebitsch ein und zur gleichen Zeit befanden sich Franzl Primas und Bertl Gollackner in der Wand. Letzterer starb nach vier Tagen auf dem Mittellegigrat, Primas erreichte genauso wie Vörg und Rebitsch, auf der Suche nach den beiden Bergsteigern, die Mittellegihütte. Von da aus bargen Vörg und Rebitsch den toten Gollackner und stiegen einige Tage danach wieder unten in die Eiger-Nordwand. Dabei entdeckten sie diesmal den toten Hinterstoisser und bargen auch ihn. „Aber sie haben auf die Begehung, wahrscheinlich sogar auf den Erfolg, die erste Durchsteigung der Wand zu machen, verzichtet.“ Doch noch einmal wagten die beiden es, in die Wand zu klettern und schafften es über zwei Biwaks bis zum Todesbiwak. Hier fanden sie zwar keinen weiteren Toten, wurden aber vom Wetter zum Rückzug gezwungen. Vörg und Rebitsch hatten gleich zwei Seile im Quergang hängen lassen, den sie Hinterstoisser- Quergang tauften. So war ihr Rückzug erfolgreich und leitete die Wende an der Eiger-Nordwand ein.
„Die absolut unersteigbare, die unmögliche, ‚Die Wand’, die das von Norden und Nordwesten heranstürmende Wetter als erste empfängt und festhält“ hatte acht Menschen das Leben gekostet, bis am 21. Juli 1938 Fritz Kasparek und Heinrich Harrer um zwei Uhr morgens zu klettern begannen. Am Zerschrundenen Pfeiler wurden sie von der Seilschaft Fraißl-Brankowsky eingeholt und weiter oberhalb erreichten sie eine Höhle, in der Heckmair und Vörg biwakierten. Die beiden stiegen wieder ab, weil sich ein Wetterumschlag abzeichnete und „sechs Mann ... hindern sich gegenseitig und erhöhen die objektiven Gefahren derart, dass es in dieser Wand zur Katastrophe kommen müsste.“ 8 Die anderen vier Bergsteiger kletterten weiter durch den Schwierigen Riss bis unter die Rote Fluh, da wurde einer vom Steinschlag getroffen und auch die Seilschaft Fraißl-Brankowsky kehrte um. „Nun sind wir, noch vor Sonnenaufgang, allein in der Wand. Und vor kurzem waren wir noch zu sechst.“ Kasparek und Harrer erreichten den Hinterstoisser-Quergang, in dem noch ein Seil vom Vorjahr hing, „fast senkrecht sind die Felsen, über die man nun nach links queren muss. Unterhalb brechen sie ins Leere ab.“ Nach dieser Stelle hielten die Österreicher Frühstücksrast im Schwalbennest und richteten es für einen möglichen Rückzug her, indem sie Ausrüstung und Proviant zurückließen. Dann stiegen sie weiter auf über das erste Eisfeld; den Übergang zum zweiten Eisfeld bildet ein Eisschlauch, für den Kasparek und Harrer Stunden benötigten. „Das
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Gestein ist dachziegelartig abwärts geschichtet. Und der Fels ist vom Steinschlag glattgescheuert, mit Schnee, Eis Schutt und Sand paniert.“ Schon am frühen Nachmittag rüsteten die beiden zum Biwak auf einem Felskopf und verbrachten eine lange, kalte Nacht mit nassen Kleidern in der Eiger-Nordwand. „Später werden wir feststellen, dass es das schlechteste der Wand war, obwohl wir relativ gute Sitzplätze hatten.“ Am Morgen stiegen die Österreicher quer über das zweite Eisfeld auf und schlugen dabei unzählige Stufen ins Eis, da Harrer statt Steigeisen nur Schuhe mit Klauennägeln trug. Fünf Stunden dauerte es und noch vor dem Mittag wurden sie von Heckmair und Vörg eingeholt, die in der Nacht erneut in die Wand eingestiegen waren. Die beiden übernahmen die Spitze 9 und über einen steilen Grat kletterten die vier hinauf zum Todesbiwak. Nach der dortigen Rast querten sie auch das dritte Eisfeld und erreichten die Rampe, „sie passt zu dieser Wand, wo alles schwerer ist, als es aussieht.“ Um sieben Uhr richteten sich die vier Bergsteiger ein Biwak in der Höhe von 1200 Meter her, „in Wirklichkeit gibt es keine Sitzplätze. Nicht einmal Sitzplätzchen. Selbst gute Stehplätze sind rar.“ So wurden sämtliche Sachen an Haken gehangen und Seilschlingen zum Sitzen geknüpft.
Nach einer Nacht in wieder getrockneter Kleidung und mit warmen Getränken kletterten die Bergsteiger um sieben Uhr morgens weiter, durch einen eisgepanzerten Riss, der mit einer Eiswulst endet. „Mit jedem Meter, den ich dem Eisdach näher kam, wurde es mir um so schleierhafter, wie ich darüber hinwegkommen sollte“ 10 , denn „noch nie hat eine Kletterstelle so abenteuerlich, so gefährlich und ungewöhnlich ausgesehen.“ Auch diese Schwierigkeit bewältigte die Seilschaft und querte anschließend zur Spinne. „Der Quergang ist nicht nur landschaftlich unbeschreiblich schön, sondern auch klettertechnisch so anregend und sicher“, dass sie ihn Götterquergang nannten. Dann lösten sich Heckmair und Vörg, um noch vor dem nahenden Gewitter in die Spinne zu kommen, „den steilen Firn- oder Eisflecken inmitten der fast lotrechten Gipfelwand ‚die Spinne’ genannt, weil von dem Schneefeld weiße Streifen wie Beine und Fangarme nach allen Seiten ziehen.“ Es begann zu stürmen, zu graupeln, zu gewittern und eine Lawine ging über die vier Bergsteiger hinweg, „ich wehre mich nur, weil man sich wehrt, solange man lebt.“ Heckmair hielt sich nur mit dem Eispickel und mit einer Hand Vörg am Kragen fest, darunter sicherte sich Kasparek an einem Eishaken, wobei ihm die Lawine die Hand skalpierte, und Harrer presste sich gegen die Eiswand, den 20 Kilo schweren
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Rucksack über dem Kopf. Die vier Bergsteiger schafften es aus der Spinne und schlugen um 21 Uhr nur noch 300 Meter unter dem Gipfel ein weiteres Biwak auf, laut Harrer das beengteste und schönste. „Das Band ist kaum schuhbreit, so dass wir, eng an den Felsen gepresst, gerade aufrecht stehen können.“ In der Nacht stürmte und schneite es, trotz des schlechten Wetters stieg die Seilschaft am morgen weiter, „wenn es das Schicksal will, dass wir umkommen, dann lieber im Kampf als untätig.“ 11 Es ging durch eine steile Rinne mit eisüberzogen Fels, über die regelmäßig Lawinen hinwegströmten. Fast scheiterte die Seilschaft, als Heckmair durch diese Rinne abrutschte und dabei Vörg mit den Steigeisenzacken die Hand verletzte. „Wir alle sind an einem Seil. Wenn der erste stürzt, wenn der zweite ihn nicht halten kann, muss ich versuchen, den Fall zu hemmen. Und wenn es mich herausreißt, dann kommt die ganze Wucht auf Fritz. Ein Mann kann nicht drei stürzende Körper halten, in diesem Gelände, in dieser Wand.“ So weit kam es nicht und um 12 Uhr stiegen die vier aus der Rinne auf das Gipfeleiseld, zwei Stunden gingen sie durch Schnee und Sturm und „beinahe wären die beiden ersten aus der Nordwand über die Gipfelwächte direkt in die Südwand gefallen!“ Über den Grat erreichten Heckmair, Vörg, Kasparek und Harrer den Eiger-Gipfel schließlich um 15.30 Uhr, nach 61 bzw. 85 Stunden in der Eiger-Nordwand. „Wir hatten uns vorgenommen, Kopfstände zu machen, Purzelbäume zu schlagen“ 12 , doch „wir drücken uns nur stumm die Hände. Dann beginnen wir sofort mit dem Abstieg.“
2.2. Teilnehmer
Ostfront. Nach dem Krieg wurde Heckmair der Bergführer von Ernst-Otto Flick und stellte für in jedes Jahr eine Expedition zusammen. Sie führten in die Anden, nach Afrika zum Ruwenzori und Mexiko zum Popocatépetl. Heckmair war lange Zeit Bergführer-Ausbilder im Deutschen Alpenverein und übte den Beruf bis ins Alter von
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85 Jahren aus. Auf seine Initiative hin wurde 1968 der Berufsverband der Deutschen
Berg- und Skiführer gegründet. Inzwischen lebt Heckmair in Oberstdorf, ist dort Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Harrer in Indien interniert bis ihm 1944 schließlich die Flucht nach Tibet gelang. Er erreichte Lhasa und schloß dort Freundschaft mit dem Dalai Lama, sein Buch „Sieben Jahre in Tibet“ wurde ein Besteller. Erst 1952 kehrte Harrer nach Österreich zurück, es folgten Expeditionen zum Amazonas, nach Alaska, West-Neuginea und viele Länder Asiens. Nebenher wurde Harrer 1958 österreichischer Golfmeister und 1962 zum Professor ernannt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. für seine publizistische Tätigkeit und eröffnete 1982 das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg. Am 6. Juli 2002 feiert Harrer seinen 90. Geburtstag.
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3. Die Presse im Nationalsozialismus (1933 – 1938)
Als „Neuordnung des deutschen Pressewesens“ bezeichneten die Nationalsozialisten neutral die Pressepolitik im Dritten Reich, deren Ziel es war, durch Propaganda die Bevölkerung zu beeinflussen. Hitler selbst schrieb, Aufgabe der Propaganda müsse es sein, dem Volk eine Lehre aufzuzwingen.
Zu diesem Zweck wurde nach der Machtergreifung 1933 besonders die deutsche Presse eingesetzt, denn „wichtigste Voraussetzung der totalitären Propaganda ist das Nachrichtenmonopol, das die Ausschaltung regimefeindlicher Einflüsse in der Propaganda und Publizistik ermöglicht.“ 13 Dazu benötigten die Nationalsozialisten die Presse bzw. die Journalisten „als Befehlsempfänger“ und „willenloses Werkzeug in der Hand der Propagandaführung“ 14 . Die Aufgabe der Presse sollte es sein, zu instruieren und nicht, zu informieren.
Der vorgesehenen Wandlung von einer Nachrichten- zur Meinungspresse fielen nach wenigen Wochen die sozialdemokratischen, kommunistischen und die Gewerkschaftszeitungen zum Opfer. Gegenüber standen sich nun noch die Parteipresse und die bürgerlichen Zeitungen. Letztere radikal zu beseitigen, konnte sich der NS-Staat aber aus mehreren Gründen nicht leisten. Einerseits „gab es nicht genügend parteitreue Journalisten, mit denen man eine NS-Presse im notwendigen Umfang sofort hätte aufbauen können“ 15 , andererseits stellte die deutsche Presse einen beachtlichen wirtschaftlichen Faktor dar. Außerdem hielten es die Nationalsozialisten für wirkungsvoller, die Zeitungen, auf welche die Leser schon eingestellt waren, zu einem Mittel nationalsozialistischer Propaganda umzugestalten. Der Weg dazu soll nun im folgenden Abschnitt kurz und faktenmäßig geschildert werden und in einem weiteren die Pressepolitik gegenüber den ausländischen Zeitungen, welche in Form der Times und der Neuen Zürcher Zeitung für die Untersuchung relevant sind.
3.1. Inland
Die Presselenkung im Dritten Reich hat auf drei Ebenen stattgefunden, der formal gesetzlichen mit den daraus resultierenden Institutionen, der wirtschaftlichen 16 und der inhaltlichen.
Ersten Einfluss auf die Presse hatten gleich im Februar 1933 allgemeine Verordnungen, die ‚Zum Schutz des deutschen Volkes’ (4.2.1933) erlaubte dem
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Reichsinnenminister, Zeitungen wegen unrichtiger Nachrichten zu verbieten. Kurz darauf ließ es die Verordnung ‚Zum Schutz von Volk und Staat’ (28.2.1933) zu, den Artikel zur Pressefreiheit in der Weimarer Verfassung außer Kraft zu setzen. Das Ermächtigungsgesetz vom 24.3.1933 machte schließlich den Weg frei für weitere pressepolitische Maßnahmen.
Bereits am 13. März 1933 war das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) mit Joseph Goebbels an der Spitze gegründet worden: „Nicht Information, nicht Mitteilung von Tatsachen, nicht sachliche Berichterstattung ... sollte dieses Reichsministerium leisten, ... , sondern es sollte Werbung betreiben. Die politischen Ziele ... sollten durch Agitation, durch Stimmungsmache, durch ein Trommelfeuer von Behauptungen die Bürger injizieren“ 17 . Das RMVP als Quelle aller Meinungs- und Willensbildung im Staat übernahm Aufgaben, die bisher anderen Reichsministerien zugeordnet waren. So wurde „die Aufgabe, die öffentliche Meinung des Auslandes zu beeinflussen und die ausländische Propaganda abzuwehren, aus dem Kompetenzbereich des Auswärtigen Amtes herausgelöst und dem neugegründeten Propagandaministerium als Hauptaufgabe zugewiesen.“ 18 Solche Kompetenzüberschneidungen und der Dualismus zwischen Partei- und Staatsorganisation, wodurch Ämter doppelt besetzt waren, gehörten zur Taktik Hitlers, um als Führer letzte Entscheidungsinstanz zu bleiben. Im Bereich der Presse traf dies auf Otto Dietrich als Reichspressechef der Partei und Joseph Goebbels als Minister des RMVP besonders zu.
Zuständig für die Presse war die Abteilung IV des RMVP. Erst 1938 gliederte sie der neue Staatssekretär Dietrich in die Referate Deutsche Presse, Auslandspresse und Zeitschriften, die „den Filter für alle Veröffentlichungen der Reichsministerien und sämtlicher Dienststellen“ 19 bildeten, den alle Informationen vor der Veröffentlichung passieren mussten. In den Referaten wurden die Anweisungen für die Presse erarbeitet, so war die Unterabteilung Deutsche Presse mit der Unterrichtung und Lenkung der deutschen Tageszeitungen betraut. Zu diesem Zweck leitete sie die Reichspressekonferenz, das wichtigste Instrument der Presselenkung 20 .
Eine Pressekonferenz, auf der die Regierung die Journalisten informierte, existierte schon seit 1914 21 . Sie stellte eine „unabhängige Institution zum Meinungs- und Informationsaustausch mit Regierungsvertretern“ 22 unter dem Vorsitz eines von den Teilnehmern gewählten Journalisten dar. Am 1. Juli 1933 kam es zur Neuordnung der Berliner Pressekonferenz unter der nationalsozialistischen Herrschaft, die nicht
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täglich Rede und Antwort stehen, sondern auch bei der Information der Presse die Führung haben wollte. Den Vorsitz übernahm der Leiter der Abteilung IV (später Deutsche Presse) des RMVP, der auch über die Zulassung von Journalisten zur Reichspressekonferenz entschied. Die Reichspressekonferenz galt inländischen Zeitungen und fand täglich um 12 Uhr im RMVP statt. Der Vorsitzende trug knapp die Anweisungen an die Presse mit Erläuterungen vor. Im Anschluss kamen Vertreter anderer Reichsbehörden zu Wort, die ressortspezifische Auskünfte gaben. Das bedeutete, dass der Informationsfluss hauptsächlich von oben nach unten verlief und die Reichspressekonferenz sich als „reiner Befehlsempfang“ 23 charakterisieren ließ. „Wer zur Pressekonferenz zugelassen war ... der musste sich an die neuen Bestimmungen, wie mit den amtlichen Informationen zu verfahren sei, halten“ 24 . Die Pressekonferenz, auf der vor 1933 lediglich Anregungen gegeben wurden, hatte sich zu einem Instrument des totalitären Staates mit nunmehr Befehlen gewandelt. Die Journalisten größerer Zeitungen, die an der Reichspressekonferenz teilnahmen, sandten die Anweisungen per Brief oder Fernschreiber in die Redaktionen. Kleinere Zeitungen, die nicht in Berlin vertreten sein konnten, erhielten die Anweisungen als so genannte Vertrauliche Information, herausgegeben von der Abteilung IV und über die etwa 40 Reichspropagandaämter (vor 1937: Landesstellen) zugeschickt.
Am 22. September 1933 erging das Gesetz zur Einrichtung der Reichskulturkammer, eine Berufsorganisation unter der Präsidentschaft Goebbels’. Die Reichspressekammer unter Max Amann stellte eine Untergliederung der Reichskulturkammer dar, welcher der Reichsverband der deutschen Presse und der Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger zugeordnet waren. Mit dem Schriftleitergesetz (4.10.1933) wurde die Mitgliedschaft der Journalisten bzw. Verleger im jeweiligen Reichsverband und auch der Reichspressekammer zur Pflicht. Denn das Gesetz legte die Bedingungen für eine Zulassung als so genannter Schriftleiter fest 25 , um diese nach nationalsozialistischen Vorstellungen aussortieren zu können. Die Zulassung als Schriftleiter erforderte nun die Eintragung in Berufslisten, die vom Reichsverband der deutschen Presse geführt wurden 26 . „Die Entscheidung über die Zulassung lag beim Leiter des Landesverbandes, der aber bei Intervention durch den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda eine Ablehnung verfügen musste.“ 27
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Christina Quast, 2002, Die Wand der Wände - Ein Vergleich der Presseberichterstattung zur Eiger-Nordwand-Durchsteigung 1938, Munich, GRIN Publishing GmbH
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