I n h a l t Seite(n)
1. E i n l e i t u n g 3
2. Definition: Schullandheime sind keine Landerziehungsheime! 3-4
3. Historie der Schullandheime 4
3.1. Die Gründung der ersten Schullandheime geht auf die 4
eingeleiteten Reformbewegungen Ende des 19. Jahrhunderts zurück. 3.2. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine regelrechte Gründungswelle 5 von Schullandheimen.
3.3. Zur Zeit der Reformbewegungen zwischen 1925 - 1933 förderte 5-6
3.4. Die Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen und politischen 6
3.5. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Schullandheimbewegung in 6-7
4. Richtlinien und Inhalte der Schullandheimpädagogik 7-8
5. Definition: Das Montessori-Haus ist die ruhige und gesunde Umge-9
bung, in der sich die latenten Energien des Kindes auswirken können.
6. Historie der Institutionen unter dem Einfluss der Maria-9 Montessori-Pädagogik.
6.1. Erst nach dem Ersten Weltkrieg konstituierten sich zahlreiche 9-11
6.2. Auch die Montessori-Pädagogik fand zwischen 1933 und 1945 11-12
6.3. Die Entwicklung von Institutionen mit Montessori-Inhalten verlief 12-13
7. Grundzüge der Montessori-Pädagogik 14-15
8. Historischer Vergleich 15-16
9. Pädagogischer Vergleich 16-17
10. Fazit 17-18
11. Quellenangabe 19-20
12. Anhang I-V
1. Einleitung
Inspiriert durch das Kompaktseminar: Vorbereitung für Praktika an Schullandheimen. Trainingswoche im Schullandheim „Stern“ in Jena, und die dabei gehörten Kurzreferate über Reformpädagogik, möchte ich mit der hier vorliegenden Arbeit Schullandheime und Maria-Montessori-Institutionen historisch und pädagogisch präsentieren und vergleichend gegenüberstellen.
Dabei werde ich im ersten Teil der Hausarbeit die beiden Themenkomplexe jeweils isoliert behandeln, dass heißt jeweils eine Definition als Einstieg, einen geschichtlichen Abriss und die wesentlichen pädagogischen Kerninhalte beider Konzepte liefern.
Im zweiten Teil der Arbeit möchte ich den Versuch eines Vergleiches wagen, der explizit sowohl historische als auch pädagogische Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauskristallisieren soll. Der Anhang soll mittels Tabellen und Grafiken eine verdichtete Darstellung der historischen Entwicklung geben, um das Geschriebene nachhaltig zu verdeutlichen und greifbarer zu machen. Ziel der Ausarbeitung ist es, einen möglichst umfassenden Überblick beider Konzeptionen zu geben, um so einen Anstoß für die Sensibilisierung von reformpädagogischen Ansätzen zu ermöglichen. Natürlich hegt diese Hausarbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da dieser die Orientierung von fünfzehn Seiten bei weitem überschreiten würde. (So gibt die Thematik „Schullandheime im Dritten Reich“ schon ausreichend Stoff für ein gesamtes Buch.) Deshalb wird der Leser darum gebeten, gerade den historischen Teil der Hausarbeit als ein unabdingbares, für das Gesamtverständnis notwendiges Konstrukt, welches lediglich die wichtigsten „Eckdaten“ komprimiert darstellen will, anzusehen.
2. Definition: Schullandheime sind keine Landerziehungsheime!
Diese Aussage hat für die Begriffsbildung geradezu eine fundamentale Bedeutung, weshalb sie auch an den Anfang jeder näheren Erklärung gestellt werden muss. Denn entgegen der eventuell, allgemein auftretenden Auffassung, dass Schulland- und Landerziehungsheime Synonym für einander seien, ist dies keineswegs der Fall. So sind Landerziehungsheime anspruchsvolle, überschaubare Internatsschulen, die „ein eigenes Schulsystem [darstellen und] Schüler ganzjährig oder sogar für ihre ganze Schulzeit“ 1 aufnehmen. Schullandheime hingegen sind „pädagogische, die
1 Kruse, Klaus: Zur Geschichte der Schullandheimbewegung und Schullandheimpädagogik. In: Pädagogik im Schullandheim. Handbuch. Hrsg. vom Verband Deutscher Schullandheime e.V.. Dritte unbearbeitete Auflage. Zwickenpflug: Walhalla und Praetoria Verlag 1984. S. 13.
Schule ergänzende Einrichtungen, in denen sich Bildung und Erziehung in besonderer Form vollziehen.“ 2
Für einen begrenzten Zeitraum 3 leben und lernen die Klassen mit ihren Lehrern in einem solchen Heim, in meist ländlicher Umgebung. Dabei ist „[es] nicht nur Lernort im Rahmen unterrichtlicher Zielsetzung [sondern leistet auch] seinen Beitrag zur Erziehung in einer Gruppe.“ 4 Was das heißt, soll im Folgenden der Arbeit noch genauer dargestellt und erläutert werden. Des Weiteren ist zu sagen, dass sich Schullandheime entweder in kommunaler oder freier Trägerschaft befinden, in Größe und Ausrichtung variieren und sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigen.
3. Historie der Schullandheime
3.1. Die Gründung der ersten Schullandheime geht auf die eingeleiteten Reformbewegungen Ende des 19. Jahrhunderts zurück.
Einer der Hauptfaktoren für die Entstehung von schullandheimähnlichen Einrichtungen ist die aus den sozialen, ökonomischen und kulturellen Veränderungen der Gesellschaft hervorgegangene Jugendbewegung des letzten Jahrhunderts. So wurde die Kritik am Frontalunterricht und dem „reinen Lernbetrieb der Schule“ 5 immer lauter und auch neue pädagogische und didaktische Vorstellungen, die „nur auf dem Hintergrund der wechselseitigen Beziehung zwischen Gesellschaft und Schule zu verstehen sind“ 6 wie z.B. die Freiluftpädagogik oder die Heimatbewegung, waren extrem förderlich für die Ausbildung neuer, unkonventioneller Methoden und Institutionen. Unter anderem die Annahme, dass eine „harmonische Ausbildung des […] Menschen nicht [in] der Großstadtschule möglich sei“ 7 , untermauerte diese Überlegungen zusätzlich. Allerdings ist zu sagen, dass dieser Entstehungsgeschichte keine uniformierte Konzeption zugrunde lag, was auf die Vielzahl der aufstrebenden Strömungen zurückzuführen ist. Hauptbereiche der Arbeit waren aber dennoch relativ einheitlich „Erziehung“ und „Unterricht“.
2
Verband deutscher Schullandheime e.V. (Hrsg.) Zahlen, Fakten und Informationen. 2004. (
3 Als definitionsrepräsentativ haben sich Zeiträume von 4-5 Tagen erwiesen.
4 Neckel: Pädagogik in Schullandheimen. Handbuch. Hrsg. vom Verband Deutscher Schullandheime e.V.. Dritte unbearbeitete Auflage. Zwickenpflug: Walhalla und Pretoria Verlag 1984. S. 5.
5 Kruse, Klaus: Zur Geschichte der Schullandheimbewegung und Schullandheimpädagogik. In: Pädagogik in Schullandheimen. Handbuch. Hrsg. vom Verband Deutscher Schullandheime e.V.. Dritte unbearbeitete Auflage. Zwickenpflug: Walhalla und Pretoria Verlag 1984. S. 28.
6 Ebd.
7 Ebd.
3.2. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine regelrechte Gründungswelle von Schullandheimen.
Grund hierfür waren die Folgen des verheerenden Krieges. So waren nahezu alle Kinder gesundheitlich mangelnd versorgt und litten unter chronischer Unterernährung. Als Gegenmaßnahme dieser tendenziellen Entwicklung begann man damit, Ferienaufenthalte auf dem Land zu installieren, damit sich die Kinder dort erholen konnten. Aus der daraus resultierenden Erfahrung, dass diese Tage der Erholung sehr förderlich für die Kinder und die eigentlichen Schulferien als Regenerierungsphase zu kurz waren, erweiterte man die zwei schon genannten Bereiche um den der „Gesundheitsfürsorge“, denn Schullandheime waren in der Lage die Versorgung der Kinder wenigstens über den festgelegten Aufenthaltszeitraum zu sichern und so entstanden innerhalb weniger Jahre, unter tatkräftiger Mithilfe unzähliger Eltern, viele neue Einrichtungen. Allerdings, und hier setzt sich fort, was in den Jahren vor dem Krieg schon abzuzeichnen war, gab es aufgrund unterschiedlichster Vorraussetzungen (z.B. der geographischen Lage, der baulichen Bedingungen oder den Intentionen der Mitwirkenden) auch ebenso viele differenzierte Formen und Akzente. 8
3.3. Zur Zeit der Reformbewegungen zwischen 1925 - 1933 förderte die Gründung des „Reichsbund der deutschen Schullandheime e.V.“ sowohl die Konstituierung neuer Heime, als auch die partielle Integration dieser Pädagogik in das öffentliche Schulwesen.
Am 6./7. Oktober 1925 erfolgte mit der oben genannten Bildung des Bundes, dem eine Tagung der Landerziehungsheime und Freien Schulen im Mai des selben Jahres vorausging, der erste „überregionale Zusammenschluss“ 9 vieler Schullandheime und somit eine „Intensivierung der Zusammenarbeit und die Verbreitung der gemeinsamen pädagogischen Grundlagen“ 10 innerhalb der Bundesmitglieder. Unter diesem Dachverband, der bis 1936 bestand, bedeutete der Name „Schullandheim“ ein pädagogisches Programm:
Die ‚städtische Schule verlegt ihre Klassen, […], vorübergehend aufs Land, um ihnen ein Heim zu geben, […], worin die Kinder nicht nur unterrichtet, sondern zu ganzen Menschen erzogen werden‘. 11
8 So gab es unter anderem Landheime, Schulheime, Unterrichtsheime, Freiluftschulen u.v.a., die alle unter der Rubrik „Schullandheime“ verzeichnet waren, jedoch z.T. große Unterschiede aufwiesen. (Vgl. Kruse S. 35).
9 Kruse, Klaus: Zur Geschichte der Schullandheimbewegung und Schullandheimpädagogik. S. 40.
10 Ebd.
11 Ebd.
Aufgrund dessen die Folgen des Ersten Weltkrieges mehr und mehr überwunden worden waren, konnten sich auch die Schwerpunkte des Schullandheimbetriebs wieder etwas abseits der „Gesundheitsfürsorge“ zugunsten der zwei anderen Hauptbereiche verschieben, was unter Einbezug des Grundprinzips der Gemeinschaftserziehung und auf der Grundlage ethisch-moralischer Wertvorstellungen dazu führte, dass der Schullandheimaufenthalt „als integrierter Bestandteil des öffentlichen Schulwesens galt“. 12
3.4. „Die Veränderungen der gesellschaftlichen Strukturen und politischen Machtverhältnisse nach 1933 blieben auch [in der] Schullandheimpädagogik […] nicht ohne Resonanz.“ 13
Obwohl die Machtübernahme der Nationalsozialisten nahezu alle reformpädagogischen Strömungen vereitelte, galten Schullandheime im Zuge der Gleichschaltung als durchaus dienlich, sie bei der Eingliederung in das Erziehungsprogramm des Regimes zweckzuentfremden. 14 Dabei waren sich Anhänger der Schullandheimbewegung sicher, bei der zumindest formalen Übernahme politischer und weltanschaulicher Vorstellungen des NS-Systems, dennoch ihre Arbeit weitestgehend ungestört fortführen zu können. Dass dies nicht gänzlich der Fall war, zeigt sich in den Spannungen zwischen der HJ 15 , dem NSLB 16 und dem schon genannten Reichsbund, was letztlich in der Auflösung des „Reichsbundes“ gipfelte. Dessen Pädagogen schlossen sich dem NSLB an und gemeinsam versuchten diese, sich dem Totalitätsanspruch der Obrigkeit zu widersetzen, so dass die Arbeit in den Schullandheimen bis Kriegsbeginn 1939 relativ ideologiefrei fortgeführt werden konnte. 17 Während des Krieges wurden die Schullandheime zum Großteil als Lazarette, Umquartierungsheime oder gar Internierungslager zweckentfremdet und somit ihr eigentlicher Sinn auf eine perverse und subversive Art und Weise ad absurdum geführt.
12 Ebd. S. 50.
13 Ebd. S. 55.
14 Reichsminister Rust, 1933: „Die Landheimerziehung ist von Anfang an auf den echten Kern der Erziehung gerichtet gewesen. Was das Schullandheim erstrebt hat, war auch lebendig in unserem Kampf.“ (Vgl. Kruse S. 55).
15 HJ: Hitlerjugend.
16 NSLB: Nationalsozialistischer Lehrerbund.
17 Dies war möglich, da prinzipiell sowohl von den Schullandheimen, als auch dem NS-Regime die Ziele „Gemeinschaftserziehung“, „Charakterausbildung“, „Gesundheitsförderung“, u.v.a. formuliert wurden.
Arbeit zitieren:
Marc Partetzke, 2004, Schullandheime und die Pädagogik Maria Montessoris als Bestandteile der Reformpädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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