Universität Regensburg Philosophische Fakultät
35 743 Novels of the Romantic Period
WS 1997/ 98
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3. Semester
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I. Einführung
Mary Shelley’s Frankenstein zählt zur Gattung der Schauerromane. Die Autorin selbst berichtet, das Originalkonzept stamme von einer Art Alptraum, den sie hatte, als sie sich zusammen mit Percy Bysshe Shelley, ihrem Mann, während eines regnerischen Sommers im Kreise Lord Byrons aufhielt. Die Haupthandlung der JKRVW VWRU\ ist eingebettet in die Geschichte des Polarforschers Robert Walton, der in Form von Briefen an seine Schwester Margaret über seine Erlebnisse bei seiner Expedition erzählt und von seinem Zusammentreffen mit Victor Frankenstein. Dieser vertraut ihm seine Lebensgeschichte an. Mary Shelley läßt den Protagonisten, Victor Frankenstein, die Haupthandlung des Romans selbst erzählen. Diese soll nun in groben Zügen dargestellt werden:
Frankenstein, ein Student der Naturphilosophie an der Universität in Genf, versucht das Geheimnis des Lebens herauszufinden und entdeckt ein Elixier, das Tote reanimieren kann. Es gelingt ihm, ein menschenähnliches Wesen zu schaffen, das er anhand von Knochen aus Gebeinshäusern zusammenstellt und zum Leben erweckt. Doch sein Frevel sollte sich auf schreckliche Art und Weise an ihm und den Menschen rächen. Das Geschöpf, das von seiner Umgebung wegen seiner furchterregenden äußeren Erscheinung nur Abscheu und Ablehnung erfährt, entwickelt sich allmählich zu einem mordenden Monster, weil seine Sehnsucht nach Liebe und Gesellschaft unerfüllt blieb. Aus Mitleid und Angst entscheidet sich Frankenstein, seiner Kreatur ein weibliches Pendant zu schaffen, verwirft seinen Plan allerdings, um eine Vermehrung der Monster zu unterbinden. So macht sich das Monster daran, Frankenstein schrittweise ins Verderben zu stürzen. Es tötet Frankensteins Bruder, seinen besten Freund und seine Frau. Aus blankem Haß verfolgt Frankenstein das Monster durch verschiedene Länder, um es umzubringen. Im späteren Verlauf der Geschichte gelangt Frankenstein in die Arktis an Bord von Waltons Schiff. Es kommt zum Kampf zwischen ihm und dem Monster, den Frankenstein schließlich verliert. Das Monster erklärt Frankenstein zu seinem letzten Opfer und entschwindet um sein eigenes Leben zu beenden.
II. Aufbau
1.Scene - summary - description
Der Roman beginnt mit den Briefen Robert Waltons an seine Schwester Margaret. Am Anfang des ersten Briefes EHVFKUHLEW Walton seine Gefühle bei seiner Reise und die
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Landschaft, die er auf der Fahrt zu Gesicht bekommt: ”There, Margaret, the sun is for ever visible, its broad disk just skirting the horizon...” (Shelley M., S.13). In einem kurzen VXPPDU\ läßt er die sechs Jahre, die zurückliegen, seit er diese Unternehmung beschlossen hat, revuepassieren. So erfährt der Leser in knappen Worten ein wenig über Waltons Leben. Anschließend folgt eine weitere GHVFULSWLYH SDVVDJH, in der Walton seinen Gemütszustand zum Ausdruck bringt und seine Vorhaben, Absichten und Ziele beschreibt. Auch in den folgenden Briefen findet sich ein fast nahtloser Übergang beim Wechsel von GHVFULSWLRQ und VXPPDU\, was dem Leser zum einen erleichtert, sich ein Bild von der kargen und rauhen, aber doch beeindruckenden Schönheit der Landschaft zu machen und zum anderen einen ersten Eindruck von der Figur des Robert Walton und dessen Leben im Überblick zu erhalten. Im vierten Brief allerdings schließt sich dem VXPPDU\ in dem Walton auf Victor Frankenstein trifft, eine längere Passage an, die mit wenigen Unterbrechungen in der Form einer QDUUDWLYH VFHQH verfaßt ist (ebd., S.28u). Diese QDUUDWLYH VFHQH birgt den Dialog zwischen Walton und Frankenstein und stellt den wichtigsten Teil des Briefes dar, in dem sich bereits eine gewisse Grundspannung aufbaut. Der Leser wird dabei auf die Haupthandlung vorbereitet und erhält das Gefühl, an der Handlung teilzunehmen.
Der Hauptteil, also die eigentliche Lebensgeschichte Victor Frankensteins, ist anfänglich im großen und ganzen als UHWURVSHFWLYH VXPPDU\ verfaßt, das in knapper Form eine Menge an Informationen birgt. Man muß dazu sagen, daß Frankenstein seine Erlebnisse zurückblickend erzählt und dabei seine Kindheit und Jugend natürlich in gröberen Zügen abhandelt, als die Begebenheiten, die schließlich sein weiteres Leben beeinflussen sollten. Denn sie trugen auch zur gegenwärtigen Situation, in der er sich im Moment des Rückblickes befindet, bei. Selbstverständlich wäre es weniger spannend, würde die ganze Geschichte so verfaßt sein.
Um den Leser nun miteinzubeziehen und in ihren Bann zu ziehen, verfaßte die Autorin die wesentlichen Begebenheiten, man kann im Groben sagen, etwa ab dem dritten Kapitel des ersten Bandes, als Victor die Universität Ingolstadt besucht, weitgehend in Form von Szenen, wie z.B. das Gespräch mit dem Universitätsprofessor: ”I replied in the affirmative: ‘Every minute,’ continued M. Krempe with warmth, ‘every instant that you have wasted in those books is utterly and entirely lost” (ebd., S.45). Ab diesem Kapitel werden die Handlungen Frankensteins detaillierter berichtet, und der Leser hat an dessen Gefühlen und Gedanken Anteil. An den ganz besonders intensiven und bewegendem Momenten, wie bei der Animation des Monsters (”I saw the dull
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yellow eye of the creature open;”.... ”Unable to endure the aspect of the being I had created, I rushed out of the room, ... wildest dreams” (ebd., S.56) ) kann man deutlich erkennen, daß es sich hier um Szenen handelt. Der Geschehensablauf wird besonders dann von GHVFULSWLYH SDVVDJHV unterbrochen, wenn der Protagonist seine Familienangehörigen und andere Mitmenschen charakterisiert: I am by birth a Genevese, and my family is one of the most distinguished of that republic. My ancestors had been for many years counsellors and syndics; and my father had filled several public situations with honour and reputation. He was respected by all who knew him, for his integrity and indefatigable attention to public business.
(ebd., S.31o) ”Justine also was a girl of merit, and possessed qualities which promised to render her life happy;” ”The appearance of Justine was calm. She was dressed in mourning; and her countenance, always engaging, was rendered, by the solemnity of her feelings, exquisitely beautiful ... guiltlessness.” (ebd., S.79) Auch die vielen Naturbeschreibungen sind sogenannte GHVFULSWLYHSDVVDJHV: ”The waters were placid: all around was calm; and the snowy mountains, ‘the palaces of nature’, were not changed.” (ebd., S.72) ”The thunder ceased, but the rain still continued, and the scene was enveloped in an impenetrable darkness.” (ebd., S.74) This part of the Rhine, indeed, rugged hills, ruined castles overlooking tremendous precipices, with the dark Rhine rushing beneath; and, on the sudden turn of a promontory, flourishing vineyards with green slopping banks and a meandering river and populous towns occupy the scene. (ebd., S.150)
2. Plot
Am vorliegenden Roman läßt sich deutlich erkennen, daß es sich, vom innerlich- formalen gesehen, um einen 3ORW handelt, genauer gesagt um einen SXQLWLYH SORW. Die einzelnen Elemente, wie Handlung, Figuren und ihre Gedanken, Hintergrund und Beweggründe, verschmelzen zu einem einheitlichen Ganzen. Sie hängen durch Kausalbeziehungen voneinander ab, motivieren somit den Fortgang der Geschichte und bewirken schließlich einen völligen Wandel bei der Hauptfigur, und daß der Leser stark emotional mit in die Geschichte verwickelt wird.
Der Protagonist, Victor Frankenstein, erscheint uns zwar anfangs als relativ sympathische Figur, wenn man von seinen Wertvorstellungen ausgeht, bzw. von seiner Einstellung zu seiner Familie:
”Harmony was the soul of our companionship, and the diversity and contrast that subsisted in our characters drew us nearer together” (ebd., S.36)
Arbeit zitieren:
Yvonne Fischer, 1998, Zu: Mary Shelley's Frankenstein, München, GRIN Verlag GmbH
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