Gliederung
1. Um wen geht es in Schelskys Jugendstudie? 3
2. Schelskys Grundhypothese: Jugend ist Übergang 4
3. Das Verhalten der Jugendlichen wird durch drei verschiedene
Faktorengruppen bestimmt 5
4. Die epochale Sozialstruktur - in den ersten 50 Jahren
des 20. Jahrhunderts auch ein Übergang. Oder: Das
Grundproblem an der Türe zur Moderne 6
5. Das Grundbedürfnis der Jugend ist Verhaltenssicherheit.
Drei zeitgeschichtliche Lösungsversuche des Sicherheitsproblems
S. 8
6. Zur Kritik an Schelskys Jugendstudie 16
7. Literatur 18
Erkl ärung
Hiermit erkläre ich, dass ich die vorliegende Hausarbeit mit dem Thema „Die
zentralen Grundannahmen der Jugendstudie „Die skeptische Generation“ von
Helmut Schelsky“ ohne fremde Hilfe erstellt habe. Alle verwendeten Quellen
wurden angegeben. Ich versichere, dass ich bisher keine Hausarbeit oder
Pr üfungsarbeit mit gleichen o.ä. Thema an der Fernuniversität oder einer
anderen Hochschule eingereicht habe.
Bamberg , 11.03.2002
Heike Kellner-Rauch
2
In meinem Referat zur ILSO-Präsenzveranstaltung gab ich einen einführenden Überblick zu den Grundannahmen der Jugendstudie „Die skeptische Generation“ geben. Grundlage dafür waren die ersten Kapitel in Schelskys „Skeptischer Generation“ (1957). Diese Hausarbeit ist die Ausarbeitung dieses Referates, in der ich insbesondere auf die Kritik an Sche lskys Studie durch Wolfgang Fischer eingehe.
1. Um wen geht es in Schelskys Jugendstudie?
Schelsky verwertete die empirischen Jugendstudien seiner Zeit, die er im Vorwort der „Skeptischen Generation“ benennt (S. 6f.). Ihn leitete die Frage nach einem Gesamtbild der deutschen Jugend, soweit sie dem Soziologen zugänglich sei und überhaupt als Einheit vorhanden. Er verfolgt einen dezidiert jugendsoziologischen und keinen pädagogischen Ansatz. Dies scheint mir einer der Gründe für das spätere Kreuzfeuer der Kritik zu sein, in das Schelsky mit dieser Studie geriet. Schelsky kritisiert die Vormachtstellung der Oberschüler als
darstellungsleitendes Modell von Jugend in vielen Jugendstudien und stellt in seiner Studie eine „Analyse der berufstätigen Jugend zwischen 14 und 25 Jahren“ dagegen, „und zwar nicht nur aus dem Grunde, daß die repräsentativen sozialwissenschaftlichen Erhebungen die Masse des Durchschnitts der Generation stärker zur Geltung bringen, sondern weil (... ihm) der junge Arbeiter und Angestellte, und nicht der Oberschüler und Hochschüler, die strukturleitende und verhaltensprägende Figur dieser Jugendgeneration darzustellen scheint.“ (Schelsky 1958, S. 8)
Gegenstand der Studie sind diejenigen, die zwischen 1945 und 1955 in Deutschland jung gewesen sind, ungefähr also die Geburtsjahrgänge 1920 und 1940. Schelsky folgt damit zunächst einer qualitativ-jahrganghaften Abgrenzung des Jugendalters: Zur Jugend zählen junge Menschen zwischen 15 und ca. 25 Jahren. Dieser jahrganghaften Abgrenzung liegt jedoch e ine deutliche soziologische Definition zu Grunde: Jugend, das sind die jungen Menschen die die Schulpflicht erfüllt haben und somit NICHT MEHR KIND sind, die aber auch NOCH NICHT ERWACHSEN sind, im Sinne, dass sie
3
noch nicht die vollgültigen und vollverantwortlichen Träger der Gesellschaft sind (vgl. Schelsky 1958, S. 16).
2. Schelskys Grundhypothese: Jugend ist Übergang
Zwischen den beiden NICHT stehen die jungen Menschen. Deren soziale Rolle, also die von der Gesellschaft als normal und selbstverständlich angesehenen Verhaltensweisen, wird von diesen beiden Polen her definiert: von der sozialen Rolle des Kindes, der sie entwachsen sind und von der Rolle der Erwachsenen her, in deren Verhaltenssystem sie hinein wachsen. Damit ist die Jugend eine Übergangsphase zwischen zwei sozialen Rollen. Eine eigenständige Jugendphase gibt es dieser Definition folgend also nicht in einem sozialen Sinn. Zweifellos ist die Jugendphase im anthropologischen Sinn eine eigenständige Lebensphase, ausgestattet mit der Aufgabe der körperlichen und seelischen Reifung. Im soziologischen Sinn ist jedoch das wesentliche Kennzeichen dieser Lebensphase ihre Unselbständigkeit, eben die Definition ihrer Aufgabe als „Übergang“ Die Sozialstruktur der Moderne erwartet von „der Jugend“ also nicht dass ihre körperlich-seelische Entwicklung einem Selbstzweck folgt, der in einem eigenständigen Jugendreich ausgelebt werden kann, vielmehr erwartet die moderne Gesellschaft von der Jugend, dass sie erwachsen wird. Schelsky nimmt wohl das Verlangen einiger Älterer nach einem gemeinschaftlich gelebten Jungsein in einem eigenständigen Jugendreich, das als Schutz- und Schonraum verstanden wird (z.B. Schelsky 1958, S. 96ff.) und andere eigenständige Jugendverhaltensweisen wahr, wehrt dieses Ansinnen aber deutlich ab und qualifiziert es als „zeitlich nachhinkendes soziales Bewußtsein“ (Schelsky 1958, S. 19), das sich in einer Art geschichtlichem Restbestand außerhalb des von Schelsky geprägten soziologischen Begriffs der Jugend befindet.
Ich halte es für wicht ig diese spezifische Definition Schelskys wahrzunehmen: die Jugend über die er spricht ist exakt beschrieben: Es ist ein neuer Typus Jugendlicher, der in der Moderne - und in Deutschland unter nicht zu übersehenden gesellschaftlichen Einbrüchen - entstanden ist. Dennoch existieren „die anderen“ ebenfalls. Diese verkörpern jedoch nicht das Typische der gegenwärtigen Gesellschaft. Diese „Anderen“ sind sowohl Überbleibsel der Vergangenheit, meiner Auffassung nach aber immer auch Teile der folgenden Generation. Diese „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ zu
4
akzeptieren, fällt schwer, beinhaltet sie doch das Paradoxon über DIE Jugend zu sprechen, die es so an sich nicht gibt. Der real existierende Jugendliche ist anders als der von Schelsky extrahierte Jugendtyp der westdeutschen Nachkriegszeit. Dennoch sind solche Extraktionen wichtig, um über eine bestimmte Jugendgeneration sprechen zu können - für sie zu planen und mit ihnen zu rechnen.
3. Das Verhalten der Jugendlichen wird durch drei verschiedene
Faktorengruppen bestimmt
Schelsky folgt einem jugendsoziologischen Ansatz. Er fragt nicht nach der Bedeutung der Jugend für die Gesellschaft oder nach pädagogischen Konsequenzen der Situation von Jugendlichen. Schelsky nimmt die Verhaltensformen der Jugendlichen in den Blick und forscht nach den determinierenden Faktoren des Jugendverhaltens. Er fragt danach, wie sich diese Jugend angesichts der unterschiedlichen Anforderungen von Reifung und Erwachsenwerden verhält und was darin ihr Verhalten bestimmt. Er unterscheidet zur Beantwortung dieser Frage drei Faktorengruppen. Zum einen die relativ zeitlosen Faktoren der sozialen Grundgebilde bzw. Grundstrukturen. Damit meint Schelsky im Bezug auf Jugend den Umstand, dass sich zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften junge Menschen im Verlauf ihrer körperlichen und seelischen Reifung aus dem Schutzraum der Familie heraus begeben haben um sich individuell in die Erwachsenenwelt einzupassen. Jugendliche aller Zeiten und aller Orten geben die Geborgenheit und Versorgtheit auf um selbständig zu werden. Die ebenso zeitlose Aufgabe der Älteren ist dabei die Jugend in die Erwachsenenwelt einzuführen. Eine andere Faktorengruppe ist jedoch die der „epochalen Sozialstrukturen“, die die konkrete Ausgestaltung dieser Grundaufgabe bestimmen. Schelsky begreift die Gesellschafts- und Produktionsverfassung einer Gesellschaft als eine relativ stabile, sich aber doch verändernde Sozialstruktur, die das gesamte Leben des Menschen prägt, jeden Menschen vor zu bewältigende Aufgaben stellt und damit auch relevant für die Betrachtung der Lebensphase Jugend und so für die Frage nach dem jugendlichen Verhalten wird. Die Epoche wird zum Rahmen für das Verhalten der Menschen und zugleich zur Leinwand für alle zeitgeschichtlichen Ereignisse.
5
Arbeit zitieren:
Heike Kellner-Rauch, 2002, Die zentralen Grundannahmen der Jugendstudie 'Die skeptische Generation' von Helmut Schelsky, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Skeptische Generation - Helmut Schelskys Theorie der Jugend
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 21 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Heike Kellner-Rauch's Text Die zentralen Grundannahmen der Jugendstudie 'Die skeptische Generation' von Helmut Schelsky ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Heike Kellner-Rauch hat den Text Die zentralen Grundannahmen der Jugendstudie 'Die skeptische Generation' von Helmut Schelsky veröffentlicht
Heike Kellner-Rauch hat einen neuen Text hochgeladen
Adam Smith - theologische Grundannahmen
Eine textkritische Studie
Claudius Luterbacher-Maineri
La Bendicion de la Cuarta Generacion: Como Vivir y Disfrutar Plenamen...
Jeremias Torres, Esteban Fernandez
Skeptische Hermeneutik als Herausforderung zweitsprachlicher Lehre in ...
Untersuchung zur besonderen Si...
Cinzia Ghirardo
0 Kommentare