2
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Das Konzept der sozialphilosophischen
Anerkennungstheorie Axel Honneths 4
3. Formen und Dimensionen der Anerkennung 5
3.1 Anerkennungsformen 5
3.1.1 Emotionale Zuwendung 6
3.1.2 Rechtliche Achtung 6
3.1.3 Soziale Wertschätzung 7
3.2 Anerkennungsdimensionen 8
4. Formen und psychische Folgen sozialer Missachtung 8
5. Pädagogische Handlungsmaximen 11
6. Literaturverzeichnis 13
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1. Einführung
Die Erforschung der Identität, insbesondere der Komponenten die zu ihrer
erfolgreichen Entwicklung beitragen, stellt seit jeher eine zentrale und nur interdisziplinär zu bearbeitende Aufgabe humanistisch orientierter
Wissenschaften dar.
Im Geflecht unterschiedlichster Einflüsse, deren Wirkmechanismen von der Neurologie über die Psychologie bis zur Soziologie unter jeweils anderen
Fragestellungen untersucht werden, beschäftigt sich auch die Pädagogik mit der Rolle sozialer Faktoren bei der Konstruktion einer stabilen und
ausgeglichenen Identität. Wie können diese problemadäquat analysiert und in pädagogisch fruchtbare Handlungsmaximen übersetzt werden ? Solch eine Analyse wird umso schwieriger, je komplexer sich zum einen
das Interaktionsfeld entwickelt und je dynamischer sich zum anderen die externen Umstände verändern. So stellen die großen sozialen Trends unserer
Zeit die Pädagogik vor neue Herausforderungen 1 . Es geht im Kern um die Frage, welche Kompetenzen Heranwachsende brauchen und wie diese erworben werden um sich in einer zunehmend globalisierten,
individualisierten und schnelllebigeren Risikogesellschaft 2 als authentisches, innerlich gefestigtes Individuum zu behaupten 3 . Sozialpädagogische Identitätsarbeit muss in diesem Kontext als Schaffung von Lebenskohärenz interpretiert werden, die umso schwieriger zu erreichen ist, je fluider die Gesellschaft wird, je stärker traditionelle Grenzen in Fluss
geraten, je mehr ehemals statische Konstanten zu dynamischen Variablen werden.
Was gelten beispielsweise noch traditionelle Geschlechterrollen oder kulturelle Wertvorstellungen, was gilt noch die Grenze zwischen öffentlich und privat, zwischen Kultur und Natur, wenn Grenzüberschreitungen mehr
und mehr zur gesellschaftlichen Norm werden ? 4
1 Vgl. Lechner, S.1
2 Vgl. Beck, Ulrich; Risikogesellschaft, Auf dem Weg in eine andere Moderne, München 1986;
zitiert aus: Lechner, S.1
3 Vgl. Keupp 2003, S.12
4 Vgl. Keupp 2003, S.5
4
Um dieser veränderten Wirklichkeit Herr zu werden, sie für sich sogar positiv zu nutzen, indem sich das Individuum kreativ aus vorgegebenen
Schnittmustern der Lebensgestaltung löst, braucht es aber neben den unabdingbaren sozialen und materiellen Ressourcen, sowie
zivilgesellschaftlichen und interkulturellen Kompetenzen vor allem auch
Erfahrungen der Zugehörigkeit und der sozialen Anerkennung 5 . Gerade letzterer kommt in diesem interdependenten Geflecht eine
herausragende Rolle zu. Erweist sich diese als mangelhaft, fehlen dem Heranwachsenden bestätigende soziale Bezüge, klare normative
Orientierungen und Respekt vor sich selbst und anderen, sucht es seine
persönliche Identität nicht selten in Sucht und Gewalterfahrungen 6 . Eine gesunde Identitätskonstruktion wird nahezu unmöglich. So konstatiert
Taylor, dass „Nichtanerkennung oder Verkennung Leiden verursachen [kann], eine Form von Unterdrückung ist, die den anderen in ein falsches,
deformiertes Dasein einschließt. 7 “
Um den Zusammenhang zwischen sozialer Anerkennung und
Identitätsentwicklung weiter zu erleuchten, werden nach einer kurzen Konzeptionalisierung der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie Axel
Honneths, sowohl die Formen und Dimensionen der Anerkennung als auch die möglichen Folgen ihres Mangels dargestellt. Anschließend wird der Fokus auf die Konsequenzen für die Pädagogik gerichtet. Welche
Handlungsmaximen gelten, wie werden diese in der schulischen Realität umgesetzt ? Brauchen wir vielleicht eine neue Kultur der Anerkennung ?
2. Das Konzept der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie Axel Honneths
Schon Goethe fragte sich, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Auf der Suche nach Faktoren, die die soziale Welt zusammenhalten, die Gesellschaft als kohärente Gemeinschaft nach innen und außen erst möglich
5 Vgl. Keupp 2002, S.99
6 Vgl. Lechner, S.1
7 zitiert aus: Keupp 2003, S.18
Quote paper:
Edineia Kleemann, 2004, Zur Bedeutung sozialer Anerkennung im Prozess der Identitätskonstruktion, Munich, GRIN Publishing GmbH
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