Inhalt
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1 Einleitung 2
2 Rational Choice 3
3 Anwendung 6
3.1 Fertilität 6
3.1.1 Theorien zur Bevölkerungsentwicklung 7
3.1.2 Instrumente der Politik 10
3.2 Partnerschaft/Heirat 13
3.2.1 Instrumente der Politik 17
3.3 Scheidung 18
3.3.1 Instrumente der Politik 21
4 Konklusion 24
5 Literatur 25
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1. Einleitung
Die Familie der Gegenwart hat sich verglichen mit der Familie der Nachkriegszeit stark ausdifferenziert. Klassische Indikatoren dafür sind die abnehmende Heiratsneigung, das spätere Heiratsalter, der Rückgang von Geburtenziffern, sowie die zunehmende Anzahl an Scheidungen und Erwerbsbeteiligung der Frauen (Hill, 2002: 50). Die Pluralisierung von Lebensformen hat Funktion und Bedeutung von Familie verändert.
Das Familienmodell der Nachkriegszeit war stark auf die Versorgerehe mit dem männlichen Ernährer und der Frau, die für Haushalt und Kindererziehung zuständig war, ausgerichtet. Gesellschaftliche und ökonomische Zwänge veränderten dieses Familienbild hin zu einer gleichberechtigteren Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, was sowohl die Erwerbsarbeit als auch die Kindererziehung angeht.
Auf diesen Wandel der Familie hat sich Familienpolitik einstellen müssen. Die Arbeit zeigt, dass dies nur teilweise gelingt. Besonders das Thema Heirat und Ehegattensplitting unterstützen noch immer das alte Modell der Versorgerehe, welches mit der Lebenswirklichkeit nur noch wenig gemein hat. Hauptsächliches Thema der Arbeit ist die Anwendung der Rational Choice- Theorie auf die familiären Bereiche Fertilität, Partnerschaft und Scheidung. Damit werden historische und gesellschaftliche Entwicklungen bestimmter familiärer Veränderungen aufgezeigt. Aus der Darstellung und der jeweils anschließenden Überprüfung, inwieweit Familienpolitik die Akteure in ihrem Handeln zu beeinflussen versucht, ergibt sich die Hauptthese dieser Arbeit: der Gesetzgeber sollte versuchen, den Individuen Anreize entsprechend der Rational Choice- Theorie zu offerieren, um seine familienpolitischen Präferenzen durchzusetzen. Optimalerweise schafft Familienpolitik Anreize entsprechend den Bedürfnissen der Individuen.
Im Fall der derzeitigen Familienpolitik ist dies am Beispiel Fertilität gut zu sehen. Die Akteure schätzen die Kosten für Kinder derzeit als zu hoch ein und entscheiden sich gegen die Elternschaft. Die Familienpolitik muss hier, wenn sie bevölkerungsstabilisierend wirken will, Anreize setzen, die die Individuen von ihrer Entscheidung abrücken lässt. In Deutschland, wie auch in den meisten EU-Staaten findet die Politik aber bisher nicht die richtigen Mittel.
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Was diese Arbeit nicht leistet und auch auf Grund der begrenzten Seitenanzahl nicht leisten kann, ist eine vollständige Darstellung der Theorien zu einem familiären Bereich samt ihrer geschichtlichen Entwicklung. Diese Darstellungen geschehen nur in Ausrissen.
2. Rational Choice-Theorie
Rational Choice-Theorie ist die Theorie von der individuellen Nutzenmaximierung nach individuellen Präferenzen. Die Theorie geht von subjektiv rational 1 handelnden Akteuren aus, da sie annimmt, dass Akteure immer die Alternative wählen, die ihnen maximalen Nutzen einbringt. Die Akteure schließen bei einer Entscheidungsfindung immer von ihren subjektiven Erfahrungen und jeweiligen Interpretationen der Handlung auf die jeweilige Situation. Im Falle von familiären Entscheidungsfindungen sind demzufolge nur die durch die eigene Biographie gewonnenen Überzeugungen, Einstellungen, Meinungen zu Themen wie Heirat oder Kinder relevant (Hill/Kopp, 2002: 126).
Grundannahme der Rational Choice-Theorie ist der „methodologische Individualismus“, demzufolge alle sozialen Phänomene ein Resultat von Entscheidungen, Einstellungen und Handlungen von Individuen, die wiederum in soziale Strukturen eingelagert sind, sind. Soziale Phänomene sind demzufolge immer zugleich Rahmenbedingungen wie auch Ergebnis von individueller Handlungswahl. Das Handeln, ausgelöst durch Präferenzen, ist zielgerichtet. Der Nutzen wird unter bestimmten Nebenbedingungen maximiert; dies kann z.B. die Einkommensrestriktion (income constraint) sein, wonach die Ausgaben für bestimmte Güter entsprechend der Präferenzen nur höchstens den Einnahmen entsprechen können (Kunz, 2004: 36). Grundlegendes Prinzip der Rational Choice-Theorie ist demnach, dass Akteure nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung handeln, indem sie ihre Bedürfnisse, Ziele und Wünsche unter Berücksichtigung von Handlungsbeschränkungen optimal zu verwirklichen suchen. Sind die Akteure sich der Ergebnisse ihres Handelns nicht so sicher, so rechnen sie mit dem „subjektiv erwarteten Nutzen“, wobei bestimmte Nutzenwerte verschiedener Alternativen gewichtet werden.
Ausgangspunkt der Rational Choice-Theorie (nachfolgend: RC-Theorie) ist der Akteur, der handelt, um sein Bedürfnis zu befriedigen und seine Lebenssituation zu verbessern. Abgeleitet von der Bedürfnispyramide v on Maslow haben sich innerhalb der RC-Theorie dabei zwei Grundbedürfnisse herauskristallisiert. Vorrangig ist den Akteuren die Erlangung von
1 Wobei „rational handeln“ das Handeln entsprechend der eigenen Präferenzen meint.
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physischem Wohlbefinden und sozialer Wertschätzung 2 (Hill, 2002: 45), wobei die Art der Erlangung der Grundbedürfnisse in verschiedenen Gesellschaften auch variieren kann. Familie, Partnerschaft und Ehe mitsamt den Bedürfnissen nach Liebe, Zuneigung, Sexualität sowie finanzieller Sicherheit dient der Erlangung von Wohlergehen und Wertschätzung und können auf Grundbedür fnisse zurückgeführt werden (Hill/Kopp, 2002: 125). Diese Güter sind nicht unendlich verfügbar und werden teilweise von anderen Akteuren kontrolliert. Knappheit an Gütern entsteht, weil eine große Anzahl von Menschen um die gleichen Güter konkurriert und somit eine Differenz zwischen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Befriedigung entsteht.
Hintergrund der RC-Theorie bildet das RREEMM-Modell. Der Akteur wird als ein intellektuelles, phantasievolles, kreatives Wesen (resourceful, restricted, ecpecting, evaluating, maximizing man) gesehen, dessen Handeln gewissen Beschränkungen unterliegt. Zu diesen Beschränkungen gehören zum Beispiel materielle und zeitliche, aber auch gesellschaftliche Normen und Traditionen, sowie das Verhalten von Mitakteuren, zum Be ispiel Familienmitgliedern (Hill/Kopp, 2002: 126). Bezogen auf die rein individuellen Präferenzen bei der Entscheidungsfindung zum Thema Familie bedeutet dies, dass, gesellschaftliche Normen in die Präferenzen „einfließen“. Viele familiäre Normen haben sic h gewandelt. Rechtsnormen wie das Scheidungsrecht und die gesellschaftlichen Normen zu Themen wie Scheidung oder Lebensgemeinschaft haben sich gewandelt (Hill/Kopp, 2002: 132). Und damit haben auch die Kosten von zum Beispiel Scheidungen oder Kinderlosigkeit abgenommen, da die Reaktionen aus der Umgebung nicht mehr so ablehnend diesen Lebensmodellen oder -entscheidungen wie noch vor 30 Jahren gegenüberstehen (Hartwig, 1993: 57f).
Akteure handeln, indem sie, abhängig von ihren vorhandenen Präferenzen und aktuellen Bedürfnissen, aus einem Set von Handlungsalternativen die Handlungsalternative auswählen, die ihnen den höchsten Netto-Nutzen (entspricht der Differenz aus den subjektiv angenommenen Kosten 3 und dem erwarteten Nutzen) verspricht (Hill/Kopp, 2002: 126f). Der maximale Nutzen muss nicht immer positiv sein. Am Beispiel des Themas Scheidung hat der Akteur die Wahl zwischen dem Übel Verbleib in der schlechten Ehe und dem Übel Scheidung. Beide Handlungen sind mit hohen Kosten verbunden, zum Beispiel in d em
2 In vielen ökonomischen Theorien wird alles Bedürfnisbefriedigende Gut genannt, weshalb dieser Begriff im
nachhinein verwendet wird.
3 Wobei dieser Begriff nicht nur in seinem monetären Sinn, sondern eher noch als Disnutzen interpretiert wird.
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Verlust der Kinder oder in materiellen Einbußen. Jede Handlungsalternative ist immer mit einem Nutzen und jede Handlungsentscheidung ist immer mit Kosten verbunden. Auch wenn der Akteur mit seinem Handeln den höchstmöglichen Nutzen aus seinem Handeln zu ziehen versucht, gibt es keine Handlung ohne Kosten beziehungsweise negativen Nutzen, da jede Entscheidung für auch immer eine Entscheidung gegen eine andere Handlungsalternative ist (Hill, 2002: 47). Der Nutzen aus der nächstbesten, entgangenen Handlung sind die Opportunitätskosten einer Handlung.
Eine Annahme innerhalb der RC-Theorie ist, dass der Mehrnutzen (Grenznutzen) des Gutes mit jedem zusätzlichen Konsum sinkt; den höchsten Gesamtnutzen an einem Gut hat der Akteur, wenn die Grenzkosten und der Grenznutzen gleich sind.
Die handelnden Akteure haben drei Wege, an Güter zu kommen. Zum einen über den Kauf und zum anderen über den Tausch mit anderen Akteuren (bzw. über eine Schenkung) und zum dritten über die Subsistenzwirtschaft. Nicht frei verfügbare familiäre Güter wie Zuneigung, Liebe und Anerkennung müssen in Interaktion mit anderen Akteuren erworben werden. 4 Bestimmte Restriktionen führen zu sozialen Tauschprozessen, die Grundlage der Strukturen und Institutionen der Gesellschaft sind. Die eleme ntarste und für alle Handelnden gültige Einschränkung bietet das Gut Zeit, da dieses immer knapp ist. 5
Nach dem amerikanischen Ökonomen Herbert Simon zeichnet sich die RC-Theorie durch vier Kernelemente aus. Zum einen durch eine kardinale Nutzenfunktion, eine endliche Menge von alternativen Strategien, eine mit jeder Strategie verbundene Wahrscheinlichkeitsverteilung für zukünftige Szenarien sowie einer Politik der Nutzenmaximierung (Hill, 2002: 47).
4 Eva Illouz betont in ihrem Buch „Der Konsum der Romantik“ den zunehmenden Einfluss von Geld im Kontext
des Konsums dieser Güter
5 Dies ist allerdings relativ zu sehen, da z.B. der Wert der Zeit bei Arbeitslosen, welche vormals einer
Erwerbsarbeit nachgingen, abnimmt.
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Typischerweise durchläuft der Akteur drei Schritte, bis er eine Entscheidung über die Wahl seiner Handlung getroffen hat (Hill, 2002: 48). Die Wahl einer Handlung erfolgt über die Kognition einer Situation, die Evaluation der Handlungsalternativen und endet in der Selektion der Handlungsalternative.
Innerhalb der Rational Choice-Theorie lassen sich aber auch verschiedene Differenzierungen finden. Das Mode-Modell von Fazio besagt, dass, vorausgesetzt der Akteur hat genug Zeit für die Informationssuche und die Überprüfung der Alternativen, je höher die Motivation ist, je bedeutender also die Handlung und die Fehler sind, desto eher wird der Akteur überlegt handeln (Hill, 2002: 53). Die Entscheidung über Kinder ist vermutlich eine folgenreichere als über die Anschaffung eines neuen Haushaltgerätes. Eine andere Möglichkeit der Differenzierung liefert die Unterscheidung zwischen Low Cost- und High Cost-Situationen. Unter High Cost-Situationen werden subjektiv wichtige Entscheidungen, zum Beispiel familiäre Entscheidungen wie Kinder oder Heirat betreffend, verstanden. Die Risikoabwägung ist eine andere als bei einer Low Cost-Situation, die für den Akteur mit geringeren Kosten verbunden ist. Beispiel für eine Low Cost-Entscheidung ist die Wahl eines Duschgels. Je mehr die Akteure Fehler vermeiden wollen, desto vernünftiger, also rationaler agieren sie. Rational-Choice taugt hauptsächlich bei High Cost-Situationen als Erklärungsmuster (Hill, 2002: 53).
Es kann in Folge von Enttäuschungen zu einem Wechsel im Handeln von Akteuren kommen. Aus schemabasierter (weil Routinehandlung) wird bei Entscheidungen rational kalkulierende Handlung. Ursachen dieses Wechsels sind: Sättigung und Schemawechsel durch Emotionen (Hill/Kopp, 2002: 142f). Wenn Akteure so viel Liebe erhalten haben, dass sie gesättigt sind, beginnen sie sich für andere Handlungen zu interessieren. Wenn Paare sich verlieben, dann besteht eine hohe Bereitschaft viel Zeit mit dem Partner zu verbringen. Dieses Interesse ist nach einer Weile gesättigt und die Partner wenden sich wieder vermehrt anderen Bedürfnissen zu.
3. Anwendung
3.1 Fertilität
Die Entscheidung für oder gegen Elternschaft erfolgt nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung. Nach der Rational Choice-Theorie entscheiden sich Eltern dann für ein Kind, wenn der
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Arbeit zitieren:
Carola Felber, 2004, Rational Choice und Familienpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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