Inhaltsverzeichnis:
1. Die Minnekonzeption Gottfrieds von Straßburg 2
2. Der Minnetrank 4
5
2.1 Die Stellung des Trankes in Gottfrieds Tristan
2.2 Positionen zu Bedeutung und
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Symbolgehalt des Minnetranks
3. Der Beginn der Liebe bei Tristan und Isolde 7
4. Positionen zum Beginn der Liebe im Kontext von
sechs Szenen 12
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4.1 Tristans Isoldenpreis
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4.2 Das "ander leben" und der "niuborne man"
4.3 Tristans Bereitschaft, die Werbungsfahrt
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zu übernehmen
4.4 Die 'Badszene' und Isoldes Unfähigkeit
15
Blutrache an Tristan zu nehmen
4.5 Die Wiedererkennungsszene am Schlammloch 17
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4.6 Die 'Kajütenszene'
5. Der Minnetrank als Symbol 19
6. Bibliographie 21
1
1. Die Minnekonzeption Gottfrieds von Straßburg
Gottfrieds von Straßburg Tristandichtung unterscheidet sich von allen anderen höfischen Dichtungen durch die überragende Bedeutung der Liebe. Die Minne als Hauptelement hebt sich von allen anderen Themen der zeitgenössischen Literatur ab. Gottfried stellt die Liebe Tristans und Isoldes als ein Beispiel für 'rechte Minne' in den Vordergrund seines Werkes.
Doch was versteht der Autor unter 'rechter Minne'? "Sie ist - so deutet der Prolog an - nicht mehr nur ein rationalen Erklärungsversuchen sich entziehendes Phänomen, sondern gibt ihrerseits dem Leben der Menschen, von denen sie Besitz ergreift, einen anderen, tieferen Sinn. Erst durch sie gelangt der Mensch zu seiner eigentlichen Bestimmung, zu 1 sich selbst." Im Sinne des “Tristan“ ist die vollkommenste Stufe menschlichen Daseins also nur durch die Liebe zu erlangen. Gottfried von Straßburgs Minnekonzeption, erfordert aber auch die Anerkennung des Leids als festen Bestandteil der Minne. Der Weg zur Erfüllung menschlichen Daseins "führt über die Liebe, genauer: eine das 2 Leid in der Liebe bejahende Lebenshaltung." Lât alle rede belîben. welle wir liebe trîben, ezn mac sô niht belîben, 3 wirn müezen leide ouch trîben.
Um zu zeigen, dass die Liebe viele Gegensätze in sich birgt, bedient sich 4 Gottfried der Opposition von liebe und leide. Das Leid liegt in der Liebe,
es ist nicht der sozialen Umwelt zuzuschreiben, sondern der Grundbeschaffenheit der Seele. swem nie von liebe leit geschach, dem geschach ouch liep von liebe nie. liep unde leit diu wâren ie 5 an minnen ungescheiden.
1 Mikasch-Köthner, Dagmar: Zur Konzeption der Tristanminne bei Eilhart von Oberg und Gottfried von Straßburg. Stuttgart 1991. (Helfant Studien. 7), S. 34.
2 ebd., S. 35.
3 Gottfried von Straßburg: Tristan. Band 1 und 2. Hrsg. von Rüdiger Krohn. Stuttgart 1996, v. 12503 ff. [Zitate aus Gottfrieds Werk werden im Folgenden verkürzt als Tristan, v. x-y. zitiert.]
4 Vgl. Rocher, Daniel: Gegensätze und/oder Verbindungen?. In: Der »Tristan« Go ttfrieds von Straßburg. Hrsg. von Huber, Christoph und Victor Millet. Tübingen 2002, S. 94 ff.
5 Tristan, v. 204 ff.
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Nur wenn man diese widersprüchliche Natur der Minne bejaht, kann echte Liebe stattfinden, denn Liebe erfüllt sich nur durch die "Erfahrung ihrer >widersprüchlichen< Natur und das Verständnis davon, daß der 6 Widerspruch eine Totalität meint, die bejaht werden soll." Den richtigen Umgang mit Liebe fasst Gottfried in die biblische Parabel vom Säen und Ernten: Wir nehmen der dinge unrehte war. wir saejen bilsensâmen dar und wellen danne, daz uns der liljen unde rôsen ber. entriuwen des mac niht gewesen. wir müezen daz her wider lesen, daz dâ vor gewerket wirt, 7 und nehmen, daz uns der sâme birt.
Liebe muss gepflegt werden und nur wer aufrichtig Liebe empfindet, wird 'rechte Minne' erfahren können. Falschheit und Betrug bringen uns nur Schande, Leid und Skrupel [...] ein, die uns als Wunden im Herzen schwären und uns von innen heraus töten. Treue und die beständige Gesinnung der Freundschaft [...] aber tragen die R osen 8 neben dem Dorn.
Im Prolog zum "Tristan" stellt Gottfried die Liebenden Isolde und Tristan als ideale Repräsentanten seiner Minnekonzeption heraus, welche er an ihrer Geschichte exemplarisch deutlich zu machen beabsichtigt. Wann allerdings Gottfried die Liebe zwischen beiden beginnen lässt und welche Stellung hierbei der Trank einnimmt, ist von zahlreichen Forschern kontrovers beurteilt worden. Die Art der Minne im "Tristan" ist aber vor allem abhängig von der Bedeutung des Trankes und der Minneentstehung, die damit zum zentralen Problem des Werkes avancieren.
In meiner Arbeit möchte ich daher noch einmal einen Überblick über die verschiedenen Ansätze zur Minneentstehung geben, um dann durch eine detaillierte Betrachtung ausgewählter Szenen einer möglichen Lösung des Problems näherzukommen.
6 S. 95. 7 Tristan, v. 12227 ff.
8 Huber, Christoph: Gottfried von Straßburg: Tristan. Berlin 2000, S. 79.
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2. Der Minnetrank
In Gottfrieds "Tristan" begegnet uns im Zusammenhang mit der Minne ein magischer Trank, dessen Bedeutung und Symbolwert in der Geschichte der Tristanforschung kontrovers beurteilt wurde. Die Auffassung, dass der Mensch jederzeit "übernatürlichen" Kräften ausgesetzt ist, ist bezeichnend 9 für das Mittelalter. So begegnen uns in der mittelalterliche Literatur "einige Gestalten und Mächte, die von außen her den Menschen zur Liebe 10 (zu verschiedenen Formen der Liebe) drängen oder sogar zwingen," als
bevorzugte Faktoren, für die Minneentstehung. Die höfische Liebesdichtung unterscheidet vier übernatürliche Liebesursachenreligiöse, mythologische, astrologische und magische. Wobei letztere Kategorie der
causae amoris
nur in der Tristansage eine Rolle spielt. Zu magischen Liebesursachen gehören laut Schnell "Mittel und Gegenstände, mit denen der Mensch versucht in
weitaus unbedeutendere causa amoris in der Tristansage ist die mythologische Liebesursache der Augen als Einfallstor der Liebe. Das zentrale Motiv des Tristanromans ist der von der irischen Königin gebraute Minnetrank, der König Marke und seiner zukünftigen Braut Isolde gereicht werden soll, nachdem sie die Hochzeitsnacht vollzogen haben um zwischen den beiden eine innige Liebe zu sichern. Durch einen Irrtum trinken Isolde und Tristan, der die Braut nach England zu König Marke, ihrem zukünftigen Mann bringen soll, bei der Überfahrt davon. Der Minnetrank ist mit einer solchen Kraft ausgestattet, dass jeder, der davon trinkt augenblicklich lieben muss: Mit alsô cleinen sinnen ûf geleit und vor bedâht, mit solher crefte vollebrâht: mit sweme sîn ieman getranc, den muose er âne sînen danc vor allen dingen meinen und er dâ wider in einen.
9 vgl. Schnell, Rüdiger: Causa Amoris. Liebeskonzeption und Liebesdarstellung in der mittelalterlichen Literatur. Bern 1985, S. 345.
10 ebd., S. 345. 11 ebd., S. 348.
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in was ein tôt unde ein leben, 12 ein triure, ein vröude samet gegeben.
In der Forschung herrschen jedoch kontroverse Meinungen zur Bedeutung und Stellung des Tranks innerhalb des Werkes. Welche Rolle dem Minnetrank für den Verlauf des Geschehens beigemessen wird, ist auch entscheidend für weitere Fragen nach dem Symbolgehalt und damit auch nach dem Beginn der Liebe. In jedem Falle nimmt der Trank eine zentrale Stellung ein und setzt eine, wie auch immer geartete, innere Wandlung der Protagonisten in Gang. Der Minnetrank ist Schaltstelle des Romans.
2.1 Die Stellung des Tranks in Gottfrieds Tristan
Im Gegensatz zu den Versionen Eilharts und Bérouls, bei denen die Wirkung des Minnetrankes vier bzw. drei Jahre anhält verzichtet Gottfried auf eine zeitliche Beschränkung und wertet laut Krohn, damit die inhaltliche Bedeutung des Zaubermittels nicht nur quantitativ, sondern 13 auch qualitativ auf.
Über die vordergründige, mechanisch-zwanghafte Wirkung des Zaubermittels hinaus wird die schicksalhaft, außerhalb jeder menschlichen Verantwortlichkeit liegende Urgewalt dieser Liebe betont, die die folgenden Vorgänge überhaupt erst ermöglicht und begründet, durch die aber zugleich die beiden Liebenden über den Vorwurf einer persönlichen 14 Schuldverstrickung erhaben gemacht werden. Weber hingegen glaubt, Gottfried habe das Motiv des Tranks dadurch zurückgedrängt, dass er ihn, im Gegensatz zur Version Eilharts von Oberg, mit dem Betrug in der Brautnacht zum letzten Mal erwähnt. Schindele hebt hervor, dass Gottfried den Trank "entstofflicht und 15 verbegrifflicht" habe, indem er mehr betont, was er bedeutet, als das, was er ist: nein, ezn was niht mit wîne, doch ez ime gelîch waere. ez was diu wernde swaere, diu endelôse herzenôt, 16 von der si beide lâgen tôt.
12 Tristan, v. 11440 ff.
13 vgl. Gottfried von Straßburg: Tristan. Band 3. Kommentar. Hrsg. von Rüdiger Krohn. 6. Auflage. Stuttgart 2002, S. 168 - 171.
14 ebd., S. 171.
15 Schindele, Gerhard: Tristan. Metamorphose und Tradition. Stuttgart 1971, S. 62.
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Arbeit zitieren:
Carolin Damm, 2003, Der Minnetrank in Gottfrieds Tristan. Positionen zur Genese der Minne, München, GRIN Verlag GmbH
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