II
Inhalt
Einleitung 1
1
Literatur und Medien 1
2
2.1 Text und Literatur im Medium Computer Internet 3
Begriffsklärungen 4
3
3.1 Hypertext 4
3.2 Multimedia Hypermedia 5
3.3 Hyperfiction 6
3.4 Digitale Literatur vs Netzliteratur 9
Das Verhältnis von Literatur zu Digitaler Literatur 10
4
Betrachtung zweier Wettbewerbsbeiträge 12
5
5.1 btong 12
5.2 blackbox 14
Fazit 16
6
Literaturverzeichnis 17
7
1
Einleitung
0
STRORRER fragt: „Was ist ?hyper? am Hypertext?“ 1 In ihrem Aufsatz stellt sie
die wesentlichen Eigenschaften von Hypertexten dar und grenzt diese von anderen Texten ab. Der vorliegenden Arbeit liegen die Fragen: „ Was ist Literatur an Netzliteratur?“ und „Was ist Netz an Netzliteratur?“ zu Grunde. Es werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Netzliteratur / digitale Literatur und herkömmlicher Literatur herausgearbeitet. Ebenso wird Netzliteratur von Netzkunst und Literatur im Netz abgegrenzt. Ein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit liegt auf verschiedenen Begriffsbestimmungen, da viele Begriffe, die im Zusammenhang mit Literatur und Internet auftreten auf Grund der Neuheit der Thematik nicht immer einheitlich verwendet werden. Schließlich sollen zwei Beiträge eines Wettbewerbs vorgestellt und anhand der vorausgegangenen Ergebnisse untersucht werden.
Literatur und Medien
0
Um digitale Literatur mit herkömmlicher Literatur vergleichen zu können, bedarf es zunächst einer Definition von Literatur. An dieser Stelle soll die Definition von LINK aufgegriffen werden:
„Als literarische Rede kann im strikten nur die Menge aller
Texte definiert werden, die die in einer gegebenen Kultur und
für einen gegebenen sozialen Träger institutionalisiert gültigen
Vorstellungen von ?Literatur? deutlich konnotieren.“ 2 Was also als Literatur bezeichnet wird, unterliegt einem ständigen Wandel und wird je nach sozialem Träger unterschiedlich verstanden. LINK 3 führt weiter das Kriterium der literarischen Verfremdung an, durch das literarische Texte gekennzeichnet sind. Dem hinzufügen kann man als typische, im weiteren Sinne auf Verfremdung beruhende literarische Verfahren Mehrdeutigkeit, Selbstreferenz, Rekurrenz und Vorherrschen von Symbolik. Die Bindung an ein Medium wird in dieser Definition nicht erwähnt. Allerdings bezeichnet LINK 4 die literarische Rede als ein sekundäres semiologisches System, womit Bilder oder Bilderfolgen nicht zur Literatur zu zählen sind.
1 Storrer, Angelika: Was ist ?hyper? am Hypertext? In: Sprache und neue Medien. Jahrbuch des Instituts
für deutsche Sprache 1999. Hrsg.: Kallmeyer, Werner. Berlin, New York 2000. S. 222-249.
2 Link, Jürgen: Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe, eine programmierte Einführung auf
strukturalistischer Basis. 6., unveränderte Auflage. Fink. München 1997. S. 102.
3 Vgl. Ebd.
4 Vgl. Ebd.
2
In den Fokus der Literaturwissenschaft sind jedoch immer weitere Elemente, wie die Trivialliteratur, der Film und das Fernsehen, Comics, digitale Literatur, Netzliteratur etc. getreten. - Die beiden letzteren Begriffe müssen im Folgenden noch näher beleuchtet werden. - Literatur kann ni cht losgelöst von einem Medium betrachtet werden, da sie eines benötigt, um sich darzustellen. Dieses muss nicht zwangsläufig das Buch sein; jedoch werden diese Erscheinungen eher als literarisch bezeichnet, die weiterhin zentrale Kriterien der Buchliteratur erfüllen. Auffallend ist, dass es sich bei der Kombination von Literatur und Medien nicht immer um ein einzelnes Medium handelt, sondern Vermischungen auftreten. So kann es zu einer literarischen Vorlage ein Hörbuch und eine Verfilmung geben; es gibt Foren im Internet und Fernsehen zum Thema Literatur etc. Eine Vermischung ist auch in der Weise möglich, dass verschiedene Medien in einem Text auf unterschiedliche Weise thematisiert werden. Beispiele hierfür sind: „Am Parktor“ von Klaus Modick oder „Soloalbum“ und „Blackbox“ von Benjamin von Stuckrad-Barre.
Die unterschiedlichen Medien stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Man kann hier von Intermedialität sprechen und die Literatur steht in diesem Spannungsfeld der Intermedialität. Sie wird von den Medien beeinflusst und wirkt ihrerseits auf die Medien. Es findet eine parallele Entwicklung, Koevolution, statt. 5
(Abb. 1: Literatur im Spannungsfeld der Intermedialität)
5 Vgl. Wermke, Jutta: Literatur- und Medienunterricht. In: Grundzüge der Literaturdidaktik. Hrsg.: Bogdal,
Klaus-Michael / Korte, Hermann. dtv. München 2002. S. 95f.
3
Eine Vermischung der Medienlandschaft, die auch Auswirkungen auf die Literatur hat, ist unbestreitbar. Mittlerweile hat die Literatur ebenso Einzug in den Bereich Computer / Internet gehalten. Dieser Bereich ist für diese Arbeit von entscheidender Bedeutung; deshalb soll im Folgenden untersucht werden, wie sich Literatur zum Medium Computer / Internet verhält.
0.0 Text und Literatur im Medium Computer / Internet
Literatur als geschriebener Text ist schon deshalb stark mit dem Computer verbunden als dass dieser die Schreibmaschine als ?Textverarbeitungsmittel? abgelöst hat. Dabei bietet der Computer zusätzliche Möglichkeiten. Eine schnellere und einfachere Be- und Verarbeitung, Aktualisierung, Speicherung, Weiterleitung, sowie zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, wie Veränderung des Layouts, das Einbinden von Bildern und Grafiken etc. Problematisch ist hier die Frage nach dem Endprodukt. Existiert noch ein Endprodukt? Der Text, der schwarz auf weiß auf dem Papier festgehalten ist, ist ebenfalls in digitaler Form im Computer abgelegt. Auf diesen kann jederzeit zugegriffen werden und es bleibt die Möglichkeit der Veränderung, genauso kann er problemlos jeder Zeit gelöscht werden. Vom Computer zum Internet ist es nur ein kleiner Schritt. Das Internet bietet eine neue Möglichkeit der Distribution. Gemeint ist hier nicht nur der Vertrieb von Print-Produkten über das Internet, sondern vielmehr die Möglichkeit, Texte ins Internet zu stellen und einer großen Masse zugänglich zu machen. Mit der notwendigen Software ist dies im Grunde jedem möglich. Deshalb verwundert es nicht, dass die Produkte, die im Internet zu finden sind, sehr zahlreich aber auch sehr unterschiedlich sind und so häufig kein Anspruch auf Qualität erhoben werden kann. Durch das Veröffentlichen auf einer eigenen Homepage umgehen die Produzenten die Qualitätskontrolle eines Lektors. 6 Jeder kann zum ?Verleger? werden. Dies ist ein großer Unterschied zum gedruckten Buch; ebenso die Tatsache, dass die Texte im Internet nicht beständig sind. Sie können „jederzeit wieder geändert, verschoben oder aus dem Netz genommen werden.“ 7 So vielfältig die Texte im Internet sind, genauso vielfältig sind auch die Begriffe, die die Phänomene, die im Zusammenhang von Literatur und 6 Vgl. Simanowski, Roberto: Digitale Literatur. Anmerkungen zu Spielarten elektronischer Belletristik.
Online-Publikation: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=949 (Stand: 15.02.2004).
7 Simanowski, Roberto: Digitale Literatur? Der Essay zum Wettbewerb. In: Literatur.digital. Formen und
Wege einer neuen Literatur. Hrsg.: Simanowski, Roberto. München 2002. S. 12.
4
Internet (Computer) auftreten, beschreiben bzw. diese von anderen Phänomenen abgrenzen wollen. Hyperfiction, Hypertext, Hypermedia, Multimedia, Netzliteratur, Literatur im Netz, digitale Literatur, netart fordern Begriffsklärungen und -erlä uterungen, die im nächsten Kapitel folgen sollen.
Begriffsklärungen
0
0.0 Hypertext
Spricht man über das Internet, spricht man häufig auch von Hypertext. „Was ist ?hyper? am Hypertext?“ 8 fragt Storrer und zeigt, dass nicht jeder Text im Internet gleich Hypertext ist. Die vorherrschende Codierung im Internet ist der Text. Die Produkte weisen jedoch gegenüber dem Medium Buch eine starke Vermischung von medialen Objekten auf (Text, bewegte / unbewegte Bilder, Ton / Sprache). STORRER weist neben „Mehrfachkodierthei t und Synästhetisierung“ „nicht-lineare Organisationsform“ und „computer- verwalteter Text“ als definitorische Merkmale von Hypertexten aus. 9 Computerverwaltet bedeutet dabei, dass sich der Hypertext „nicht ohne Wertverlust auf Papier ausdrucken lässt,“ da verschiedene Textelemente durch Links miteinander verknüpft sind. 10 „Es handelt sich streng genommen nicht mehr um einen Text, sondern um ein Netz oder Gewebe von Einzeltexten, die aber erst in digitaler Form, also auf Diskette, CD-Rom oder auf einer Website im Internet, dem Leser eine größtmögliche Freiheit versprechen.“ 11 Die nicht-lineare Organisationsform ermöglicht einen individuellen Rezeptionspfad. STORRER unterscheidet zwischen medialer Linearität bzw. Nicht-Linearität und konzeptioneller Linearität bzw. Nicht-Linearität; für letztere wählt sie den Begriff Sequenziertheit. Entscheidend hierbei ist, dass bei linearen Medien die Daten in einem fest vorgegebenen zeitlichen Nacheinander angeordnet sind, welches nur schwer unterlaufen werden kann (z.B. Tonkassette, Filmband etc.). Das Buch als ein nicht nicht-lineares Medium, in welchem die Daten zwar räumlich nacheinander angeordnet sind, lässt aber dennoch eine partielle Rezeption bzw. ein Querlesen zu. Man muss also gegenüber der Sequenziertheit unterscheiden, die die vom Textproduzenten getroffene Entscheidung über die Strukturierungsform
8 Storrer, Angelika [1999]. S. 222-249.
9 Vgl. Ebd. S. 227.
10 Vgl. Ebd. S. 229.
11 Vogt, Jochen: Einladung zur Literaturwissenschaft. Online-Publikation: http://www.uni- essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/ (Stand: 25.03.2004)
Quote paper:
Stefanie Mißling, 2002, Was ist Literatur an Netzliteratur?, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Ältere Migranten aus der Türkei im deutschen Gesundheitssystem
Presentation (Elaboration), 31 Pages
Balzacs Realismuskonzeption im Kontext von Père Goriot
German Studies - Comparative Literature
Scholary Paper (Seminar), 22 Pages
The message behind the fourth book: Eine Interpretation des vierten Bu...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Internationale Rechnungslegung, International Accounting Standards: En...
Business economics - Accounting and Taxes
Scholary Paper (Seminar), 56 Pages
Arten und Darstellungsmittel sexueller Interaktion am Beispiel eines W...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Lyrische Kunst und dichterische Selbstinszenierung des Meißners in der...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 25 Pages
Stefanie Mißling's text Was ist Literatur an Netzliteratur? is now available as a printed book
Stefanie Mißling has published the text Was ist Literatur an Netzliteratur?
Stefanie Mißling has uploaded a new text
Zeichen des Krieges in Literatur, Film und den Medien 1
Nordamerika und Europa
Christer Petersen
Metaisierung in Literatur und anderen Medien
Theoretische Grundlagen - Hist...
Janine Hauthal, Julijana Nadj, Ansgar Nünning, Henning Peters
Las mujeres en la antigüedad y la Edad Media
María Jesús Fuente Pérez, Purificación Fuente Pérez
Raumordnungen und Raumpraktike...
Jörg Dünne, Sabine Friedrich, Kirsten Kramer
Aus anderer Sicht / The Other View
Die frühe Berliner Mauer / The...
Annett Gröschner, Arwed Messmer, Martin Hager
Theatralität des sprachlichen Handelns
Eine Metaphorik zwischen Lingu...
Mareike Buss, Stephan Habscheid, Sabine Jautz, Frank Liedtke, Jan G. Schneider
Theodramatik und Theatralität.
Ein Dialog mit dem Theatervers...
Volker Kapp, Helmuth Kiesel, Klaus Lubbers
Mehrsprachigkeit aus neurolinguistischer Sicht
Eine empirische Untersuchung z...
Gerda Videsott
0 comments