II
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Syntaktische Betrachtung von weil-Sätzen. 3
2.1 Weil-Sätze mit Verbendstellung 3
2.2 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung 5
3 Semantische/ pragmatische Betrachtung von weil-Sätzen 7
3.1 Faktisches weil 8
3.2 Epistemisches weil. 8
3.3 Illokutives weil. 9
3.4 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung 10
3.4.1 Eigenschaften von weil mit Verbzweitstellung 12
3.4.2 Verwendung von weil mit Verbzweitstellung 19
4 Resümee. 21
5 Literaturverzeichnis 23
3
1 Einleitung
Als subordinierende Konjunktion wird weil mit Verbendstellung realisiert und leitet einen Adverbialsatz ein. Im mündlichen Sprachgebrauch trifft man jedoch häufig auf weil-Sätze mit Verbzweitstellung. 1 In der vorliegenden Arbeit soll die Verwendung von weil zunächst hinsichtlich syntaktischer Merkmale und schließlich unter semantischen und pragmatischen Gesichtspunkten untersucht werden. Hier liegt die Fragestellung zu Grunde, ob es sich um eine falsche Verwendungsweise oder vielmehr um eine
Funktionsausweitung handelt und wenn ja, worin diese besteht.
2 Syntaktische Betrachtung von weil-Sätzen
2.1 Weil-Sätze mit Verbendstellung
Als subordinierende Konjunktion t rägt weil die folgenden Konnektorenmerkmale: 1. Weil ist nicht flektierbar.
2. Weil vergibt keine Kasusmerkmale an seine syntaktische Umgebung.
3. Weil drückt eine spezifische zweistellige semantische Relation aus (eine kausale Relation).
4. Die Relate der Bedeutung von weil sind Sachverhalte. 5. Die Ausdrücke für die Argumente der relationalen Bedeutung von weil (die Konnekte) sind Satzstrukturen. 6. Weil bettet das ihm unmittelbar folgende Konnekt in sein anderes Konnekt ein.
7. „Wenn das eingebettete Konnekt lautlich als Satz realisiert wird, ist es ein Verbletztsatz.“ 2 8. Weil steht unmittelbar vor dem eingebetteten Konnekt. 3
1 In dieser Arbeit sollen die Ausdrücke ‚weil mit Verbendstellung’ und ‚weil mit Verbzweitstellung’ wie folgt abgekürzt werden: weilVE bzw. weilVZ.
2 http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/grammis/grammis_dok.ansicht?v_typ=d&v_id=1202 (Stand : 09.07.04).
3 Vgl. http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/grammis/grammis_dok.ansicht?v_typ=d&v_id=1202 (Stand : 09.07.04).
4
Auf die semantische Relation und damit auf die Merkmale 3 und 4 wird ausführlich in Kapitel 3 eingegangen. In diesem Zusammenhang wird auch auf Merkmal 6 einzugehen und zu untersuchen sein, unter welchen Bedingungen der weil-Teilsatz im Skopus seines Bezugssatzes liegt und welche Folgen sich jeweils daraus ergeben. Wie Merkmal 5 aussagt, steht weil als Konnektor zwischen zwei Teilsätzen. Analysen von Aufnahmen authentischer
Kommunikationssituationen haben allerdings gezeigt, dass weil auch in Äußerungen vorkommt, bei denen es als Konnektor zwischen einer Äußerung und einem übergeordneten Diskursteil fungiert. Weil dient dann in erster Linie als Diskursmarker und seine kausale Bedeutung tritt dabei häufig stark in den Hintergrund. Die Funktion von weil als Diskursmarker soll in dieser Arbeit nicht ausdiskutiert, sondern an dieser Stelle auf GOHL/ GÜNTHNER verwiesen werden, die sich in ihrer Arbeit intensiv mit dieser Thematik auseinander gesetzt haben und dabei zwischen 4 Kategorien für weil als Diskursmarker unterscheiden: Einleitung von Zusatzinformationen, Einleitung einer narrativen Sequenz, Einleitung eines thematischen Wechsels, konversationelles Fortsetzungssignal. 4
Hier wird zunächst davon ausgegangen, bei der Realisierung von weil handele es sich um einen Verbletztsatz (Merkmal 7), also das finite Verb bildet die rechte Satzklammer. Deshalb sollen hier zunächst die syntaktischen Eigenschaften von hypotaktischen weil-Sätzen betrachtet werden:
Weil bettet das ihm unmittelbar folgende Konnekt in sein anderes Konnekt ein. Aus dieser Tatsache folgt, dass weil Satzgliedstatus hat und so die Subjunktorphrase in eine Adverbialphrase umgewandelt werden kann (1d). Ebenso ist eine beliebige Positionierung des Teilsatzes möglich; die Subjunktorphrase kann im Nachfeld, Vorfeld und im Mittelfeld stehen (1a)-(1c). (1a) Die Straße ist nass, weil es geregnet hat. (1b) Weil es geregnet hat, ist die Straße nass. (1c) Die Straße ist, weil es geregnet hat, nass. (1d) Wegen des Regens ist die Straße nass.
4 Vgl. GOHL/ GÜNTHER (1999).
5
Syntaktisch ließe sich in den Sätze (1a)-(1c) weil durch da ersetzen. Beide Subjunktionen weisen ähnliche syntaktische Merkmale auf. Allerdings kann auf da-Sätze nicht durch ein Korrelat (darum, deshalb, deswegen) hingewiesen werden. Ebenso können da-Sätze nicht auf Warum-Fragen in Form einer Ellipse antworten, da diese nie ohne Obersatz vorkommen können:
(1e) Die Straße ist deswegen nass, weil es geregnet hat. (1f) *Die Straße ist deswegen nass, da es geregnet hat. (1g) Warum ist die Straße nass? - Weil es geregnet hat. (1h) Warum ist die Straße nass? - *Da es geregnet hat. Als kausale Konjunktion bezeichnet weil eine Relation zwischen zwei Sachverhalten derart, dass das Eintreten des einen Sachverhalts eine notwendige, jedoch nicht hinreichende Bedingung für das Eintreten des anderen Sachverhalts darstellt. 5 Während der Grund, auf den weil hinweist, sowohl behauptet als auch präsupponiert sein kann, ist gerade dies bei da nicht der Fall. Hier muss der Grund immer präsupponiert sein. Damit erklärt sich auch, warum Satz (1h) nicht möglich ist.
Neben da verfügt die deutsche Sprache mit denn über eine weitere Konjunktion, die in engem Zusammenhang mit weil steht. Denn leitet einen Teilsatz ein, der die Erklärung für den Sachverhalt des Vorgängersatzes liefert. Als koodinierende Konjunktion leitet denn einen Teilsatz mit Verbzweitstellung ein und soll deshalb in Kapitel 2.2 im Zusammenhang mit „ Weil-Sätze mit Verbzweitstellung“ angesprochen werden.
2.2 Weil-Sätze mit Verbzweitstellung
Während in der Vergangenheit die Verwendung von weil VZ in den Grammatiken häufig keine Erwähnung gefunden hat oder lediglich als ‚nicht korrekt’ bezeichnet wurde, findet man mittlerweile zumindest kurze Anmerkungen, die über die Bezeichnung als Anakoluth oder ‚saloppe Alltagssprache’ 6 hinausgehen. EISENBERG 7 verweist auf
5 Vgl. EISENBERG (1994): S. 355f.
6 Vgl. ENGEL (1996): S. 730.
7 Vgl. EISENBERG (1994): S. 358.
6
KELLER 8 und hierbei auf die Verwendung von weil VZ in replikativen Schlüssen. HERINGER 9 macht auf die Verwendung in der gesprochenen Sprache aufmerksam, jedoch ohne auf den Kontext dieser Verwendungsweise einzugehen. Kurz erwähnt wird der Kontext in der Online-Grammatik Grammis. Hier heißt es: „Verbzweitsatz bei Begründung auf der Ebene von epistemischen und kommunikativen Minimaleinheiten möglich.“ 10 In der 4. Auflage der Duden-Grammatik von 1984 wird in keiner Weise auf das Phänomen der Verbzweitstellung eingegangen. Erst in der 6. Auflage 11 von 1998 wird auf das Phänomen von weil VZ im mündlichen Sprachgebrauch hingewiesen, allerdings explizit betont, dass dies nicht in der geschriebenen Standardsprache vorkommt. Ebenso umgehen HELBIG/BUSCHA dieses Thema in der 11. Auflage ihrer Grammatik von 1988. In der Neubearbeitung von 2004 dagegen widmen sie diesem Phänomen sogar einen ganzen Absatz und sprechen sowohl, wenn auch nur kurz, die prosodischen, syntaktischen, semantischen als auch pragmatischen Unterschiede zwischen weil VZ und weil VE an. 12 Hier soll zunächst auf die syntaktischen Eigenschaften von weil VZ eingegangen werden. Weil VZ fügt sich i n die syntaktische Struktur von denn-Sätzen, d.h. weil leitet einen Hauptsatz ein, also das finite Verb besetzt im topologischen Satzmodell die linke Satzklammer. Anders als bei weil VE kann der weil-Satz nicht durch eine Adverbialphrase ersetzt werden und nicht im Vorfeld stehen. Ebenso kann nicht durch ein Korrelat auf den weil-Satz hingewiesen werden: (2a) Die Straße ist nass, denn es hat geregnet. (2b-1) Die Straße ist nass, weil es hat geregnet. (2b-2) Es hat geregnet, weil die Straße ist nass. (2c) *Denn es hat geregnet, die Straße ist nass. (2d) *Weil es hat geregnet, die Straße ist nass. (2e) *Die Straße ist deshalb nass, denn es hat geregnet. (2f) *Die Straße ist deshalb nass, weil es hat geregnet.
8 KELLER (1993).
9 Vgl. HERINGER (1989): S. 165.
10 http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/grammis/grammis_wortbuch.anzeige?v_id=2156 (Stand: 09.07.04).
11 Vgl. EISENBERG (1998): § 1367.
12 Vgl. HELBIG/BUSCHA (2004): S. 413f.
Arbeit zitieren:
Stefanie Mißling, 2004, Über die Verwendung von weil-Sätzen in der Mündlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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