INHALTSVERZEICHNIS
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A b k ü r z u n g s v e r z e i c h n i s I I
Abbildungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Charakteristika der FSC 2
2.1 Definition der FSC 2
2.2 Notwendigkeit und Ziel der Betrachtung der FSC 4
3 FSC-Prozesse in der Beschaffung 6
3.1 Prozesse der FSC 6
3.2 Prozesse der FSC in der Beschaffung 9
4 Optimierung der FSC in der Beschaffung 12
4.1 Optimierungsbereiche und Ziele 12
4.2 Voraussetzungen für die Optimierung 13
5 Untersuchung der IT-Lösungen 15
5.1 Übersicht 15
5.2 Lieferantenauswahl und Preisfindung 16
5.2.1 Lieferantenmanagement 16
5.2.2 Anfragen 20
5.2.2.1 Grundlagen 20
5.2.2.2 Funktionalität und Bewertung der IT-Lösungen 21
5.2.2.3 Lieferantenbewerbung 23
5.2.3 Ausschreibungen 24
5.2.3.1 Grundlagen 24
5.2.3.2 Funktionalität und Bewertung der IT-Lösungen 25
5.2.4 Online-Auktionen 27
5.2.4.1 Grundlagen 27
5.2.4.2 Funktionalität und Bewertung der IT-Lösungen 29
5.2.5 Vertragsverwaltung 32
5.2.5.1 Grundlagen 32
5.2.5.2 Funktionalität und Bewertung der IT-Lösungen 33
5.2.6 Finanzierung 35
5.2.6.1 Grundlagen 35
5.2.6.2 IT-Verbesserungsmöglichkeiten 36
I
6 Überwachung und Analyse der FSC 65
7 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick 68
Q u e l l e n v e r z e i c h n i s 7 4
Anhang: Ausgewählte IT-Lösungen
für die Beschaffung zur Unterstützung der FSC 80
II
Abkürzungsverzeichnis
ASP Application Service Providing B2B Business-to-Business B2C Business-to-Consumer EBPP Electronic Bill Presentment and Payment EC Electronic Cash EDI Electronic Data Interchange ERP Enterprise Resource Planning IT Information Technology FSC Financial Supply Chain FSCM Financial Supply Chain Management PIN Persönliche Identifikationsnummer POZ Point of Sale ohne Zahlungsgarantie RFX Request for … RFI Request for Information RFP Request for Proposal RFQ Request for Quotation SCM Supply Chain Management SET Secure Electronic Transaction SMS Short Message Service SPSS Statistical Package for the Social Sciences SRM Supplier Relationship Management SSL Secure Socket Layer SWIFT Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication
III
Abbildungsverzeichnis
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Abb. 1: Flüsse im Supply Chain Management
Abb. 2: Verbesserungsfähige Bereiche der FSC
Abb. 3: Einfluß des Kapitalrückflusses auf die Kapitalbindung
Abb. 4: Basismodell der FSC
Abb. 5: Aufgaben der Beschaffung
Abb. 6: FSC-Modellprozeß in der Beschaffung
Abb. 7: Optimierungsschwerpunkte der FSC in der Beschaffung
Abb. 8: Anforderungskatalog an ein neues IT-System
Abb. 9: Einfluß der IT auf die FSC
Abb. 10: FSC-relevante Bereiche des SRM und entsprechende IT-Tools
Abb. 11: E-RFX-Tools
Abb. 12: Innerbetrieblicher Ablauf einer (Online-) Einkaufsauktion
Abb. 13: Ablauf einer Auktion über einen Online-Dienstleister
Abb. 14: Aufgabenbereiche einer Vertragsverwaltungssoftware
Abb. 15: Einfluß auf die Finanzierung
Abb. 16: Modellprozeß der Rechnungsabwicklung
Abb. 17: Rechnungs- und Zahlungsabwicklung mit EBPP 3
Abb. 18: Biller-Direct-Modell
Abb. 19: Buyer-Direct-Modell
Abb. 20: Consolidator-Modell
Abb. 21: EDI-Modell
Abb. 22: Funktionsumfang von Service Providern im Rechnungsbereich
Abb. 23: Signaturprozesse
Abb. 24: Ablauf einer Zahlungsabwicklung nach Rechnungserhalt
Abb. 25: Einteilung von Zahlungssystemen
Abb. 26: Zahlungsarten
Abb. 27: Zahlung über einen Payment Service Provider
Abb. 28: Nutzung eines zentralen Finanz-Servers
Abb. 29: Ablauf einer Prozeßoptimierung
Abb. 30: Datenanalyse
Abb. 31: Analysebereiche der FSC
IV
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
1 Einleitung
Durch zunehmenden Wettbewerbsdruck sind Unternehmen heute stärker denn je gezwungen, ihre Wertschöpfungsketten zu analysieren und zu optimieren. Die ganzheitliche Betrachtung und das Verständnis für eine durchgehende Versorgungskette, die mit anderen Ketten konkurriert und die es permanent zu verbessern gilt, hat sich in der Unternehmenswelt in den letzten Jahren etabliert. Dieser Gedanke ist Ausgangspunkt und zugleich Voraussetzung für das Herausarbeiten und Bewerten des Finanzflusses entlang der Wertschöpfungskette, der Financial Supply Chain (FSC). Bisher lagen die Untersuchungsschwerpunkte vor allem auf der Verbesserung des Waren- und Informationsflusses. In der letzten Zeit ist nun das Management des finanziellen Teils der Wertschöpfungskette in den Vordergrund der Diskussion gerückt. Die Idee der Optimierung des physischen Warenflusses wird auf den Finanzmittelfluß eines Unternehmens übertragen. 1 Demnach werden alle Prozesse zusammengefaßt, welche den finanziellen Aspekten wirtschaftlichen Handelns entsprechen. Ein Grund für die aktuelle Entwicklung ist in der verbesserungsfähigen Qualität vieler Geschäftsprozesse im finanziellen Bereich zu sehen. Diese sind unter anderem gekennzeichnet durch Medienbrüche, mangelnde Transparenz, fehlende Automationsmechanismen, lange Kommunikationswege oder eine unzureichende inner- und zwischenbetriebliche Abstimmung. Die Verfügbarkeit und Weiterentwicklung soft- und hardwarebasierter IT-Lösungen und -Infrastrukturen und die dadurch fortschreitende Digitalisierbarkeit von Geschäftsprozessen kann als zweite Ursache für das Interesse am Management der FSC angesehen werden. Die Auswertung der IT-Möglichkeiten bildet den Hauptteil dieser Arbeit. Dabei steht das beschaffende Unternehmen im Vordergrund der Betrachtung. Der Aufgabenbereich der Beschaffung hat in den letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewonnen und nimmt in vielen Unternehmen mittlerweile den größten Kostenblock ein. Dadurch wird die Notwendigkeit einer umfassenden Prozeßverbesserung verstärkt. Obwohl in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Entwicklungen im Bereich der Beschaffung und des Einkaufs vorangetrieben wurden, scheinen die Potentiale hier längst noch nicht ausgeschöpft zu sein. Nach wie vor entstehen durch die Verfügbarkeit von neuen
1 Zipfel/Meindl, S. 557
1
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
Informations- und Kommunikationstechnologien auch neue Optimierungsmöglichkeiten.
Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung, Überprüfung und Auswertung von Nutzungsmöglichkeiten der IT durch die Beschaffung zur Unterstützung und Verbesserung der FSC bzw. deren Teilprozesse. Es soll herausgearbeitet werden, welche Ergebnisse bisher realisiert wurden und welche Zustände durch den Einsatz vorhandener Mittel erreicht werden können. Zunächst wird deshalb untersucht, aus welchen Teilprozessen die FSC insgesamt besteht. Darauf folgend wird auf Grundlage der Aufgabengebiete und Teilprozesse der Beschaffung ein Sollprozeß der FSC entwickelt, der dem Einflußbereich der Beschaffung zugerechnet werden kann. Auf Basis dieses Sollprozesses findet anschließend die Untersuchung der zur Verfügung stehenden IT-Lösungen statt. Dafür wurden Informationen von auf dem Markt befindlichen IT-Lösungen herangezogen. Vor der detaillierten Betrachtung der Teilprozesse werden vorab Optimierungsbereiche und mögliche Ziele des IT-Einsatzes umrissen. Die einzelnen Untersuchungen münden schließlich in einer zusammenfassenden Bewertung. Neben dem Herausarbeiten des Entwicklungsstands der Optimierung der "finanziellen" Supply Chain werden Fragen nach zukünftigen Entwicklungen und Schwerpunkten geklärt. Dabei ist die Beschaffungsseite nicht vollständig zu isolieren, sondern soll in eine funktions- und unternehmensübergreifende Betrachtung eingebettet werden.
2 Charakteristika der FSC
2.1 Definition der FSC
Die Supply Chain beschreibt eine logistische Kette über Wertschöpfungsstufen, Unternehmensbereiche und -grenzen hinweg. Innerhalb der Supply Chain erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren bezüglich dem Material-, Informations- und Finanzfluß (Abb. 1). Die Entscheidungen aller Partner sind auf eine
2
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
Abstimmung der verschiedenen Flüsse ausgerichtet. Dabei soll jegliche Verschwendung von Ressourcen vermieden werden. Das Supply Chain Management (SCM) begegnet diesen Problemen, indem die gesamte Wertschöpfungskette unter dem Gesichtspunkt einer ganzheitlichen Prozeßoptimierung betrachtet wird. Dabei soll durch eine Integration aller Supply Chain-Prozesse sowie deren Analyse und Planung die Effektivität und Effizienz der gesamten Kette gesteigert werden. 2 Um nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu erlangen, stehen die strenge Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden (hinsichtlich Preis, Qualität, Lieferzeit, Service) sowie die Reduzierung der eigenen Kosten im Vordergrund. 3
Neben dem Waren- und Informationsfluß müssen Finanzbelege und -daten sowie dazugehörige Informationen ausgetauscht und verarbeitet werden. Somit kann die FSC als ein Bestandteil der übergeordneten Supply Chain betrachtet werden. Der Finanzfluß erstreckt sich als Gesamtprozeß über eine Vielzahl von Organisationseinheiten (Einkauf, Produktion, Verkauf, Verwaltung, Finanzen, Management, usw.) und Unternehmen (Lieferanten, Kunden, Banken und sonstige Dienstleister). Der Fluß finanzieller Mittel innerhalb der Supply Chain bildet die Schnittstelle zwischen dem Logistik- und Finanzbereich. 5 Er ist der "monetäre Teil der Logistikkette und arbeitet parallel zur physischen Supply Chain" 6 . Die FSC bildet die finanziellen Transaktionen der Wertschöpfungskette ab. Sie setzt bereits vor der
2 Friedrich, S. 146 f.
3 Nenninger/Hillek, S. 1
4 angelehnt an Pfohl , S. 6
5 Pfohl/Elbert/Hofmann, S. 2 f.
6 Skiera/Pfaff, S. 47
3
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
Geschäftsanbahnung ein und begleitet den gesamten Prozeß bis zur Zahlungsabwicklung. 7 In einigen Definitionen wird der Einflußbereich der FSC allerdings nur auf das Versenden und Empfangen von Rechnungen oder ausschließlich auf die Begleichung von Zahlungsverpflichtungen bzw. die Transformation von Geldern reduziert. 8 Zweifelsohne sind Rechnungs- und Zahlungsabwicklung zentrale Bestandteile der finanziellen Wertschöpfungskette, nicht aber die einzigen.
Das Financial Supply Chain Management (FSCM) hat die Aufgabe, die "logistikinduzierten Finanzprozesse" 9 zu steuern und zu optimieren. Die "kollaborative und automatisierte Transaktionsabfolge zwischen Kunden, Zulieferern, Finanzinstituten und Dienstleistern" 10 steht hierbei im Vordergrund. FSCM kann weiterhin als Konzept verstanden werden, welches ein integriertes Finanzmanagement ermöglicht und zur (web-basierten) Ablaufsteuerung und Automation der Finanzkette beiträgt. Oberstes Ziel der Optimierung des Finanzmittelflusses ist es, den Wert der gesamten Supply Chain zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Kette sowie deren Teilnehmer zu verbessern. 11 Nur durch eine durchdachte Koordination der Finanzströme kann dieses Ziel erreicht werden. Dies führt zu der Schlußfolgerung, daß mit einem durchdachten Supply Chain Management sich nicht nur der Material- und Informationsfluß, sondern auch der Finanzfluß unternehmensintern und -extern optimieren läßt. In den folgenden Jahren werden die großen global tätigen Unternehmen ein FSCM integriert haben und als Wettbewerbsvorteil nutzen. 12
2.2 Notwendigkeit und Ziel der Betrachtung der FSC
Jede Beanspruchung von Waren und Dienstleistungen verursacht finanzielle Prozesse. Erst wenn auch diese Prozesse bis hin zur Zahlung vollständig abgewickelt worden sind, kann für das Unternehmen bzw. die Wertschöpfungskette ein Mehrwert
7 siehe Kapitel 3.1
8 z. B. Simplyst AG
9 Stemmler/Seuring, S. 30
10 Skiera/Pfaff, S. 50
11 Pfohl/Elbert/Hofmann [1], S. 1
12 Killen&Associates, S. 10
4
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
entstehen. 13 Somit erhält die gesonderte Untersuchung der Finanzströme ihre Berechtigung. Durch Entwicklungsfortschritte in der Informations-und Kommunikationstechnologie sind in den letzten Jahren zahlreiche
Optimierungspotentiale entstanden. Diese wurden bisher allerdings nur teilweise genutzt. Gründe hierfür sind eine schwache Akzeptanz bei den (potentiellen) Partnern, mangelndes Vertrauen in IT-Lösungen, Angst vor Fehlinvestitionen, schlechte Informationsqualität, unzureichende Analysemöglichkeiten und dadurch eine fehlende Übersicht und über den Finanzfluß und seine Auswirkungen. Ein Beispiel hierfür ist die Rechnungsübermittlung per Post. Sie beansprucht in aller Regel innerhalb Deutschlands mindestens zwei Arbeitstage, verursacht Valuta-Verluste und einen hohen Verarbeitungsaufwand auf Käufer- und Verkäuferseite. Zudem wäre die elektronische Rechnungsstellung für den Ersteller mit erheblich weniger Kosten verbunden. 14 In technologischer und rechtlicher Hinsicht ist die elektronische Rechnungsabwicklung jedoch möglich. 15
Innerhalb einer 2003 durchgeführten Studie des E-Finance Lab zu Stand und Verbesserungspotentialen des Finanzflusses benannten deutsche Großunternehmen diejenigen Teilprozesse, die aus ihrer Sicht das höchste Optimierungspotential aufweisen (Abb. 2). 16 Gleichzeitig gaben über 42 Prozent der befragten Unternehmen
13 Stemmler/Seuring, S. 29
14 E-Finance Lab, 3 f.
15 siehe Kapitel 5.3
16 E-Finance Lab, S. 54 f.
5
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
an, mit der Gestaltung der Financial Supply Chain im eigenen Unternehmen zufrieden zu sein. 17
Letztendlich geht es um die Verringerung der Kapitalbindung und damit um die Sicherung der Liquidität des Unternehmens. Gerade in einer Phase schwachen Wirtschaftswachstums ist eine Effizienzsteigerung mehr denn je notwenig. Nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft die Beeinflussung der Kapitalbindung in einem produzierenden Unternehmen bei einem Einkauf und Verkauf von Waren bzw. Leistungen auf Ziel.
3 FSC-Prozesse in der Beschaffung
3.1 Prozesse der FSC
Die FSC als Gesamtprozeß erstreckt sich über mehrere Bereiche. In der Literatur finden sich allerdings unterschiedliche Angaben über deren Umfang. Bei der Optimierung des Finanzflusses steht oft nur die Zahlungsabwicklung im Mittelpunkt,
17 E-Finance Lab, S. 24 f.
18 angelehnt an Skiera/Pfaff, S. 58
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Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
somit wäre der Beginn der FSC die Rechnungsstellung bzw. -verarbeitung. 19 Letztendlich scheint sich aber das Modell der Autoren Pfaff, Skiera und Weiss durchgesetzt zu haben. Es besitzt einen umfassenderen Ansatz, mit dem die FSC bereits mit der Qualifizierung von potentiellen Teilnehmern und der Preisfindung, also vor dem eigentlichen Geschäftsabschluß beginnt. Diese Tatsache erscheint logisch, da das Ziel bzw. die Grundlage für eine Prozeßverbesserung die Betrachtung einer durchgängigen Kette sein soll. Dieses Modell (siehe Abb. 4) soll deshalb als Grundlage für die nachfolgenden Untersuchungen verwendet werden. Der Hauptprozeß der FSC wird zunächst in zwei Bereiche unterschieden: Das Financial Trade Enablement, welches die notwendigen Vorbereitungsprozesse vor dem Geschäftsabschluß, dem sogenannten Fulfillment, umfaßt. Zum Financial Trade Settlement zählen die darauf folgenden Abschlußprozesse. Grundsätzlich sind sowohl die Beschaffung als auch der Absatz eines Unternehmens involviert. Wie in Abb. 4 zu erkennen ist, beeinflußt sowohl der Käufer als auch der Verkäufer den Hauptprozeß der FSC. Im folgenden sollen nun die Teilprozesse der FSC mit Rücksicht auf beide Positionen kurz beschrieben werden: 20
Der Prozeß der Qualifizierung umfaßt die Suche und Auswahl neuer oder bereits bestehender Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten oder Käufern. Hierunter fällt auch die Echtheitsprüfung der Teilnehmer, die sogenannte Authentifizierung, sowie die anschließende Bonitätsbewertung (Lieferantenbeurteilung, Kreditwürdigkeit. Der Qualifizierungsprozeß steht am Anfang der Prozeßkette der FSC. Dadurch ist er von besonderer Bedeutung, da durch ihn alle nachfolgenden Schritte beeinflußt werden. Zum Preisfindungsprozeß gehören alle Maßnahmen, die zur endgültigen Preis- und Konditionenfestlegung bzw. zu einem Geschäftsabschluß führen. Dazu zählen unter anderem klassische Vertragsverhandlungen, Ausschreibungen, Auktionen oder Börsen. Neben dem Preis müssen auch die dazugehörigen Zahlungs- und Lieferbedingungen, wie Zahlungsart, Zahlungsziel, Rabatte, Liefertermine usw. ausgehandelt und bewertet werden. Eng mit der Preisfindung verbunden ist aus Sicht des Käufers die Auswahl der Lieferanten.
Vor Abschluß eines Geschäfts ist zusätzlich eine Absicherung der damit verbundenen Risiken erforderlich. Voraussetzung ist zunächst das Erkennen von Gefahren, welche
19 z. B. Scheuermann/Luther, S. 64 oder Zipfel/Meindl, S. 557 ff.
20 Vgl. Pfaff/Skiera/Weiss, S. 67 ff.
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Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
finanzieller oder logistischer Art sein können. Risiken auf Seiten des Käufers sind unter anderem das Lieferungs-, Transport-, Länder-, Qualitäts-, Wechselkurs-, Währungs-und Liquiditätsrisiko. Der Verkäufer trägt grundsätzlich die gleichen Risiken wie der Käufer, jedoch ist für ihn zusätzlich das Zahlungseingangsrisiko sowie das Risiko der Kreditvergabe von besonderer Relevanz.
In der Finanzierungsphase geht es um die Finanzierung von Käufen bzw. Verkäufen. Dabei muß unter Berücksichtigung der Aspekte Verfügbarkeit, Sicherheit und Kosten die Wahl der optimalen Finanzierungsform (Leasing, Ratenkredit, Diskontkredit, usw.) ermittelt werden. Der Käufer hat darüber zu entscheiden, ob er seine Einkäufe aus liquiden Mitteln selbst finanziert oder über den Lieferanten bzw. ein Kreditinstitut fremdfinanzieren läßt. Der Verkäufer hingegen muß prüfen, ob und zu welchen Konditionen er, aufbauend auf dem Qualifizierungsprozeß, dem Kunden einen (Lieferanten-) Kredit gewährt.
Die Phase nach dem Geschäftsabschluß beginnt mit der Rechnungsstellung, d. h. in der Praxis üblicherweise mit der Auslieferung der Waren an den Käufer. Der Verkäufer hat die Aufgabe, die Rechnung zu erstellen und zu versenden. Der Rechnungsempfang durch den Käufer ist ebenfalls diesem Prozeßabschnitt zuzuordnen. Im Anschluß an die Rechnungsstellung erfolgt die Rechnungsprüfung. Zunächst hat der Käufer dabei die Aufgabe, die Rechnung (und den Wareneingang) mit der Bestellung abzugleichen. Außerdem ist zu überprüfen, ob die im Vertrag vereinbarten Preise und Konditionen in der Rechnung richtig umgesetzt wurden. Der
21 angelehnt an Pfaff/Skiera/Weiss, S. 67
8
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
Verkäufer muß im Gegensatz dazu die eingehenden Zahlungen mit den zuvor ausgestellten Rechnungen vergleichen. Ein wichtiger Bereich besonders für den Verkäufer ist die Abwicklung und Verarbeitung von Rechnungsreklamationen. Sind in der Rechnung Fehler enthalten, so wird der Käufer den Lieferanten informieren. Dieser muß die Reklamation schnellstmöglich prüfen und bearbeiten, um die Kundenbeziehung nicht zu gefährden, die Zahlung nicht weiter zu verzögern und den internen Aufwand so gering wie möglich zu halten.
Der Zahlungsvorgang stellt das Ende der Prozeßkette dar. Der Käufer verbucht und veranlaßt die Zahlung, der Verkäufer muß die eingegangenen Zahlungen überprüfen. Die Zahlung kann auf unterschiedliche Weise vorgenommen werden (z. B. per Lastschrift, Kreditkarte, Smartcard, SWIFT, etc.) und über verschiedene Wege (Internet, Mobilgeräte, Call-Center, etc.) erfolgen. Diesem Teilprozeß ist auch die innerbetriebliche Planung, Steuerung und Überwachung von Zahlungsströmen zuzuordnen.
Die Analyse von Prozessen betrifft sowohl die Teilprozesse des Financial Trade Enablements als auch diejenigen des Financial Trade Settlements. Es geht um die durchgehende Analyse und Bewertung der gesamten FSC. Dadurch werden Voraussetzungen für die Prozeßoptimierung, Planung und zukünftige Vertragsverhandlungen geschaffen.
3.2 Prozesse der FSC in der Beschaffung
Auf Grundlage des im vorangegangenen Kapitels dargestellten Gesamtprozesses der FSC soll nun herausgearbeitet werden, welche Bereiche der finanziellen Wertschöpfungskette dem Beschaffungsbereich zugeordnet werden können bzw. welchen Einfluß dieser auf die FSC nehmen kann.
Zum besseren Verständnis sind deshalb die generellen Aufgabenbereiche der Beschaffung exemplarisch noch einmal aufgeführt (Abb. 5). Die Beschaffungsprozesse werden nun mit den FSC-Prozessen aus Kapitel 3.1 abgeglichen, was als Ergebnis zu einem Modellprozeß der FSC in der Beschaffung führt (Abb. 6). Es sind Prozesse auf der Beschaffungsseite, welche die FSC betreffen bzw. Prozesse der FSC, die aus
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Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
Sicht der Beschaffung unterstützt und optimiert werden können. Sie dienen als Grundlage der im Kapitel 5 folgenden Untersuchungen und Auswertungen der entsprechenden IT-Möglichkeiten.
In den Bereich der Lieferantensuche und Preisfindung fällt das Konzept des Lieferantenmanagements. Hierzu kann wiederum die Durchführung von Anfragen, Ausschreibungen und Auktionen gerechnet werden, also alle Vorgänge, welche die Auswahl der geeigneten Lieferanten ermöglichen. Die Preisfindung schließt alle Möglichkeiten mit ein, die zur Festlegung eines verbindlichen Kaufpreises und den dazugehörigen Konditionen führen. Dazu gehört ebenfalls die Phase nach Vertragsabschluß, also die Verwaltung und Überwachung der Verträge. Im Falle einer öffentlichen Ausschreibung beispielsweise deckt sich die Preisfindungsphase mit der Lieferantenauswahl.
Der nächste Prozeßabschnitt betrifft das Finden und optimale Ausnutzen der geeigneten Finanzierung. Sie muß bereits bei der Preisfindung Berücksichtigung finden und wird in Verbindung mit Liquiditäts- und Rentabilitätsbetrachtungen von Lieferanten, Banken oder sonstigen Finanzdienstleistern in Anspruch genommen. Die Phase der Rechnungsabwicklung auf Beschaffungsseite beginnt mit dem Rechnungseingang. Da es sich in diesem Bereich um eine Massenabfertigung handelt und die meisten Rechnungen in der heutigen Zeit immer noch in Papierform eingehen,
10
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
liegt bei der Zustellung und Bearbeitung ein großes Optimierungspotential. Ähnliches gilt für die Zahlungsabwicklung. Auch hier steht die Verringerung des Aufwands durch Automation und Standardisierung im Vordergrund. Verbesserungsansätze sind in der zentralen Verwaltung innerbetrieblicher Zahlungsvorgänge sowie in der Kommunikation zu Banken und Finanzdienstleistern zu sehen. Der Aspekt der Sicherheit ist bei allen Prozeßabläufen zu berücksichtigen. Dabei geht es vor allem um die Gewährleistung einer risikoarmen Behandlung und Übertragung von Daten. Die Analyse und Überwachung der einzelnen Teilbereiche ist schließlich Voraussetzung für das Funktionieren, Steuern und Bewerten der Prozeßkette.
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
4 Optimierung der FSC in der Beschaffung
4.1 Optimierungsbereiche und Ziele
Nachdem in Kapitel 2.2 die allgemeinen Ziele herausgearbeitet wurden, die sowohl für das SCM als auch für das FSCM gelten, sollen nun die beschaffungsspezifischen Optimierungsbereiche näher betrachtet werden. Dabei liegt der Schwerpunkt nicht nur auf den internen Prozessen des beschaffenden Unternehmens, sondern auch den externen Verbindungen zu Lieferanten und sonstigen Partnern.
Grundsätzlich kann die Prozeßverbesserung in die drei Bereiche Kosten, Zeit und Qualität eingeteilt werden. Abbildung 7 zeigt exemplarisch die spezifischen Optimierungsschwerpunkte, die je nach Anforderungen und Möglichkeiten erweitert und spezifiziert werden müssen. Die Bereiche bzw. deren Ausprägungen stehen dabei
22 angelehnt an Nekolar, S. 16
12
Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung
in Wechselverbindung zueinander und können sich gegenseitig ergänzen. Eine Reduktion der Prozeßdauer, beispielsweise, geht auch meistens mit einer Senkung der Prozeßkosten einher. Bei der Durchführung einer Online-Auktion kann nicht nur der Einstandspreis direkt gesenkt werden, es erfolgt außerdem eine Verkürzung der Prozeßdauer sowie eine Reduktion der Prozeßkosten. Zusätzlich kann durch eine Online-Auktion die Markttransparenz gesteigert werden. Das Verbesserungspotential kann von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausfallen und ist von der jeweils vorhandenen Prozeßqualität abhängig. Daher ist jeder einzelne Prozeß zunächst dahingehend zu überprüfen, mit welchen Mitteln Verbesserungen herbeigeführt werden können. Einige Ziele sind unter Umständen nicht allein durch den Einsatz technologischer Anwendungen zu erreichen. Fällt die Entscheidung zur Implementierung einer neuen IT-Lösung, gibt es bei der Umsetzung eine Reihe von Erfolgsfaktoren zu beachten.
4.2 Voraussetzungen für die Optimierung
IT ist maßgeblich an der Umsetzung von Verbesserungen beteiligt bzw. macht diese erst möglich. Vor der Anwendung neuer Lösungen müssen allerdings gewisse Bedingungen gegeben sein. So ist zunächst die Identifikation der betroffenen Prozeßstrukturen und -abläufe innerhalb des Unternehmens erforderlich. Dadurch wird eine durchgängige Abbildung und Dokumentation der FSC ermöglicht, was wiederum die Grundlage für die Überwachung der Aktivitäten darstellt. Erst durch eine klare Definition der Geschäftsprozesse können diese bewertet, verglichen, bearbeitet, an Dienstleister ausgelagert oder mit anderen internen und externen Prozessen gebündelt werden. 23
Zur Überwachung empfiehlt sich die Einrichtung einer Prozeßkostenrechnung. Für die systematische Erstellung, Auswertung, Verbesserung, Steuerung und Überwachung von Geschäftsprozessen bieten sich Workflow-Management-Systeme an, welche oftmals bereits in gängige ERP-Systeme eingebunden sind. Der Einsatz dieser Systeme kann besonders bei standardisierten, sich ständig wiederholenden Abläufen
23 Nekolar, S. 31
13
Arbeit zitieren:
Tobias Müller, 2004, Nutzungsmöglichkeiten und Auswirkungen von IT-Lösungen zur Unterstützung der Financial Supply Chain unter besonderer Berücksichtigung der Beschaffung, München, GRIN Verlag GmbH
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