Inhalt
I. EINLEITUNG. 4
1. GESCHICHTE DER ZENSUR IN FRANKREICH 5
1.1 WARUM EINE ZENSUR? 6
1.2 OBERZENSOR MALESHERBES 7
1.3 ZENSUR ALS MITTEL DER POLITIK. 9
2. SYSTEM UND STRUKTUR DER ZENSURBEHÖRDEN 10
2.1 DIE VORZENSUR. 11
2.1.1 Le Bureau contentieux de la librairie 11
2.1.2 Le Bureau gracieux de la librairie 11
2.2. NACHZENSUR: LA POLICE DES LIVRES 12
2.3 SELBSTZENSUR 13
3. DRUCKERLAUBNISSE UND EINHALTUNG. 13
3.1 LE PRIVILÈGE GÉNÉRAL. 13
3.2 LA PERMISSION TACITE. 14
3.3 LA SIMPLE TOLÉRANCE. 15
3.4 NICHT ERLAUBT UND NICHT VERBOTEN 16
3.5 LES LIVRES DÉFENDUS 16
4. FAZIT: DIE ZENSUR STEHT IM ZEICHEN DER AUFKLÄR UNG. 16
5. LITERATURVERZEICHNIS. 18
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I. Einleitung
Die Zensur war im 18. Jahrhundert in Frankreich allgegenwärtig und sehr streng. Zeitgenössische Schriftsteller und Autoren empfanden sie häufig als tyrannisch und repressiv. Doch verdanken viele aufgeklärte Werke gerade dem Oberzensor Malesherbes ihre Zulassung. Wurde durch l iteraturinteressierte und intellektuelle Zensoren die Verbreitung aufgeklärter Literatur bedeutend gefördert?
Die Institution der Zensur war ein Kontrollorgan der Monarchie. Der König strebte mit der staatlichen Zensur eine Monopolstellung an, um Schriftsteller und Autoren durch Repression oder Förderung in den Dienst der K rone zu stellen. Vom 17. zum 18. Jahrhundert gelang der Zensur tatsächlich für kurze Zeit die totalitäre Verfügbarkeit über Mensch und Material. In dieser Zeit verlor die Kirche ihren Anspruch über die Bücherkontrolle.
Es ist auf Grund der komplexen und divergenten Handhabung der Zensur kaum möglich, eine vollständige Entwicklung der Zensurgeschichte darzustellen. Darum soll in dieser Arbeit auf einige wesentliche Entwicklungen eingegangen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Oberzensor Malesherbes und den verschiedenen Druckerlaubnissen. Da die permission tacite eine ungewöhnliche Druckerlaubnis war, wird diese Genehmigung ausführlicher untersucht.
Die Frage ist zudem, ob belegt werden kann, dass die Librairie nicht gegen, sondern für die aufgeklärte Literatur arbeitete. Wie die Institutionen strukturiert waren und wie es um die Publizierungsmöglichkeiten stand, wird die Betrachtung der Druckerlaubnisse zeigen. Trotz aller positiven Verhaltensweisen einzelner Zensoren, war die Zensurbehörde gleichermaßen für ihre Willkürlichkeit bekannt. Oftmals wurde die Machtstellung zur materiellen Bereicherung oder zur Austragung persönlicher Differenzen missbraucht. Dennoch war das Amt des Zensor nicht automatisch ein besonders sicheres. Durchaus konnten selbst Zensoren in die Schusslinie der Kritik geraten. Durch diesen Umstand werfen weitere Fragen auf: Wie wurde zensiert? Was und warum wurde zensiert? Riskierten Zensoren für manche Werke ihre Stellung?
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Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Eindruck über die Institution der Zensur in Frankreich im 18. Jahrhundert zu vermitteln.
1. Geschichte der Zensur in Frankreich
Jede Veröffentlichung im Ancien Régime musste die staatliche Zensurkontrolle durchlaufen. Diese wurde durch die Angestellten der obersten Zensurbehörde, der Direction de la Librairie, durchgeführt. Erfüllte ein Werk nicht die strengen Zensuranforderungen, drohte dessen Verbot oder sogar eine öffentliche Buchverbrennung. Am stärksten waren davon die Jahre von der absolutistischen Herrschaft König Ludwig XIV bis zur Französischen Revolution 1 betroffen. Die Autoren von staats-, kirchen- oder gesellschaftskritischen Schriften mussten während dieser Zeit stets mit einer Internierung 2 rechnen.
Die Ursprünge der Zensur finden sich bereits im Mittelalter: Philip der Kühne ermächtigte im Jahr 1275 die Pariser Universität Sorbonne, die Buchhändler in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren. Die Kirche behielt sich das Zensurrecht vor, als der Buchdruck in Frankreich Einzug erhielt. Im 16. Jahrhundert stellte neben der Universität und der Kirche auch der oberste Gerichtshof in Paris Druckprivilegien aus. 3 Gegen Ende des 17. Jahrhunderts beanspruchte der König von Frankreich das alleinige Zensurrecht. Diesen Anspruch setzte er konsequent um. Er entzog den Universitäten, dem Klerus und dem Pariser Parlament die Rechtsgrundlage ihrer Buchkontrollen. Trotz der Monopolstellung des Monarchen, intervenierten Klerus und Parlament immer wieder in den Zensur alltag.
Ein Beispiel stellte Mitte des 18. Jahrhunderts das berühmte Buch De l'Esprit von Hélvetius dar. Obwohl das Werk das Siegel privilège général im Namen des Königs erhalten hatte, protestierten der Pariser Erzbischof und Vertreter des obersten Gerichtshofs gegen diesen Beschluss. Schließlich musste der Oberzensor Malesherbes die Druckgenehmigung
1 Dies entspricht dem Zeitraum 1715 bis 1799.
2 Viele Aufklärer verbrachten auf Grund ihrer staatskritischen Schriften einige Zeit in Gefängnissen.
3 Vgl. Edgar Mass: Literatur und Zensur in der frühen Aufklärung. Produktion, Distribution und Rezeption
der Lettres Persanes . Analecta Romanica; H. 46. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag 1981. S. 8
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revidieren. Um ein Exempel zu statuieren wurden daraufhin alle Ausgaben öffentlich verbrannt. 4
Die Kontrolle des Buchmarktes blieb weiterhin in der Hand des französischen Königs. Erst 1791 wurde durch die Erklärung der Menschenrechte die Zensur während der Französischen Revolution abgeschafft. Warum aber sahen die Könige im Absolutismus die unbedingte Notwendigkeit einer Zensurbehörde?
1.1 Warum eine Zensur?
Die Zensur darf nicht nur als Mittel der staatlichen Repression, sondern muss auch als Bemühung des Königs dargestellt werden, die politischen Interessen als staatliche Autorität bereits in der Produktion zu lenken. So wurde der Zensurbehörde zur totalitären Kontrolle des literarischen Marktes eine Rechtsgrundlage zur Wahrung des öffentlichen Bedürfnisses nach Rechtsfrieden zugeschrieben. 5 Der Monarch konnte jegliches oppositionelle Gedankengut bereits vor der Publikation ausschalten. Legitimiert wurden diese Maßnahmen mit der Abwendung von Gefahren vom Staat. Ebenfalls sollte die Intakthaltung des Staatsansehens gewährleistet werden. Da der König seine Macht durch Gottes Gnaden legitimierte, wurde die Zensur als Mittel zur Erfüllung der königlichen Pflicht und zum Wohlergehen von Kirche und Untertanen in der Öffentlichkeit gerechtfertigt. 6
Der ursprüngliche Nutzen einer Kontrolle der Literatur bestand darin, Abschriften auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit hin zu überprüfen. Mit den Abschriften wurde Handel betrieben. Schon früh also fanden Literatur und Ökonomie zusammen. Damit der Verleger eines Buches vor illegalen Nachdrucken geschützt war, wurden Druckerlaubnisse erteilt. Damit wurde dem Verleger das Recht auf den eventuellen Gewinn gesichert. Da ein Druck mit hohem finanziellem Aufwand verbunden war, erfüllte die Druckerlaubnis eine ähnliche
4 Vgl. Gudrun Gersmann: Im Schatten der Bastille. Die Welt der Schriftsteller, Kolporteure und Buchhändler
am Vorabend der Französischen Revolution. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 1993. S. 27 f
5 Vgl. Gersmann, Gudrun und Schroeder, C.: Zensur, Zensoren und Zensierte im Ancien Régime. In: "Unmoralisch an sich ...": Zensur im 18. u. 19. Jh. Hrsg. v. H. G. Göpfert u. E. Weyrauch, Wiesbaden 1988. S. 34
6 Vgl. Gudrun Gersmann: Im Schatten der Bastille. S. 10
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Arbeit zitieren:
Master of Arts Alexander Monagas, 2004, Aufgabe der Zensurbehörde im Zusammenhang mit ihrer Bedeutung zur Verbreitung und Unterstützung von aufgeklärter Literatur in Frankreich im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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