2
Inhaltsverzeichnis:
1. Was ist der First Grammatical Treatise
S 3
1.1. Die Bedeutung und der Grund für die Entstehung
S 3
1.2. Der Inhalt des First Grammatical Treatise
S 3
1.3. Echtheit zeitliche Einordnung Umfang und Entstehung des
Namens des First Grammatical Treatise
S 5
1.4. Veröffentlichungen
S 6
1.5. Autor des FGT: The First Grammarian
S 7
1.6. Linguistische Analysen des First Grammarian
S 8
2. Die Handschrift des First Grammatical Treatise
S 9
2.1. Abkürzungen und Anmerkungen
S 9
2.2. Transkription
S 11
2.3. Vergleich mit der Transkription von Einar Haugen
S 17
3. Der First Grammatical Treatise ein beeindruckendes Werk
S 18
4. Bibliographie
S 19
3
The First Grammtical Treatise
1. Was ist der First Grammatical Treatise?
1.1. Die Bedeutung und der Grund für die Entstehung
Der isländische Gelehrte Björn M. Ólsen (1850- 1919) sagte über den First Grammatical Treatise, dass er „for its time a notable, indeed, as far as I know, a unique work“ 1 ist. Und tatsächlich haben die Ausführungen im First Grammatical Treatise eine einzigartige Stellung in der Geschichte der Skandinavistik und sind in vielerlei Hinsicht im mittelalterlichen Europa unerreicht.
Er entstand dadurch, dass man in Island begann die isländische Sprache mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets zu schreiben. Da das lateinische Alphabet nicht optimal war um die Laute der isländischen Sprache auszudrücken, wurde es dahingehend verändert und angepasst. Es gibt keine Berichte darüber wie diese neuen Orthographien im Mittelalter geschaffen wurden, aber es gab später Innovatoren und Experimentatoren, die vorsätzlich diese geschaffene Rechtschreibung verbessern wollten. Jedoch der einzige von ihnen, der einen Bericht über die orthographischen Prinzipien und ein überzeugendes Programm der Reform hinterlassen hat, ist der anonyme isländische Autor des sogenannten First Grammatical Treatise (im Folgenden auch FGT).
1.2. Der Inhalt des First Grammatical Treatise
Einleitend erläutert der Autor des FGT, dass alle Sprachen verschieden sind und deshalb auch unterschiedliche Buchstaben brauchen, auch das Isländische. Er begründet dies darin, dass einige im Isländischen gebräuchliche Laute im Lateinischen nicht existieren, und somit benötigt das Isländische eigene Buchstaben für diese Laute und ein eigenes isländisches Alphabet. Dies soll das Schreiben und Lesen der isländischen Sprache vereinfachen. Hierfür werden alle lateinischen Konsonanten, die für isländische Laute passen, auch für das isländische Alphabet verwendet, und solche, die keinem Laut entsprechen, weggelassen. Ausserdem mussten noch weitere Konsonanten hinzugefügt werden. Die lateinischen Vokale bleiben im isländischen Alphabet alle erhalten, aber es
1
Haugen, Einar: First Grammatical Treatise. Linguistic Society of America, 1950. S. 5
4
kommen noch mehr Vokale hinzu, da das Isländische eine der Sprachen ist, die sehr viele Vokale haben.
Zu den 5 Vokalen des lateinischen Alphabets – a, e, i, o, u – kommen noch folgende Selbstlaute hinzu: o, ę, ø, y. Die 4 neuen Vokale, die wir heute als Umlaute bezeichnen, sind jeweils Zwischenlaute zu den im Latein Existierenden. Der Autor will dem Leser jede bedeutsame Nuance eines Lautes ausweisen und führt dazu eine ganz Reihe von Beispielen an. Dadurch möchte er für eine einheitlichere Aussprache und Schreibweise sorgen, um Doppeldeutigkeiten zu vermeiden. Er setzt die Vokale des geschriebenen isländischen Alphabets in dieser Reihenfolge fest: a, o, e, ę, i, o, ø, u, y und führt folgende Selbstlaute und deren Nasale des gesprochenen Isländisch an: a, a; o, o; e, ė; ę, ę; i, ï; o, o; ø, ø; u, u; y, y. Diese unterscheidet er weiterhin in kurze und lange Vokale: a, á; a, a; o, ó; o, o; e, é; ė, ė; ę, ę; ę, ę; i, í; ï, i; o, ó; o, o; ø, ø; ø, ø; u, ú; u, u; y, ý; y, y, wobei die langen Vokalen mit ´ gekennzeichnet sind. Der Autor sagt, dass ein Selbstlaut, wenn er mit einem anderen Selbstlaut kombiniert wird, den Platz eines Konsonanten einnimmt, und dass in diesem Fall der Laut nicht einfach zu unterscheiden ist, weil er kurz und fast mit dem nachfolgenden Vokal zusammengewachsen ist. Bei den Konsonanten stellt der Autor zuerst fest, dass kein Konsonant ohne einen Vokal ausgesprochen werden kann. Da b, c, d, g, h, p und t niemals doppelt vor einem Vokal in der selben Silbe stehen können, haben sie eine durchschnittliche Länge für den Laut eines Buchstaben. F, l, m, n, r und s können den Klang von zwei Konsonanten haben, wenn man sie lang aussprechen will, und würden dann aufgrund ihrer Aussprache folgendermaßen geschrieben: eff, ell, emm, enn, err, ess. Man kann den Laut aber auch reduzieren auf ef, el, em, en, er, es und deshalb gibt der Autor diesen Vokalen auch diese Namen. Um das Schreiben weniger aufwendig und schneller zu machen und um weniger Papier zu verbrauchen, soll ein Großbuchstabe, der dem Vokal der gleichen Silbe folgt, für die entsprechenden zwei Konsonanten stehen, zum Beispiel R für rr. Der Autor geht auf die Aussprache der einzelnen Konsonanten noch näher ein und erläutert sie an Beispielen, auch aus dem Griechischen und aus dem Latein. Die Konsonanten x, y, z, & (= et) und ~ (= tittle) eliminiert er aus dem isländischen Alphabet.
Zum Schluss fordert der Autor den Leser dazu auf, den Treatise zu verbessern, da es seiner Meinung nach an vielen Stellen nötig ist und schließt mit den Worten: „let [the
reader] value my efforts and excuse my ignorance, and let him use the alphabet“ 2 .
2
Haugen, Einar 1950: 29
5
1.3. Echtheit, zeitliche Einordnung, Umfang und Entstehung des
Das einzige noch erhaltene Exemplar des First Grammatical Treatise befindet sich im Codex Wormianus und stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Bei dieser Handschrift handelt es sich aber nicht um das Original, da sie Fehler aufweist, die nur auf eine Transkription vom Original zurückzuführen sind. Solche Fehler sind zum Beispiel die Wiederholung eines Wortes oder mehrere Wörter und auch die auftretenden Unstimmigkeiten zwischen den Argumenten im Text und den zugehörigen Beispielen. Hreinn Benediktsson ist sogar der Meinung, „that the preserved copy is at least the second remove from the original“ 3 , weil “in 90:11 there is an error, and at the end of the treatise there is a change (…), that indicate [this]” 4 .
Der FGT muss in einer sehr frühen Periode der Entwicklung isländischer literarischer Aktivität entstanden sein. Das genaue Datum der Entstehung und das genaue Alter sind jedoch unbekannt. Da sich der Autor aber auf den Gelehrten Ari Þorgilsson (1067/8- 1148) und dessen Íslendingabók (1122- 1132) bezieht, kann der FGT nicht vor ungefähr 1125 geschrieben worden sein. Der Versuch den Zeitraum einzugrenzen, vor dem der
FGT enstanden sein muss, erweist sich als noch schwieriger. Der einzige Anhaltspunkt
ist hier die noch vorhandene Abschrift des First Grammatical Treatise, die aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammt und der das Original vorausgegangen sein muss. Eine weitere Annäherung an den Entstehungszeitpunkt erlaubt eine Untersuchung der isländischen Orthographie des 12. und 13. Jahrhunderts dahingehend, ob Veränderungen, die dort stattgefunden haben auf den Einfluss des Werkes zurückgeführt werden können. Alle vier neuen Vokalsymbole existierten jedoch schon zuvor. Nur das spezielle Symbol für „ng“, der Punkt auf den Vokalen um die Nasalität anzuzeigen und der Gebrauch von Kapitälchen könnten vom Autor des FGT erfunden worden sein. „ng“ und der Punkt für die Nasalität kommen in anderen Manuskripten selten oder gar nicht vor, aber die Verwendung von Kapitälchen scheint ein sicheres chronologisches Kriterium, um annehmen zu können, dass alle Manuskripte, in denen sie vorkommen, nach dem FGT entstanden sein müssen. Die frühesten Schriften, in denen Großbuchstaben in dieser Art verwendet werden, stammen aus dem späten 12. Jahrhundert und sind alle Kopien. Daher ist das Werk wahrscheinlich vor 1175 verfasst worden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Entstehungszeitpunkt schon
3
Benediktsson, Hreinn: The First Grammatical Treatise. Institute of Nordic Linguistics, 1972. S. 22
4
Benediktsson, Hreinn 1972: 22
Quote paper:
M. A. Heike Mieth, 2002, Der "First Grammatical Treatise" - Zu Inhalt und Entstehung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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