3
Mobile Computing in der Betriebswirtschaft
Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen. 4
Verzeichnis der Tabellen. 6
Verzeichnis der Abkürzungen. 7
1 Einleitung. 9
2 Grundlagen des Mobile Computing. 9
2.1 Abgrenzung. 9
2.2 Historie. 10
2.3 Überblick über Betriebssysteme. 11
2.3.1 Palm OS. 11
2.3.2 Microsoft Windows Mobile. 13
2.3.3 Symbian OS. 15
2.3.4 Linux. 16
2.3.5 Sonstige Betriebssysteme. 18
2.4 Marktanalyse. 18
2.5 Geräteüberblick. 20
3 Basistechnologien und Zubehör. 21
3.1 GSM, GPRS und UMTS. 21
3.2 Infrarot. 25
3.3 Bluetooth. 26
3.4 Wireless LAN. 28
3.5 Global Positioning System. 32
3.6 Erweiterungsslots. 34
3.7 Weiteres Zubehör 37
4
4 Standardfunktionen der Betriebssysteme. 39
4.1 Windows Mobile. 39
4.1.1 PIM. 39
4.1.2 Office-Anwendungen. 41
4.1.3 Synchronisation. 42
4.2 PALM OS und Symbian. 46
4.2.1 PIM und Office. 46
4.2.2 Synchronisation. 46
4.3 Programmierung. 50
4.4 Einsatzmöglichkeiten. 51
5 Anwendung in der Betriebswirtschaft. 53
5.1 Sicherheit. 53
5.1.1 Daten auf dem Gerät. 53
5.1.2 Sicherer Netzwerkzugriff. 56
5.2 Außendienst. 59
5.2.1 Entwicklung. 59
5.2.2 Mobile Datenerfassung im Außendienst bei der Jela Schuh GmbH. 60
5.2.3 Außendienstunterstützung bei der Brauerei Ottakringer. 62
5.2.4 Auftragsverteilung und Materialversorgung bei der FIDUCIA AG. 63
5.3 Healthcare. 66
5.4 Logistik. 68
5.5 Einsatzgrad. 70
5.6 Pro und Kontra. 71
6 Zusammenfassung und Ausblick. 74
Anhang. 75
Literaturverzeichnis 79
5
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Apple Newton MessagePad (1993)
Abbildung 2: Aktuelles Palm OS Gerät Tungsten T3 mit Tabellenkalkulation.
Abbildung 3: Compaq Aero (1998)
Abbildung 4: Firmenanteile an Symbian Ltd.
Abbildung 5: Nokia 9210 Communicator (2001)
Abbildung 6: Sharp Zaurus (2002)
Abbildung 7: Mobilfunkgenerationen.
Abbildung 8: Drahtlose Übertragungstechnologien in Abhängigkeit ihrer Reichweite.
Abbildung 9: Beispielkonfiguration eines Blutooth-Netzwerks mit 4 Geräten.
Abbildung 10: Ad-Hoc Netz ohne Access Point.
Abbildung 11: Infrastrukutrnetz mit 2 Access Points.
Abbildung 12: Yakumo PDA delta 300 GPS.
Abbildung 13: NaviLock GPS Bluetooth BT-308
Abbildung 14: Speicherkarten, von links: Memorystick, SD Karte, CF Karte.
Abbildung 15: SD GPS Empfänger.
Abbildung 16: Seiko SmartPad in Verbindung mit Pocket PC HP iPAQ.
Abbildung 17: Drahtloser Barcode Laserscanner mit Bluetooth-Schnittstelle.
Abbildung 18: Wochenansicht mit belegten Zeiten.
Abbildung 19: Kontaktansicht nach Name sortiert.
Abbildung 20: Pocket Excel mit geöffneter Datei.
Abbildung 21: Emailübersicht in Pocket Outlook.
Abbildung 22: Synchronisation mit ActiveSync.
Abbildung 23: OMA Oberfläche auf einem Microsoft Smartphone.
Abbildung 24: Microsoft Exchange OMA und Active Server Sync Architektur.
Abbildung 25: OneBridge Mobile Groupware Netzwerkstruktur.
Abbildung 26: Einfacher Pocket PC Kennwortschutz.
Abbildung 27: Grafischer Kennwortschutz VisKey.
Abbildung 28: Biometrischer Zugriffsschutz, Fingerabdruckscanner beim HP
iPAQ 5550.
Abbildung 29: movianVPN Client Oberfläche auf einem Palm OS Gerät
6
Abbildung 30: Schlüsselaustausch beim movianVPN Zugriff.
Abbildung 31: movianVPN Xauth auf dem Palm Client.
Abbildung 32: movianVPN Tunnel zwischen PDA und VPN Gateway.
Abbildung 33: Architektur der mobilen Auftragserfassung bei Jela.
Abbildung 34: Artikelvorauswahl mit Präsentation.
Abbildung 35: Scorecard mit Bonitätsprüfung.
Abbildung 36: Auftragsabwicklung der mobilen Lösung.
Abbildung 37: m-doc Architektur.
Abbildung 38: iPAQ PocketView ECG.
Abbildung 39: Rettungsdienst: Dokumentation vor Ort (DEmgSvc) auf einem
Nokia 9210.
Abbildung 40: MLS Mengenüberprüfung bei der Kommissionierung einer Position.
Abbildung 41: Einsatzgrad der Lösungen auf mobilen Endgeräten.
Abbildung 42: Gründe gegen den Einsatz von mobile Business.
Abbildung 43: Gründe für den Einsatz von mobile Business
Tabelle 1: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im
Q2 2004............................................................................................................. 11 Tabelle 2: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Hardwarehersteller
im Q2 2003/2004............................................................................................... 19 Tabelle 3: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im
Q2 2003/2004.................................................................................................... 19 Tabelle 4: Funktionsüberblick aktueller Geräte.................................................................. 20 Tabelle 5: GPRS Codierungsverfahren.............................................................................. 23 Tabelle 6: Frequenzbereich für 802.11b Funknetze........................................................... 29 Tabelle 7: Anwendungsbereiche für mobile Lösungen...................................................... 70
8
Verzeichnis der Abkürzungen
AES = Advanced Encryption Standard ARM = Advanced RISC Machines BSS = Basic Service Set BT = Bluetooth CAS = Computer Aided Selling CF = Compact Flash CODEC = Coding & Decoding CPU = Central Processing Unit CRM = Customer Relaionship Management CS = Codierungs-Schema CSD = Circuit Switched Data DES = Data Encryption Standard DMZ = Demilitarited Zone EAN = Europäische Artikel Nummer EDGE = Enhanced Data rates for GSM Evolution EKG = Elektrokardiogramm ERP = Enterprise Resource Planning FDD = Frequency Division Duplex GPRS = General Packet Radio Services GPS = Global Positioning System GSM = Global System for Mobile communication HPC = Handheld PC HSCSD = High Speed Circuit Switched Data IBSS = Independent Basic Service Set ICD = International Classification of Diseases IEEE = Institut for Electrical and Electronical Engineers IP = Internet Protocol IT = Informatonstechnologie IrDA = Infrared Data Association ISDN = Integrated Services Digital Network ISM = Industrial, Scientific and Medical KIS = Krankenhausinformationssystem
9
LAN = Local Area Network MIPS = Microprocessor without interlocked pipeline stages MMC = MultiMedia Card MS = MemoryStick OMA = Outlook Mobile Access OS = Operating System OWA = Outlook Web Access PC = Personal Computer PCMCIA = Personal Computer Memory Card International Association PDA = Personal Digital Assistant PDF = Portable Document Format PIM = Personal Information Management PIN = Persönliche Identifikations-Nummer POP3 = Post Office Protocol Version 3 RAD = Rapid Application Development RIM = Research in Motion SD = Secure Digital SDK = Software Development Kit SFA = Sales Force Automation SIR = Srrial Infrared SMS = Short Message Service SMTP = Simple Mail Transfer Protocol S60 = Symbian Series 60 TCP = Transmition Control Protocol TDD = Time Division Duplex UMTS = Universale Mobile Telecommunications System VGA = Video Graphics Adapter VPN = Virtual Private Network WCDMA = Wideband Code Division Multiple Access WEP = Wired Equivalent Privacy WLAN = Wireless Local Area Network WPAN = Wireles Personal Area Network WWAN = Wireless Wide Area Network
10
1 Einleitung
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der noch sehr junge Computerbereich des Mobile Computing. Dieser in den letzten Jahren von der Industrie hochgepriesene Bereich wird derzeit vor die Frage der sinnvollen betriebswirtschaftlichen Anwendung gestellt. Geräte gibt es mittlerweile genug. Durch starke Konkurrenz der Hardwarehersteller sind PDAs heutzutage sehr leistungsstark und können in vielen Unternehmensbereichen und deren Umwelt eingesetzt werden. Nach einem Überblick über die Aufteilung des Mobile Computing werden im Kapitel 3 die wichtigsten Technologien, die für den mobilen Einsatz notwendig sind, dargestellt. Folgend werden die Standardfunktionen der verfügbaren Betriebssysteme vorgenommen und es wird versucht, die wichtigsten Prämissen hinsichtlich betriebswirtschaftlicher Anwendung zu beschreiben. Im Anschluss daran werden vorhandene sowie sich bereits im Einsatz befindliche Lösungen näher betrachtet. Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt dabei in unternehmerischen Bereichen, die sich speziell für den Einsatz des Mobile Computing eignen. Abschließend soll zusammenfassend über die aktuellen Trends diskutiert werden.
2 Grundlagen des Mobile Computing
2.1 Abgrenzung
Unter dem englischen Ausdruck Mobile Computing versteht man das mobile Arbeiten mit einem Computer 1 . Es werden Tätigkeiten durchgeführt die nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden sind. Benötigt wird dazu ein transportabler Personal Computer (PC) wie zum Beispiel ein Notebook oder Personal Digital Assistant (PDA).
Notebooks oder Laptops werden auch oft als mobiles Gegenstück zu stationären Desktop PC bezeichnet 2 . Aufgrund des hohen Gewichtes und Energieverbrauchs sowie der großen Abmessungen sollen diese Geräte in dieser Arbeit nicht für das Mobile Computing betrachtet werden. Die genannten Nachteile eines Notebooks findet man bei einem PDA, auch Organizer, Palmtop oder Handheld genannt, nicht. Diese kleinen in der Hand zu haltenden Computer können aufgrund der in den letzten Jahren stark zunehmenden Leistung in immer mehr Bereichen eingesetzt werden. Noch vor ein paar Jahren nur als reine Kontaktdatenbank genutzt, ermöglichen die kleinen Rechner in Notizblockformat heute den mobilen Zugriff auf
1 Vgl. Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2004, Begriff „Mobile Computing“
2 Vgl. Lassmann et al., 2001, S 112
11
Firmennetzwerke über das Internet. Der Großteil der Geräteoberfläche wird als Anzeige genutzt 3 . Zusätzlich findet man oft einige Tasten oder Räder, die eine schnelle Bedienung und den Zugriff auf wichtige Funktionen mit nur einer Hand ermöglichen sollen. Bei den meisten PDAs ist das Display ein so genannter Touchscreen. Dieser ermöglicht die Steuerung per Stift oder sogar mit den Fingern. Bei den meisten Geräten kann man mit Hilfe einer Handschrifterkennung verschiedene Eingaben vornehmen.
2.2 Historie
Das erste Gerät auf das die Bezeichnung PDA wirklich zutraf, wurde 1993 vom USamerikanischen Computerhersteller Apple auf den Markt gebracht 4 . Das mit der Bezeichnung Apple Newton MessagePad prägte den Bereich der PDAs wie kein anderer. Dieses Modell zeichnete sich erstmals durch eine lernfähige Handschrifterkennung aus. Aufgrund damaliger unzureichender Rechnerleistung funktionierte diese oft nur eingeschränkt.
Abbildung 1: Apple Newton MessagePad (1993)
Quelle: Erle/Rieker, 2002, S. 16
Diese erste Version dieses PDAs nutzte einen ARM Prozessor mit 20 MHz. Diese ARM Architektur ist Grundlage für viele Prozessoren für mobile Geräte. Der effektive Befehlssatz, die kompakte Größe und die sehr gut optimierbare Stromaufnahme sind einige der Gründe dafür. Eine Weiterentwicklung ist auch heutzutage oft unter dem Namen StrongARM 5 zu finden.
3 Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/PDA_(Computer)
4 Vgl. Erle/Rieker, 2002, S. 16
5 Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/ARM-Architektur
12
Erst im Jahre 1996, 2 Jahre bevor der Apple Newton vom Markt verschwand, stellte der Softwarehersteller Microsoft sein eigenes Betriebssystem für mobile Endgeräte. Unter dem Namen Windows CE 1.0 wurde es als komplett neues, multitaskingfähiges 32-Bit OS entwickelt 6 . Fast zeitgleich brachte die Firma US Robotics einen Organizer mit einem damals neuartigen Betriebssystem Palm OS auf den Markt. Mit dem Namen „Pilot“ 7 oder „Palm“ werden auch heute noch oft Geräte mit diesem OS bezeichnet.
Ein dritter großer Hersteller der auch den PDA Bereich in seiner Entstehung stark prägte war die britische Firma Psion. Auch diese Firma brachte Geräte mit einem eigens entwickelten Betriebssystem mit dem Namen EPOC in den Handel. Mit der Ausgliederung der Softwareentwicklungsabteilung aus dem Unternehmen verabschiedete sich Psion 1999 aus dem Endkundenbereich. Das einfach zu bedienende EPOC OS wurde später durch das Symbian-Konsortium, zu dem heute viele Handy Hersteller (wie z.B. Nokia) gehören, weiterentwickelt. Mit dem daraus entstandenen Symbian Betriebssystem ist heutzutage ein große Anteil aller Handys ausgestattet 8 .
2.3 Überblick über Betriebssysteme
2.3.1 Palm OS
Der in den letzten Jahren stark boomende PDA Markt wird derzeit von den 3 Betriebssystemen von Symbian, Microsoft und PalmSource beherrscht. Wie in Tabelle 1 zu sehen, liegt PalmSource mit dem Palm OS Betriebssystem mit 22,5 Prozent Marktanteil nur knapp hinter Microsoft.
Tabelle 1: Aufteilung des gesamten mobilen Gerätemarktes nach Betriebssystem im Q2 2004
Quelle: Canalys estimates © 2004, canalys.com ltd. , “Mobile device market“
6 Vgl. Reinelt, 2002, S.16
7 Vgl. Immler, Salomon 2001, S.16
8 Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Psion
13
Der gesamte mobile Geräte Markt lässt sich nochmals in zwei Bereiche unterteilen. Auf der einen Seite gibt es die Daten-zentrierten Geräte 9 , deren Funktion hauptsächlich die Ein/Ausgabe sowie Verarbeitung von Daten ist. Diese besitzen deshalb meist einen Touchscreen. Dominierende Betriebssysteme sind hier die von Microsoft und PalmSource. Auf der anderen Seite gibt es die Sprach-zentrierten Geräte, die so genannten Handys bzw. Smartphones deren Hauptfunktion die Übermittlung von Sprache ist. Der dominierende Marktanteil liegt hier bei Symbian. In letzter Zeit stark zu beobachten ist die Verschmelzung beider Seiten zu Hybridgeräten. Jeder Hersteller versucht, dem anderen in den verschiedenen Bereichen, Marktanteile wegzunehmen. So gibt es mittlerweile auch Smartphones mit Palm OS.
Einen großen Beitrag zum Erfolg der ersten Palm Pilots im Jahre 1996 und 1997 leistete das Betriebssystem Palm OS, das im Gegensatz zu Windows CE ausgesprochen sparsam mit Speicher umging und deutlich schneller war. Schon im Jahre 1999 erreichte Palm mit der dritten Generation seiner Geräte, dem Palm III, zu einem weltweitem Marktanteil von über 68 Prozent 10 . Im Jahr 2000 erblickte der erste Palm mit Farbbildschirm den Markt und es gab mittlerweile über 100.000 Entwickler, die für die Plattform programmierten. Die Weiterentwicklung des Betriebssystems wurde kontinuierlich fortgesetzt und ist seit Mitte 2002 auf dem aktuellen Stand von Palm OS 5.
Die Anzahl der aktuell erhältlichen Geräte mit Palm OS beträgt rund 30 11 . Die Palette erstreckt sich vom billigen Endkundengerät bis zum leistungsstarken Alleskönner, der neben der kabellosen Netzwerktechnik WLAN auch einen Fingerabdruckscanner zur Sicherung der sensiblen Firmendaten integriert. Die Betriebssystem-Oberfläche lässt sich intuitiv per Stift oder Hardwaretasten steuern. Jedes Gerät lässt sich per Verbindung mit einem Desktop PC per so genannten HotSync synchronisieren. So lassen sich alle wichtigen Daten zwischen PC und PDA abgleichen.
Abbildung 2: Aktuelles Palm OS Gerät Tungsten T3 mit Tabellenkalkulation
Quelle: palmOne Germany GmbH., Pressefoto (2003)
9 Vgl. canalys.com ltd., http://www.canalys.com/pr/2004/r2004081.htm
10 Vgl. palmOne, Inc., http://www.palmone.com/us/company/corporate/timeline.html
11 Vgl. Dan Royea, http://www.deeptec.com/palmevolution/palmtree.html
14
Neben den Standard Anwendungen für das „Personal Information Management“ (PIM), dass die Verwaltung von Kontakten, Terminen sowie Aufgaben umfasst, kann man per Software von Drittanbietern auf Palm Geräten auch Windows Formate wie Excel/Worddateien verarbeiten.
2.3.2 Microsoft Windows Mobile
Neben Palm OS existiert mit 22.9 Prozent Marktanteil ein weiteres Betriebssystem, welches derzeit den Daten-zentrierten PDA Bereich dominiert. Microsoft agiert dabei wie bei Windows XP als reiner Lieferant des Betriebsystems. Jeder Hardwarehersteller kann theoretisch Lizenznehmer werden und eigene PDAs mit Windows Mobile auf den Markt bringen. Das Microsoft Betriebssystem hat seit der ersten Auslieferung 1996 sehr viele Namenswechsel durchzogen. Die ersten marktreifen Geräte erschienen 1996 mit Windows CE 1.0. Windows CE ist nicht, wie oft vermutet, kompatibel mit den Desktop Windows Versionen. PDA Programme laufen also nicht auf dem PC und umgekehrt. Diese ersten Windows CE Geräte wurden Handheld-PCs, kurz HPC genannt. HPCs gehören zur Geräteklasse der Palmtops. Diese Mobilcomputer waren nur wenig größer als eine Handfläche und besaßen lediglich eine Tastatur zur Eingabe 12 .
Kurz nachdem 1997 Windows CE 2.0 für HPCs erschien, brachte Microsoft Anfang 1998 eine angepasste Version für stiftbediente PDAs auf den Markt. Diese vorerst mit Graustufendisplays ausgestatteten Geräte bekamen den Namen PalmPC. Nach einer gerichtlichen Einigung mit Palm Inc. Wegen der hohen Verwechslungsgefahr mit den Palm Pilots wurde der Name in Palm-Size PC geändert. Die in Deutschland auch häufig unter der Bezeichnung Taschen-PC verkauften Geräte hatten erstmals einen Touchscreen zur Eingabe und Bedienung. Ein sehr bekannter Vertreter dieser Gruppe ist der Compaq Aero.
Abbildung 3: Compaq Aero (1998)
Quelle: Compaq, Pressefoto (1998)
12 Vgl. Gievers, 2002, S. 15
15
Trotz der 1999 nachgelegten Windows CE 2.11 Version, die nun auch Farbdisplays unterstützte, konnte Palm Inc. den weltweiten Marktanteil zu diesem Zeitpunkt auf über 70 Prozent ausbauen 13 . Dies hatte zur Folge, dass nur noch große Hardware-Hersteller wie Hewlett-Packard, Compaq und Casio, Geräte mit Microsoft Betriebssystem anboten. Ein möglicher Grund die zu geringe Akkubetriebszeit, die mit 10 Stunden weit unter der Palm Nutzungsdauer lag.
Im Jahr 2000 überarbeitete Microsoft Windows CE komplett. Ergebnis war ein neuer Name für das OS und eine neue Gerätegruppe. Windows CE 3.0 und die Geräte auf denen es installiert ist, hießen nun erstmals Pocket PC 14 . Diesen Namen ließ sich Microsoft schützen . Pocket PC ist somit auch noch heute die offizielle Bezeichnung für einen PDA mit Microsoft Betriebssystem.
Neben der schon beschriebenen ARM Prozessor Architektur, gab es bis 2001 weitere Typen. Zusätzliche Software musste jeweils kompatibel zu ARM, SH3 oder MIPS Prozessoren sein. 2001 wurde auch dieser Nachteil behoben. Pocket PC 2002, welches immer noch im Kern auf Windows CE 3.0 aufbaute, ist nur noch kompatibel und optimiert zur StrongArm Prozessorarchitektur. Neben neuen Eingabemethoden legte Microsoft den Focus auf die Kommunikations- und Verbindungsfähigkeiten. Der nächste wichtige Schritt, der Pocket PCs zu mehr Marktanteil verhalf, war die Einführung des StrongArm Nachfolgers von Intel. Unter dem Namen XScale ist der Prozessor damals mit 400 MHz knapp doppelt so hoch getaktet wie der StrongArm mit 206 MHz. Der volle Funktionsumfang der CPU wurde aber erst von der nächsten Betriebssystemgeneration, mit dem erneuten Namenswechsel zu Windows Mobile 2003, unterstützt. Wichtigster Vorteil des XScale Prozessors neben der Geschwindigkeit ist der geringere Stromverbrauch 15 . Dies wird nun auch vom OS unterstützt und die Taktrate wird je nach Anforderung automatisch angepasst. Aktuell verfügbar ist die Windows Mobile 2003 Second Edition. Diese Betriebssystem-Erweiterung von Microsoft ist derzeit auf den neuesten Geräten verfügbar. Neu ist die Unterstützung von größeren Displayauflösungen. Waren Pocket PC Bildschirme bis dato an die Auflösung von 240 x 320 Pixel begrenzt, so sind ab sofort VGA Auflösungen mit 480 x 640 Pixel möglich. Neu seit Windows Mobile ist auch der geänderte Kern. So wurde anstelle Windows CE 3.0 die CE.NET Version 4.20 als Grundlage verwendet. Dies ist das Ergebnis der breit angelegten .NET Strategie von Microsoft und hat den Vorteil der Portierbarkeit von Programmen.
13 Vgl. Immler, Salomon 2001, S.16
14 Vgl. Erle/Rieker, 2002, S. 16
15 Vgl. Intel Corporation, http://www.intel.com/design/pca/prodbref/252780.htm
16
Derzeit gibt es noch zwei weitere Erweiterungen von Microsoft im Bereich Windows Mobile. Unter dem Namen Windows Mobile Phone Edition sind Geräte mit integriertem Telefon verfügbar. Die Phone Edition unterstützt im Gegensatz zur normalen Windows Mobile Version zusätzliche Funktionen für den Zugriff auf den Telefonteil. Die zweite, noch nicht sehr verbreitete Betriebssystemversion, heißt Windows Mobile Smartphone. Damit versucht Microsoft im Handy bzw. Smartphone-Bereich Fuß zu fassen. Unterschiede sind hier, die Steuerung per Taste und das nicht Vorhandensein des Touchscreens. Microsoft will also auch wie PalmSource im Sprach-zentrierten Bereich Marktanteile gewinnen.
2.3.3 Symbian OS
Das dritte Betriebssystem, welches den derzeit größten Marktanteil mit 41 Prozent nach Tabelle 1 verzeichnen kann trägt den Namen Symbian. Dies entstand, wie schon in Kapitel 2.1 beschrieben nach der Ausgliederung der EPOC Entwicklungsabteilung aus der Firma Psion.
Abbildung 4: Firmenanteile an Symbian Ltd.
Quelle: Symian 2004
Mit der Gründung des Symbian-Konsortiums im Juni 1998, gehören heute namhafte Elektronikhersteller wie Ericsson, Nokia, Panasonic, Samsung, Sony Ericsson und Siemens dazu 16 . Es entstand der Nachfolger der 32-Bit EPOC Plattform unter dem Namen Symbian OS. Schon anhand der teilnehmenden Firmen erkennt man die Ausrichtung von Symbian OS auf den Sprach-zentrierten Bereich. Ende 2000 ist das erste marktreife Symbian Gerät, das Ericsson R380, erhältlich. Kurz darauf erscheint 2001 der Nokia 9210 Communicator mit der Symbian OS Version 6.0 als Betriebssystem 17 . Diese OS Version unterstützt keinen Touchscreen, und somit sind die Geräte mit einer Tastatur ausgestattet.
16 Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Symbian
17 Vgl. Symbian Ltd. http://www.symbian.com/about/history.html
Abbildung 5: Nokia 9210 Communicator (2001)
Quelle: Nokia, Pressefoto (2001)
Aber auch Symbian möchte sich nicht nur auf den Sprach-zentrierten Bereich konzentrieren. Deshalb wurde die Entwicklung von Symbian OS in 2 Richtungen unterteilt. Unter dem Namen Symbian Series 60, auch nur S60 genannt, wurde das Betriebssystem hinsichtlich stiftloser Bedienung optimiert. Der 167 x 208 standardisierte Bildschirm hat somit keine Touchscreenfunktionen. Auf die starke Verbreitung auf vielen aktuellen Geräten von Nokia, Siemens sowie anderen Smartphone Herstellern lässt sich der hohe Marktanteil von Symbian zurückführen. Grundlage für die Series 60 ist das Symbian OS 6.1 bzw. bei neuen Geräten Symbian 7.0.
Der zweite Entwicklungsbereich geht in Richtung Daten-zentrierter Bereich. Für die Dateneingabe und Verarbeitung ist ein Touchscreen und ein größerer Bildschirm zwingend notwendig. Diese Plattform basierend auf Symbian OS 7.0, ist als Symbian UIQ bekannt. Neben der Steuerung per Stift werden auch verschiedene Kommunikationsstandards, wie z.B. die Verbindung mit dem Internet, unterstützt. Die bekanntesten Geräte mit Symbian UIQ sind die Modelle der P800/P900er Serie von SonyEricsson 18 . Die Bildschirmauflösung ist mit 208 x 320 Pixel nur wenig kleiner als z.B. die anderer PDAs von Microsoft.
2.3.4 Linux
Neben diesen drei marktbeherrschenden Betriebssystemen gibt es weitere Betriebssysteme, die aber kaum auf aktuellen Geräten vertreten sind. So z.B. konnte die schnelle Ausbreitung von Linux im Großrechner-, Desktop- oder Serverbereich nicht so richtig bei den mobilen Geräten fortgesetzt werden. Nach der aktuellen Canalys Studie, wie in Tabelle 1 zu sehen, ist der Anteil an PDAs mit dem Open Source Betriebssystem mit 1,9 Prozent sehr gering. Dies liegt größtenteils an den wenigen Geräten, die marktreif geworden sind. Auf der Cebit 2000
18 Vgl. UIQ Technology, http://www.uiq.com
18
wurde das erste Geräte mit Linux präsentiert 19 . Dieser damals von Samsung unter dem Namen Yopi angekündigter PDA verschwand aber nach kurzer Zeit wieder. Kurz darauf brachte die japanische Firma Sharp mit dem Model Zaurus einen Linux PDA in die Läden, der in Ausstattung und Leistung mit anderen Geräten mit Palm oder Windows Mobile mithalten konnte. Doch auch die Umsatzzahlen dieses meistverkauften Linux Gerätes waren in Europa für Sharp nicht die gewünschten und somit zog sich das Unternehmen 2003 wieder in den asiatischen Raum zurück 20 .
Abbildung 6: Sharp Zaurus (2002)
Quelle: Sharp Electronics Europe GmbH, Pressefoto (2002)
Ein weiteres Projekt Linux auf den PDA zu bekommen wurde von begeisterten Linux Anhängern und Compaq durchgeführt. Aufgrund der starken Bindung Compaqs an Microsoft ist es aber nie zu einem kommerziellen Gerät gekommen. Das Unternehmen sponserte das Open Source Projekt mit dem Namen „Open Handheld Programm“ 21 . Es wurde erstmals Linux auf einen Compaq iPaq mit Microsoft Betriebssystem portiert. Auch heute findet man noch Anleitungen und Informationen zu diesem Projekt unter www.handhelds.org. Bei den Gründen für die geringe Akzeptanz und dem ausbleibenden Erfolg von Linux PDAs kann man nur spekulieren. Neben Problemen der Akkulaufzeit spielt sicherlich auch die fehlende Softwareauswahl eine große Rolle. Der geringen Anzahl von einigen Hundert Programmen stehen ca. 20.000 im Bereich Palm OS, Windows Mobile und Symbian gegenüber. Ein weiteres Problem für den Einsatz solcher Linux PDAs ist in der geringen oder fehlenden Erweiterbarkeit zu suchen. Zubehörhersteller liefern meist keine Linuxtreiber aus.
19 Vgl. Computerwoche Nr. 17, 2001, S. 80 f.
20 Vgl. Wikimedia Foundation Inc., http://de.wikipedia.org/wiki/Zaurus
21 Vgl. Computerwoche Nr. 17, 2001, S. 81
Arbeit zitieren:
Diplom Wirtschaftsinformatiker David Kaiser, 2004, Mobile Computing in der Betriebswirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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