Demokratie lernen durch Rituale und Regeln
von: Marjan Rosetz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die pädagogische Bedeutung von Ritualen und Regeln 4
3. Rituale und Regeln in der Grundschule 6
4. Bestimmungsmerkmale von Ritualen und Regeln 7
5. Die Kugellagermethode als Beispiel für ein positives, ritualisiertes Zusammenleben in der Schule 8
5.1 Gesprächsimpulse für eine Kugellagerdiskussion am Beispiel des Themas “ Einführung von Ritualen in den Schulalltag“ für ein LehrerInnenkollegium 9
6. Einige beispielhafte Rituale 10
6.1 Ritual: Gruppenzählen 10
6.2 Ritual: Hand-Ruhezeichen 10
6.3 Ritual: Ruhezeichen durch Instrument/ beliebiges Hilfsmittel 10
6.4 Ritual: Die versteinerte Klasse 11
6.5 Ritual: Die volle Wasserschale 11
6.6 Ritual: Das Klatschsignal 12
6.7 Ritual: Der Erzählstein 12
6.8 Ritual: Das Stimmungsbarometer 12
6.9 Ritual: Fundstück der Woche 13
6.10 Ritual: Die Freundschaftskerze 13
7. Das Erstellen von Regeln und Ritualen in der Grundschule 13
8. Das Spannungsfeld zwischen der Institution Schule und Demokratie 14
9. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Bei den Wörtern „Ritual“ und „Regel“ kommen bei den meisten Menschen negative Gefühle auf. Man verbindet mit Ritualen und Regeln Vorschriften, die die persönliche Freiheit einschränken, disziplinieren und unterdrücken. Rituale haben den Ruf von automatisierten Verhaltensabläufen, die einem von außen aufoktroyiert werden - Handlungen, die Ordnung, Disziplin und Verhaltensnormen trainieren und einüben wollen. Gerade ältere Menschen denken bei Ritualen in Bezug auf die eigene Schulzeit hauptsächlich an negative Disziplinierungsmaßnahmen, wie das Aufstehen, wenn der Lehrer die Klasse betritt.
Die Bedeutung von Ritualen Regeln in der Pädagogik hat sich aber jedoch grundlegend geändert. Rituale und Regeln werden als gemeinschafts- und demokratiefördernde Maßnahmen gesehen und haben Einzug in den Schulalltag von vielen Schulen gefunden.
2. Die pädagogische Bedeutung von Ritualen und Regeln
Obwohl sich in der letzten Zeit in der Pädagogik die Wertung für diese Begriffe verändert hat, da man das Einüben von Regeln und Ritualen als Methode begreift, Demokratie in der Schule zu internalisieren und zu praktizieren, gibt es immer noch Pädagogen, die Rituale und Regeln mit einer negativen Bedeutung belegen. So schreibt zum Beispiel Hilbert Meyer in seinem Band " Unterrichtsmethoden":
"Sie [ die Rituale ] schaffen kalkulierbare Verhaltenserwartungen für Lehrer und Schüler, sie dienen der Demonstration der Macht der Institution, aber auch der Kanalisierung der Triebpotentiale des Lehrers und der Formierung und Unterdrückung der Interessen, Phantasien und motorischen Bedürfnisse der Schüler" (Hilbert Meyer, Unterrichtsmethoden. II: Praxisband, 1990 3, S.191).
Schule wird hier als eine Institution angesehen, die repressive, Angst machende und bloßstellende Rituale produziert. Diesem negativen Verständnis von Ritualen soll ein positives Verständnis gegenübergestellt werden. Es soll gefragt werden, ob Rituale nicht auch einen Beitrag zur Entwicklung einer humanen Schule leisten können:
"Regelmäßig wiederkehrende, in Form und Ablauf allen bekannten stark auf Affekte zielende ...Handlungen und Vorgänge fördern Konzentration, verbinden Teilnehmer. Keine Kultur, keine Gesellschaftsform, kein Lebensalter kommt ohne solche Funktionen von Ritualen aus. Für den Schüler sind die gemeinschaftsstiftenden und entlastenden Funktionen vertrauter Rituale äußerst wichtig; sie sind für ihn konkrete Zeichen der Zugehörigkeit, des "in-Seins" im wahrsten Sinne des Wortes" (Klaus Breslauer).
Es scheint jedoch ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, Regeln und Rituale für das eigene Leben zu haben. Regeln und Rituale beinhalten auch Sicherheit, Zuverlässigkeit und Strukturierung für das (Alltags)Leben. Durch Regeln und Rituale werden auch positive Gefühle erzeugt. Man fühlt sich zu etwas dazugehörig, man hat Sicherheit und Verlässlichkeit. Zusammengehörigkeitsgefühle in Gruppen werden erzeugt und Rituale spenden oft Trost (z. B. im religiösen Kontext).
Rituale sind "erfundene Wirklichkeiten. Sie schöpfen - wenn sie nicht reglementieren oder schematisieren- aus dem Nichts Verlässlichkeit, Zuversicht, Zusammengehörigkeitsgefühl und sogar Trost. Sie sind wie ein Geländer, das der (kindlichen) Seele Halt geben kann." (Pädagogik 1/94, S.10).
3. Rituale und Regeln in der Grundschule
Mit Ritualen in der Grundschule sind feste, sich wiederholende Handlungsmuster in der Klasse (eventuell auch im Jahrgang, der Schule) gemeint, die für die Klasse einen unverzichtbaren Stellenwert bekommen. Rituale leben davon, dass sich die Klasse daran beteiligen kann. Rituale sind sinnlich erfahrbar und geben der Klasse Sicherheit und Ausgeglichenheit.
Der Hessische Rahmenplan Grundschule (1995) definiert Rituale so:
"Rituale sind Aktionen, die Regeln als feste Gewohnheiten etablieren. Sie entlasten den Unterricht und rhythmisieren den Tages- und Wochenablauf. Sie reichen von kleinen Signalen zur Herstellung von Ruhe (Handzeichen) über die tägliche Begrüßung und Verabschiedung (Morgenkreis, Lied, Gebet) bis hin zu wiederkehrenden Übungen bzw. Formalia (Stilleübung, Geburtstagsrituale, Klassensprecherwahl)."
[...]
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Marjan Rosetz, 2003, Demokratie lernen durch Rituale und Regeln, Munich, GRIN Publishing GmbH
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