Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Definitionen 5
2.1 Definition von Gewalt 5
2.2 Definition von Medien. 6
3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten. 7
3.1 Informationssendungen. 7
3.2 Unterhaltungssendungen. 8
3.3 Reality - TV 8
3.4 Charakteristika der Fernsehgewalt 9
4. Wirkung von Gewalt in den Medien 12
4.1 Die Katharsisthese 12
4.2 Die Habitualisierungsthese 14
4.3 Die Suggestionsthese 15
4.4 Die Stimulationsthese 16
4.5 Die Lerntheorie 17
5. Fazit 21
6. Literaturverzeichnis 22
3
1. Einleitung
Mediengewalt ist in der Öffentlichkeit ein Thema von großem Interesse, bei dem zumeist alle selbsternannten Experten von Jung bis Alt einer Meinung sind: es wird im Alltagsleben davon ausgegangen, dass gewalttätige Filme bei Heranwachsenden die Gewaltbilligung und die Bereitschaft, Gewalt auszuüben, erhöhen. 1 So wurde auch nach Gewaltakten an Schulen wie beispielsweise 1999 in Metten/Niederbayern verstärkt nach
gewaltverherrlichenden und gewaltdarstellenden Medien im Besitz des Täters gesucht und auch entsprechendes Material gefunden in Form von CD-ROMs und Videokassetten. Diese wurden dann zusammen mit Waffen und Gesichtsmasken als »Tatwerkzeuge« abfotografiert. Dafür, dass es sich bei den Videos aber beispielsweise um pornographische Filme handelte die als Tatvorlage eher ungeeignet erscheinen interessierte sich in dem aufgeheizten Klima niemand, die Schuld der Medien galt als bewiesen. 2 So einheitlich wie die Meinung der Laien ist die der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Mediengewalt allerdings nicht. Für keine Thematik der Medienwirkungsforschung liegen mehr Veröffentlichungen vor als für mediale Gewaltdarstellung, wobei diese Menge an Studien noch nichts über die Qualität ihrer Inhalte aussagt. 3
Im Folgenden soll nach Definition einiger relevanter Begriffe die Gewaltdarstellungen in medialen Kontexten und Charakteristika der Fernsehgewalt geschildert werden. Anschließend wird auf einige wichtige Thesen zur Thematik der medialen Gewaltdarstellung eingegangen, um den derzeitigen Stand der Medienwirkungsforschung auf diesem Gebiet widerzuspiegeln.
1 vgl. Kunczik, M. und Zipfel, A. (2003): Medien und Gewalt - Auseinandersetzug mit der Medienwirkungsforschung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.):Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als: Kunczik und Zipfel, 2003)
2 vgl. Nagl, M. (2003): Öffentliche Erregung: Historische und aktuelle Aspekte medialer Gewaltdarstellung. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.110 (Im Folgenden zitiert als: Nagl, 2003)
3 vgl. Kunczik und Zipfel, 2003, S.110
4
2. Definitionen
Bei dem Schlagwort »mediale Gewaltdarstellung« drängen sich zwei Fragen auf:
Was versteht man unter »medial« in diesem Zusammenhang? Und was bedeutet »Gewaltdarstellung«? Wie lassen sich diese Begriffe näher eingrenzen?
Die anschließenden Erläuterungen stellen eine m ögliche Definition beider Konstrukte dar.
2.1 Definition von Gewalt
Unter Gewalt wird nach Theunert „die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen“ 4 verstanden. Der Begriff Gewalt lässt sich allerdings weiter in personale und strukturelle Gewalt aufspalten. Personale, direkte Gewalt wird als „die beabsichtigte physische und /oder psychische Schädigung einer Person, von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person“ 5 definiert.
Strukturelle Gewalt stellt dagegen eine indirekte Form dar, die in ein soziales System integriert ist. Sie hat keinen konkreten Akteur wodurch sich das Opfer des Gewaltaktes oftmals nicht bewusst ist. Diese Form äußert sich in sozialer Ungerechtigkeit und ungleichen Machtverhältnissen und wird v on den Betroffenen subjektiv durch die D iskrepanz zwischen den möglichen Lebenschancen und der tatsächlichen Lebenssituation empfunden. 6 Nach Hugger (1995) ist Gewalttätigkeit das „bewusste oder unbewusste Zufügen eines körperlichen oder seelischen Schadens, ohne daß eine
4 Theunert, H. (1996): Gewalt in den Medien-Gewalt in der Realität. KoPäd Verlag, München, S.59 (Im Folgenden zitier als: Theunert, 1996)
5 Kunczik, M.(1998): Gewalt und Medien. Böhlau Verlag Köln, S.15 (Im Folgenden zitier als: Kunczik, 1998)
6 vgl. Kunczik, 1998, S.16f
5
gesellschaftliche Legitimation vorliegt.“ 7 Er differenziert weiter zwischen Beschädigung von Personen und Sachen, körperlicher und seelischer Gewalt und Schäden durch zufällige Ereignisse, wie Unfälle oder Naturkatastrophen. 8 Der Begriff der seelischen oder psychischen Gewalt umfasst Handlungsweisen, die die kognitive und psychische Verfassung der betroffenen Person schädigen, betrifft also eher Gewaltakte wie beispielsweise Drohung oder Freiheitsberaubung als das Zufügen von Schmerzen. 9
2.2 Definition von Medien
Der Begriff Medien wird sich in dieser Arbeit zum größten Teil auf das Fernsehen konzentrieren, da sich die meisten Untersuchungen zur Gewaltwirkung auf dieses Medium beziehen. Durch die akustische und visuelle Reizübertragung ist hier eine intensivere Rezeption möglich, auch wenn sich die angeführten Modelle in Teilen auch auf Hörfunk und Printmedien, und vermutlich auch auf Computerspiele, übertragen lassen.
7 Hugger, P.und Stadler U.(Hrsg.) (1995): Gewalt. Kulturelle Formen in Geschichte und Gegenwart, Zürich, S.22 (Im Folgenden zitiert als: Hugger und Stadler, 1995)
8 vgl. Hugger-Stadler, 1995, S22f
9 vgl. Theunert, 1996, S89f
6
3. Der Gewaltbegriff in medialen Kontexten
Da Medien als Bestandteil der gesellschaftlichen Realität zu sehen sind, haben ihre Inhalte Bedeutung für den einzelnen Rezipienten und die Gesellschaft. Um mediale Gewaltpräsentation zu bestimmen und einzuordnen ist es notwendig, die medienspezifischen Darbietungsformen zu berücksichtigen. 10
3.1 Informationssendungen
Im Informationsbereich, allen voran in den Nachrichten, wird fast ausschließlich über reales Gewaltgeschehen berichtet: Kriegsgeschehnisse, Umweltkatastrophen, Verbrechen usw. Allerdings wird hier kein genaues Abbild der Realität gezeigt, sondern es handelt sich vielmehr um das Ergebnis eines Selektionsprozesses. Menschen (in diesem Fall zumeist Journalisten) entscheiden, was und wie berichtet wird, und das kann, zusätzlich ergänzt mit fernsehspezifischen Gestaltungsmitteln, von Sender zu Sender stark differieren. Durch Kommentierung und filmische Gestaltung kann ein reales Gewaltgeschehen eine andere Darstellung erhalten, als es sich tatsächlich ereignet hat.
Durch eine oftmals komplizierte Sprache und das Vorenthalten oder Weglassen bestimmter Informationen wird der Rezipient in einer realitätsnahen Informationsaufnahme und - verarbeitung eingeschränkt. Diese einseitige und verfälschende Berichterstattung wird nicht zuletzt durch spektakuläre und »schockierende« Bilder, insbesondere von Kriegsschauplätzen, bestärkt. 11
10 vgl. Best, P. (2003): Den Blick aufs Ganze - Gewalt im Alltag, im Fernsehen und aus der Sicht von Kindern. In: Aktion Jugendschutz Baden-Württember (Hrsg.): Gewalt in den Medien-Ein Thema für die Elternarbeit. Stuttgart, S.139f (Im Folgenden zitiert als: Best, 2003)
11 vgl. Best, 2003, S.140f
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Arbeit zitieren:
Sonja Reichel, 2004, Mediale Gewaltdarstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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