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Es wird auch weiter behauptet, dass die Struktur des sprachlichen Systems sich nicht von seiner Funktion trennen lässt, denn die Funktionalität der Sprache sei eine wesentliche Eigenschaft natürlicher Sprachen. Eine rein
formorientierte Analyse könne die kognitive Zweckgebundenheit der Sprache nicht erfassen. Die modulare Autonomiehypothese wird abgelehnt. Natürliche Sprachen stellen vielmehr offene Systeme dar, die den Einflüssen des kognitiven Verarbeitungssystems (und seinen Determinanten) unterliegen. Die Grammatik einer Sprache sei symbolisch. Die Grammatik wird wie das Lexikon einer Sprache als das Ergebnis komplexer Konzeptualisierungprozesse
betrachtet. Unter Konzeptualisierungen versteht Langacker m entale Prozesse, die Informationen aus verschiedenen Bereichen menschlicher Erfahrung
aufeinander beziehen. Beide Komponenten erfüllen deshalb repräsentationelle Funktionen. Syntaktische Phänomene lassen sich weitgehend als Widerspiegelungen semantisch-konzeptueller und funktionaler Prinzipien
beschreiben. Es wird keine strikte Trennung zwischen Semantik und Pragmatik gezogen. Sprachliche Bedeutungen stellen keine diskreten linguistischen Einheiten dar. (Schwarz, 1992: 50-51) Im Mittelpunkt der holistischen kognitiven Linguistik stehen die Analyse des Zusammenhangs zwischen
semantischen Phänomenen und konzeptuellen Universalien sowie die Untersuchung der Schnittpunkte zwischen Syntax und Semantik (Rudzka-Ostyn). Der modulare Ansatz in der kognitiven Linguistik dagegen ist untrennbar an die generative Grammatik geknüpft.
In der modularen Sprachtheorien wird die Sprache als ein eigenständiges Modul auf der Interebene der Kognition von anderen Kenntnissystemen abgegrenzt. Der kognitiven Linguistik geht es um die Explikation der I-Sprache (als der im Kognitionssystem verankerten Sprachstrukturen). Grammatische Erklärungen sind somit immer auch Beschreibungen von Strukturen eines spezifischen Teils unseres Geistes. Untersuchungsgegenstand der modularen Linguistik i st das sprachliche
Kenntnissystem (mit den Komponenten Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik), dass als ein im menschlichen Gehirn verankertes Modul angesehen wird. Das sprachliche System ist aber auch ein funktionales System, das sowohl durch ein Kenntnissystem als auch die dazugehörigen Realisierungsmechanismen konstituiert wird (Schwarz 1992:46).
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Das grammatische Wissen, über das ein Mensch verfügt, ist ein implizites Wissen, d.h. es ist dem Bewusstsein nicht direkt zugänglich. Die Sprecher und Hörer befolgen die Regeln automatisch und meist unbewusst. Grammatisches Wissen ist deshalb nicht mit dem gleichzusetzen, was man normalerweise (d.h. im psychologischen Sinn) unter Wissen versteht, nämlich die im
Langzeitgedächtnis gespeicherten Strukturen, die Informationen über die Welt repräsentieren. Die Grammatik ist kein Glaubenssystem, das bestimmte Bereiche unserer erlebten Welt repräsentiert. Die syntaktische Sprachkenntnis ist ein mentaler Zustand.
Das zentrale Problem betrifft also die mentale Repräsentation sprachlichen Wissens und dessen Erwerb.
Bei der Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit stellen sich Fragen nach der Struktur des sprachlichen Kenntnissystems und nach dessen Erwerb und Gebrauch. Für Chomsky besitzt die Beantwortung der Frage nach der Organisation des Kenntnissystems logische Priorität. Das heißt, zuerst müssen wir eine Vorstellung von der Struktur des sprachlichen Kenntnissystems besitzen, um die restlichen Fragen adäquat beantworten zu können.
Da aber als Voraussetzung die Beherrschung einer Sprache als solche dadurch charakterisiert wird, dass man Sätze einer Sprache versteht und Sätze produziert, tauchen zwei voneinander unabhängig zu beschreibende
Problembereiche auf: einerseits die Struktur dieses Kenntnissystems und andererseits die Realisierungsmechanismen( Bierwisch). Man geht davon aus, dass man bei der Analyse des Kenntnissystems die folgenden drei Aspekte berücksichtigen müsste:
1. Jedes System determiniert bestimmte Repräsentationen, die als Strukturen mentaler Zustände aufzufassen sind. 2. Die Repräsentationen des sprachlichen Kenntnissystems beruhen auf sprachspezifischen Regeln. 3. Die Regeln des Systems werden durch universale Prinzipien determiniert. (Schwarz 1992: 47-48)
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"Die Untersuchung der Realisierungsmechanismen (welche die
Mechanismen der Rezeption und Produktion betreffen) wird in der generativen Grammatik immer noch primär als eine Domäne der Psycholinguistik angesehen." (Schwarz, 1992:48) In der kognitiven Linguistik dagegen beschäftigt man sich nur auf einer abstrakten Ebene mit dem sprachlichen System, obwohl man annimmt, dass den sprachlichen Strukturen neurophysiologische Muster zugrunde liegen. "Dem neueren Funktionalismus der kognitiven Wissenschaft folgend, werden kognitive Phänomene losgelöst von ihrer materiellen Grundlage beschrieben." (ebd.)
Bierwisch und Lang unterteilen die Kognition im Rahmen der modularistisch ausgerichteten kognitiven Linguistik mit ihrer Zwei - Stufen - Semantik -Theorie in zwei Teile: 1. Semantische Repräsentationsebene 2. Konzeptuelle Repräsentationsebene
Semantische Einheiten sind an lexikalische Einheiten gebunden und werden von den Prinzipien des Sprachsystems determiniert. Das konzeptuelle System ist sprachunabhängig und stellt den Rahmen für alle Erfahrungen des Menschen dar. Neben Bierwisch und Lang appelliert Günther Grewendorf die Modularität im Zusammenhang mit der pragmatischen Kompetenz, es sei denn, die pragmatische Kompetenzform regelt die Situierung von Sätzen in Kontexten. Aber diese geregelte Situierung von Sätzen in Kontexten kann nicht als eine einzige spezifische Fähigkeit angesehen werden. Dabei spielen vielmehr eine ganze Reihe unterschiedlicher Faktoren eine Rolle. Diese Faktoren betreffen Prinzipien, die unsere Wahrnehmung steuern, betreffen das System der sozialen Beziehungen, Prinzipien, nach denen wir begriffliche Unterscheidungen
vornehmen, affektive Prozesse etc. D.h., wir müssen diese pragmatische Kompetenz als ein komplexes, "systematisches" Konglomerat unterschiedlicher, zusammenspielender Faktoren ansehen.
Man darf annehmen, dass die pragmatische Kompetenz Resultat vielfältiger interagierender Fähigkeitssysteme ist. Das heißt, dass diesen Fähigkeiten
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jeweils ein eigenes, durch universelle Prinzipien gesteuertes System zugrunde liegt.
Eine solche Annahme, wonach komplexe Fähigkeiten durch das Zusammenspiel autonomer kognitiver Fähigkeitssysteme erklärbar sind, nennt man Modularitätsannahme.
Grewendorf unterstützt diese Modularitätsthese der menschlichen Kognition, indem er sich auf die Untersuchungen der Nobelpreisträger Hubel und Wiesel bezieht. Denn sie haben gezeigt, dass das visuelle System bei Säugetieren nicht nur modular aufgebaut ist - etwa durch die autonomen Bereiche des visuellen, den auditiven oder des taktilen Systems- sondern auch, dass für diese autonomen Teilsysteme jeweils sozusagen eine "universale Grammatik sui generis" anzunehmen ist.
Bierwisch geht ein Schritt weiter und versucht dann eine Unterscheidung zwischen den Subsystemen zu machen, als einer pragmatischen Kompetenz zugrunde liegenden interagierender Systeme zu klassifizieren:
Das perzeptive System, das den Bereich der Wahrnehmung als • autonomes, selbst wiederum modular organisiertes Verhaltenssystem ausweisen würde; Das motorische System, das für die Effektor-Organe (z.B. •
Artikulationsorgane, Gestik etc.) und deren interne Steuerung einen autonomen Bereich postuliert;
Das motivationale System, das unsere Verhaltensabläufe als durch •
strukturierte Hierarchien von Zielen und Teilzielen organisiert zu betrachten ist, deren oberste Dominanten in fundamentalen,
phylogenetisch herausgebildeten Bedürfnissen und Antrieben bestehen; Das konzeptuelle System, das für die Unterscheidungen und •
Beziehungen in unserem Inneren begrifflich strukturierte Modelle Umwelt als angeborene autonome Prinzipien annimmt; Das System der sozialen Interaktion, das die Formen, Bedingungen und • Konsequenzen interpersonaler Beziehungen und Verhaltensabläufe
determiniert, und für das mit Sicherheit ebenfalls als eine eigene modulare Organisation angenommen werden muss, d a es z.B. schon das System der Kommunikation als Teilbereich enthielte;
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Das affektive System, das auch für die affektiven und emotionalen •
Aspekte des Verhaltens Strukturierungen annimmt, die durch eigene Prinzipien determiniert sind und Repräsentationen spezifischer Art besitzen.
Grewendorf (1991:38) folgt dieser Modularitätsthese auch bei der
Klassifikation der grammatischen Kompetenz. Denn auch die grammatische Kompetenz soll aus verschiedenen autonomen Teilsystemen entstehen, die wiederum interagieren. Diese sind:
-das phonetisch/phonologische System
-das morphologische System
-das syntaktische System
-das semantische System
Wie Bierwisch und Langacker differenzieren Fanselow und Felix das
Kognitionssystem in mindestens zwei autonome Module:
1. Grammatikmodul
2. Das andere Modul bzw. die anderen Module, die alle übrigen kognitiven Funktionen umfasst.
Als charakteristisches Merkmal wird im modularen Ansatz der kognitiven Linguistik das sprachliche Kenntnissystem (und hier insbesondere die
syntaktische Komponente) als ein weitgehend autonomes Subsystem der Kognition angesehen.
Doch wie kommt das Salz ins Meer, also wie funktioniert die in unserem Gehirn sowohl neurophysiologisch als auch mental vorhandene Sprachfähigkeit oder besser gesagt Sprachstruktur.
Sprachperzeption Man geht davon aus, dass Sprachverarbeitungssystem des Menschen sowohl strukturell (als mentales Kenntnissystem) als auch prozedural (als Verarbeitungssystem) zu definieren sei. (Schwarz 1992: 133) Der Sprachverarbeitungsprozessor ermöglicht die Rezeption und die Produktion sprachlicher Einheiten und Strukturen. Die Verarbeitung sprachlicher
Strukturen stellt einen komplexen Informationsverarbeitungs-prozess dar, der alle Komponenten des sprachlichen Kenntnissystems einschließt und dessen Resultat eine mentale Repräsentation ist, die nicht nur sprachliche
Arbeit zitieren:
Dr. Mesut Gönç, Orhan Bozdemir, 1996, Kognitionswissenschaft - Der Status der Sprache im Kognitionssystem, München, GRIN Verlag GmbH
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