Eileen Schott
- Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI) -
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Lernortkooperation - ein Überblick. 4
3. „KOLIBRI schwirrt durch die Bildungslandschaft“ 6
3.1. Die Struktur des Modellversuchsprogramms 6
3.2. Die Zielstellungen 8
3.3. Die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten 10
3.3.1. Maßnahmenbereich 1. 10
3.3.2. Maßnahmenbereich 2. 12
3.3.3. Maßnahmenbereich 3. 13
3.3.4. Maßnahmenbereich 4. 15
3.3.5. Maßnahmenbereich 5. 16
4. Fazit. 18
5. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
„Die Kooperation der Lernorte soll sicherstellen, dass die knappe Ressource „Lernort Betrieb“ optimal genutzt wird. Dazu gehört die Förderung von Verbundlösungen unter
(Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland)
Die Diskussion um kooperative Aktivitäten zwischen den an der dualen Berufsausbildung in Deutschland beteiligten Lernorte „Berufsschule“ und „Betrieb“ verlor in der Geschichte der beruflichen Bildung nie an Aktualität. Der Begriff des „dualen Systems der Berufsausbildung“ begründet die Notwendigkeit zur Kooperation der Lernorte, um einer qualitativ hochwertigen Erstausbildung junger Erwachsener in der Bundesrepublik Deutschland gerecht werden zu können. Die Thematik Lernortkooperation stand stets im Fokus der Berufsbildungsforschung. Infolgedessen initiierte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in der Vergangenheit unterschiedliche Modellversuche, um die Zusammenarbeit der zuständigen Ausbildungsorte hinsichtlich ihrer Effektivität auf die berufliche Bildung zu überprüfen, bestehende Defizite aufzuzeigen und Verbesserungsmöglichkeiten anzuregen. 2 Im Rahmen dessen setzt sich die vorliegende Ausarbeitung mit dem Modellversuchsprogramm „Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI)“ auseinander. Im Folgenden soll ein Überblick zur Begrifflichkeit der Lernortkooperation gegeben werden [2]. Wie definiert sich Lernortkooperation? Welche Interessengruppen beteiligen sich an kooperativen Aktivitäten in der beruflichen Bildung? Welche Ergebnisse hinsichtlich der Kooperation der Lernorte konnten vorangegangene Modellversuche erbringen? Dem folgend soll das Konzept des Modellversuchsprogramms bezüglich seiner s trukturellen Rahmenbedingungen und den zu erreichenden Zielen vorgestellt werden. Anschließend werden die praktische Umsetzung der Modellvorhaben, der dabei erzielte Erkenntnisgewinn gegliedert in einzelne Maßnahmenbereiche sowie deren Bedeutung für die berufliche Bildung beleuchtet [3]. Ein abschließendes Fazit dient dem Leser als Zusammenfassung der vorangestellten Ausführungen [4].
1 Überlegungen der KMK (Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland) zur Weiterentwicklung der Berufsbildung vom 23.10.1998
[http://www.kmk.org/beruf/ueberleg.htm; 29.08.2004].
2 Vgl. Euler, Dieter; u.a.: Kooperation der Lernorte im dualen System der Berufsbildung. Bericht über eine Auswertung von Modellversuchen von Dieter Euler, Klaus Berger u.a. Bonn: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung. 1999a (Materialien zur Bildungsplanung und
Forschungsförderung, H. 73), S. 1.
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2. Die Lernortkooperation - ein Überblick
Lernortkooperation bezeichnet „das technisch-organisatorische und (vor allem) das pädagogische Zusammenwirken des Lehr- und Ausbildungspersonals der beteiligten Lernorte „Berufsschule und Betrieb“ (mit wiederum unterschiedlichen Lernorten)“ 3 , sprich: eine „Verzahnung von praktischem Handeln und theoretischer Reflexion“ 4 in einem komplexen Bildungsnetzwerk. Im Allgemeinen wird dem Begriff des Lernorts mit der Assoziation Berufsschule oder Betrieb Rechnung getragen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Berufsschulen als auch die Unternehmen über mehrere „Lernorte“ verfügen können. Über- sowie außerbetriebliche Ausbildungsstätten, Lernbüros, Übungsfirmen oder der Arbeitsplatz haben sich für die Auszubildenden ebenfalls als alternative Lernstätten etabliert. 5 Im Weiteren beschränken sich die bestehenden Kooperationen oftmals ausschließlich auf die Berufsschulen und Betriebe. Mit Kooperation im Sinne von Zusammenarbeit verschiedener Partner kann jedoch eine Vielzahl von verschiedenen Interessengruppen definiert werden, die einen Beitrag zur Gestaltung der Lernortkooperation leisten und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung dieser ergreifen. Beispielsweise erkennt der Bund mit Übernahme der „Verantwortung aller Beteiligten für den Erhalt, die Sicherung und die Weiterentwicklung der dualen Berufsausbildung“ 6 die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf allen bildungspolitischen Ebenen an. Laut Meinung der Ständigen Kultusministerkonferenz der Länder werden mit der „Orientierung der Rahmenlehrpläne an Lernfeldern“ 7 die ordnungspolitischen Voraussetzungen für eine Intensivierung der Zusammenarbeit der Lernorte gegeben. Des Weiteren engagieren sich Kammern, Innungen oder Hochschulen in der Berufsbildung mit dem Ziel der Förderung bereichsübergreifender Kooperationen für eine Optimierung des Le rnprozesses der
3 Pätzold, Günter: Möglichkeiten und Grenzen einer pädagogisch begründeten Lernortkooperation in der beruflichen Bildung. IN: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Lernortkooperation und Abgrenzung der Funktionen von Betrieb und Berufsschule. 4. Workshop zu Stand und Perspektiven in der kaufmännischen und verwaltenden Berufsbildung. Bielefeld: Bertelsmann, 1996 [Tagungen und Expertengespräche zur beruflichen Bildung; H. 25], S. 207 ff.
4 Euler, Dieter; u.a.: Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI). Abschlussbericht des Programmträgers zum BLK-Programm. Bonn: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung. 2004a (Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung, H. 114), S. 6.
5 Vgl. Euler, Dieter: Lernortkooperation - eine unendliche Geschichte? IN: Euler, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lernortkooperation. Band 1: theoretische Fundierungen. Bielefeld: Bertelsmann 2004b, S. 13.
6 Bau, Henning: Bildungspolitische Ziele und Erwartungen des Bundes zur Lernortkooperation in der beruflichen Bildung. IN: Euler, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lernortkooperation. Band 1: theoretische Fundierungen. Bielefeld: Bertelsmann 2004, S. 134 - 151; weiterführende Literatur zum Aspekt der Interessengruppen in der Lernortkooperation: Möhlenbrock, Rolf: Ziele, Ansprüche und Erwartungen an Lernortkooperationen aus Sicht der Kultusverwaltung. IN: a.a.O., S. 152 - 166; Zedler, Reinhard: Ziele, Ansprüche und Erwartungen an Lernortkooperationen aus Sicht der Wirtschaft. IN: a.a.O., S. 167 - 177; Weichhold, Manfred: Ziele, Ansprüche und Erwartungen an Lernortkooperation aus Sicht der Lehrerverbände: Die Position des VLW. IN: a.a.O., S. 188 - 193; Krafczyk, Tobias: Interessengruppenanalyse im Kontext von Schulen und Lernortkooperationen. IN: Krafczyk, Tobias; Liebel, Alexander (Hrsg.): Interessengruppen im Kontext der Lernortkooperation. Bielefeld: Bertelsmann 2002, S. 3 - 14.
7 Euler, Dieter (2004a), S. 6.
4
Auszubildenden. Die klassischen - im Wandlungsprozess der Berufsbildung revidierten -Zuordnungen Schule als theorievermittelnde und Betrieb als praxisgebende Instanz sowie die Trennung der Ausbildungsinhalte im didaktischen als auch im lehrmethodischen Sinn sind damit weitgehend aufgehoben. 8 In diesem Zusammenhang wird in der Literatur vermehrt vom Wandel der dualen Berufsausbildung zu einer „dual-kooperierenden Ausbildung innerhalb einer Ausbildungspartnerschaft“ 9 gesprochen. Eine wirkungsvolle Lernortkooperation bedarf einer Fülle organisatorischer und institutioneller Verankerungen seitens des Bundes und der Länder. Jedoch bleibt zu bedenken, dass in erster Linie persönliche Voraussetzungen der betrieblichen Ausbilder und Berufsschullehrer erforderlich sind, um Lernortkooperationen praktikabel machen zu können. Dazu zählen unter anderem: das Interesse an kooperativen Aktivitäten, die Bereitschaft zum ge genseitigen Informationsaustausch, Team- und Konfliktfähigkeit sowie Flexibilität. Der derzeitige Erkenntnisstand zeigt jedoch, dass noch immer theoretische Kenntnisse und deren praktische Umsetzung nicht in Einklang gebracht werden. Die Auswertung vorange gangener Modellversuche zur Thematik Lernortkooperation offenbart, dass zum einen institutionelle Rahmenbedingungen, z.B. Ziele und Strukturen sowohl von Betrieben als auch von Schulen und zum anderen persönliche Merkmale, z.B. Motive und Einstellungen des ausbildenden Fachpersonals, die Lernortkooperation fördern, jedoch auch be- bzw. verhindern können. Auf der institutionellen Ebene beklagen sich Berufsschulen etwa über die autonome Entscheidungsmacht der Betriebe bezüglich des Ausbildungsplatzangebots oder die mangelnde Relevanz des Abschlusszeugnisses als Indikator für den Erfolg der Ausbildung. 10 Im persönlichen Kontext schätzen sich betriebliche Ausbilder sowie Berufsschullehrer im Hinblick auf ihre Fachkompetenz und Gesprächsbereitschaft 11 , werfen sich jedoch zeitgleich mangelndes Interesse am Gegenüber, den fehlenden Einblick in die Praxis seitens der Berufsschulen oder die unzulängliche pädagogische Kompetenz des betrieblichen Ausbildungspersonals vor. 12 Das ursprüngliche Ziel der Zusammenarbeit, den Auszubildenden einen inhaltlich aufeinander abgestimmten Lernprozess zur Erreichung ihrer Berufsausbildung zu ermöglichen, wird dabei oftmals vernachlässigt.
8 Vgl. Euler, Dieter (1999a), S. 9.
9 Bauer, Waldemar; Howe, Falk: Lernortübergreifende Berufsbildungspläne für eine dual-kooperative Berufsausbildung. IN: Euler, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lernortkooperation. Band 1: theoretische Fundierungen. Bielefeld: Bertelsmann 2004, S. 392.
10 Vgl. Euler, Dieter: Kooperation der Lernorte in der Berufsbildung. Gutachten zum Programm von Prof. Dr. Dieter Euler. Bonn: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung. 1999b (Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung, H. 75), S. 21 f.
11 Vgl. Euler, Dieter (1999b), S. 9 f.
12 Vgl. Euler, Dieter (1999a), S. 10; weiterführende Literatur bezüglich der Interessenkonflikte: Euler, Dieter: Lernortkooperation im Spiegel der Forschung. IN: Euler, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lernortkooperation. Band 1: theoretische Fundierungen. Bielefeld: Bertelsmann 2004c, S. 25 - 40; Pätzold, Günter (1996), S. 207 - 228; zum Aspekt Erkenntnisse vorangegangener Modellversuche: Euler, Dieter (1999b).
5
„KOLIBRI schwirrt durch die Bildungslandschaft“ 13 3.
3.1. Die Struktur des Modellversuchsprogramms
Das 1970 geschlossene Verwaltungsabkommen zwischen Bund und Ländern begründet die Bund-Länder-Kommission. „Die Rahmenvereinbarung zur koordinierten Vorbereitung, Durchführung und wissenschaftlichen Begleitung von Modellversuchen im Bildungswesen vom 7. Mai 1971“ 14 und die Rahmenvereinbarung „Forschungsförderung“ von 1975 bilden die Grundlage für die von ihr initiierten Modellversuche für die Bildung an Schulen bzw. Hochschulen. Die BLK verfolgt dabei das Ziel, „Innovationen im Bereich des Lehrens und Lernens“ 15 anzustrengen und strebt die Implementierung und den Transfer der Erkenntnisse in die berufsbildende Praxis an.
Seit 1998 führt die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung Modellversuche im Rahmen von Programmträgerschaften durch. Auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und im Auftrag der BLK wurde für den Zeitraum von 01.10.1999 bis 30.09.2003 das Modellversuchsprogramm KOLIBRI aufgelegt, was je zur Hälfte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den beteiligten Bundesländer finanziert wurde. 16 Die Initiierung eines Modellversuchsprogramms stellte dabei insofern ein innovatives Projekt der BLK dar, dass einerseits „eine gemeinsame inhaltliche Problemstellung“ 17 bezeichnet und andererseits „eine neue Organisationsstruktur“ 18 ge schaffen wurde. Auf der Neuordnung der Modellversuchsförderung basierend und der Idee einer Bündelung mehrerer in thematisch verwandten Gebieten aktiven Modellvorhaben zu einem komplexen Programm folgend wurden 28 Einzelmodellversuche 19 zum Thema Lernortkooperation über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Dabei kooperierten 17 Einzelmodelle in so genannten Verbundprojekten, d.h. Initiativen unterschiedlicher Länder wurden miteinander verzahnt und komplementär zueinander durchgeführt. Fünf Modellversuchsprojekte
korrespondierten mit Wirtschaftsmodellvorhaben im außerschulischen Bereich des Bundesinstituts für Berufsbildung (so genannte „Zwillingsmodellversuche“). 20 Das
13 Krafczyk, Tobias; Walzik, Sebastian: Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung - KOLIBRI schwirrt durch die Bildungslandschaft. IN: Wirtschaft und Er ziehung, 53 (2001), S. 293.
14 Informationen über die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) 1998, S. 7 f.
15 Eckert, Manfred: Lernortkooperation als Gegenstand der Berufsbildungsforschung. IN: Euler, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lernortkooperation. Band 1: theoretische Fundierungen. Bielefeld: Bertelsmann 2004, S. 104.
16 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 2001, S. 340.
17 Krafczyk, Tobias (2001), S. 294.
18 Krafczyk, Tobias (2001), S. 294.
19 Die Angaben bezüglich der Anzahl der teilnehmenden E inzelmodellversuche variieren in der Literatur zwischen 26 und 28.
20 Vgl. Bau, Henning: Der Beitrag von Zwillingsmodellversuchen zur Optimierung der Lernortkooperation. IN: Krafczyk, Tobias; Liebel, Alexander (Hrsg.): Interessengruppen im Kontext der Lernortkooperation. Bielefeld: Bertelsmann 2002, S. 85 f.
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Eileen Schott, 2004, Das BLK-Modellversuchsprogramm "Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI)": Intentionen, Struktur und Ergebnisse, München, GRIN Verlag GmbH
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