1 Einleitung
Wie immer der Begriff der Arbeit definiert wird, Faktum ist, dass der Mensch einen großen Teil seines Lebens zur Arbeit gezwungen ist, um dadurch den Lebensunterhalt für sich selbst und in vielen Fällen auch für seine Familie zu erwerben.
Zu Zeiten der Industrialisierung wurde dieser Zwang nach Existenzsicherung teilweise durch unmenschliche Arbeitstätigkeiten, die von den Organisations- mitgliedern erwartet wurde, ausgenutzt. Hier handelte n die Führungskräfte nach tayloristischen Ansätzen einer optimalen Arbeitsgestaltung.
Erst die Hawthorne-Experimente von 1924 erschütterten das tayloristische Weltbild und stellten die Befriedigung von sozialen Bedürfnissen als einen wichtigen Faktor für die Qualität der Arbeitsleistung in den Mittelpunkt.
Diese Ausarbeitung widmet sich der einleitend beschriebenen Entwicklung der Humanisierung der Arbeit, klärt in diesem Sinne wichtige Begrifflichkeiten und zeigt typische arbeitsorganisatorische Modelle auf. Weiter stellt diese Arbeit einen wissenschaftlichen Ansatz zu der Thematik vor und erläutert kurz den Zusammenhang von Humanisierung und Organisation.
In einem Exkurs beziehe ich die organisationale Demokratie mit in meine Über- legungen ein, welche ich an einem Beispiel nä her bringen möchten und ende abschließend mit einem Fazit.
3
2 Begriffliche Abgrenzung
Im nachfolgenden Abschnitt sollen die vier wesentlichen anthropologischen Grundlagen zu dem Begriff der Humanität erläutert werden, um auf dieser Grundlage eine allgemeine Definition des Begriffs der Humanisierung der Ar- beit abzuleiten.
2.1 Naturwissenschaftliche Anthropologie
Die naturwissenschaftliche Anthropologie orientiert sich im Wesentlichen am naturwissenschaftlich-biologischen Bild des Menschen, welches auf der Basis allgemeiner Ergebnisse aus dem Bereich der Ethnologie und der Verhaltens- forschung entwickelt wurde. Demnach ist der Mensch durch die Reduktion sei- ner Instinkte geprägt, was ihm eine plastische Antriebsstruktur verleit und in Bezug auf den Aspekt der Weltoffenheit frei entscheiden kann. Der Mensch wird nach dieser Auffassung als „handelndes Wesen“ definiert, das für sein eigenes Handeln die Verantwortung übernimmt. 1
2.2 Humanistische Anthropologie
Die humanistische Anthropologie basiert auf einem philosophischen Hinter- grund, der sich aus der Auffassung vom Wesen des Menschen entwickelt hat. So fordert beispielsweise der Philosoph und Publizist Gerhard Szczesny einen „Minimalkatalog individual- und sozialethischer Normen“, auf dessen Grundlage sich der Mensch für Toleranz und Vernunft einsetzt. 2
In diesem Zusammenhang nennt Szczesny Eigenschaften wie Mündigkeit, Un- befangenheit, Individualismus und Gruppenverhalten, die die Grundlage für eine gruppenspezifische Verhaltensweise bilden. Setzt man diese vier Verhal- tensweisen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext, so lässt sich daraus ableiten, dass der Mensch sich für „die Entfaltung individueller und gruppen- spezifischer Verhaltensweisen und Überzeugungen einsetzt“. 3
1
Vgl. Kreikebaum, H.; Herbert, K.-J.: Humanisierung der Arbeit, Gabler Verlag, Wiesbaden 1988, S. 9..
2 Vgl. ebenda.
3 Ebenda.
Ein weiterer Aspekt der humanistischen Anthropologie bildet das Streben nach Selbstverwirklichung und Individualität. Dieser Punkt findet vor allem in der Mo- tivationstheorie Anwendung, mit der sich beispielsweise Maslow oder Herzberg intensiv auseinander gesetzt haben. 4
2.3 Marxistische Anthropologie
Die marxistische Anthropologie vertritt die These, dass der Mensch durch die Produktionsverhältnisse und die objektiven Arbeitsbedingungen geprägt ist. Die kämpferische Auseinandersetzung mit der bedrückenden Umwelt stellt nach Marx das Glück des Menschen dar. In Verbindung mit der Forderung nach ei- ner klassenlosen Gesellschaft bildet der Kampf gegen alle erniedrigenden Ver- hältnisse den Ausgangspunkt des marxistischen Humanitätsbegriffes, um die Entfremdung des Menschen zu überwinden. 5
2.4 Christliche Anthropologie
Die Würde des Menschen besteht nach Aussage der Bibel darin, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Dieses Verhältnis zu Gott lässt zugleich die Intensität deutlich werden, wie stark der Mensch von seinem Vorbild abhängig ist und beeinflusst wird. In der christlichen Überze ugung wird die Meinung besonders stark vertreten, dass Gott dem Menschen die notwe n- digen Maßstäbe zur Beurteilung seines eigenen Handelns gegeben hat. Diese Ansicht wird besonders deutlich, wenn man die verantwortliche Bindung des Menschen zu Gott näher betrachtet. Weltoffenheit setzt somit Gottesbezogen- heit voraus und ist nach Ansicht der christlichen Anthropologie gleichbedeu- tend , mit der Bestimmung des Menschen offen gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt zu sein. 6
4
Vgl. Kreikebaum, H.; Herbert: K.-J., a.a.O., S. 9.
5 Vgl. ebenda, S. 9 f.
6 Vgl. ebenda.
5
2.5 Ableitung einer Definition
Fasst man die gesammelten Erkenntnisse über die verschiedenen Mensche n- bilder zusammen, ergeben sich mehrere Konsequenzen, die anschließend zu einem Arbeitshumanisierungsbegriff abgeleitet werden.
Es wird deutlich, dass Arbeitshumanisierung immer von der Betrachtungsweise der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 7 abhängt, ob eine Ar- beitssituation „human“ oder „inhuman“ ist. Somit sind Arbeitshumanisierungs- maßnahmen immer durch das individuelle Vorverständnis in Verbindung mit den verschiedenen anthropologischen Merkmalen verknüpft. Des Weiteren for- dert ein Programm der Arbeitshumanisierung die Beteiligten zu Kompromissen untereinander auf, die aufgrund der verschiedenen Sichtweisen und den damit einhergehenden Teilzielen der Betroffenen notwendig sind. Zielkomponenten könnten beispielsweise die Verbesserung der physischen, psychischen und sozialen Arbeitsbedingungen sein. Somit muss der sehr allgemeine Begriff der „Menschlichkeit“ konkretisiert werden, um eine Grundlage für Arbeitshumani- sierungsmaßnahmen zu schaffen. 8 Überträgt man die genannten Konsequenzen auf die betriebliche Alltagspraxis und auf die unternehmerischen Strategien, so erscheint folgende Definition als logisch:
„Humanisierung der Arbeit umfasst alle betrieblichen Strategien und Maßna h- men, die einer konkreten Verbesserung der Arbeitssituation im Sinne bestimm- ter Humanziele dienen.“ 9
3 Humanisierung und Organisation
Im nachfolgenden Abschnitt soll der Frage nachgegangen werden, wie sich die Arbeitshumanisierung mit der Organisationsgestaltung verbinden lässt. Die neuen Formen der Arbeitsorganisation haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen direkten Zusammenhang zwischen Humanisierung und Arbeitsorganisa-
7
Aus sprachlichen Vereinfachungsgründen wird in dieser Ausarbeitung das Maskulinum ver- wendet. Weibliche Akteure sind jeweils durchgehend eingeschlossen.
8 Vgl. Kreikebaum, H.; Herbert, K.-J.: a.a.O., S. 11.
9 Ebenda.
Arbeit zitieren:
Thomas Galsterer, 2004, Humanisierung der Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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