Inhaltsverzeichnis
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I. Einleitung. 1
II. Widerstand. 2
II.1. Die verschiedenen Formen von Widerstand. 3
II.1.1. Kampf als Widerstand. 3
II.1.2. Lüge als Widerstand. 5
II.1.3. Sarkasmus als Widerstand. 6
II.1.4. Suizid als Widerstand. 7
III. Familie. 8
IV. Musik. 11
V. Solidarität. 12
VI. Instinkt. 13
VII. Helfer. 14
VII.1. Hauptmann Hosenfeld. 14
VIII. Rachsucht. 16
IX. Schlussfolgerung. 18
X. Bibliographie. 20
II
I. Einleitung
Wladyslaw Szpilman schrieb seinen Bericht sofort nach Ende des 2. Weltkrieges 1945. Seine Geschichte ist einfach unglaublich. Nüchtern beschreibt er die schrecklichsten Erlebnisse, deren er Zeuge wurde, im Warschauer Getto und in der Zeit des Versteckens, des Hungerns und der Einsamkeit. Trotz allem hat Wladyslaw Szpilman überlebt. Wie er überlebt hat, was ihm Halt gab, wie er um sein Leben gekämpft hat wird diese Arbeit versuchen heraus zu finden.
Eine Schlüsselszene findet sich auf dem Umschlagplatz, wo die Gettoinsassen auf ihre Deportation warten. Eine Diskussion zwischen Szpilmans Vater und einem Zahnarzt wird wie folgt beschrieben:
„„Das ist eine Schande für uns alle!“, schrie er beinah. „Wie Schafe lassen wir uns in den Tod führen! Wenn wir uns, eine halbe Million Menschen, auf die Deutschen stürzten, könnten wir das Getto sprengen oder wenigstens so sterben, dass wir nicht zum Schandfleck der Geschichte werden!“
Vater hörte zu. Halb schüchtern, halb gutmütig lächelnd, zuckte er leicht die Achseln und bemerkte:
„Und woher wollen Sie so genau wissen, dass sie uns alle in den Tod befördern?“ Der Zahnarzt klatschte in die Hände:
„Natürlich weiß ich das nicht! Woher auch! Die werden uns das gerade verraten, aber mit neunzigprozentiger Sicherheit kann man sagen, dass sie uns alle ausrotten wollen!“
Vater lächlte wieder, als sei er nach dieser Antwort noch selbstsicherer. „Sehen Sie“, sagte er und umfasste mit einer breiten Geste die Menge auf dem Umschlagplatz,“wir sind durchaus keine Helden! Wir sind ganz gewöhnliche Menschen, und deshalb ziehen wir das Risiko vor, auf die zehn Prozent Lebenschance zu hoffen...““ 1
Diese Szene beinhaltet alle Themen die ich in meiner Arbeit aufgreifen will. Haben die Juden sich nicht genug gewehrt und wie Schafe abführen lassen? Wo beginnt Widerstand? Waren unter ihnen wirklich keine Helden? Wie kann die Hoffnung auf Leben für einen Menschen noch immer bestehen, wenn er alles andere bereits verloren hat?
Diese Arbeit versucht vor allem diese Fragen zu beantworten und heraus zu finden ob Wladyslaw Szpilman ein Überlebender ist, der auf Hoffnung gebaut hat, oder ein Held, der um sein Leben gekämpft hat.
II. Widerstand
Einer der Vorwürfe der während, aber vor allem nach der Zeit des Nationalsozialismus laut wurde, war der, dass die Juden keinen oder zu wenig Widerstand geleistet hätten. Arno Lustiger beschäftigt sich in seinem Buch Zum Kampf auf Leben und Tod mit dieser Lücke in der Geschichte:
„Jüdische und nichtjüdische Historiker und die Öffentlichkeit beschäftigt immer von neuem die Frage, weshalb die Juden keinen Widerstand geleistet haben und nicht zum Kampf gegen die geplante Vernichtung angetreten sind und aus welchen Gründen sich trotz ihrer lebensbedrohlichen Lage nur wenige Widerstandsgruppen gebildet haben. Die Erörterung dieser Fragen ist lange Zeit in einer angespannten Atmosphäre und sehr emotional geführt worden. Dabei bestand die Gefahr, durch eine voreilige und einseitige Beurteilung der Ereignisse - meistens als Anklage oder Schuldzuweisung - den Tatsachen nicht gerecht zu werden.“ 2 Es ist demnach falsch zu behaupten, die Juden hätten sich nicht gewehrt. Auch der Vergleich mit Schafen oder anderen Tieren, die sich willenlos zur Schlachtbank führen lassen, ist nicht angebracht, weil dadurch auch die Deutschen, die unmittelbar an der Massenvernichtung der Juden beteiligt waren, teilweise von ihrer Schuld befreit werden. Wolf Biermann schreibt hierzu:
„Das Gleichnis vom blöden Kalb, vom ängstlichen und hilflosen Rindviehlein, das widerstandslos zum Schlächter trottet, hat mich schon lange geärgert. Es stützt ja jenes Vorurteil, das die kerngesunden Mörder seit eh und je gern in die Welt hineinlügen: selber Schuld! [...] Und zwanghaft ergibt sic h aus diesem Kälber-Bild die Anklage der armen Schlächter gegen die Geschlachteten: Ihr wolltet es so haben! Eure Schwäche hat uns gereizt, ja geradezu verführt! Ihr habt uns zu den Mördern gemacht, die wir nicht sind.“ 3
Ein ganz anderes Bild wird in Szpilmans Bericht geliefert, wenn man die Augen öffnet und nach Widerstand sucht. Nicht nur von dem Widerstand, der sich als Kampf äußert, sondern auch von anderen Formen von Widerstand wird berichtet. So dass man auf keinen Fall behaupten kann, die Juden hätten sich widerstandslos ergeben.
II.1. Die verschiedenen Formen von Widerstand
Widerstand kann allmögliche Formen annehmen. ‚Widerstand’ wird definiert als ‚Sichwidersetzen’ oder ‚Sichentgegenstellen’. Daher muß es nicht immer in Gewalt enden, obwohl auch diese Art von Widerstand in einem der nächsten Unterkapitel behandelt wird. Szpilman berichtet zum Beispiel von seinem Bruder Henryk, der sich weigert, der jüdischen Polizei im Getto bei zu treten, und den illegalen Handel mit Büchern vorzieht. „[D]er eigenen Auffassung treu, dass es, wenn er als Intellektueller schon keinen anderen Umgang mit Büchern haben konnte, wenigstens dieser sein sollte, darunter dürfe man nicht gehen“ (S. 58).
Darin erkenne ich eine Form von Widerstand. Arno Lustiger umfasst derartige Aktionen unter dem Begriff „ziviler Widerstand“ 4 zusammen. In folgenden Unterkapiteln werden verschiedene Formen von Widerstand anhand des Berichts von Szpilman ermittelt und erklärt.
II.1.1. Kampf als Widerstand
Mit Widerstand assozieren die meisten Leute gewaltsamen Widerstand. In Szpilmans Schilderungen wird diese Form von Widerstand sehr genau beschrieben, da er sich noch bis kurz vor dem Warschauer Gettoaufstand im Getto befindet. Wie beiläufig erwähnt er, wie er beim Schmuggeln von Waffen und Munition ins Getto beteiligt war (S. 122). Der Aufstand musste sorgfältig geplant werden und sie waren auf die Hilfe von außerhalb des Gettos angewiesen.
Er beschreibt die Anfänge des Widerstands im Warschauer Getto wie folgt: „Immer häufiger wurde erwogen, den Deutschen Widerstand zu leisten. Besonders die jüdische Jugend war entschlossen zu kämpfen, und es wurde sogar hier und da
damit begonnen, Häuser im Getto insgeheim zu befestigen, um sich im Fall der Fälle darin verteidigen zu können“ (S. 118).
Obwohl er schon unmittelbar in diesen Aufstand verwickelt war, schreibt Szpilman wie ein unbeteiligter Beobachter. Er war auch keiner der aktiven Kämpfer, die sich später gegen die Deutschen zu verteidigen versuchten. Unbeteiligt war er aber auch nicht, da er beim Schmuggeln von Waffen und Munition sich bereits in Lebensgefahr begab. Dieses Beteiligtsein und auch als sich erste Erfolge sehen ließen, wie die Ermordung von zwei Gettospitzeln, erkennt man bei Szpilman etwas, das er seit der Deportation seiner Familie nicht mehr gefühlt hat: „Allmählich fasste ich wieder Mut, und mein Wille, zu überleben wuchs“ (S. 119). Hier sieht man, dass nicht das Ergebnis der Kämpfe entscheidend war, sondern allein die Planung und die Gewissheit, etwas gegen die Deutschen zu unternehmen, stärkten viele Juden in ihrer Hoffnung auf das Überleben, so wie Wladyslaw Szpilman.
Da die Menschen im Getto nur über wenige Waffen verfügten, mussten sie sich mit allen nur erdenklichen Mitteln wehren.
„Die Menschen wehrten sich so gut sie konnten, vor dem Abtransport in den Tod. Sie versteckten sich in vorher ausgetüftelten Verstecken, die Frauen gossen Wasser auf die Treppenstufen, das gefror und den Deutschen das Eindringen in die höher gelegenen Wohnungen erschwerte. Einige Häuser hatte man schlichtweg verbarrikadiert, und die Bewohner ließen sich mit der SS auf einen Schusswechsel ein, entschlossen, mit der Waffe in der Hand, im Kampf, zu sterben, anstatt in der Gaskammer zu verrecken“ (S. 125-126).
Arno Lustiger schreibt von einem der Widerstandskämpfer: „Ein Widerstandskämpfer schrieb in sein Tagebuch: „Wir kämpfen und sterben für die Ehre des jüdischen Volkes, für ein paar Zeilen in den Geschichtsbüchern.““ 5
Ihnen werden sogar mehr als nur ein paar Zeilen gewidmet. Dennoch hatte der Kampf keinen sichtlichen Erfolg. Auch Szpilman glaubte nicht an einen Erfolg dieser Kämpfer. Die Gewissheit, dass es einen Widerstand geben wird, hat ihn zwar ermutigt, wieder Hoffnung zu schöpfen, aber er flüchtet aus dem Getto bevor die Kämpfe beginnen. Als er in seinem Versteck von den neuesten Nachrichten der Allierten hört, erkennt er, dass er nie an einen Erfolg des Widerstandes geglaubt hat:
Arbeit zitieren:
Stéphanie Pissinger, 2003, Wladislaw Szpilman: Der Pianist. Kämpfender Überlebender und überlebender Kämpfer, München, GRIN Verlag GmbH
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