Gliederung
I. Die Erscheinungen des Auferstandenen
II. Das Evangelium des Paulus
1. Der erste Thessalonicherbrief
2. Der Galaterbrief
3. Der erste Korintherbrief
III. Das Evangelium, eine intellektuelle Konstruktion aus zeitlicher und örtlicher Dis-
tanz zum Tod Jesu
Literatur
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I. Die Erscheinungen des Auferstandenen
Die Zeitspanne, die zwischen Jesu Leben und Wirken und den schriftlichen Belegen davon besteht, findet in der neutestamentlichen Wissenschaft ihren Widerhall in der Frage nach der Kontinuität und Diskontinuität von mündlicher Tradition und ihrer literarischen Formge-
bung 1 . Die Glaubensformeln um Jesus Christus hingegen gelten, soweit ich sehe, einhellig als theologische Ausdrucksformen der Urgemeinde 2 , obwohl wir solche, wie z.B. „am stärksten ausgebildet“ (Vielhauer) in 1Kor 15,3ff., schriftlich verdichtet erst bei Paulus, also gut zwanzig Jahre nach Jesu Tod, nachweisen können; somit wird Paulus selbst zum Tradenten solcher Wendungen um Jesus Christus gemacht.
Auf der anderen Seite scheint die gegenwärtige theologische Forschung die Auferstehung Jesu Christi kaum noch für ein historisches Ereignis zu halten. Dieser sich zunehmend durchsetzenden Erkenntnis mangelt es aber zumeist an eindeutigen Begriffen; vielmehr wählt man für dieses biblische Geschehen Umschreibungen, die die Vermutung nahe legen, dass man weitgehend davon ausgeht, dass besagte Formulierungen von der Urgemeinde entgegen der
Tatsache der Auferstehung Jesu Christi geprägt worden sind 3 . Einerseits also umschriebt man die Auferweckung Jesu von den Toten als „Glaubenszeugnis der Urgemeinde“, als „nachösterliche Prägung“ u.ä.; an den Erscheinungen des Auferstande-
nen vor seinen Anhängern indes hält man gewöhnlich als einer historischen Tatsache fest 4 . „Die Erscheinungen des Auferweckten ... waren immer geschichtliche Ereignisse und sind als solche bezeugt und erzählt worden. Über sie können wir daher historische Aussagen ma-
chen.“ 5 Es mag sein, dass dies mit der Art der Berichtsform darüber zusammenhängt. Denn
1 Es ist dabei interessant zu sehen, dass zwei ganz unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze weitgehend der Tatsache Rechnung tragen, dass der literarischen Gestaltung größerer Wert zuerkannt werden muss als der mündlichen Überlieferung. So räumt Schmithals (1997) auf der einen Seite der schriftstellerischen Prägung des Überlieferungsgutes recht großen Eigenwert ein; auf der anderen Seite stellt sich der katholische Theologe Schulz (1993) gegen die Ergebnisse der Formgeschichte und greift die Papias-Notiz (Euseb. KG III 39,14f.) auf, nach der Markus der „Dolmetscher des Petrus“ gewesen sei.
2 Vgl. Vielhauer 1975,14ff.; zur Genese und Bestimmung des Begriffs „Pistisformel“ und zur Unterscheidung von Pistisformeln und Homologien als „mündliche apostolische Wortgattungen“ ibd., 13f.
3 „Unmittelbar nach Ostern prägten die Anhänger Jesu Glaubensformeln und Bekenntnisse“ (Dormeyer 1993,125); „...die Auferweckungsformel ... geht zweifellos auf die palästinensische Urgemeinde zurück; der christliche Glaube entstand ja aus der Ostererfahrung der Jünger und bestand zunächst in der Überzeugung, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Von hier erst ergab sich auch die Notwendigkeit, den Tod Jesu positiv zu deuten“ (Vielhauer 1975,20f.). In gewisser Hinsicht kann man sagen, dass gerade die von Dibelius und Bultmann erarbeitete formgeschichtliche Methode Ausdruck dafür ist, dass eine über Jahrhunderte währende Gewissheit aufgegeben worden ist.
4 Bultmann 1977,48; Lohse 1996,59f.; Sellin 1986, 38A3 dient die „Erscheinung des Auferstandenen vor Petrus“ als Argument innerhalb einer wissenschaftlichen Beweisführung.
5 So Schenke 1990,17; auf S. 20 unternimmt Schenke vorsichtige Versuche, Aussagen über den Ort der Erscheinungen zu machen. Nach Dormeyer 1993,187 zählen die Christophanien zu den „mündlichen apostolischen Erzählgattungen“, offensichtlich deshalb, weil man sich die Erscheinungen des Herrn vor seinen Anhängern unmittelbar nach seinem Tod denken soll (vgl. Ac 1,3ff.) und der Bericht darüber irgendwie zu Paulus gekom-
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von der Auferweckung Jesu von den Toten wird im Neuen Testament nirgends in erzählender Form berichtet, also etwa so, wie es die Evangelien vom Abendmahl oder von Jesu Passion tun; die Zeugnisse und damit „Beweise“ von der Auferweckung Jesu nämlich konzentrieren sich alle auf das leere Grab - setzen das entscheidende Ereignis also bereits voraus (Mk 16,1ff.; Mt 28,1ff.; Lk 24,1ff.; Joh 20,1ff.) - oder auf die Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen Anhängern. Obwohl die Berichte darüber im Neuen Testament nicht einheitlich
und inhaltlich nicht unproblematisch sind 6 , gelten diese zum größten Teil dennoch, wie gesagt, als historische Tatsachen 7 . Dies aber ist methodologisch gesehen problematisch; denn „die Berichte der Evangelien über die ersten Erscheinungen des Auferstandenen sollen zuerst
die Tatsächlichkeit der Auferstehung Jesu mitteilen und durch Zeugenaussagen sichern“ 8 . So wäre es eigentlich konsequent, entweder beide Ereignisse zu leugnen oder beide als historisch
anzuerkennen 9 .
Aber auch die z.T. unterschiedlichen und phantastischen Erscheinungsberichte geben der Forschung so manches Problem auf. So sieht Dormeyer (1993,187) „die historischen Begegnungserfahrungen mit dem Auferstandenen“ als Grundlage für die späteren Erscheinungsvisionen; ähnlich äußert sich Bultmann (1977,48): Mk 16 habe 1Kor 15,5ff. gedanklich insofern weiterentwickelt, als Jesu Auferstehung dort „als eine zeitweilige Rückkehr in das Leben auf
Erden gedeutet“ worden ist 10 .
men sein muss (vgl. 1 Kor 15,5ff.).
6 So bleibt es z.B. geheimnisvoll, dass Christus nach Jahren missionarischen Tuns seiner Apostel einem weiteren Menschen erscheint.
7 Vielleicht deshalb, weil man in ihnen eine Begründung für die urchristliche Mission zu sehen glaubt?
8 Kraft 1981,207; Lohse 1996,44: „Kephas und die Zwölf sind die ersten Zeugen des Auferstandenen, die für die Wahrheit der von ihnen ausgerichteten Botschaft einstehen.“ Anders der katholische Theologe Schulz (1993) (vgl. A 1), der auf dem Boden der Glaubenswahrheit, dass Jesus von den Toten auferweckt worden ist, die Erscheinungszeugnisse behandelt (136ff.). Konsequenterweise kritisiert er die Ergebnisse der Formgeschichte (so ist 1Kor 15,3ff. eben nicht einfach als nachösterliche Bildung zu werten, sondern als unmittelbares Zeugnis eines historischen Geschehens) - m.E. zum Teil mit Recht (110ff.), wenngleich er zu Ergebnissen kommt, die mit denen der vorliegenden Arbeit nicht in Einklang zu bringen sind (vgl. A 72). Schulz ist sich dessen bewusst, dass die Ergebnisse der Formgeschichte die apostolische Tradition des Stuhles Petri gefährden.
9 Selbst wenn man 1Kor 15,5 als Beleg dafür heranziehen will, dass Christus Kephas als Erstem erschienen ist, leuchtet mit nicht ein, warum man die Historizität dieser Aussage dadurch bestätigt sieht, dass man sie an anderen Stellen des NT wiederfindet (so z.B. Schmithals 1994,23 mit Bezug auf Lk 24,34; Joh 20,1ff.; Mk 16,7). Grundsätzlich macht die Wiederholung einer Angabe über eine Begebenheit, die möglicherweise fiktiv ist, diese doch nicht glaubwürdiger.
10 Gleichwohl sieht Bultmann auf S. 47 Mk 16,7 durch 1 Kor 15,5 bestätigt - dann aber kann Mk 16,7 kaum noch als eine gedankliche Weiterentwicklung der paulinischen Angabe bezeichnet werden. Man bedenke: Paulus’ Bekehrung wird auf etwa 32/3 datiert; von der Erscheinung des Herrn vor ihm berichtet er uns etwa zwanzig Jahre danach. Paulus bietet damit den ersten Textbeleg für die Erscheinungen Christi vor seinen Anhängern. Die Evangelienberichte darüber liegen vierzig Jahre und mehr hinter den „historischen Begegnungserfahrungen“. Es mutet dann eigentümlich an, wenn man auf der einen Seite in den Evangelien eine gedankliche Weiterentwicklung der paulinischen Angaben sieht, auf der anderen Seite die Evangelien als Zeugnis für die Historizität der Erscheinungen nehmen will, die ja damit gleichsam einen Tatbestand hervorheben, der noch vor Paulus’ eigener Erfahrung diesbezüglich liegt.
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Das größte Vertrauen in der Forschung hinsichtlich der Erscheinung des Auferstandenen ge-nießen die Aussagen, die darüber bei Paulus 11 zu finden sind; offensichtlich deshalb, weil er sich in seinen Angaben darüber eines erzählerischen Beiwerks enthält. Dennoch hört das Vertrauen in ihn an einer entscheidenden Stelle seines Visionsberichtes auf, und damit kommen wir zu unserem eigentlichen Anliegen. Denn Gal 1,12 sagt Paulus ausdrücklich, dass er das
„Evangelium“ vom Herrn durch eine Offenbarung empfangen habe 12 ; der Empfang des „Evangeliums“ war offensichtlich Sinn und Zweck der Erscheinung. Da nun ein Kernstück des paulinischen Evangeliums die Auferweckung Jesu von den Toten ist (s.u.), wäre die Antwort auf die Frage, wo der Ursprung der Glaubensbotschaft zu suchen sei, eigentlich beantwortetman müsste Paulus dann nur genügend Vertrauen schenken, nicht nur hinsichtlich seines Erscheinungsberichtes, sondern auch hinsichtlich der Botschaft des Erschienenen; aber hier
scheint sich die Forschung mehr der Skepsis der Galater (Gal 1,20) anzuschließen 13 . Entgegen dem paulinischen Zeugnis versucht die neutestamentliche Wissenschaft, über die formgeschichtliche Methode die Pistisformeln auf die vorpaulinische Urgemeinde zurückzuführen. Geht der entscheidende Gehalt des Glaubensbekenntnisses wirklich auf die Urgemeinde zurück, so müssen dafür einige Grundpositionen abgesteckt sein, die hier nur skizziert, unten näher behandelt werden sollen. Erstens: Es ist gegen Bultmann sehr wohl von
Bedeutung, „wie der Osterglaube bei den einzelnen Jüngern entstand“ 14 , denn: wenn die Forschung herausgearbeitet hat, dass die Auferweckungsformel eine theologische Aussage ist, die nach Jesu Tod gemacht worden ist, ohne dass Jesus wirklich von den Toten auferstanden ist, dann heißt dies andersherum formuliert: „die Jünger“ haben eine Auferweckung Jesu von den Toten formuliert, obwohl er nicht von den Toten auferstanden ist. Zweitens: Dass „die Jünger“ um Petrus die Osterbotschaft formuliert haben, setzt voraus, dass dies gleichsam in einem kollektiven Findungsprozess darüber geschehen ist - oder aber die Erscheinung des Herrn vor Petrus, den Zwölf und den Fünfhundert auf einmal (1Kor 15,5f.) hat diese Glaubensbotschaft beim Kollektiv „Jünger“ verursacht; unter dieser Voraussetzung aber bräuchte man die Osterbotschaft methodisch nicht mehr über die Formgeschichte in der Urgemeinde zu ermitteln, weil, wie oben bereits gesagt, dann die Osterbotschaft aufgrund der Erscheinung
11 Vgl. z.B. Lohse 1996,58ff.
12 So deute ich auch 1 Kor 15,3; dazu s.u.
13 „Obwohl Paulus mit aller Entschiedenheit betont, nicht unter Mitwirkung von Menschen, sondern unmittelbar von Gott selbst beauftragt zu sein, beschreibt er doch den Inhalt der Botschaft, die ihm offenbart worden sei, mit Begriffen, die bereits vor ihm in der frühesten Christenheit geprägt worden waren: ... .“ So Lohse 1996,76 (dagegen der jüdische Forscher Macooby 1991,247ff. der Paulus’ Worte „ich habe vom Herrn empfange“ wörtlich nimmt). Es ist wohl Lukas, der diesbezüglich dem Apostel als erster misstraut hat. Denn sein Bericht über Paulus will nahe legen, dass der Apostel in Damaskus in die christliche Lehre eingewiesen worden ist (Ac 9).
14 Bultmann 1977,47
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des Herrn vor seinen Anhängern nicht nur auf Christus selbst zurückgeht, sondern auch die faktische Grundlage dafür: seine Auferstehung. Drittens: Da mit dem nachösterlichen Kerygma eine Menge theologischer Vorstellungen verknüpft ist, muss man dem jesuanischen Jüngerkreis, der ohnehin historisch schwer zu greifen ist, einiges theologisches Geschick zusprechen, da der Inhalt des Kerygmas den frühjüdischen (wie auch den griechischen) theologischen Vorstellungsrahmen sprengt. Dabei ist es unerheblich, ob man besagte Prägungen dem aramäisch sprechenden palästinensischen oder dem hellenistischen Judentum zusprechen
will 15 . Soweit man der Glaubensbotschaft bis hin zu Paulus eine Entwicklung unterstellt, benötigt man offensichtlich in der Forschung sowieso z.T. beide jüdischen Kreise, weil sich in den Pistisformeln einerseits keine Semitismen befinden, der Schriftbeleg für Teile der Pistis-
formel in 1Kor 15,3f. dagegen auf das palästinensische Judentum hinzudeuten scheint 16 . Viertens: Mit der Formulierung der Glaubensbotschaft muss gleichzeitig die Konstituierung einer früh„christlichen“ Gemeinde und bald darauf die Mission über Israel hinaus verbunden gedacht sein. Denn nur wenn die Pistisformel den früh„christlichen“ Gottesdienst in und außer-
halb Israels bestimmt hat, ist ihre feste Überlieferung garantiert 17 . Der möglichen theologischen Unzulänglichkeit des Petruskreises hinsichtlich besagter Glau-bensformeln setzt man bisweilen die Auffassung entgegen, nach der zwischen der Lehre Jesu und der seiner Anhänger insofern eine Kontinuität in der theologischen Lehre bestehe, als Jesus selbst dafür die Grundlagen gelegt habe, so auch für die Deutung seines Todes. Die Brücke, die von dem in Israel lehrenden Jesus über seinen Tod hinaus bis in die nachösterliche Verkündigung führt, soll demnach die Erfahrung der Jünger mit dem irdischen Jesus sein,
die zur Verkündigung von Kreuz und Auferstehung geführt habe 18 . Nach Roloff (1979,181ff.) hat Jesus im Wesentlichen selbst den Weg zur Deutung seines Kreuzestodes gewiesen. „So ist in Jesu Verhalten und in der Weise seines Sterbens zumindest die Richtung der nachösterlichen Deutungen des Kreuzes schon vorgezeichnet“ (185). Es mag zugestanden sein, dass sich
Jesus dessen bewusst war, dass sein Auftreten mit dem Tod enden werde (183f.) 19 , auch, dass
15 Unabhängig davon, wie man das so gen. Pfingstwunder (Ac 2) interpretieren will, zeigt es m.E. doch auch, dass sich zumindest Lukas der Tatsache bewusst war, dass die Glaubensbotschaft ans Aramäische gebunden war.
16 Vgl. Vielhauer 1975,21; Dormeyer 1993,125ff.; Wengst 1972,74f. weist m.E. mit Recht darauf hin, dass sich Semitismen in den Schriften des NT auch aus dem Gebrauch der LXX erklären lassen.
17 Dazu Vielhauer 1975,21f.
18 Wenigstens angemerkt sei Folgendes. Obige Auffassung setzt voraus, dass Jesus über eine solide theologische Bildung verfügt hat, die ihn jüdische Positionen wesentlich weiterdenken ließ. Dass Jesus über eine solide Bildung verfügt haben kann, belegt man gern mit den Hinweisen, dass es in Israel seiner Zeit so etwas wie Elementarschulen gegeben hat und dass auch an Israel die hellenistische Kultur nicht vorübergegangen ist. Schon Lukas hat sich mit dem Problem der Bildung Jesu auseinandergesetzt, fand aber eine einfachere Lösung (Lk 2,41ff.).
19 Dass Jesu Hinrichtung in irgendeiner Form mit seinem öffentlichen Auftreten zu tun gehabt hat, ist klar; unklar dagegen der jüdische Anteil daran. Wieweit sein Handeln gegen den jüdischen Tempel den Ausschlag für
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er seinen Weg „vom Schicksal der Propheten und Gerechten“ her gesehen hat, schwerlich aber, dass seine Mission gleichsam in einem Selbstopfer mündete und dass Jesus als Gottes Sohn den Rahmen für seinen Tod beinahe selbst abgesteckt habe (185f.). So starb Jesus mit dem Gebetsruf „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Mk15,34) auf den Lippen. „Das Modell, das Jesus damit übernahm, war das von Ps 22 wie von anderen Leidenspsalmen (Ps 69) entworfene Bild des leidenden Gerechten ...“ Vielleicht drückt es Roloffs Unbehagen gegenüber seiner eigenen These darüber aus, wenn er aus Ps 22 als letzte Worte Jesu nur den Gebetsruf wörtlich zitiert. Und so ist es in der Tat nicht völlig von der Hand zu weisen, dass Jesus diese Worte beim Sterben ausgerufen hat; wie aber soll Jesus es veranlasst haben, dass man seine Kleider teilt und das Los darüber wirft (Ps 21,19 (LXX); Mk 15,24) oder dass die Vorübergehenden mit dem Kopf schütteln und ihn verspotten (Ps 21,8 (LXX); Mk 15,29) und vieles andere hinlänglich Bekannte mehr. Wer hier wofür das Modell übernommen hat, ist doch augenscheinlich.
Die Anlehnung des Kreuzigungsberichtes vor allem an - soweit es das Alte Testament betrifft - die Psalmen 21 (LXX) und 68 (LXX) und an Jesaja 52f. (LXX) beweist doch gerade den Mangel an historischen Quellen für den Evangelisten zur Darstellung und Deutung von Jesu
Tod 20 . Und Markus ist nicht der erste, der die Schriften des Alten Testaments als Deutebücher für das jesuanische Geschehen herangezogen hat; vor ihm hat dafür Paulus den Grund gelegt. Die vorliegende Untersuchung nun macht die nüchterne Tatsache zur Voraussetzung, dass ein Mensch nicht von den Toten auferstehen kann. Die christologischen Formeln jedoch müssen, wenn man diese Tatsache voraussetzt, von irgendjemandem gebildet worden sein. Hier soll also versucht werden, den Nachweis dafür zu erbringen, dass Paulus der Urheber der christologischen Formeln ist. Zuvor aber wird noch kurz darauf einzugehen sein, dass Paulus, solange wir ihn historisch fassen können, unter „Evangelium“ immer besagte Wendungen um Jesus Christus von Tod und Auferstehung versteht, dann, dass er die Erscheinung des Herrn vor sich erdacht hat, um u.a. sein Apostelamt zu legitimieren.
seinen Tod gegeben hat, ist umstritten. Zum Prozess Jesu vgl. den von Kertelge (1988) herausgegebenen Sam-melband.
20 Noch deutlicher belegen dies, nebenbei bemerkt, Lukas und Matthäus, die sich für ihr gesamtes Evangelium weit mehr auf schriftliche Vorlagen denn auf die mündliche Tradition verlassen haben, obwohl z.B. Lukas (Lk 1,3) mehr sein eigenes Forschen hervorhebt als seine nachweisliche Hauptquelle, nämlich Markus.
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Arbeit zitieren:
Dr. Rainer Foß, 2004, Die Athene des Paulus - Eine Untersuchung zum Ursprung des paulinischen "Evangeliums", München, GRIN Verlag GmbH
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