Gegen überstellung der Spracherwerbstheorien von
Chomsky und Bruner
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
I. Einleitung. 3
II. Noam Avram Chomsky 5
II.1 Ein biographischer Abriß 5
II.2 Die Sprachentwicklungstheorie Chomskys. 6
II.2.1 Eigenschaften von Sprache bei Chomsky. 6
II.2.2 Das „LAD“ 9
III. Jerome Seymour Bruner 15
III.1 Kurzer biographischer Abriß 15
III.2 Die Spracherwerbstheorie Bruners 16
III.2.1 Die „kognitive Grundausstattung“ nach Bruner. 16
III.2.2 Der Aspekt der Pragmatik bei Bruner. 20
IV. Gegenüberstellung Chomsky - Bruner 24
V. Resumée. 28
VI. Verwendete Literatur 30
I. Einleitung
Die Sprache stellt ein abstraktes Zeichensystem dar, das Dingen und Gegenständen eine Bedeutung gibt und somit die menschliche Kommunikation ermöglicht.
Sprache ist in der Erziehungswissenschaft ein wichtiges Werkzeug. Im Gegensatz zur Naturwissenschaft oder Wirtschaft basiert die Erziehungswissenschaft auf dem Zwischenmenschlichen. Ein Austausch im zwischenmenschlichen Bereich findet häufig durch Sprache statt. Grundbedingungen für das Sprechen sind die Fähigkeiten, Sprachlaute zu erzeugen, die Sprache grammatisch zu gliedern und das Sprachverständnis. Doch wieso erlernen wir Sprache? Was macht uns dies möglich? Das Kind erlernt die Sprache der Kultur, in die es hineingeboren wurde, mit scheinbarer Leichtigkeit. Doch fällt es um so schwerer herauszufinden, welcher „Mechanismus“ dafür verantwortlich ist.
„Um (Sprache) zu lernen, genügt es nicht, einfach das Material zur Verfügung zu haben... Wir müssen entdecken, was notwendig ist, um das System zum Funktionieren zu bringen.“ 1
Diese Aufgabe, die Noam Chomsky definierte, versuchte schon die Linguistik und die Entwicklungspsychologie zu lösen. Eine Lösung scheint es nicht zu geben, sondern viele Theorien.
Drei bekannte Ansätze sind der behavioristische, der nativistische und der kognitive. Auf sie wird im Laufe meiner Arbeit noch näher eingegangen, doch speziell werde ich auf die Theorien von Noam Chomsky, einem Anhänger des Nativismus, und Jerome Bruner, einem Anhänger des kognitiven Ansatzes, eingehen.
Ich möchte im zweiten und dritten Teil meiner Arbeit versuchen, diese beiden Theorien darzustellen.
Im vierten Teil stelle ich die beiden Theorien gegenüber, um die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider herauszuarbeiten.
In einem Resumée möchte ich Überlegungen über die Zweckmäßigkeit der beiden Theorien anstellen.
1 N. Chomsky in J. Bruner, 1987, S. 13
II. Noam Avram Chomsky
II.1 Ein biographischer Abriß
Noam Chomsky wurde am 7. Dezember 1928 in einem antisemitischen Arbeiterviertel in Philadelphia geboren. Durch seinen Vater, William Chomsky, Hebräisch-Lehrer am Gratz-Collage in Philadelphia, der sich „mit mittelalterlichen Grammatiktexten und der Geschichte der Sprache beschäftigte“ 2 kam er zum ersten Mal in Berührung mit Linguistik. Er besuchte ein Kibbuz, gab aber bald den ursprünglichen Plan, für längere Zeit nach Israel zu gehen wegen der damaligen israelischen Politik wieder auf. Schon früh beschäftigte er sich mit dem Bürgerkrieg und der anarchistischen Revolution in Spanien.
Er studierte an der University of Pennsylvania, wo er stark durch das „halb anarchische Denken“ Z. S. Harris 3 angezogen wurde. 1949 heiratete er.
1955 legte er seine Dissertation „Syntatic Structures“ vor, in der u.a. die traditionelle Linguistik kritisiert. Im gleichen Jahr begann er seine wissenschaftliche Laufbahn am MIT (Massachusetts Institute of Technology), zuerst als Assistenzprofessor und seit 1961 als ordentlicher Professor für Linguistik und Philosophie.
In den 60er Jahren wurde seine linguistische Arbeit anerkannt und seitdem gilt er als einer der wichtigsten Theoretiker auf diesem Gebiet. Darüber hinaus wurde er zu einem der bedeutendsten Kritiker der US-Außenpolitik, der weltpolitischen Entwicklungen und der Macht der Medien. Immer wieder beschrieben und kritisiert werden von ihm die Verhältnisse von ökonomischer Ausbeutung und wirtschaftlicher, sozialer und politischer Macht und die Funktion der Medien unter diesem Aspekt. Für seine sprachwissenschaftlichen Forschungen erhielt Chomsky mehrere akademische Ehrungen; seine politischen Analysen werden jedoch von denen, die ihn sonst wegen seiner linguistischen Erkenntnisse loben, weitgehend „totgeschwiegen“.
2 H. Weydt, 1976, S. 107
3 Internet: http:// www.uni-essen.de/sesam/klassiker/aufsätze/chomsky/chomsky3_3.html
II.2 Die Sprachentwicklungstheorie Chomskys
Chomsky ist einer der wichtigsten Vertreter der „nativistischen Position“. Eine nativistische Postion beziehen Wissenschaftler, die der Meinung sind, daß die Sprache sich aus einem angeborenen Wissen um ihre Grundstruktur entwickelt. Chomsky nennt dieses angeborene Wissen LAD (Language Acquisition Device).
Die „nativistische Position“, die hauptsächlich den syntaktischen Aspekt der Sprache betrachtet, ist das Gegenteil der „behavioristischen Lerntheorie“, welche sich vordergründig mit der Semantik beschäftigt und davon ausgeht, daß Sprache von Grund auf neu gelernt wird. Nach Chomsky reichen die klassischen Variablen der behavioristischen Theorien, Stimulus, Reponse und Verstärkung, nicht zur Erklärung des Sprechenlernens aus. „Es gelingt schlichtweg nicht, sie [Stimulus, Reponse und Verstärkung] in menschlichen Sprechsituationen zu identifizieren. So kann man den Stimulus, der zu einer bestimmten Äußerung (Reponse) führt, nicht eindeutig identifizieren. Und warum auf eine bestimmte Äußerung eine andere, und darauf wieder eine nächste folgt, ist nicht mit dem Prinzip der Verstärkung zu erklären.“ 4
II.2.1 Eigenschaften von Sprache bei Chomsky
Chomsky geht von linguistischen Universalien in der Sprache aus. Diese seien eine „Anlage der Sprache“ 5 . Aus ihrer Existenz leitet Chomsky ab, daß alle Sprachen nach demselben Muster angelegt sind, aber nicht Punkt für Punkt übereinstimmen.
Aus dieser prinzipiell gleichen Anlage erfolgt für Chomsky, daß die Notwendigkeit besteht eine Universelle Grammatik zu erstellen. „Wir wollen die „Universelle Grammatik“ (UG) als das System von Prinzipien, Bedingungen und Regeln definieren, die Elemente bzw. Eigenschaften aller menschlichen Sprachen sind, und zwar nicht nur zufälligerweise, sondern eben aus Notwendigkeit - wobei ich natürlich an eine biologische, nicht an eine logische Notwendigkeit denke.“ 6
4 N. Chomsky, 1965, S. 73f
5 Sarter, 1980, S.77
6 N. Chomsky, 1977, S. 41
Die Grammatik einer einzelnen Sprache soll durch eine Universelle Grammatik (, im folgenden UG genannt,) ergänzt werden. Die UG soll außerdem spezifizieren, was erlernt werden muß, damit der Spracherwerb erfolgreich ist. Das Erlernte, die generative Grammatik muß dann die Struktur der UG besitzen.
„Jede menschliche Sprache stimmt mit UG überein.“ 7 Er gliedert die Universelle Grammatik in drei Aspekte:
- die universelle Semantik,
- die universelle Phonetik
- und die universelle Syntax.
Er äußert sich nur kurz zu den Anforderungen an eine universelle Semantik, indem er sagt, daß es der Aufstellung eines Systems aller möglichen Begriffe und ihrer Beziehungen zu- und untereinander bedarf. Zur universellen Phonetik äußert er sich wie folgt: „Die Theorie der universellen Phonetik versucht, ein universelles phonetisches Alphabet und ein System phonetischer Gesetze aufzustellen. Das Alphabet definiert die Menge möglicher Signale, aus der die Signale einer Einzelsprache genommen sind. Wenn die Theorie richtig ist, kann jedes Signal einer Sprache als Folge von Symbolen des phonetischen Alphabets repräsentiert werden.“ 8
Auf die universelle Syntax geht Chomsky am tiefsten ein.
Als erste Eigenschaft der Grammatik einer Sprache nennt er, daß jede Sprache eine Oberflächenstruktur und eine Tiefenstruktur besitzt, worauf ich später näher eingehen werde.
Jede Sprache sei außerdem hierarchisch aufgebaut. Er vergleicht dies mit den Ordnungsschemata menschlichen Verhaltens, da diesen auch ein übergreifender Plan oder eine hierarchische Ordnung zugrunde liegen würde. Um diese These zu stützen bezieht er sich auf die Forschungen des Neurologen Karl Lashley und dessen Buch „Cerebral mechanisms in behavior“ von 1951. 9
7 N. Chomsky, 1977, S. 41
8 N. Chomsky in Sarter, 1980, S. 78
9 G. Szagun, 2000, S. 9f
Genauso sei es bei Sätzen: Auch sie besitzen abstrakte, allgemein anwendbare Muster. Dies sei ein weiterer Aspekt der Beschaffenheit der Sprache.
Wörter in Sätzen lassen sich zu Einheiten zusammenfassen und diese sind dann hierarchisch geordnet.
Nimmt man zum Beispiel den Satz Der Junge traf den Ball 10 , so wird der Junge und den Ball als Einheit empfunden, aber traf den nicht. Eine größere Art von Einheit wäre traf den Ball.
Diese Satzsegmente, die als Einheiten behandelt werden können, nennt man auch „Konstituenten“. Verdeutlicht werden diese Konstituenten in dem folgenden Schema, indem man Zusammengehöriges durch ein anderes Wort ersetzt 11 :
Nach Chomsky folgt also die Sprache allgemein anwendbaren, hierarchischen Strukturen.
Der Satz wird durch Formationsregeln abgeleitet, bis er „generiert“ ist. Bleiben wir beim obigen Beispiel: Der Junge traf den Ball. Diesen Satz (S) kann man in Nominalphrase (NP) der Junge und Verbalphrase (VP) traf den Ball zerteilen. Die Nominalphrase kann zu Artikel (Art) der und Nomen (N) Junge und die Verbalphrase zu Verb (V) traf und einer weiteren Nominalphrase den Ball abgeleitet werden. Nun wird noch die zweite Nominalphrase in den Artikel den und in das Nomen Ball zerteilt, dann ist der Satz generiert. Zusammenfassend ergibt dies sechs Regeln: (è bedeutet: Kann ersetzt werden durch) 12
1. S è NP + VP
2. NP è Art + N
3. VP è V + NP
10 G. Szagun, 2000, S. 10
11 G. Szagun, 2000, S. 10
12 G. Szagun, 2000, S. 11
Arbeit zitieren:
Meike Schröder, 2001, Gegenüberstellung der Spracherwerbstheorien von Chomsky und Bruner, München, GRIN Verlag GmbH
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